Graphen als Wundermaterial der Zukunft – der Weg ist noch weit

Man muss kein Hellseher sein, um Zukunftsthemen ausfindig zu machen, bevor sie von der Masse vereinnahmt werden.

Während im Bereich Digitalisierung von Industrie und Gesellschaft mit Playern wie Amazon, Google, Intel oder Infineon die Claims langsam abgesteckt sind, ist bei Graphen noch alles offen.

Vor der Masse in Graphen investieren

Eigentlich sollte man früh in Graphen investieren, denn das Material wird die Zukunft revolutionieren und so unentbehrlich werden wie Stahl oder Plastik. Diese Einschätzung teilt auch die EU-Kommission, die zur Forschungsförderung 1 Mrd. € bereitstellt.

Graphen ist das dünnste bekannte Material. Es besteht aus nur einer Atomlage und entspricht einem Hunderttausendstel der Stärke eines menschlichen Haares. Gleichzeitig ist es leitfähiger als Kupfer, härter als Diamant und dennoch extrem flexibel sowie leichter als Baumwolle.

Erstmals hergestellt wurde es 2004 von den Wissenschaftlern Andre Geim und Konstantin Novoselov, die 2010 den Physik-Nobelpreis erhielten.

Das Faszinierende für jeden, der in Graphen investieren will, ist das wachsende Spektrum an Anwendungsbereichen, gerade in der Nanotechnologie.

Erst vor wenigen Wochen wurde ein Graphen-Membran entwickelt, mit dem sich völlig einfach Salz aus Meerwasser filtern lässt. Trinkwasser ohne energiefressende Entsalzungsanlagen.

Graphen ist eine besondere Art des Kohlenstoffs und eng mit Graphit verwandt, das jeder in Form der Bleistiftmine kennt. Sein Potenzial ist enorm.

Revolutionäres Potenzial

Die Leitfähigkeit von Wärme und Strom wird Transistoren, Mikroprozessoren, Chips, Leuchtdioden oder Batterien erheblich verbessern. Da Graphen optisch transparent ist, lässt es sich als unsichtbare Elektrode in Solarzellen oder Touchscreens einsetzen.

Aufgrund der hohen Isolation bietet sich zudem eine Nutzung etwa in Verpackungen, Tanks, Autoreifen oder Dämmmaterialien. Auch als extrem leichtes Baumaterial sowie Komponenten für Motoren oder Karosserien eignet es sich. Und in der Medizin wird Graphen neue Analysemethoden erlauben, Wirkstoffe verbessern und Nebenwirkungen reduzieren.

Von superleichten Autos oder Flugzeugen bis zu transparenten Rechnern – die Aussichten schreien geradezu danach, in Graphen zu investieren. Fragt sich nur wie. Graphen ist kein herkömmlicher Rohstoff.

Die großflächige Herstellung steckt noch weitgehend in den Kinderschuhen der Forschung und ist entsprechend teuer.

Großkonzerne wie IBM, Intel, Nokia, Sony oder Samsung bereiten sich in ihren Forschungsabteilungen auf die neue Technologie vor und sichern sich fortlaufend Patente, die mit Graphen zu tun haben.

Dichter am Thema ist etwa der im TecDax gelistete Maschinebau-Spezialist Aixtron. Das Unternehmen sieht sich bei Produktionsanlagen für LED-Technologie als Marktführer und setzt verstärkt auf die Herstellung von Graphen.

Kleinere Spezialisten

Daneben gibt es kleinere börsennotierte Firmen, die sich ausschließlich mit dem Material beschäftigten. AGM aus Nordengland sowie Carbon Sciences aus Kalifornien konzentrieren sich auf eine effizientere Herstellung.

In New York arbeitet Graphene 3D Lab an entsprechenden Druckern und Cientifica in Madrid an verschiedensten Anwendungsbereichen.

Das tut auch der britische Spezialist Haydale Graphene Industries, der zudem in Süd-Korea oder den USA vertreten ist. Die Haydale-Aktie wird seit Ende 2015 auch in Stuttgart und Frankfurt gehandelt. Seitdem pendelt der Kurs hier um die Marke von 2 €. Die Kurszuwächse lagen im letzten halben Jahr bei fast 14%.

Trotz aller Fortschritte muss das Unternehmen, wie die anderen, seine Basis erst erarbeiten. So liegt die Marktkapitalisierung bei unter 40 Mio. €. Die Umsätze konnten von 748.000 € (2015) auf 1,4 Mio. € (2016) gesteigert werden.

Hohe Investitionskosten jedoch drücken den Verlust auf über das Doppelte. Gewinne sind noch nicht in Sicht. Aktien wie Haydale erfordern hohe Risikobereitschaft.

Noch Jahre bis zum großen Durchbruch

Und sobald Graphen einen flächendeckenden Durchbruch erlebt, muss mit Übernahmen durch große Konzerne gerechnet werden. Auch BASF beschäftigt sich mit Anwendungsmöglichkeiten und schätzt den Markt für Graphen derzeit auf rund 8 Mrd. US-$.

Allerdings, noch ist nicht klar, inwieweit Graphen für den menschlichen Körper schädlich ist. Anzeichen für mögliche Gesundheitsschäden durch scharfkantige Partikel gibt es bereits. Die Entwicklung wird vermutlich nicht ohne Korrekturen verlaufen.

Profitieren dürften jedenfalls Minenbetreiber, die hochwertiges Graphit als Basismaterial fördern. Zu nennen wären etwa Focus Graphite, Mason Graphite, Great Lakes Graphite.

Gerade für den Einsatz in Batterien wird aktuell mit einer jährlichen Nachfragesteigerung um gut 6% gerechnet.

Ohne Frage, Graphen ist ein Zukunftsthema. Bis zum großen Durchbruch können aber durchaus Jahre vergehen. Selbst die Erfinder und Nobelpreisträger Geim und Novoselov sehen die Herausforderungen für eine kostengünstige Massenproduktion größer als weithin gedacht.

1. Mai 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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