Hausse & Baisse – Der Bullen- & Bärenmarkt verständlich erklärt

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Hausse-Baisse-Klauseln sind Vereinbarungen zwischen Lieferanten und Abnehmer. Mal trägt der eine, mal der andere das Risiko veränderter Preise. (Foto: newroadboy / Shutterstock.com)

Hausse & Baisse – Der Bullen- & Bärenmarkt verständlich erklärt


Die wichtigsten Informationen zu Hausse & Baisse

Bedeutung: Beschreiben anhaltende Entwicklungen an den Börsen

Auftreten: Je Börsenzyklus eine Hausse & eine Baisse

Bullenmarkt & Bärenmarkt: Bezeichnung für verschiedene Investoren-Charaktere

Bullenfalle & Bärenfalle: Fehlinterpretation des Börsengeschehens

Hausse-Baisse-Klauseln: Vertragsvereinbarungen im Handelspartnern für den Fall von Preisveränderungen


Wer an den Börsen der Welt unterwegs ist, der wird früher oder später mit den Schwankungen konfrontiert, denen die Börsenkurse unterliegen. Diese Kursschwankungen treten meist in zyklischen Abständen auf. Finanzexperten bezeichnen diese Bewegungen als Hausse bzw. als Baisse. Was steckt hinter diesen Begriffen, wie wirken sie sich auf die Börsenkurse aus und wie kann man eventuell von beiden profitieren?

Definition: Was sind Hausse & Baisse?

Um zu erklären, was genau eine Hausse und eine Baisse ist, kann man auf den jeweiligen Wortursprung sowie die Übersetzung schauen. Über sie lässt sich gut zeigen, was mit den beiden Begriffen gemeint ist.

So erklären sich die Worte Hausse & Baisse:

  • Hausse, vom französischen „hausse”, übersetzt mit „Anstieg” bzw. „Steigerung” – Kursanstieg (Bullenmarkt)
  • Baisse, vom französischen „baisse”, übersetzt mit „Abnahme” bzw. „Rückgang” – Kursrückgang (Bärenmarkt)

Im deutschen Sprachgebrauch werden diese Begriffe durch den sogenannten „Bullenmarkt” bzw. den „Bärenmarkt” ersetzt. Damit bezeichnet man die verschiedenen Investoren, die durch ihre jeweiligen Erwartungen den Markt prägen und beeinflussen.

Der Bulle ist ein Optimist und setzt bei seinen Geschäften vor allem auf steigende Kurse, hofft also auf einen Aufschwung. Der Bär hingegen ist ein Pessimist und erwartet eher fallende Kurse. Seine Gewinne generiert er aufgrund seiner Skepsis und kauft beispielsweise Verkaufsoptionen. Je nachdem, ob sich die Erwartungen der Bullen oder Bären bewahrheitet, bewegt sich der Markt in die entsprechende Richtung.

Die Bezeichnung Bullenmarkt steht dabei für dauerhaft steigende Börsenkurse, der Bärenmarkt hingegen zeigt anhaltend fallende Börsenkurse an. Eine Eselsbrücke, mit der man sich den Unterschied merken kann, ist das Verhalten der beiden Tiere beim Kampf. Mithilfe dieser lassen sich die Begriffe Bullenmarkt und Bärenmarkt sehr gut trennen. Anders als beim Bullenmarkt bzw. Bärenmarkt bewegen sich beim sogenannten Seitwärtsmarkt die Preise nicht deutlich in eine Richtung. Der Seitwärtsmarkt ist geprägt von Preisschwankungen, die einen bestimmten Bereich nicht verlassen, die Kurse bewegen sich dabei “seitwärts”. Beim Seitwärtsmarkt haben Investoren weder mit großen Gewinnen noch Verlusten zu rechnen.

Hätten Sie es gewusst?

Bulle und Bär bewegen sich bei einem Kampf in verschiedene Richtungen. Der Bulle nutzt dazu seine Hörner, die er in einer Aufwärtsbewegung als Waffe benutzt. Beim Bär kommen seine Tatzen zum Einsatz, mit denen er in einer Abwärtsbewegung nach Kontrahenten schlägt.

Hausse und Baisse gehören immer zusammen, nicht umsonst gilt, dass ein Börsenzyklus jeweils eine Hausse und eine Baisse beinhaltet. Damit sind sie Kennzeichen dafür, dass die Börsenkurse nach einem Kursanstieg immer auch wieder sinken und umgekehrt. Eine dritte Richtung bzw. Phase an den Börsen stellt der sogenannte Seitwärtstrend dar.

 

Merkmale für Hausse & Baisse

Man kann Hausse und Baisse an ganz bestimmten Faktoren festmachen, die die Märkte zeigen, wenn sich ein Bullen- bzw. Bäre13nmarkt andeutet. Dabei spielen vor allem die Kurse sowie das Verhalten der Investoren eine wesentliche Rolle.

Der Bullenmarkt „Hausse”

Der Bullenmarkt ist dadurch gekennzeichnet, dass die Wertpapierkurse steigen, nicht nur kurzfristig, sondern über eine längere Zeitspanne hinweg. Das kann sämtliche Wertpapiere eines bestimmten Marktes (z. B. Land oder Region) betreffen oder es steigen nur die Werte einer speziellen Branche an.

Mit einer Hausse, die an deutschen Börsen fast immer eingedeutscht als „Hosse” ausgesprochen wird, sind immer das wachsende Vertrauen der Investoren sowie ihre Erwartungen bezüglich zukünftiger Gewinne verbunden.

Eine Hausse und die damit einhergehenden, steigenden Börsenkurse tritt hauptsächlich auf, wenn eine Phase gesamtwirtschaftlichen Aufschwungs vorliegt und eine sogenannte Hochkonjunktur nach sich zieht. Einen solch kräftigen Branchen- oder Wirtschaftsaufschwung bezeichnen Experten auch gerne als „Boom”.

An den Börsen gibt es eine Weisheit, nach der „die Hausse die Hausse nährt”. Dies bedeutet nichts anderes, als dass steigende Notierungen stets eine Eigendynamik entwickeln. Ein Investor, der anfangs aufgrund mangelnden Vertrauens in den Aufwärtstrend keine Aktien kauft, wird nach einiger Zeit doch damit beginnen, Wertpapiere zu erwerben.

Obwohl es noch weitere Faktoren gibt, sorgt schon dieses Anlegerverhalten dafür, dass eine Hausse längerfristig Bestand hat. Letztlich ist es also fast immer der Investor, der über Hausse oder Baisse entscheidet.

Die Bärenmarkt „Baisse”

Um die Funktionsweise einer Baisse zu beschreiben, muss man eigentlich nur die Mechanismen des Bullenmarktes ins Gegenteil wenden. Wenn die Pessimisten verstärkt an der Börse aktiv werden, dann deutet dies einen anhaltenden Kursverfall und damit eine Baisse an.

Im Zusammenhang mit Bullen- oder Bärenmarkt ist auch die sogenannte Bullen- oder  Bärenmarkt-Rally von Bedeutung. Als eine solche wird von Börsianern eine starke, zügige Zwischenerholung genannt, die aber eingebettet ist in eine übergeordnete Abwärtsbewegung (Bärenmarkt).

Ob eine solche Kurserholung Hinweis auf eine Bärenmarkt-Rally ist oder doch den Start einer anhaltenden Aufwärtsbewegung markiert, zeigt sich in der Regel immer erst mit einem gewissen zeitlichen Abstand zu den aktuellen Geschehnissen.

Baisse und Hausse Merkmale

Die Bullen- & Bärenfalle

Die Börsen und ihre Mechanismen sind extrem komplex und bieten den Investoren so manche Möglichkeit, in die Falle zu gehen, also eine Situation falsch einzuschätzen. Wer als Investor aufgrund falscher Einschätzung auf eine Hausse oder Baisse spekuliert, kann sehr schnell viel Geld verlieren. So sind die Begriffe Bullenfalle bzw. Bärenfalle entstanden.

Mit der Bezeichnung Bullenfalle wird eine Kursentwicklung beschrieben, die Investoren annehmen lässt, dass kurzzeitig steigende Kurse auch weiterhin steigen. Als Folge dieser Einschätzung erwerben sie Wertpapiere, deren Kurse nach einer kurzzeitigen Erhöhung aber doch wieder fallen.

Der Begriff Bärenfalle steht für das umgekehrte Phänomen. Der Investor vermutet eine beginnende Baisse, verkauft aufgrund kurzzeitig fallender Kurse seine Aktien und muss anschließend ein erneutes Ansteigen der Kurse zur Kenntnis nehmen. Verluste erleidet er vor allem, wenn er die Aktien zu früh und unter dem ursprünglichen Kaufwert veräußert.

Von sich verstärkender positiver Rückkopplung sprechen Finanzexperten, wenn die Anleger erkennen, dass sie in eine Falle gegangen sind, ihre Meinung ändern und Aktien sozusagen als Gegenbewegung erwerben oder veräußern.

Folgen einer Hausse bzw. Baisse

In Abhängigkeit davon, wie umfassend eine Hausse oder Baisse ist, müssen auch die Folgen eingeschätzt werden. Beschränken sich die jeweiligen Bewegungen auf einzelne Branchen, dann sind vor allem Investoren und Unternehmen, die ihr angehören bzw. die in sie investiert haben, mit den positiven oder negativen Folgen konfrontiert.

Erfasst die Hausse oder Baisse hingegen ganze Märkte, so hat dies entsprechende Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft. Nimmt man etwa die Wirtschaftskrise von 2007 und 2008 oder die Handelsstreitigkeiten zwischen der Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten, dann wird ersichtlich, dass sich die, in diesen Fällen negativen, Folgen auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken. Beide Ereignisse sind dazu geeignet, eine Baisse am Weltmarkt auszulösen.

Die Folgen einer Hausse sind in der Regel für Unternehmen und Anleger positiv und ziehen aufgrund der steigenden Kurse annehmbare Gewinne für beide Seiten nach sich. Investoren und Unternehmen profitieren von den anhaltend steigenden Aktienkursen.

Der Investor kann sich über den Zeitraum der Hausse hinweg (die sich übrigens manchmal über mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte erstrecken kann) nicht nur über einen Kursanstieg seiner Investitionssumme aufgrund der Kursentwicklung freuen. In vielen Fällen schütten Unternehmen auch Dividenden an ihre Aktionäre aus, wenn die Geschäfte gut laufen.

Die Chancen bei einer Hausse

Der Zeitpunkt des Einstieges ist der am häufigsten genannte Erfolgsfaktor, wenn man mit einer Hausse Gewinne erzielen möchte. Mehren sich die Anzeichen für einen bevorstehenden Bullenmarkt oder hat ein solcher gerade erst begonnen, ist dies der ideale Zeitpunkt für einen Einstieg.

Unter diesen Bedingungen kann man nämlich davon ausgehen, dass die Kurse noch über eine gewisse Zeit hinweg steigen werden. Liegt der Beginn der Hausse hingegen schon eine gewisse Zeit zurück, besteht die Gefahr einer einsetzenden Baisse. Der Einstieg sollte dann gut überlegt sein.

Sicherheit bieten folgende Tipps:

  • Hausse frühzeitig erkennen, nicht zu spät investieren
  • Kurzfristige Schwankungen beobachten, nicht zu schnell regieren
  • Möglichkeit einer einsetzenden Baisse im Blick behalten
  • Je länger die Hausse andauert, desto aufmerksamer ist der Markt zu beobachten

Wie man von einer Baisse profitieren kann

Gewinne lassen sich nicht nur bei steigenden Kursen erzielen. Investoren können auch eine Baisse dazu nutzen, um Geld zu verdienen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine oft genutzte Strategie, um trotz fallender Kurse Gewinne zu machen, sind sogenannte Leerverkäufe. Für diese nutzt der Trader eine Short-Position. Das bedeutet, dass er eine festgelegte Zahl an Wertpapieren zum jeweils aktuellen Wertpapierkurs verkauft, sich gleichzeitig aber dazu verpflichtet, innerhalb marktüblicher, kurzer Fristen (meist zwei bis drei Geschäftstage) dieselbe Menge Wertpapiere erneut zu kaufen. Dieses Vorgehen bezeichnet man als Short-Selling.

Der Käufer hingegen geht „long”, wenn er auf diese Weise Wertpapiere kauft. Beim Short-Selling spekuliert der Trader darauf, dass die Kurse weiter fallen. Liegt der Rückkaufwert dann unter dem Verkaufspreis, hat der Anleger Gewinn gemacht.

Eine andere Strategie, eine Baisse zum Geldverdienen zu nutzen, ist die der sogenannten Put-Optionen. Der Investor spekuliert auch hier auf sinkende Kurse eines bestimmten Wertes. Er bekommt vom Verkäufer der Put-Option eine Prämie, wenn er sich im Gegenzug zur Abnahme des Basiswertes bereiterklärt. Es bleibt dem Käufer überlassen, ob er zu einem festgelegten Zeitpunkt die Option ausübt oder nicht.

Der sogenannte Baisse Spread ist eine andere, sehr beliebte Strategie, mit der man von sinkenden Aktienkursen profitieren kann. Bei dieser Anlagevariante kombiniert man einen speziellen Basiswert mit verschiedenen Optionen und verdient so Geld.

Was ist die Hausse-Baisse-Klausel?

Hausse und Baisse haben auch im Warenverkehr und damit für das Geschäftsverhältnis von Kaufleuten eine große Bedeutung. In diesem Bereich tauchen sie als Klausel in Verträgen auf. Unter einer Hausse-Baisse-Klausel sind Vereinbarungen zwischen Lieferanten und Abnehmern zu verstehen. Durch sie wird das Risiko sich verändernder Preise auf beide Parteien verteilt.

Wie funktionieren Hausse-Baisse-Klauseln?

Hausse-Baisse-Klauseln sind meist Bestandteil von Kaufverträgen und sind fast immer in den Allgemeinen Verkaufs- und Lieferbedingungen festgehalten.

Baisse und Hausse Funktion

 

Zu unterscheiden sind hier:

  • Hausse-Klausel: Der Verkäufer kann einen Vertrag lösen, falls ein gestiegener Preis vom Käufer nicht akzeptiert wird.
  • Baisse-Klausel: Möglichkeit der Auflösung eines Vertrages für den Käufer, falls ein gesunkener Preis für einen Verkäufer inakzeptabel ist.

Um eine gerechte Situation für alle Beteiligten zu schaffen und das Risiko angemessen zu verteilen, wurden diese beiden Klauseln erarbeitet, von denen beide Seiten profitieren können. Die Hausse-Klausel verschafft dem Anbieter einen Vorteil, die Baisse-Klausel nutzt dem Abnehmer.

Intention für Hausse-Baisse-Klauseln

Der Ursprung für die Entwicklung der Hausse-Baisse-Klauseln liegt in der Tatsache, dass ein bestimmter, manchmal längerer Zeitraum zwischen dem Abschluss eines Kaufvertrages und der Lieferung einer Ware bzw. Dienstleistung liegt. Solche Zeiträume bis zu einem Jahr kommen vor allem im internationalen Import- und Exportgeschäft sehr häufig vor.

Während dieser langen Beschaffungszeiten können sich aber einzelne, den Kaufpreis beeinflussende Faktoren, stark verändern. Vor allem die Lohnkosten oder auch die Kosten für die Materialbeschaffung unterliegen oft großen Steigerungsraten, etwa durch Tariferhöhungen oder steigende Förderkosten für Rohstoffe.

Durch steigende Kosten nach Abschluss einer Kaufvereinbarung besteht die Gefahr, dass der Lieferant durch zu niedrig kalkulierte Preise finanzielle Verluste erleidet. Dieses Risiko wird durch Hausse-Baisse-Klauseln reduziert.

Faktoren die Hausse und Baisse beeinflussen

 

Diese Pessimisten wurden früher auch „Baissiers” genannt, weil sie mit so genannten Short-Positionen auf fallende Kurse spekulierten. Allerdings wird diese Bezeichnung heute kaum noch verwendet.

Fakten zum Begriff Spekulation

Der Begriff Spekulation (lat. „speculor”, beobachten, auskundschaften, spähen) beschreibt das Ausnutzen bestimmter Faktoren (Preis-, Kurs- oder Zinsunterschiede) zum Zweck der Gewinnmaximierung. Spekulative Geschäfte an den Börsen sind meist risikoreich, versprechen aber auch sehr hohe Renditen. Spekuliert wird in sämtlichen Bereichen der Börsen (z. B. Immobilien, Rohstoffe, Devisen, Derivate, Verbindlichkeiten, Wertpapiere).

Fazit

Grundsätzlich gibt es keine Garantie an der Börse – weder bei einer Hausse noch bei einer Baisse – Gewinne zu erzielen. Es kommt jeweils auf Maß und Art der Investition an und es ist wichtig, sich als Investor intensiv mit dem Markt und dessen Entwicklungen zu befassen.

Egal, ob sich die Börsen in der Phase einer Hausse oder einer Baisse befinden, letztlich kommt es auf das Gefühl für den richtigen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt an. Durch gutes Timing lassen sich zum Teil hohe Gewinne erwirtschaften, egal, ob die Kurse steigen oder sinken.

Die Chancen auf Gewinne sind in der Phase einer Hausse grundsätzlich etwas größer als bei einer Baisse. Je nach Finanzprodukt kann das jedoch auch genau umgekehrt sein. Bei langfristigen Investitionen oder beispielsweise bei Sparplänen für die Altersvorsorge spielt es im Grunde keine Rolle, ob an der Börse gerade eine Hausse oder Baisse ist.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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