Huawei Aktie: Warten auf den Börsengang

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Eine Huawei Aktie wird seit langem erwartet, doch die Nummer 2 der Handy-Hersteller will nicht an die Börse - was sind die Gründe? (Foto: astudio / shutterstock.com)

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Die Entwicklung ist beachtlich: Der chinesische Smartphone-Hersteller Huwaei ist inzwischen ein ernsthafter Konkurrent für die globalen Giganten Apple und Samsung. Als zweitgrößter Hersteller der Welt hat Huawei Apple bereits überholt und will bald auch noch am bisherigen Spitzenreiter Samsung vorbeiziehen.

Beeindruckende Zahlen bei Huawei

Huawei steht zwar politisch wegen Spionageverdacht unter Druck, dennoch befindet sich Chinas größter Telekomausrüster weiter auf Wachstumskurs. In den ersten Monaten des Jahres 2019 hat sich das Umsatzwachstum sogar nochmal auf 36 % beschleunigt, nachdem die Umsätze in 2018 um 21 % auf mehr als 100 Mrd. US-$ gewachsen waren.

Huawei-Gründer Ren Zhengfei geht davon aus, dass Huawei in 2019 seinen Umsatz auf 125 Mrd. US-$ steigern kann. Ren Zhengfei hat damit einen Konzern geschaffen, der inzwischen mehr umsetzt als die beiden chinesischen Internetgiganten Alibaba und Tencent zusammen. Grund für den Optimismus des Huawei-Chefs ist nicht nur der 5G-Boom, der in vielen Ländern durch die Aufrüstung der bestehenden Mobilfunknetze auf die 5te Generation angestachelt wird.

Huawei hat daneben sein Produktangebot im Hardware-Bereich in den letzten Jahren sukzessive verbessert. Bestes Beispiel ist das Laptop-Segment. Obwohl Huawei in diesem Marktbereich erst seit 3 Jahren am Start ist, wuchs das Laptop-Geschäft zuletzt um über 330 %. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich im Smartphone-Markt. Obwohl die westlichen Märkte inzwischen schon als gesättigt gelten, konnte Huawei mit seinem Mate Smartphone und der P Serie allein in Europa um über 55 % wachsen (Quelle: Canalys).

Allerdings: Eine Huawei Aktie sucht man vergebens. Viele sind spontan verwundert, dass es bei einem derart großen Unternehmen keine Möglichkeit gibt, zu investieren. Schade eigentlich, denn der Gewinn ließe bestimmt Spielraum für eine ordentliche Dividende. Chinas größter Telekommunikationsausrüster bringt mit den Wachstumsraten eigentlich alles mit, was eine solide Aktie braucht.

Die Huawei Aktie ist an keinem Finanzplatz in Sicht. Immer wieder aufkeimende Spekulationen um einen Börsengang sind nichts als unerfüllte Hoffnungen. Dass ein Großunternehmen lieber ohne Aktionäre im Nacken arbeitet, ist auch hierzulande nichts Neues. Mit 78,1 Mrd. Euro Umsatz ist etwa Bosch fast so groß wie Huawei und behält seine Rechtsform als GmbH bei. Unerwünschte Übernahmen kommen so erst gar nicht infrage.

Keine Transparenz, keine Aktie: Huawei bleibt autark

Über den Hauptgrund, warum Huawei auf einen IPO verzichtet, kann letztlich nur spekuliert werden. Zumindest scheint der Konzern nicht auf zusätzliches Geld durch Aktien angewiesen zu sein. Inwieweit sich die Regierung in Peking engagiert, ist nicht bekannt. Allerdings gibt es Mutmaßungen, das Unternehmen sei ein verlängerter Arm chinesischer Geheimdienste.

In den USA warnten das FBI, die CIA und die Nasa vor dem Gebrauch der Huawei Geräte als Brückenkopf für Wirtschaftsspionage. Die US-Dienste sehen „ungewöhnlich intensive Verbindungen zur Regierung“. Sollte dies zutreffen, ist es umso weniger verwunderlich, dass Huawei sich nicht den detaillierten Publikationspflichten der Börse unterwerfen will.

Schon im Vorjahr ließ die in Shenzhen ansässige Huawei durchblicken, dass man aktuell keine Pläne für einen Börsengang hat. Daran hat sich auch in 2019 nichts geändert. Huawei-Gründer Ren Zhengfei sieht sogar Vorteile darin, dass Huawei keine öffentlich gehandelte Gesellschaft ist. So muss der Konzern keine Quartalsberichte mit Gewinnen abliefern und kann sich so besser auf seine langfristigen Ziele konzentrieren. Privatanleger haben durch diese Strategie allerdings das Nachsehen, denn sie können somit nicht am Erfolg des Smartphone-Herstellers teilhaben.

Huawei zieht an Apple vorbei – und hat Samsung im Visier

In 2018 war Huawei im Smartphone-Markt bereits an Apple vorbeigezogen, was die Verkaufszahlen betrifft. Im dritten Quartal 2018 kam Huawei bereits auf einen Weltmarktanteil von 14,4 %, während sich Apple mit einem Marktanteil von 13,0 % zufriedengeben musste (Quelle: Strategy Analytics).

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Huawei war damit in 2018 bereits der zweitgrößte Smartphone-Hersteller auf dem Weltmarkt, im Heimatmarkt China ist man dagegen bereits die Nummer eins. In wenigen Quartalen will Huawei dann den bisherigen Weltmarktführer bei Smartphones, die koreanische Samsung Electronics, vom Thron stoßen, so Huawei Consumer Chef Richard Yu gegenüber dem US-Sender CNBC.

Yu ist für die Smartphone-Sparte von Huawei verantwortlich und hat das Unternehmen in diesem Markt auf Erfolgskurs getrimmt, nachdem Huawei im Jahr 2010 sein erstes eigenes Smartphone auf den Markt gebracht hatte. Im Jahr 2020 will man dann am koreanischen Marktführer Samsung vorbeiziehen und damit zum weltgrößten Smartphone-Hersteller nach Absatzzahlen avancieren.

So will Huawei die Nummer 1 werden

Richard Yu ist ein Manager der Bürokratie hasst, aber Innovationen liebt. Der Manager gilt als risikoaffin, was neue Innovationen angeht, was sich auch in Huawei-Produkten widerspiegelt. Bereits frühzeitig hatte Huawei die Herstellung von Feature Phones eingestellt und auf High-End Smartphones mit KI-Chips (künstliche Intelligenz) gesetzt.

In Huawei-Produkten sind oft größere Akkus, größere Bildschirme und hochwertige Kameras zu finden, um sich der Kundennachfrage anzupassen. Inzwischen stellt Huawei auch seine eigenen Chips mit künstlicher Intelligenz (KI) her. Huawei-Manager Yu ist überzeugt, dass künstliche Intelligenz (KI) eine Schlüsseltechnik sein wird, um Smartphones auf das nächste Level zu hieven. Mit KI-basierten Telefonen will Huawei den Wettbewerbswettlauf mit Apple und Samsung gewinnen und sich so an der Spitze im Smartphone-Markt behaupten.

Huawei bleibt auf Wachstumskurs, doch die Börse scheint weiterhin kein Thema

Was vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war, ist nun Realität: Apple bekommt im hochpreisigen Smartphone-Markt einen ernstzunehmenden Konkurrenten, denn Huawei gibt sich längst nicht nur mit billigen Budget-Telefonen zufrieden. Inzwischen ist Huawei mit Telefonen (P20 Pro etc.) am Start, die mehr als 1.000 US-$ kosten und geht damit direkt einen Marktbereich an, der in den letzten Jahren vor allem durch Apple mit dem iPhone beherrscht wurde.

Ob Huawei es mit seiner Strategie (Innovation + aggressives Marketing) schafft, auch die westlichen Märkte zu erobern, bleibt abzuwarten. Der Erfolg der Honor-Marke – Huawei konnte rund 4 Mio. Honor-Smartphones außerhalb von China verkaufen (+150 %) – zeigt, dass die Chinesen auch in westlichen Märkten Fuß fassen.

Aufgrund seines wachsenden Servicegeschäfts ist die Apple-Aktie zwar weiterhin für langfristig orientierte Anleger interessant, doch Anleger sollten in Zukunft mit niedrigeren Wachstumsraten bei Apple rechnen. Ähnliches gilt auch für die Samsung-Aktie, zumal der Smartphone-Markt in regionalen Märkten (Westeuropa etc.) bereits eine gewisse Marktsättigung erreicht hat.

Apple und Samsung müssen sich in den nächsten Jahren in jedem Fall auf einen noch intensiveren Wettbewerb im Smartphone-Markt einstellen. Denn Chinas marktführender Smartphone-Hersteller Huawei hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Nachdem man Apple bereits in 2018 überholt hat, will Huawei bis 2020 auch Samsung vom Thron stoßen.

Auch in 2019 stehen die Chancen schlecht, dass Huawei an die Börse kommt. Vielmehr müssen Anleger damit rechnen, dass Huawei bis auf weiteres in privater Hand bleiben wird. Inwieweit Huawei tatsächlich mit dem chinesischen Staat bzw. mit chinesischen Geheimdiensten zusammenarbeitet, lässt sich schwer beurteilen. Offiziell dementiert Huawei derartige Vorwürfe immer wieder.

Als börsennotierte Gesellschaft müsste Huawei strengere Publikationspflichten erfüllen, was aus Transparenzgründen sicherlich mehr Licht ins Dunkel bringen würde. Daher ist das Fernbleiben Huaweis von der Börse nicht nur schade für Anleger, sondern auch für all jene, die auf mehr Klarheit beim chinesischen Telekomausrüster gehofft hatten.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.