Initial Coin Offering (ICO): unkalkulierbares Risiko oder Zukunft?

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Initial Coin Offerings (ICOs) werden immer beliebter, winken hier satte Renditen - doch Anleger müssen wachsam sein. (Foto: Siriwat Sriphojaroen / Shutterstock.com)

Bei dem Begriff Initial Public Offering (IPO) handelt es sich um einen Börsengang eines Unternehmens, in dessen Rahmen Aktien an Investoren zu einem bestimmten Ausgabepreis (Emissionspreis) ausgegeben werden. Diese Aktien können anschließend an der Börse gehandelt werden.

Initial Coin Offering (ICO) ist hingegen ein neues Finanzierungsmodell für Start-ups aus der Blockchain-bzw. Krypto-Szene. Diese jungen Firmen versuchen ein Projekt bzw. Geschäftsmodell auf Basis einer neuen Kryptowährung bzw. eines Token zu etablieren.

Durch ein Initial Coin Offering (ICO) bietet sich für Anleger die Möglichkeit, frühzeitig in eine neue Kryptowährung zu investieren und dabei von einem möglichen Kursanstieg der Kryptowährung zu profitieren. Dabei stellt sich die Frage, ob sich solche Initial Coin Offerings (ICOs) für Anleger lohnen und wie hoch das Risiko bei derartigen Investments ist.

Was ist ein Initial Coin Offerings (ICO)?

Ein Initial Coin Offering (ICO) ist zunächst ein neues Finanzierungsmodell (Crowdfunding) für kleine Unternehmen (Start-ups), um mit einem Blockchain-basierten Geschäftsmodell im Markt Fuß zu fassen.

Der Prozess rund um das Initial Coin Offering (ICO) ist weitgehend unreguliert und umgeht den klassischen Bookbuilding-Prozess der Banken und Venture-Kapitalgeber. Das Start-up wendet sich beim ICO direkt an die Investoren – Banken und Börsen bleiben außen vor.

Anders als beim Initial Public Offering (IPO), werden beim Initial Coin Offering (ICO) keine Aktien ausgegeben, sondern Tokens. Bei Tokens handelt es sich um eine Art digitale Gutscheine, die gegen andere Kryptowährungen oder gegen Papiergeld (Dollar, Euro) eingetauscht werden können. Das Start-up bringt de facto seine eigenen digitalen Token heraus, wodurch die Investoren am künftigen Erfolg der Firma partizipieren können.

Wie die Ausgabe neuer Tokens funktioniert

In der Regel präsentiert das Start-up in einem White Paper sein Projekt oder Geschäftsmodell und die Menge an Tokens, die insgesamt ausgegeben werden und an Investoren verteilt werden sollen.

Ein Großteil dieser Tokens wird in der Regel vom Start-up einbehalten und dient zur Finanzierung des Start-ups und der Entwicklerarbeit. Die restlichen Tokens werden an Investoren verteilt.

Prinzipiell kann jeder Anleger bei einem Initial Coin Offering (ICO)  mitmachen, meist ist nur eine Registrierung auf der Online-Seite des Projekts erforderlich. Beim Initial Coin Offering (ICO) selbst gibt es allerdings mehrere Aspekte, die Anleger beachten müssen.

Initial Coin Offering (ICO) – Was Anleger beachten sollten

Zum einen stellt sich die Frage, welche Währung (Euro, Dollar, Bitcoins etc) das Start-up für die Tokens akzeptiert und wie lange die ICO-Kampagne dauert. Zum anderen muss der Anleger beachten, dass es für die meisten neuen Tokens oder Kryptowährungen zunächst noch keine offizielle Wallet (digitale Geldbörse) gibt, in der diese verwahrt werden können.

Darüber hinaus sollten Anleger wissen, dass ein Initial Coin Offering (ICO) nicht von einer Kontrollinstanz wie der US-Wertpapieraufsicht SEC überwacht wird. Der Prozess ist weitgehend unreguliert und damit auch anfällig für Betrügereien.

Dennoch kann sich ein Initial Coin Offering (ICO) für Anleger lohnen. Bestes Beispiel für ein erfolgreiches Initial Coin Offering (ICO)  war Ethereum im Jahr 2014 mit der Kryptowährung Ether. Über das ICO nahm Ether 18 Mio. US-$ über Bitcoins auf, wobei 0,40 US-$ pro Ether getauscht wurden.  Inzwischen wird ein Ether bei über 260 US-$ bzw. über 230 € gehandelt.

Ebenfalls sehr erfolgreich waren Initial Coin Offerings (ICOs) von Augur und Golem – die Kurse dieser Kryptowährungen notieren ebenfalls deutlich über dem einstigen Ausgabepreis.

Fazit: Initial Coin Offering (ICO) ist eine große Chance für Start-ups und Investoren

Ein Initial Coin Offering (ICO) ist eine exzellente Möglichkeit für Start-ups aus dem Blockchain-Umfeld, Kapital jenseits des klassischen Bankensystems aufzunehmen. Allein in 2017 sind über Initial Coin Offerings (ICOs) bereits mehr als 180 Mio. US-$ in verschiedene Start-ups aus dem Blockchain-Umfeld geflossen – nahezu 80 % mehr als im Gesamtjahr 2016.

Durch den weitgehend unregulierten Markt gibt es aber nicht nur Erfolgsstorys wie Ethereum, Gnosis und Golem, sondern auch einige Krypto-Projekte, die nach kurzer Zeit wieder eingestellt wurden. Dies bedeutet neben Renditechancen auch große Risiken für Anleger.

Investoren sollten daher nicht nur das Projekt genau unter die Lupe nehmen, sondern sich auch mit den Personen befassen, die hinter dem Projekt stehen und das Projekt leiten. Ist technisches Know-how im Team vorhanden, hat das Team fähige Entwickler und die finanziellen Mittel, um das Projekt zu realisieren? Dies sind Fragen, die sich jeder Krypto- und Blockchain-Investor stellen sollte.

Noch wichtiger als die Technik hinter dem Projekt, ist jedoch das Geschäftsmodell hinter der Kryptowährung. Dabei geht es um die Frage, welches spezifisches und echtes Problem mit dem Krypto-Projekt gelöst werden soll. Kann das Start-up die Problemlösung nicht in einem Satz einfach und eindeutig erklären, ist Vorsicht geboten.

Insgesamt stellen Investments in Kryptowährungen aufgrund der hohen Kursschwankungen und unregulierten Marktverhältnisse ein hohes Risiko dar, womit diese Investments nur für besonders risikofreudige Anleger geeignet sind.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands