Kalkulatorische Zinsen – Berechnung & Nutzen

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Kapitalmarkt oder Maschine? Die Durchschnittsmethode für kalkulatorische Zinsen errechnet, was lukrativer ist. Lesen Sie hier mehr. (Foto: PeJo / Shutterstock.com)


Wissenswertes über kalkulatorische Zinsen

Definition: Kosten für die Nutzung des betriebsnotwendigen Kapitals

Anwendung: Im betrieblichen Rechnungswesen

Konzept: Opportunitätskosten

Methoden: Durchschnitts- und Restwertmethode

Bilanzierbar: Nein


Was sind kalkulatorische Zinsen?

Unternehmen tätigen am Kapitalmarkt ständig zinslose Investitionen, die das Eigenkapital belasten. Dies sind beispielsweise Maschinen, Lizenzen oder Produktionsstätten. Am Kapitalmarkt eingebrachte Investitionen sollten stets eine Rendite abwerfen.

Definition Kapitalmarkt

Der Kapitalmarkt ist ein Teilmarkt des Finanzmarktes, wo der mittel- und langfristige Kapitalbedarf auf Kapitalangebote treffen. Kurzfristige Kapitaltransaktionen werden hingegen auf dem Geldmarkt geregelt.

Würde dieses Eigenkapital statt in eine Investition, man spricht hierbei auch von gebundenem Kapital, in den Finanzmarkt fließen, so würde es Zinsen erzielen. Da dieser Zinsgewinn möglich ist, aber nicht realisiert wird, fällt er unter die so genannten Opportunitätskosten. Die entgangenen Zinsen werden durch die kalkulatorischen Zinsen, also eine fiktive Verzinsung des Eigenkapitals, ausgedrückt.

Was ist das betriebliche Rechnungswesen?

Das betriebliche Rechnungswesen ist Teil des Controllings einer Firma. Zielsetzung dieser Abteilung ist das systematische Erfassen und Auswerten aller messbaren Vorgänge. Das Rechnungswesen ist damit essenziell für die Planung, Steuerung und Kontrolle der Unternehmung. Rechnungswesen lässt sich in internes und externes Rechnungswesen aufschlüsseln.

Aufgabenbereich des Rechnungswesens:

  • Internes Rechnungswesen: Dient der Unternehmensführung, um bessere Entscheidungen zu treffen. Das interne Rechnungswesen umfasst die Kostenrechnung, die Investitions- und Finanzierungsrechnung sowie das Reporting. Man ist hierbei keinen gesetzlichen Vorschriften unterworfen, Unternehmen können die individuell notwendigen Maßnahmen durchführen.
  • Externes Rechnungswesen: Dient der Kontrolle zwischen dem Unternehmen und dessen Umwelt im betriebswirtschaftlichen Sinne. Unter dem externen Rechnungswesen findet man daher die Finanzbuchhaltung, den Jahresabschluss sowie die Steuerbilanz. Es gelten die Vorschriften des Handels- und Steuerrechts.

Was sind kalkulatorische Kosten?

Den kalkulatorischen Kosten ist laut Definition nur ein geringer oder sogar gar kein Aufwand gegenübergestellt. Im Vergleich zu den pagatorischen Kosten, also tatsächlichen Aufwänden wie Personal, Miete oder Halbfabrikaten, hat diese Kostenart das Ziel der unternehmensinternen Kalkulation. Es handelt sich bei diesen Aufwänden also um fiktive Kosten, die für die Preiskalkulation herangezogen werden.

Die kalkulatorischen Kosten lassen sich sogar noch aufteilen in die Zusatz- und Anderskosten. Die Zusatzkosten umfassen Beträge ohne tatsächliche Aufwendungen, beispielsweise den kalkulatorischen Unternehmerlohn oder die kalkulatorische Miete. Anderskosten beinhalten Abschreibungen, wenn die tatsächliche Abnutzung sich von der Abschreibungskalkulation unterscheidet, Wagnisse sowie die kalkulatorische Eigenkapitalverzinsung – also den kalkulatorischen Zins.

Opportunitätskosten

Der Begriff der Opportunitätskosten ist möglicherweise etwas verwirrend. Es handelt sich hierbei eigentlich um ein Konzept und nicht um eine tatsächliche Kostenart, wie sie in der Kosten- und Leistungsrechnung einfließen könnte. Die Idee hinter den Opportunitätskosten ist es, entgangenen Nutzen quantifizierbar zu machen.

Entgangener Nutzen entsteht dadurch, dass mögliche Alternativen, sogenannte Opportunitäten, nicht wahrgenommen wurden. Alternativkosten sind daher vor allem für die Unternehmertätigkeit von großer Bedeutung. Denn gerade der Unternehmer muss ständig abwägen, welche Entscheidung mehr Nutzen bringt.

Für den Fall der kalkulatorischen Zinsen gilt es zu überprüfen, ob ein Investment in das Unternehmen profitabler ist, als das Eigenkapital stattdessen auf dem Kapitalmarkt anzulegen.

Berechnung der kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsung

Das Ergebnis der kalkulatorischen Zinsen kann von Unternehmen in die interne Kosten- und Leistungsrechnung überführt werden. Dafür müssen die Opportunitätskosten aber berechenbar werden. Die Betriebswirtschaftslehre kennt dafür zwei Methoden. Grundlage der Kalkulation ist jedoch immer das betriebsnotwendige Kapital.

Überblick zu kalkulatorischen Zinsen

Was ist das betriebsnotwendige Kapital?

Der Begriff des betriebsnotwendigen Kapitals wird fälschlich auch als Synonym für das betriebsnotwendige Vermögen eingesetzt. Beim betriebsnotwendigen Vermögen handelt es sich um einen Hilfswert, der zur Ermittlung des betriebsnotwendigen Kapitals genutzt wird. Die Kennzahl bezeichnet das zur Erfüllung des Betriebszwecks notwendige Vermögen des Unternehmens.

Das betriebsnotwendige Kapital wird berechnet, indem das Anlagevermögen und das Umlaufvermögen erhoben werden, wovon alle nicht zwingend erforderlichen Vermögensanteile, z. B. Wohnungen oder landwirtschaftlich genutzte Grundstücke, die nicht dem Betriebszweck dienen, abgezogen werden. Von diesem betriebsnotwendigen Vermögen wird nun das Abzugskapital abgesetzt. Es werden zinsfrei zur Verfügung stehendes Fremdkapital und betriebsfremd eingesetztes Kapital abgezogen. Unter Fremdkapital versteht man Kapital, welches von außen zur Verfügung gestellt wird. Insbesondere Darlehen von Kreditinstituten, Lieferantenkredite, Kundenkredite und Obligationen sowie Rückstellungen zählen zum Fremdkapital. Wird das Fremdkapital verändert, spricht man von Finanzierungssaldo.

Haben Sie’s gewusst?

Die Begrifflichkeiten sind im Handelsgesetz geregelt. Als Anlagevermögen gelten laut deutschem Handelsgesetzbuch (HGB) Positionen, „die bestimmt sind, dauernd dem Geschäftsbetrieb zu dienen“ (§ 247 HGB). Das Umlaufvermögen ist im HGB nicht gesondert definiert, lässt sich jedoch als Gegensatz zum Anlagevermögen begreifen.

Das österreichische Unternehmensgesetzbuch (UGB), das dem deutschen HGB entspricht, enthält neben der Definition des Anlagevermögens auch eine des Umlaufvermögens als Gegenstände, „die nicht bestimmt sind, dauernd dem Geschäftsbetrieb zu dienen“ (§ 198 UGB).

Beispiele für Umlaufvermögen

In der Bilanz ist neben dem Anlagevermögen auch das Umlaufvermögen gesondert auszuweisen. Wie beschrieben zählen zum Umlaufvermögen alle Wirtschaftsgüter, die zur Veräußerung, Verarbeitung oder zum Verbrauch angeschafft wurden.

Umlaufvermögen:

Vorräte:

  • Roh-, Hilf- und Betriebsstoffe
  • unfertige Erzeugnisse, unfertige Leistungen
  • fertige Erzeugnisse und Waren
  • geleistete Anzahlungen

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände:

  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
  • Forderungen gegen verbundene Unternehmen
  • Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht
  • sonstige Vermögensgegenstände

Wertpapiere:

  • Anteile an verbundenen Unternehmen
  • eigene Anteile
  • sonstige Wertpapiere

Schecks, Kassenbestände, Bundesbank- und Postgiroguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten

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Wie können kalkulatorische Zinsen berechnet werden?

Zur Berechnung von kalkulatorischen Methoden gibt es zwei sehr ähnliche Methoden.

Berechnungsmethoden

  • Durchschnittsmethode: Es wird ein Durchschnittswert kalkuliert, der das gebundene Kapital über die gesamte Nutzungsdauer beschreibt. Die Ergebnisse bleiben über die Nutzungsdauer konstant.
  • Restwertmethode: Bei dieser Methode werden für jedes Jahr der Nutzungsdauer durchschnittliche Restwerte berechnet. Anschließend wird ein Durchschnittswert kalkuliert. Die jeweiligen Restwerte sinken über die Nutzungsdauer entsprechend.

Kalkulatorische Zinsen mit Durchschnittsmethode berechnen

Bei Nutzung der Durchschnittsmethode werden die kalkulatorischen Zinsen anhand der abnutzbaren Güter des gesamten Anlagevermögens kalkuliert. Abnutzbares Anlagevermögen beinhaltet hier vor allem Gebäude und Maschinen. Diese verfügen oftmals über eine zeitlich beschränkte Nutzungsdauer.

Da das abnutzbare Anlagevermögen durch Verschleiß an Wert verliert, wird dieses über die gesamte Nutzungsdauer abgeschrieben. Am Ende der Periode beträgt der Wert also Null. Zu Beginn beträgt das Kapital allerdings den vollen Anschaffungswert. Daher wird jedes abnutzbare Anlagegut mit der Hälfte seines Anschaffungswertes zur Berechnung der kalkulatorischen Zinsen angesetzt.

Wie kalkulatorische Zinsen berechnet werden

Wie wird der kalkulatorische Zins mit der Durchschnittsmethode berechnet?

Zur Veranschaulichung überlegt die Beispiel AG eine Produktionsmaschine in Höhe von 500.000 € zu erwerben. Trotz Niedrigzinsperiode erhält das Unternehmen aber auch das Angebot, das Eigenkapital in Höhe von 5 % zu verzinsen. Das Unternehmen möchte nun kalkulieren, wie hoch die jährlichen kalkulatorischen Zinsen der Maschine wären.

Die Berechnung:

  1. Gebundenes Kapital: Das durchschnittliche gebundene Kapital beläuft sich auf die Hälfte der Anschaffungskosten, also 250.000 €.
  2. Kalkulatorischer Zinssatz: Das gebundene Kapital wird mit dem kalkulatorischen Zinssatz des Angebotes multipliziert: 250.000 € * 0,05 = 12.500 €.
Formel

Kalkulatorische Zinsen = (Anschaffungskosten / 2) * Marktzins

Vor- und Nachteile der Durchschnittsmethode

Der Vorteil der Durchschnittmethode besteht darin, dass sie anhand von wenigen Variablen einfach berechnet werden kann. Sie wird daher oft genutzt. Darüber hinaus kann sich der Unternehmer anhand der durchschnittlichen kalkulatorischen Zinsen über mehrere Jahre messen lassen. Sie dienen als optimale Zielsetzung für den eigenen Ertrag.

Nachteilig an dieser Methode sind hingegen die durchschnittlichen Werte, die über mehrere Jahre gelten. Denn interessiert sich ein Unternehmer für den aktuellen Zustand des Unternehmens, sind durchschnittliche Werte nicht aussagekräftig genug.

Was ist der Maschinenstundensatz?

Die Durchschnittsmethode findet auch zur Berechnung von Maschinenstundensätzen Anwendung. Dafür werden kalkulatorische Zinsen nicht auf das gesamte abnutzbare Anlagevermögen angewandt, sondern nur auf eine konkrete Anlage.

Zur Preisfindung für Aufträge, bei denen eine bestimmte Maschine eine konkrete Zeit benötigt, werden sogenannte Maschinenstundensätze kalkuliert. Dies findet z. B. beim Abfüllen von Getränken oder in produzierenden Gewerben statt. Dafür werden die maschinenabhängigen von den maschinenunabhängigen Fertigungsgemeinkosten (FGK) getrennt. Für den Maschinenstundensatz werden nur die maschinenabhängigen Kosten benötigt. Dazu zählen z. B. Abschreibungen, kalkulatorische Zinsen oder Wartungs- und Reparaturkosten.

Die addierten Gemeinkosten der Maschine werden anschließend summiert und durch die Laufzeit dividiert.

Verschiedene Formlen zur Berechnung von Kosten

Restwertmethode zur kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsung

Um konkrete Aussagen darüber treffen zu können, wie hoch die kalkulatorischen Zinsen auf ein bestimmtes abnutzbares Wirtschaftsgut zu einem konkreten Zeitpunkt sind, findet die Restwertmethode Anwendung. Statt jedoch einen Durchschnittswert über die ganze Nutzungsdauer zu kalkulieren, wird stattdessen für jede Periode der Nutzungsdauer ein eigener Durchschnittswert kalkuliert. Diese Perioden betragen normalerweise immer ein Jahr.

Abnutzbare Wirtschaftsgüter haben durch die Abschreibungen jeweils einen Anfangs- und Endwert pro Periode. Dieser bildet die Grundlage für die Berechnungen der kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsung mit der Restwertmethode.

Berechnung des kalkulatorischen Zinses mit Restwertmethode

Es wird zur Veranschaulichung dasselbe Beispiel wie bei Berechnung mit der Durchschnittsmethode herangezogen. In diesem Fall wird jedoch die Nutzungsdauer der Maschine einfachheitshalber auf zwei Jahre festgesetzt. Dadurch entsteht ein jährlicher Abschreibungsbetrag in Höhe von 250.000 €.

Die Berechnung:

  1. Durchschnittswert: Zuerst muss auch bei der Restwertmethode der Durchschnittswert gebildet werden, jedoch kommen der Anfangs- und Endwert zum Einsatz. Die Berechnung muss für jedes Jahr der Nutzungsdauer wiederholt werden:
    1. Jahr: (500.000 € + 250.000 €) / 2 = 375.000 €
    2. Jahr: (250.000 € + 0 €) / 2 = 125.000 €
  2. Kalkulatorischer Zinssatz: Sind die Durchschnittswerte pro Jahr kalkuliert, so muss noch jeweils der kalkulatorische Zinssatz, im Beispiel in Höhe von 5 %, angewandt werden. Auch hier muss diese Berechnung für jedes Jahr wiederholt werden:
    1. Jahr: 375.000 € * 0,05 = 18.750 €
    2. Jahr: 125.000 € * 0,05 = 6.250 €

Zur Vereinfachung kann die Restwertmethode auch pro Jahr in einer einzigen Kalkulation durchgeführt werden.

Formel

(Anfangswert + Endwert) / 2 * kalkulatorischer Zinssatz = kalkulatorische Zinsen pro Jahr

Der kalkulatorische Zinssatz jeder Periode gibt den Betrag an, den ein theoretischer Verkauf der Maschine am Markt noch bringen und welchen Zinsertrag zu erwarten wäre.

Vor- und Nachteile der Restwertmethode

Bei Nutzung der Restwertmethode erhält das Unternehmen einen klaren Betrag für die Höhe der kalkulatorischen Zinsen für jedes Jahr der Nutzungsdauer. Diese Berechnungsmethode ermöglicht also einen detaillierteren Vergleich.

Durch die aufwendigere Berechnung findet diese Methode jedoch nur selten Anwendung. Da der Verlauf der kalkulatorischen Zinsen nicht konstant ist, benötigt es Erfahrung, den Zinsverlauf korrekt zu deuten.

Warum gibt es die kalkulatorische Eigenkapitalverzinsung?

Auch wenn die Berechnung einer fiktiven Verzinsung auf den ersten Blick seltsam anmutet, so haben kalkulatorische Zinsen eine große Bedeutung im Rechnungswesen. An den Opportunitätskosten wird der Erfolg von Unternehmen gemessen, die über viel gebundenes Kapital verfügen. Gleichzeitig ermöglicht die Berechnung der kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsung eine Grundlage für die Kosten des Eigenkapitals eines Unternehmens.

Mit diesen Informationen haben Betriebe ein wirkungsvolles Instrument an der Hand, das bei der Preisfindung eine Rolle spielt. Ebenfalls sinnvoll ist die Betrachtung des kalkulatorischen Zinssatzes bei der Überlegung, ob ein abnutzbares Wirtschaftsgut vor Ablauf der Nutzungsdauer veräußert werden soll. Unternehmen sollten den betriebswirtschaftlichen Aspekt der Opportunitätskosten also stets im Blick behalten.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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