Kaufkraftparität – Indikator für Wechselkurse

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Mit der Kaufkraftparität lassen sich im Ländervergleich Lebensstandard sowie Druck auf eine mögliche Korrektur von Wechselkursen erkennen. (Foto: maradon 333 / shutterstock.com)

Schon mal was von Kaufkraftparität (abgekürzt KKP, englisch: purchasing power parity, PPP) gehört? Der Begriff wird gerne abgenickt, weil er auf Anhieb etwas von vergleichbaren Preisen vermittelt. Doch dahinter steckt mehr. Es geht neben Lebenshaltungskosten in verschiedenen Ländern auch um Devisen und Wechselkurse von Währungen.

Lebensstandard und Wechselkurse

Zu den zentralen Fragen gehört: Passt in Bezug auf den Lebensstandard ein aktueller Wechselkurs zur Kaufkraft? Lässt sich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Ländern vergleichen? Das Problem ist, dass bei der Betrachtung bestimmte relevante Größen im Detail Unschärfen aufweisen oder gar verzerrt sind.

So hat beim Bruttoinlandsprodukt, dem Gradmesser der Leistung einer Volkswirtschaft, in exportorientierten Nationen die Stärke der Währung großen Einfluss. Doch was, wenn deren Kurs künstlich niedrig gehalten wird, Beispiel China? Auch in anderen Ländern mit unterbewerteten Währungen stellt sich das Pro-Kopf-Einkommen meist höher dar als es den tatsächlichen Verhältnissen entspricht.

Wie also lassen sich Wohlstand oder Armut ohne Verzerrungen durch Wechselkursschwankungen messen? Institutionen wie die Weltbank beispielsweise betrachten für einen realitätsnahen Vergleich die Entwicklung von Warenkörben. Ansatz ist die Kaufkraftparität (KKP) – als Korrekturfaktor sozusagen. Um die Einkommen vergleichen zu können, wird meist die Kaufkraft des US-Dollar in die jeweilige lokale Kaufkraft umgerechnet.

Kaufkraftparität mit standardisierten Produkten erkennen

Zur Verdeutlichung ein fiktives Beispiel mit ein und demselben Produkt in den USA und Deutschland anhand seines jeweiligen Durchschnittspreises: In Deutschland kostet ein Liter Coca Cola 1 Euro, in den USA ist der Preis 1,50 US-Dollar. Um nun einen Preisvergleich herzustellen, müssen beide Preise in einer Währung ausgedrückt werden. Nimmt man den Dollar, so wird beim nominalen Wechselkurs von 1,25 US-Dollar/Euro die amerikanische Cola folgendermaßen ins Verhältnis zur deutschen Cola gestellt: 1,50 US-Dollar (US-Cola) geteilt durch 1,25 US-Dollar (deutsche Cola) ergibt 1,20 Euro. Dieses Ergebnis führt zu zwei Erkenntnissen.

Die erste ist eher akademischer Natur und folgt dem wissenschaftlichen Gedanken, dass der Unterschied in der Theorie streng genommen nicht sein darf. Märkte sollten effizient sein und keine Möglichkeit zur Arbitrage bieten. Mancher Anleger dürfte es vielleicht kennen: Arbitrage ist das Ausnutzen von Preisunterschieden – ein Investment ohne jegliches Risiko. Im Beispiel könnte man beliebig viele Cola-Flaschen für 1 Euro kaufen und in Amerika für 1,50 US-Dollar, umgerechnet 1,20 Euro, verkaufen. Würde dies jeder tun, gäbe es bald keinen funktionierenden Markt mehr.

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In der Praxis jedoch müsste man die Flaschen vorm Verkauf in die USA transportieren und das Ganze dann auch noch verzollen. Soweit zum akademischen Ansatz mit der reinen Lehre von Märkten ohne Einschränkung. Die zweite Erkenntnis aber zeigt, dass nach der Kaufkraftparität (KKP) sich der Wechselkurs ändern müsste. Und zwar so, dass beide Währungen auf die gleiche Kaufkraft kommen. Im Beispiel wäre dies bei 1,50 US-Dollar/Euro der Fall. Die amerikanische Cola würde dann umgerechnet 1 Euro kosten. Weil dem nicht so ist, könnte die US-Währung unter Abwertungsdruck geraten.

Populärer Big Mac-Index

Ein populäres Beispiel ist der seit 1986 vom britischen Magazin The Economist aufgelegte Big Mac-Index. Der Burger von Mc Donald’s wird überall auf der Welt in verschiedenen Ländern in gleicher Qualität hergestellt und eignet sich somit zur Analyse der Kaufkraftparität und vom Preisniveau. Die Idee: Wenn man den Preis in einem Land mit der US-Dollar vergleicht und den Big Mac-Wechselkurs berechnet, zeigt sich, ob eine Währung über- oder unterbewertet ist. Bei Kaufkraftparität müsste er gleich sein.

Wenn ein Big Mac in Deutschland beispielsweise 4,29 Euro kostet und in den USA 5,51 US-Dollar, teilt man eben den deutschen durch den amerikanischen Preis und erhält einen Wechselkurs von 0,78 Euro/US-Dollar. Beträgt der nominale Wechselkurs zu dem Zeitpunkt 0,88 Euro/US-Dollar, so zeigt die Differenz wie stark der Euro unterbewertet ist.

Für Anleger, die mit Devisen handeln, ein Indiz, dass es zu einer Korrektur des Wechselkurses kommen könnte. Es gibt noch eine Reihe weiterer Produkte, die in Sachen Kaufkraftparität eignen. Etwa Billy Regale von Ikea oder das iPod von Apple. Doch so griffig das alles erscheint, die örtlichen Rahmenfaktoren können durchaus voneinander abweichen. Zu nennen wären etwa beim Big Mac Produktionskosten und Löhne, Werbung oder Mietkosten. Und in Indien zum Beispiel, wo Rindfleisch tabu ist, wird es durch Huhn ersetzt. Die Vergleichbarkeit von Produkten und Preisniveaus ist also selten perfekt.

Zudem kommt es mit Blick auf die Betrachtung des Wohlstands in einem Land darauf an, wie lange Konsumenten arbeiten müssen, um sich ein bestimmtes Produkt leisten zu können. Unter anderem deshalb wird bei der Kaufkraftparität üblicherweise nicht nur ein Produkt, sondern ein ganzer Korb von Waren und Diensten zu Betrachtung herangezogen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.