Konsolidierung am Aktienmarkt – Folgen für Werte und Investoren

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Ein Aufschwung stoppt, die Kurse sinken auf ein niedrigeres Niveau und das Volumen schwindet: Die Konsolidierung an der Börse ist da. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)


Konsolidierung am Aktienmarkt

Definition: Seitwärts oder leicht abwärts gerichtete Entwicklung des Aktienkurses

Wortherkunft: Lateinisch consolidatio = Stabilisierung, Festigung

Auftreten: Nach einer längeren Phase steigender oder fallender Kurse am Aktienmarkt

Ursache: Diskrepanz zwischen fundamentaler Aktienbewertung und realen Kursveränderungen

Achtung: Aktienkonsolidierungen sind schwer von Trendwenden zu unterscheiden


Definition: Was ist die Konsolidierung am Aktienmarkt?

Für Anleger gibt es keine angenehmere Phase am Aktienmarkt als ein intakter Aufwärtstrend. Am liebsten hätten die meisten von ihnen keinen anderen. Dennoch ist die Börse keine Einbahnstraße. Eine starke Aufwärtsbewegung der Kurse kann plötzlich abbrechen. In dieser Phase der Konsolidierung sinken die Aktienkurse oder bleiben gleich. Der lateinische Begriff Konsolidierung bedeutet in etwa so viel wie Stabilisierung.

Dieses Phänomen sorgt vor allem nach einer längeren Phase steigender oder fallender Notierungen zu einer Abkühlung der Nachfrage. An der Börse wird eine Konsolidierung nicht unbedingt negativ gesehen. Durch die Konsolidierung wird die Bildung von Blasen beziehungsweise Hypes verhindert, die fatale Folgen haben können. Daher führt diese Bewegung zu einem moderateren und vorsichtigeren Verhalten der Marktteilnehmer, was für Anbieter und Käufer gleichermaßen gilt.

Aktienkonsolidierung als Folge eines überhitzten Marktes

Die Situation ist gar nicht selten: Vielfach steigen oder fallen die Kurse an den Börsen besonders stark, ohne dass dies mit der Realität in der Wirtschaft in einem begründeten Zusammenhang steht. Die Gründe hierfür sind oft mit dem gesunden Menschenverstand nicht zu erklären. Häufig sind sie der Gier und noch profaner auf den Herdentrieb zurückzuführen. Wie die Bitcoin Entwicklung im Jahre 2017 zeigte, tragen auch die Medien hieran eine Verantwortung.

Die Gier mancher Anleger und der Wunsch, schnell Geld zu verdienen, führt zu manch irrationalen Handlungen. Es kommt zu Käufen von Aktien, selbst wenn die Kurse mit den fundamentalen Bewertungen der Konzerne nicht mehr mithalten können. An dieser Stelle kommt es in der Regel zu einer Aktienkonsolidierung: Der überhitzte Markt kühlt sich ab

Vor- und Nachteile einer Aktienkonsolidierung

Wenn der Aktienkurs eines Unternehmens in eine Seitwärtsbewegung eintritt, hat dies für Anleger klare Vor- und Nachteile, die im Folgenden differenziert erläutert werden.

Vorteile einer Konsolidierung am Aktienmarkt:

  • Gerät ein starker Trend ins Stocken, so ergeben sich für Investoren Einstiegschancen, bevor der Trend wieder aufgenommen wird.
  • Je länger ein Seitwärtstrend Bestand hat, umso klarer bilden sich Unterstützungen und Widerstände heraus. Diese können von Day- und Swing-Tradern aktiv gehandelt werden.
  • Bricht ein Aktienkurs aus einer Konsolidierung heraus, so wird dies in der Regel von viel Momentum begleitet. Häufig ist dies der Startpunkt eines starken neuen Trends.
  • Euphorie und Gemüter kühlen sich ab. Dies gibt dem Unternehmen die Möglichkeit, die fundamentalen Werte dem Aktienkurs anzunähern.

Nachteile einer Konsolidierung am Aktienmarkt:

  • Der bestehende Trend wird unterbrochen. Dies kann den Profit schmälern und Momentum rausnehmen, da Spekulanten aussteigen.
  • Je länger eine Seitwärtsphase andauert, umso mehr Rendite kann diese mittel- und langfristig investierten Anlegern kosten.
  • Eine Konsolidierungsphase kann eine Trendumkehr bedeuten. Oftmals ist diese nur schwer erkennbar, weswegen Positionen verkleinert oder gehedged werden.
  • Aufgrund einer allgemeinen Vorsicht sollten Ausbrüche erst bestätigt werden (z. B. durch News), bevor von einem neuen Trend gesprochen werden kann.

Was eine Konsolidierung für Anleger bedeutet

Die Konsolidierungsphase währt in aller Regel eine kurze Dauer und endet häufig mit der Fortführung des vorherigen vorherrschenden Trends. Für mittel- bis langfristig orientierte Anleger hat eine Konsolidierung daher keine große Bedeutung. Es gibt keinen Grund für Investoren, auf ein solches Börsenphänomen mit entsprechenden Transaktionen zu reagieren.

Diese Verläufe sind in Echtzeit schwer zu identifizieren. Die Konsolidierung an der Börse kann im Nachhinein im Kursverlauf klar erkannt werden, aber nur schwer, während eine Aktienkonsolidierung vor sich geht. Es ist nicht einfach diese von einem Trendwechsel – den Übergang von einem Aufwärts- in einen Abwärtstrend – zu unterscheiden. Und hier liegt die Gefahr. Wer sich zu früh aus einer Position verabschiedet, kann unter Umständen die Fortführung eines langen und profitablen Trends verpassen. Auf der anderen Seite ist ein verpasster Trendwechsel oft ein kostspieliger Fehler.

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In der Retrospektive erkennt der Investor, ob er mit seiner Einschätzung richtig lag. Fehlentscheidungen kosten jedoch immer wertvolles Kapital. Es gilt die Fehlerquellen während einer Konsolidierung am Aktienmarkt auf ein Minimum zu reduzieren. Für Anleger, die Trendfolge-Strategien nutzen, bedeutet dies vor allem das Abwarten auf eine Bestätigung. Diese kann sowohl auf dem Chart durch die technische Analyse oder durch eine fundamentale Bestätigung (z. B. in News) erfolgen. Bevor mit entsprechenden Käufen oder Verkäufen reagiert wird, empfiehlt sich in einem solchen Fall Geduld zu wahren.

Darüber hinaus bieten Konsolidierungsphasen für Investoren mögliche Gelegenheiten zum Einstieg. Zeigt die Analyse eine Fortsetzung des Aufwärtstrends, so ergeben sich gute Chancen auf Profite.

2019: Konsolidierungsphase für den DAX?

Seit Beginn des Jahres 2019 hat der deutsche Leitindex um 14% zugelegt (Stand: Mai 2019). Seit Anfang März 2019 bewegt sich der Leitindex jedoch seitwärts. Marktbeobachter sind sich nicht einig: Ist das nur eine kurze Seitwärtsbewegung innerhalb eines Aufwärtstrends oder das Vorzeichen einer Trendwende?

Der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China hat im März 2019 den steilen Anstieg des DAX gestoppt. Der Index umfasst global stark vernetzte Konzerne, die negativ von Preiserhöhungen und Lieferengpässen betroffen wären. Wenn es sich um eine kurze Konsolidierung handelt, kann der überhitzte Markt sich etwas beruhigen. In dieser Zeit können weitere Käufer angelockt werden, wodurch die Kurse anschließend wieder steigen. Es ist aber auch ein anderes Szenario möglich: Die Probleme bei Bayer und das Geduldsspiel der Deutschen Bank lässt noch Spielraum nach unten zu.

Am Ende wird sich zeigen, ob die zuletzt erreichten Kurszuwächse wieder verloren gehen und gar eine Trendwende einsetzt. Auf lange Sicht betrachtet, wächst der deutsche Leitindex jedoch kontinuierlich an, sodass insbesondere mittel- und langfristige Investoren auch hier von einer Aktienkonsolidierung ausgehen könnten.

Was passiert während der Konsolidierungsphase im Leben eines Investors?

Die Konsolidierung ist ein Begriff aus dem Finanzwesen. In der Betriebswirtschaft meint es beispielsweise das Zusammenfassen der Einzelabschlüsse aller Tochterunternehmen im Konzernabschluss. Weiterhin steht der Begriff in der Finanzwelt für die Umwandlung kurzfristiger Schulden in langfristige Schulden, wenn zum Beispiel der teure Dispokredit in ein günstigeres, längerfristiges Darlehen umgewandelt wird.

Im Leben eines Investors steht die Konsolidierung für die Balance zwischen dem Wachstum und dem Schutz von eigenen Investitionen. Die Stabilisierungsphase beginnt üblicherweise zur Lebensmitte eines Investors (nach der Ansparphase), wenn sich seine Kinder langsam dem Hochschulalter nähern und der Abstand zwischen dem Berufseinstig und dem Karriereende ungefähr gleich ist (sie kann jedoch bis zur Rente anhalten). Während der Konsolidierungsphase sollten sowohl die Immobilien- als auch die Ausbildungsfinanzierung der Kinder abgeschlossen sein. Die Rentenvorsorge kann dann in den Fokus der Finanzen treten.

Der private Anleger bringt in der Konsolidierungsphase seines Lebens Ordnung in seine finanzielle Situation und Anlagen. Rentenkonten, Sparbücher und Girokonten werden zusammengefasst, um das Handling der Finanzen zu erleichtern. Diese Maßnahme dient der besseren Verwaltbarkeit der unterschiedlichen Anlagen. Abschließend sorgen viele Investoren für eine gute Balance zwischen Einkommen und Sicherung ihrer Investitionen. Die Sicherung spielt eine größere Rolle. Ein weiteres risikoreiches finanzielles Wachstum tritt in den Hintergrund.

Konsolidierung der eigenen Aktien vs. Aktiensplit

Nach einer Phase stetig steigender Aktienkurse ist es für Investoren nicht einfach, bei wachsenden Unternehmen zu vorteilhaften Aktienpreisen einzusteigen. Die Kurse mancher Unternehmen sind dann schlichtweg zu teuer bzw. sogar überbewertet. Beispielsweise hat die Firma Coca-Cola (WKN 850663; ISIN: US1912161007) seit dem Börsengang im Jahr 1919 zahlreiche Aktiensplits durchgeführt. Ohne diese Splits wäre eine Aktie von Coca-Cola heute rund 3 Millionen Euro wert.

Definition Aktiensplit

Unter einem Aktiensplit verstehen Anleger die Aufteilung einer bestehenden Aktie in mehrere kleineren Teile. Mit diesem Prozess soll eine „teure” Aktie in visuell „günstigere” Wertpapiere zerlegt werden. Das Unternehmen verspricht sich hiervon eine verbesserte Handelbarkeit, eine Kapitalverwässerung findet nicht statt.

Unternehmen führen von Zeit zu Zeit Aktiensplits durch, um die eigenen Aktien wettbewerbsfähig zu halten. Das Unternehmen wird dabei quasi in Scheiben aufgeteilt. Die alten Anleger verlieren jedoch keine ihre Anteile.

Beispiel: Angenommen ein Unternehmen hat 500.000 Aktien im Umlauf. Jede Aktie wird mit einen Aktienwert von aktuell 80 € gehandelt. Das Unternehmen kündigt einen Aktiensplit von 4:1 an. Die Anteilseigner erhalten dann nach dem Split 4 Aktien für jede Aktie, die sie vor dem Split im Depot hatten. Sprich, wer vor dem Split 10 Aktien des Beispielunternehmens im Wert von 800 € besaß, hat nach dem Split 40 Aktien je 20 € im Depot, mit einem Gesamtwert von wieder 800 €.

Der Wert der Anteile des einzelnen Investors ändert sich nicht. Der Unternehmenswert ändert sich ebenfalls nicht. Es sind im obigen Beispiel aus 500.000 Aktien 2.000.000 Anteile geworden. Durch den günstigeren Aktienkurs können mehr Investoren einsteigen. Das bedeutet für das Unternehmen idealerweise mehr Liquidität. Wenn die eigenen Aktien eines Investors gesplittet werden, wird dieser informiert. Das Unternehmen kündigt den geplanten Split vorher an.

Der Aktiensplit ist eine umgekehrte Konsolidierung

Im Gegensatz zum Aktiensplit werden bei der Konsolidierung die Aktien eines Unternehmens zusammengelegt. Diese Maßnahme wird zum Beispiel durchgeführt, wenn die Kurse der eigenen Aktien stark eingebüßt haben. Das Unternehmen hat dann die Möglichkeit zu reagieren, indem sie beispielsweise für 10 gehaltene Aktien nach der Konsolidierung nur eine neue Aktie ausgeben. Auch hier liegt das Umtausch-Verhältnis im Ermessen des Unternehmens.

Die Aktienkonsolidierung kann für ein Unternehmen nötig sein, um nicht zum Pennystock auf dem Aktienmarkt zu avancieren. Denn der Aktienkurs hat auch immer mit Glaubwürdigkeit zu tun. Ein Preis im Cent-Bereich ist da nicht hilfreich.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.