Krüger und Känguru, Ahorn und Adler – begehrtes Gold in barer Münze

Die beliebteste aller Goldmünzen ist der Krügerrand. Zum 50en Geburtstag gibt es Sonderauflagen. Doch auch andere Münzen sind begehrt. (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Seit dem von Donald Trump losgetretenen Aktien-Hype schaut alles auf Rekordstände beim S&P 500, Dow Jones sowie Dax, und viele schielen auf anziehende Zinsen in den USA. Gold scheint kaum noch eine Rolle zu spielen. Die Feinunze kostete bis Ende letzten Jahres nur noch 1.128 US-$.

Die beliebteste aller Goldmünzen wird 50

Ab 2017 startete der Goldpreis kräftig durch. Ein schöner Auftakt zum 50. Jubiläumsjahr des Krügerrand. Die mit Abstand beliebteste aller Goldmünzen wurde seit ihrer Einführung 1967 über 60 Mio. Mal verkauft – mehr als alle anderen zusammen. Im Original wiegt sie 33,9 Gramm. Zieht man das Gewicht der Kupferlegierung ab, welche die Oberfläche gegen Kratzer schützt, verbleiben 31,1 Gramm Feingold, also genau eine Unze.

Und der Preis für die Unze Gold ist inzwischen auf fast 1.287 US-$ bzw. 1.211 € gestiegen. Die Inflation zieht an, die Investoren greifen zu, und im wichtigen Goldmarkt Indien steigt die Nachfrage wieder. Ein Grund mehr, sich die beliebtesten Goldmünzen kurz anzuschauen.

Der Krügerrand ist gerade im deutschsprachigen Raum begehrt. Hier werden mindestens 50% der jährlich rund 1 Mio. verkauften Exemplare abgesetzt. Die nach dem einstigen südafrikanischen Präsidenten Paul Krüger benannte Münze war 1967 die erste Alternative zu Goldbarren und als offizielles Zahlungsmittel eine steuerfreie Anlage.

Die Idee kam an, Investoren griffen zu. Viele wollten sich Gold sichern, bevor der feste Wechselkurs zwischen Gold und Dollar mit dem Währungssystem Bretton-Woods abgeschafft wurde. Zum goldenen Geburtstag gibt es dieses Jahr Sonderprägungen in limitierter Auflage – vom klassischen 1-Unze-Format bis zur 50-Unzen-Münze, von der aber nur 50 Stück zu haben sind. Die Kursaufschläge sind entsprechend hoch.

Auflage, Mischung und Motiv entscheiden

Ganz oben auf der internationalen Beliebtheitsskala findet sich der kanadische Maple Leaf. Die Münze mit 99,99% Feingold zeigt Queen Elizabeth II und rückseitig ein Ahornblatt als Symbol Kanadas, das eines der höchsten Goldvorkommen der Welt birgt.

Zu den meistverkaufen Anlagemünzen mit einer Feinunze Gold gehört auch der American Eagle. Für Puristen ist er allerdings nicht ganz so interessant, weil er nicht nur Kupfer zur Widerstandsfähigkeit, sondern auch Silber enthält.

Dieselbe Mischung enthält die Britannia, auf der die gleichnamige Göttin sowie Queen Elizabeth II abbildet sind. Sie wird seit 1987 von der Royal Mint in London geprägt und gilt als erste europäische Anlagemünze.

Völlig ohne Legierungsanteile kommt die Wiener Philharmoniker aus. Sie wurde 1989 erstmals geprägt und war seitdem in vier Jahrgängen die meistverkaufte Goldmünze der Welt. Auch als „Phil“ oder „Harmony“ bezeichnet ist sie die erfolgreichste in Europa.

Ebenfalls ohne Legierung kommt die Australian Kangaroo aus. Der ursprüngliche Name war Nugget. Doch die dargestellten Goldklumpen auf der Münze wirkten wie unförmige Haufen, weshalb sie schlecht ankam – trotzt hoher Prägequalität. Das änderte sich schlagartig, als 1990 das Motiv gewechselt wurde. Seitdem ziert jedes Jahr ein anderes Känguru die Münze, was Sammler begeistert.

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Verschiedene Preisaufschläge

Die Münzen gibt es auch als Halb-, Viertel-Unze oder in kleineren Einheiten. Größere sind wegen der Stück- und Prägekosten günstiger. Die Preise liegen in der Regel oberhalb der aktuellen Goldnotierung.

Als eine der Ausnahmen wird der Gold-Euro ganz nah am Goldpreis gehandelt. Ihn gibt es als 200-Euro-Münze (1 Unze) und ab 2003 als 100-Euro-Münze (1/2 Unze) mit wechselnden Motiven. Doch trotz des geringen Aufpreises ist die Münze hierzulande weniger begehrt als Krügerrand und Maple Leaf.

Im Verhältnis zu Goldbarren, für die es wegen der Größe etwas mehr Gold fürs Geld gibt, haben Münzen einen Vorteil: Sie lassen sich gut verschenken und dienen notfalls als Zahlungsmittel. Und: Abhängig von Nachfrage und Auflage kann ihr Marktwert als begehrtes Sammlerstück erheblich steigen. Weil aber gerade bei kurzfristig begehrten Prägungen die Preise schnell wieder sinken, muss man den richtigen Zeitpunkt erwischen.

Auf den haben jedenfalls die Täter gewartet, die kürzlich nachts ins Berliner Bodemuseum eindrangen und eine Big Maple Leaf klauten. Die Riesenmünze, von der es fünf Exemplare gibt, wiegt 100 Kg und hat einen Materialwert von über 3,8 Mio. €. Etwas schwerer würden sich Diebe mit der größten Goldmünze der Welt tun: die Gold Kangaroo. Sie ist zwar 30 Mio. € wert, wiegt aber eine Tonne.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.