Liquidität – für Unternehmen die Luft zum Atmen

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Liquidität ist die Fähigkeit eines Unternehmens, Zahlungsverpflichtungen fristgerecht zu erfüllen. Generell geht es darum, ob, wann und wie Vermögen zur Verfügung steht. (Foto: sdecoret / Shutterstock.com)

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Wissenswertes zur Liquidität im Überblick

Definition: Fähigkeit eines Wirtschaftssubjekts, seine fälligen Verbindlichkeiten jederzeit, also fristgerecht und uneingeschränkt, begleichen zu können

Liquide Mittel: Vermögenswerte eines Unternehmens, welche umgehend zur Zahlung zur Verfügung stehen

Differenzierung: Unterscheidung der liquiden Mittel in jene erster, zweiter und dritter Ordnung

Arten: Absolute, relative & freie Liquidität, weiters auch noch statische, dynamische, dispositive & strukturelle Zahlungsfähigkeit

Steigerung: Erstellung eines Finanzplans, Verbesserung des Forderungsmanagements, weniger Kapitalbindung, Reduzierung des Lagers, Steuern miteinkalkulieren


Definition: Was ist Liquidität?

In der Betriebswirtschaftslehre bedeutet Liquidität die Fähigkeit eines Wirtschaftssubjekts, seine fälligen Verbindlichkeiten jederzeit, also fristgerecht und uneingeschränkt, begleichen zu können. Unter den genannten Wirtschaftssubjekten fallen alle Marktparteien, also Personen, welche sich am Wirtschaftsleben beteiligen. Dazu zählen beispielsweise alle natürlichen Personen (Menschen), aber auch juristische Personen (z. B. Unternehmen oder Staat). Liquide zu sein ist für jedes Unternehmen von hoher Bedeutung, da nur so das Vertrauen in ein Unternehmen gewährleistet werden kann.

Im Gegensatz zur Liquidität steht die Illiquidität, also die Zahlungsunfähigkeit, was in weiterer Folge zur Verschuldung und Insolvenz führen kann. Um eine Zahlungsunfähigkeit zu verhindern, bedarf es eines qualifizierten Liquiditätsmanagements, welches in großen aber auch in mittleren und kleinen Unternehmen von großer Bedeutung ist. Durch das Liquiditätsmanagement kann man Krisen und Zahlungsengpässe frühzeitig erkennen und rechtzeitig auf diese reagieren. Liquiditätsmanagement beschäftigt sich demnach u. a. mit der Liquiditätsplanung, der Disposition liquider Mittel, der Gestaltung der Zahlungsströme sowie dem Währungsrisikomanagement.

Nach einer umfassenden Analyse stellt sich die Frage nach der erforderlichen Höhe der Liquidität. Hier zeigt sich schnell der Zielkonflikt zwischen Liquidität und Rentabilität. Optimal ist die Höhe der Liquidität, wenn sie ausreicht, die fälligen Verbindlichkeiten zu begleichen. Etwas Luft in Form von gewissen Liquiditätsreserven ist zur Sicherheit jedoch natürlich sinnvoll. Eine Unterliquidität ist schlecht für die Zahlungsfähigkeit, bedeutet aber nicht die sofortige und völlige Zahlungsunfähigkeit. Solange Rechnungen, Miete und Gehälter bezahlt werden können, ist man per betriebswirtschaftlicher Definition noch zahlungsfähig. Allerdings geht eine Unterliquidität mit teilweise erheblichen Zinsverlusten einher.

Obwohl Liquidität kaum zum Ertrag beiträgt, ist sie grundsätzlich etwas Gutes. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit einer zu hohen Liquidität, die sogenannte Überliquidität. In diesem Fall wird schlecht, zu wenig oder gar nicht angelegt. So können zwar alle Verbindlichkeiten erfüllt werden, mögliche Zinszahlungen entgehen jedoch und inflationsbedingt wird ein Teil des Vermögens eingebüßt. Die Überliquidität wirkt sich negativ auf die Rentabilität aus, da zu hohe Kassen- und Kontobestände Zinsverluste mit sich bringen.

Innerhalb der Volkswirtschaftslehre beschäftigt sich die Mikroökonomie mit der Definition von Liquidierbarkeit und Liquidität. Die Liquidierbarkeit ist dabei die Fähigkeit eines Wirtschaftssubjekts, seine Aktiva in Geld umzuwandeln. In diesem Zusammenhang können auch Kosten anfallen, welche als sogenannte Liquiditätskosten bezeichnet werden. Dazu zählen auch Aufwendungen bzw. Kosten, die den Banken entstehen, indem sie beispielsweise die Mindestreservesätze einhalten. Die Liquidität wiederum ist, mikroökonomisch gesehen, die vorhandene Geldmenge.

Die Europäische Zentralbank (EZB) differenziert dabei zwischen verschiedenen Geldmengen:

  • Geldmenge M0: Wird auch als Geldbasis bezeichnet und umfasst dabei den Banknotenumlauf im Ausland (ausgenommen der Kassenbestände der Geschäftsbanken) sowie den Zentralbankgeldbestand der Kreditinstitute. Zu diesen zählen beispielsweise Banken oder auch Sparkassen.
  • Geldmenge M1: Bezieht neben dem gesamten Bargeldumlauf auch noch die Sichteinlagen der Nichtbanken mit ein.
  • Geldmenge M2: Besteht aus der Geldmenge M1 zuzüglich aller Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Auch solche Einlagen, mit einer gesetzlichen Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten fallen in den Geltungsbereich der Geldmenge M2.
  • Geldmenge M3: Besteht aus der Geldmenge M2 und den Anteilen an Geldmarktfonds, Verbindlichkeiten aus Rückkaufvereinbarungen, Geldmarktpapieren und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren.

Was sind liquide Mittel?

Liquide Mittel bezeichnen jene Vermögenswerte eines Unternehmens, welche umgehend zur Zahlung zur Verfügung stehen. Sie beinhalten die „liquiden”, also flüssigen, Bestandteile des Vermögens, welche direkt zum Begleichen von Verbindlichkeiten verwendet werden können. Zu diesen zählen laut Handelsgesetzbuch der Kassenbestand, das Bundesbankguthaben, das Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks.

Die Höhe der notwendigen liquiden Mittel hängt von der Geschäftstätigkeit des jeweiligen Unternehmens ab. Dabei folgen Unternehmen einer ganz einfachen, grundsätzlichen Regel, nämlich den Bestand an liquiden Mitteln so niedrig wie möglich und so hoch wie notwendig zu halten. Das bedeutet also, dass ein Unternehmen ausreichend liquide Mittel zur Verfügung haben muss, um seine laufenden Verbindlichkeiten begleichen zu können, da sonst Zahlungsunfähigkeit droht. Andererseits ist ein zu hoher Anteil an liquiden Mittel kontraproduktiv, da dieser durch das untätige Herumliegen auf der Bank kaum Zinsen erwirtschaftet und an anderen Orten effektiver eingesetzt werden könnte. Jedes Unternehmen muss daher eine gute Balance der liquiden Mittel finden.

Liquide Mittel werden nach ihrer Liquidierbarkeit, also dem Grad ihrer Umwandlungsfähigkeit in Bargeld, bewertet. Man unterscheidet folgende Arten der liquiden Mittel:

  • Liquide Mittel erster Ordnung: Kurzfristige Verbindlichkeiten, welche einen Zeitraum von bis zu einem Jahr umfassen. Dabei handelt es sich um sofort verfügbare Vermögenswerte, also alle bereits vorhandenen Bargeld- und Kassenbestände sowie das Bankguthaben.
  • Liquide Mittel zweiter Ordnung: Mittelfristige Verbindlichkeiten, welche einen Zeitraum von einem bis zu fünf Jahren umfassen. Hierzu zählen kurzfristig in Bargeld umwandelbare Posten, wie Schecks, Wechsel oder Wertpapiere.
  • Liquide Mittel dritter Ordnung: Langfristige Verbindlichkeiten, welche einen Zeitraum von über fünf Jahren umfassen. Dazu zählen jene liquide Mittel, die nur mit sehr viel Aufwand und auch nur mittelfristig in Bargeld umgewandelt werden können, wie z. B. Waren, Roh- oder Betriebsstoffe.

Die Entwicklung der liquiden Mittel innerhalb eines Unternehmens wird mit der sogenannten Kapitalflussrechnung (auch: Cashflow-Rechnung) dargestellt. Die Zahlen für diese Rechnung werden aus dem Jahresabschluss entnommen, irrelevante Bestandteile (z. B. Abschreibungen) werden aus der Berechnung entfernt. Allgemein ist der Cashflow ein wichtiger Indikator für die Liquiditätssituation eines Unternehmens und sollte somit von keinem Unternehmer vernachlässigt werden. Zwingend vorgeschrieben ist die Kapitalflussrechnung durch das Handelsgesetzbuch jedoch nur für börsenorientierte Unternehmen im Rahmen von Quartals- und Jahresabschlüssen.

Welche Faktoren bestimmen die Liquidität?

Sobald ein Unternehmer Rechnungen an einen Dritten stellt, kommt es zur Verschmelzung der eigenen mit der fremden Liquidität. Folgende Werte des eigenen Unternehmens bündeln sich in Forderungen, welche einen finanziellen Ausgleich verlangen:

  • Arbeitsleistung
  • Produktionsnebenkosten
  • Rohstoffe
  • Endprodukte

So lange dieser Ausgleich jedoch nicht erfolgt ist, sinkt die Liquidität des eigenen Unternehmens. Grundsätzlich ist das kein Problem, solange der Gegenüber seine Verbindlichkeiten innerhalb der gesetzten Frist zahlt ist die Liquidität theoretisch nicht bedroht. Jedoch ist ein gewisser Anteil der eigenen Liquidität an die offenen Forderungen gebunden. Versäumt der Rechnungsempfänger es nun sogar, die Forderung zu begleichen, führt dies nicht selten zu erheblichen Schwierigkeiten.

Um das zu verhindern, ist es für einen Unternehmer wichtig, rechtssichere und konforme Rechnungen zu stellen. Diese bilden die Basis für ein solides Forderungsmanagement, das im Zweifelsfall auch die schnelle Reaktion auf Verzögerungen ermöglicht. Anstelle etwaiger Mahnungen bei Zahlungsverzug gibt es auch die Möglichkeit des „Factoring“. Dieser Vorgang macht nicht nur liquider, sondern legt auch das Debitorenmanagement in externe Hände schützt vor Forderungsausfall. Es ist aufgrund der vielen Vorteile für Unternehmen sehr interessant.

Factoring unterscheidet sich von Inkasso vor allem dahingehend, dass es sich nicht um bereits überfällige Forderungen handelt, die von einem Dritten übernommen und weiter behandelt werden. Vielmehr verkaufen Unternehmer ihre Rechnungen beim Factoring an einen Dienstleister. Dieser veranlasst direkt nach dem Verkauf die Zahlung von rund 90 % Prozent der Rechnungssumme an das Unternehmen und wartet auf die Zahlung des Geschäftspartners. Ist die Zahlung dann eingetroffen, folgt die Begleichung der verbleibenden zehn Prozent. So sind Dienstleister im Factoring-Bereich als zwischengeschaltete Instanz zu verstehen, die sich um die Begleichung und im Ernstfall auch das Eintreiben von Forderungen kümmern.

Was versteht man unter statischer Liquidität?

Die statische Liquidität bringt zum Ausdruck, in welchem Verhältnis liquide Vermögensgegenstände auf der Aktiv-Seite der Unternehmensbilanz zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten auf der Passiv-Seite stehen. Zur Ermittlung der statischen Liquidität werden vorhandene flüssige Mittel mit den fälligen Zahlungsverpflichtungen verglichen und gegengerechnet. Als statistisch wird die Liquiditätsanalyse deshalb bezeichnet, weil sie Bezug auf einen bestimmten Zeitraum im Unternehmensleben nimmt. Alle Werte beziehen sich also nur auf einen festen Zeitpunkt. Das beschreibt auch gleich einen Nachteil der statischen Liquidität, nämlich, dass alle Zahlen nur für den Tag der Aufstellung wirklich Gültigkeit besitzen. Zukünftige Zahlungseingänge und -verpflichtungen finden hierbei keine Berücksichtigung.

Zur Analyse der statischen Liquidität werden folgenden Instrumente herangezogen:

  • Liquiditätsbilanz: Sie dient als Unterlage für Maßnahmen der Finanzierung von Unternehmen. Sie ist das Maß der Zahlungsbereitschaft eines Unternehmens für einen bestimmten Zeitpunkt. Hierzu wird der Finanzierungsbedarf dessen Deckung gegenübergestellt. Gegebenenfalls wird eine Liquiditätsbilanz auch vor Sanierungen aufgestellt.
  • Goldene Bilanzregel: Diese fordert, dass die langfristig an das Unternehmen gebundenen Anlagegüter durch langfristiges Kapital gedeckt sein müssen. In erster Linie muss es sich hierbei um Eigenkapital handeln. Das Umlaufvermögen hingegen sollte laut der goldenen Bilanzregel durch kurzfristiges Kapital gedeckt sein.
  • Liquiditätsgrade: Zieht man zur Berechnung der statischen Liquidität die sogenannten Liquiditätsgrade heran, dann unterscheidet man zwischen 3 verschiedenen Graden, nämlich der Barliquidität, der einzugsbedingten Liquidität sowie der umsatzbedingten Liquidität.

Was bedeutet die Liquidität ersten Grades?

Liquiditätsgrade geben an, wie nahe dem Unternehmen die liquiden Mittel stehen, in welchem Zeitrahmen diese also verfügbar sind. Die Liquidität ersten Grades, welche auch als Barliquidität oder Cash Ratio bezeichnet wird, ist demnach die Liquidität, die dem Unternehmen „am nächsten steht” und somit am schnellsten verfügbar ist.

Mit der Liquidität ersten Grades wird berechnet, ob ein Unternehmen seine laufenden Schulden mit dem flüssigen Vermögen aus Bank, Kasse, Schecks und Wechseln begleichen kann. Es geht also um die Fähigkeit zur Begleichung kurzfristiger Verbindlichkeiten, bei welchen das Zahlungsziel weniger als ein Jahr beträgt. Man berechnet sie, indem man die flüssigen Mittel mit 100 multipliziert und das Produkt im folgenden Schritt durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten dividiert.

Formel  

Berechnung der Liquidität 1 Grades (Cash Ratio)

?
Die Liquidität 1 Grades, auch Cash Ratio genannt, ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl die Auskunft über die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens gibt. Ein Unternehmen wird als „gesund“ eingestuft wenn die Liquidität 1 Grades zwischen 10% bis 30% liegt.
$$\bo\text"Liquidität"↙\text"1 Grades" = [(\text"flüssige Mittel" / \text"kurzfristige Verbindlichkeiten"\)]*100$$
Ergebnis berechnen

Erreicht oder überschreitet die Barliquidität bei dieser Berechnung 100 %, spricht man von einer positiven Liquidität. Das heißt, alle kurzfristigen offenen Zahlungsverbindlichkeiten können mit den liquiden Mitteln abgedeckt werden. Diese positive Liquidität ist aber nicht notwendig und in den meisten Fällen auch gar nicht erwünscht, da sich eine zu hohe Liquidität in vielen Fällen negativ auf die Rentabilität auswirkt. Ziel eines Unternehmens sollte es also sein, eine Liquidität ersten Grades von 10 % bis 30 % zu erreichen.

Fazit

Die Liquidität ersten Grades bezeichnet jene Mittel, die dem Unternehmen am nächsten stehen. Der ermittelte Prozentwert zeigt, wie viel Geld im Verhältnis zu den Verpflichtungen vorhanden ist, um diese zu decken.

Was bedeutet die Liquidität zweiten Grades?

Nicht alle kurzfristigen Verbindlichkeiten müssen auch immer sofort bezahlt werden. Immerhin steht „kurzfristig” für einen Zeitraum bis zu einem Jahr. Insofern ist die Barliquidität wenig aussagekräftig. Angemessener ist deshalb, wenn analog zu den kurzfristigen Verpflichtungen auch die Vermögensseite kurzfristig verfügbare Anteile und Vermögensgegenstände enthält, also nicht nur sofort vorhandenes Geld.

Die Liquidität zweiten Grades, welche auch als einzugsbedingte Liquidität oder Quick Ratio bezeichnet wird, kommt in der Praxis am häufigsten vor, da sie die aussagekräftigste der drei Kennzahlen ist. Das liegt daran, dass sie auch noch kurzfristige Forderungen, bei welchen das Zahlungsziel weniger als ein Jahr beträgt, zu den flüssigen Mitteln zählt, da diese ebenfalls schnell verfügbar sind. Mit ihr kann man also messen, ob ein Unternehmen kurzfristig seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann.

Die Quick Ratio wird berechnet, indem man die flüssigen Mittel und die kurzfristigen Forderungen addiert. Diese Summe wird mit 100 multipliziert und durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten dividiert.

Formel  

Berechnung der Liquidität 2 Grades (Quick Ratio)

?
Die Liquidität 2. Grades, auch "Quick Ratio" oder "einzugsbedingte Liquidität" genannt, bezeichnet die Zahlungsfähigkeit zur Begleichung offener Verpflichtungen unter Einbeziehung kurzfristig offener Forderungen.Der Richtwert für die Höhe des 2. Liquiditätsgrads liegt bei etwas über 100%.
$$\bo\text"Liquidität"↙\text"2 Grades" = [(\text"(flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen)" / \text"kurzfristige Verbindlichkeiten"\)]*100$$
Ergebnis berechnen

Bei der Liquidität zweiten Grades enthält die Rechnung monetäres Umlaufvermögen (monetary current assets). Diesem entspricht das komplette Umlaufvermögen, Vorräte und sonstige Vermögensgegenstände werden davon abgezogen. Das monetäre Umlaufvermögen beinhaltet:

  • Bankguthaben,
  • Postscheckguthaben,
  • Schecks,
  • Wertpapiere und
  • Forderungen aus Lieferung

Die Bezeichnung „einzugsbedingte Liquidität” stammt daher, dass bei der Feststellung, wie viel Geld zur Verfügung steht, um Rechnungen oder Gehälter zu bezahlen, bei ihr eben auch offene eigene Forderungen miteinbezogen werden, welche in Kürze bezahlt werden. Um ihren Stellenwert erkennen zu können, muss sie jedoch verglichen zu den beiden anderen Liquiditätskennzahlen betrachtet werden.

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Obwohl die einzugsbedingte Liquidität am aussagekräftigsten ist, so hat auch diese Kennzahl eine zentrale Schwachstelle. Als sogenannte statische Liquiditätsanalyse ist sie rein stichtagsbezogen, doch nur ein Teil der Verbindlichkeiten ist auch wirklich zum Stichtag fällig. Wie hoch dieser Anteil ist, darüber wird nichts ausgesagt, es gilt aberje höher er ist, desto schlechter ist es um die Liquidität bestellt. Deshalb müssen die Werte der Kennzahlen mit Vorsicht betrachtet werden, da ein starres Festhalten an ihnen dazu führen kann, dass eine bereits vorhandene Zahlungsunfähigkeit nicht erkannt wird. Abgesehen davon können auch die Werte der einzugsbedingten Liquidität je nach Branche und wirtschaftlicher Gesamtsituation variieren.

Im Ergebnis sollte die einzugsbedingte Liquidität klar über 100 % liegen, denn würde sie unter dieser Marke liegen, kann dies ein Hinweis auf Absatzschwierigkeiten sein. Ein Unternehmen sollte also eine Liquidität zweiten Grades von 100 % bis 120 % anstreben, da es nur dann in der Lage ist, kurzfristige Verbindlichkeiten mit liquiden Mitteln und durch Zahlungseingänge aus kurzfristigen Forderungen zu begleichen.

Mittel, um die Liquiditätsgrade zu erhöhen, liegen primär in der Freisetzung von Kapital, d.h. man verkauft Anlagevermögen. Als zweite Variante gibt es noch die langfristige Kapitalaufnahme, um auf diese Weise die kurzfristigen Verbindlichkeiten zu reduzieren. Höhere Werte sind jedoch auch nicht immer ein gutes Zeichen, denn ist ein Unternehmen zu liquide, könnten sich potenzielle Geschäftspartner fragen, warum das Geld nicht investiert wird.

Fazit

Die Liquidität zweiten Grades ist eine zeitbezogene Kennzahl, um die Liquiditätssituation eines Unternehmens einzuschätzen. Allerdings sollte diese Kennzahl nie zu hoch bewertet werden, da sie, wie gesagt, zeitbezogen ist und somit nur den Moment der Erstellung betrachtet. Später datierte Forderungen sowie auch Zahlungsverpflichtungen werden nicht eingerechnet.

Was bedeutet Liquidität dritten Grades?

Zwei der drei Kennzahlen zur Einschätzung der Liquiditätssituation eines Unternehmens sind nun schon bekannt. Die größten Ungenauigkeiten jedoch beinhaltet die Liquidität dritten Grades. Diese wird auch als umsatzbedingte Liquidität oder Current Ratio bezeichnet. Dieser dritte Liquiditätsgrad ordnet den liquiden Mitteln auch noch den zu verkaufenden Warenbestand hinzu.

Die Current Ratio wird berechnet, indem das Umlaufvermögen mit 100 multipliziert wird und dieses Produkt dann durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten dividiert wird.

Formel  

Berechnung der Liquidität 3 Grades (Current Ratio)

?
Laut der sogenannten „Banker’s Rule“ liegt ein optimaler Zielwert für die Liquidität 3. Grades bei 200%
$$\bo\text"Liquidität"↙\text"3 Grades" = [(\text"Umlaufvermögen" / \text"kurzfristige Verbindlichkeiten"\)]*100$$
Ergebnis berechnen

Der dritte Grad gibt Auskunft über die langfristige Zahlungsfähigkeit. Hier geht es um das Verhältnis des gesamten Umlaufvermögens zu kurzfristigen Verbindlichkeiten. Um für langfristige Verbindlichkeiten liquide zu sein, sollte eine Unternehmen eine Liquidität von etwa 200 % anstreben. Wird ein niedrigerer Wert erreicht, kann es bei der Preisgestaltung bzw. beim Absatz Probleme geben. Wird ein Wert von unter 100 % erreicht, ist gegen die „goldene Bilanzregel” verstoßen worden und es wurde langfristiges Anlagevermögen mit nur kurzfristig zur Verfügung stehendem Kapital finanziert.

Fazit

Die Liquidität dritten Grades erteilt Auskunft darüber, ob eine langfristige Zahlungsfähigkeit gegeben ist. Dabei ist zu beachten, dass langfristiges Anlagevermögen auch mit langfristig zur Verfügung stehendem Kapital finanziert wird.

Was versteht man unter dynamischer Liquidität?

Die dynamische Liquidität beschreibt ebenfalls die Zahlungsfähigkeit von Unternehmen. Hierbei werden die aktuellen Geldflüsse gegeneinander gerechnet und analysiert.

Besonders in der Analyse von Konzernen wird das Verfahren häufig angewendet. Denn im Gegensatz zur statischen Liquidität lässt sich mit der dynamischen Liquidität schätzen, wie mit den vorhandenen Zahlungsmitteln und geschätzten Umsätzen, alle in einem bestimmten Zeitraum anfallenden Zahlungsverpflichtungen bedient werden können. Möchte man also die Liquidität für einen zukünftigen Zeitraum wissen, ist diese Methode dafür bestens geeignet.

Entscheidend für die dynamische Liquidität ist hierbei immer der gewählte Zeitraum, denn sie wird jedesmal für eine bestimmte Periode betrachtet. Dabei gibt es jedoch keinerlei Beschränkungen, wie klein oder groß dieser Zeitraum sein muss, extrem kurze oder lange Zeitabschnitte sind jedoch natürlich weniger sinnvoll. Der Zeitraum wird meist mit ein bis drei Monaten angenommen.

Die Berechnung für die dynamische Liquidität ist die Differenz aus erwarteten Einzahlungen und Auszahlungen in der Periode. Damit die dynamische Liquidität korrekt berechnet werden kann, ist es wichtig zu wissen, welche Bereiche aus dem Unternehmen zu den Einzahlungen und welche zu den Auszahlungen gezählt werden.

Zu den Einzahlungen zählen beispielsweise folgende (seltene) Fälle: 

  • Einnahmen, die man über den Verkauf von Produkten generiert
  • Zinsen aus Guthaben
  • Abfindungen durch Vertragsstrafen
  • Bestechungsgelder

Diese Beispiele sind natürlich selten, was aber genau den Nachteil der dynamischen Liquidität ausmacht. Es wird vieles in einen Topf geworfen und nur einisolierter Zeitraum betrachtet. Deshalb hat diese Art und Weise die Zahlungsfähigkeit von Firmen darzustellen, nicht nur Befürworter, einfach aus dem Grund, dass viele zufällige und selten vorkommende Faktoren eine Rolle spielen können. Die dynamische Liquidität ist und bleibt somit auch nur eine Momentaufnahme und verrät nicht viel über die grundsätzliche Liquidität und Wirtschaftlichkeit des Betriebes.

Hat man die Summe aller Einzahlungen einer bestimmten Periode addiert, gilt es danach die Auszahlungen zusammenzurechnen. Dabei muss der Vergleichszeitraum der Abflüsse identisch mit dem der Zuflüsse sein.

Zu den Auszahlungen zählen beispielsweise folgende Fälle:

  • Produktion mit all ihren Kosten (z. B. Material- und Herstellungskosten)
  • Ausgaben für Mitarbeiter
  • Ausgaben für Lager
  • Steuern
  • Kreditzinsen
  • Kosten für Werbung, Marketing und Vertrieb

Hat man nun beide Summen für den Zahlungsmittelzufluss und den Zahlungsmittelabfluss festgestellt, zieht man die Abflüsse von den Zuflüssen ab. Was übrig bleibt, wird als Zahlungsmittelbestand bezeichnet, welcher natürlich immer nur für den berechneten Zeitraum Gültigkeit besitzt. Die dynamische Liquidität ist damit das verfügbare Kapital plus den erwarteten Einnahmen, abzüglich der Verbindlichkeiten des Unternehmens.

Was versteht man unter freier Liquidität?

Ausreichende Liquidität ist für Unternehmen die Voraussetzung, mit liquiden Zahlungsmitteln den laufenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Wie ein Unternehmen bezogen auf die Zahlungsfähigkeit aufgestellt ist, lässt sich anhand des Liquiditätsgrads erkennen. Dieser zeigt auch, ob etwa eine Über- oder Unterliquidität vorliegt, die im schlimmsten Fall zu Zahlungsunfähigkeit und damit zur Insolvenz führt. Wichtig in diesem Zusammenhang: der Zahlungsmittelbestand. Entspricht dieser dem geplanten Bestand, liegt eine Idealliquidität vor. Ist der eigentliche Bestand der Zahlungsmittel kleiner als der Planwert, besteht eine Unterliquidität und damit das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit. Liegt der Zahlungsmittelbestand über dem Plan, kann von einer Überliquidität gesprochen werden, die einem Verlust durch fehlende Zinseinnahmen entspricht.

Somit ist die Liquiditätsplanung eine der wichtigsten Aufgaben des Finanzmanagements. Durch langfristige Planung der Zahlungsmittel und eine vernünftige Kapitalstruktur kann ein Unternehmen seine Verpflichtungen jederzeit in voller Höhe erfüllen.

Freie Liquidität bezeichnet die verfügbaren Zahlungsmittel, die über das hinausgehen, was zur Deckung von Verbindlichkeiten notwendig ist. Freie Liquidität stärkt die Finanzkraft sowie die Bonität eines Unternehmens und schafft Spielraum für weiteren Erfolg. Notwendig ist sie allein schon für unvorhergesehene Ausgaben, die nicht in den Bestand der planbaren Verbindlichkeiten gehören, sie erleichtert aber auch den Zugang zu externen Finanzmitteln. Für freie Liquidität finden sich in den meisten Unternehmen Potenziale, etwa in Form von unnötig gebundenem Kapital, das freigesetzt werden könnte.

Bei der freien Liquidität geht es auch um den Free Cash Flow, also das, was in der Kasse übrig bleibt, nachdem Schulden und Zinsen getilgt wurden. In vielen Unternehmen findet sich genügend Potenzial, um Liquidität freizusetzen, beispielsweise durch effektives Working Capital Management. Das Working Capital ergibt sich aus dem Umlaufvermögen abzüglich der kurzfristigen Verbindlichkeiten. Damit ist es der Teil des Kapitals, der für das Unternehmen operativ arbeitet.

Freie Liquidität lässt sich sogar auch dort schaffen, wo es finanziell eng wird. Wenn etwa die Kreditlinie ständig überzogen ist, wird durch die überhöhten Zinsen unnötig Kapital gebunden. Ein Auffangkredit kann hier spürbar die Kosten reduzieren. Freie Liquidität sollte jedoch hauptsächlich als Reserve dienen und als Zahlungsmittel schnell verfügbar sein, weshalb auf das richtige Anlegen geachtet werden muss. Da es auf einem Kontokorrent kaum Zinsen bringt, empfehlen sich besser verzinste Anlagen in möglichst geldmarktnahe Investments, die eine tägliche Verfügbarkeit garantieren.

Liquiditätsansätze: Absolute, dispositive, strukturelle & relative Liquidität

Beim Thema Liquidität gibt es verschiedene Ansätze, die von der jeweiligen Betrachtungsweise abhängen. Diese Ansätze zielen immer auf eine bestimmte Funktion im Gesamtkonzept ab. Die Liquidität als Ganzes bezeichnet die Fähigkeit eines Unternehmens, mit vorhandenen Vermögensbestandteilen allen Zahlungsverpflichtungen fristgerecht, als auch in voller Höhe nachkommen zu können. Weiter unterscheidet man:

  • Absolute Liquidität: Die absolute Liquidität betrachtet die Zahlungsfähigkeit mit liquiden Mitteln erster, zweiter und dritter Ordnung. Hier können zudem die Möglichkeiten untersucht werden, ob die Liquidität durch Geldbeschaffung in Form von Krediten oder Einlageerhöhungen gesteigert werden kann.
  • Dispositive Liquidität: Im Rahmen der absoluten Definition gibt es zum einen die dispositive Liquidität. Die betrifft die Fähigkeit von Unternehmen, durch Verflüssigung von Vermögensposten den kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die dispositive Liquidität ist ebenfalls ein kurzfristig ausgelegtes Konzept.
  • Strukturelle Liquidität: Bei ihr steht die Frage im Vordergrund, ob zur Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen die Einnahmen aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit genügen. Dabei stehen nicht aktuelle Einnahmen und Verpflichtungen im Vordergrund, sondern jene, die noch zu erwarten sind. Das Kennzeichen der strukturellen Liquidität ist, dass es sich um eine strategische Betrachtung der Zahlungsfähigkeit handelt. Ziel ist es, das finanzielle Gleichgewicht in einem Unternehmen durch gleichgewichtige Kapitalstruktur zu sichern. Bei der strukturellen Liquidität geht es, im Gegensatz zur dispositiven Zahlungsfähigkeit, um langfristige Ansätze.
  • Relative Liquidität: Darunter wird die Zahlungsfähigkeit unter Berücksichtigung des Verhältnisses von Verflüssigungsfähigkeit und Dringlichkeit einer Zahlung verstanden. Die relative Liquidität zielt dabei also auf die Frage ab, inwiefern ein Unternehmen jederzeit zahlungsfähig ist. Dabei werden Verbindlichkeiten und Vermögenswerte einander gegenübergestellt. Der Zeithorizont der relativen Liquidität ist kurzfristig und wird in die dynamische und die statische Zahlungsfähigkeit unterteilt.

Die dispositive Liquidität ist also kurzfristig ausgerichtet. Ihr Ziel ist es, allen kurzfristigen Verpflichtungen durch die entsprechende Steuerung von Einnahmen und Ausgaben gerecht zu werden. Dies beinhaltet die Fähigkeit eines Unternehmens, Vermögensposten zu Geld zu machen. Voraussetzung für die dispositive Liquidität ist eine sorgfältige Liquiditätsplanung. Bei der dispositiven Liquidität geht es also, kurz gesagt, um die Sicherung der Liquidität. Durch die Aufrechterhaltung des finanziellen Gleichgewichts im Unternehmen wird gewährleistet, dass Zahlungsverpflichtungen jederzeit und in voller Höhe beglichen werden können.

Die dispositive Liquidität charakterisiert die Fähigkeit, fälligen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Ist sie also vorhanden, kann ein Unternehmen seine Rechnungen ohne Probleme begleichen und ist somit zahlungsfähig. Sofern die liquiden Mittel genau so groß sind wie die Zahlungsverpflichtungen, spricht man von einem finanziellen Gleichgewicht. Noch besser ist es jedoch, wenn zusätzliche Zahlungsmittelreserven bestehen. Die dispositive Liquidität ist dann nicht nur vorhanden, sondern sogar übererfüllt.

Die dispositive Liquidität ist der richtungsweisende Ansatz, denn sie sichert die jederzeitige Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens. Umgekehrt trägt die strukturelle Liquidität zur Sicherung der dispositiven Liquidität bei. Sie ist Teil der langfristigen Finanzplanung um Liquiditätsrisiken zu steuern. Die strukturelle Liquidität bestimmt sich nach dem Nettoumlaufvermögen (Net Working Capital) sowie den freien Kreditreserven. Das Nettoumlaufvermögen ist die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und dem kurzfristigen Fremdkapital und stellt die finanzielle Manövriermasse des Unternehmens dar.

Bei der strukturellen Liquidität handelt es sich demnach um einen langfristigen Ansatz. Sie bezieht sich auf die Sicherung der Zahlungsfähigkeit durch die Sicherung einer gleichgewichtigen Kapitalstruktur im Unternehmen. Dabei kommen auch Überlegungen zum Einsatz, inwieweit sich Vermögenswerte zu Geld machen lassen. Mit der strukturellen Liquidität betrachtet man also langfristig die Möglichkeiten, seinen Verpflichtungen in der Form nachzukommen, dass entsprechende Vermögenswerte in der Bilanz zu Geld gemacht werden.

Die strukturelle Liquidität beleuchtet das Verhältnis von Vermögens- und Schuldenteilen in einer Bilanz. Untersucht wird dabei, ob sich Anhaltspunkte etwa für eine Überschuldung finden. Immerhin ist bei Unternehmen nicht nur die Zahlungsunfähigkeit, sondern zugleich die Überschuldung ein Grund, den Konkurs einzuleiten. Die Zahlungsfähigkeit ist demnach längerfristig gefährdet, wenn die Kapitalstruktur, gemessen etwa am Verschuldungsgrad, den Qualitätsnormen nicht entspricht. Diese Qualitätsnormen zeigen sich in Finanzierungskennzahlen wie Verschuldungsgrad, Eigenkapitalquote oder Fremdkapitalquote.

Wie kann die Liquidität gesteigert werden?

Dem Erhalt und der Verbesserung der Zahlungsfähigkeit wird in vielen Fällen zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen sind oft derart mit dem Betriebsablauf beschäftigt, dass das Liquiditätsmanagement in den Hintergrund gerät. Dennoch ist es sehr wichtig, für ausreichend Liquidität zu sorgen, da es sonst zu einer Insolvenz kommen kann.

Insolvenzen sollte auf jeden Fall vermieden werden, denn wenn sich die Liquidität schleichend verschlechtert, werden auch die unternehmerischen Spielräume enger. Zudem stehen der Erhalt und die Sicherheit des Betriebs auf dem Spiel. Wer nachhaltig Erträge generieren will, muss sich demnach intensiv mit dem Thema Geld beschäftigen. Es gibt folglich sehr viele Möglichkeiten, die Liquidität eines Unternehmens zu verbessern und somit den Ernstfall einer Insolvenz zu vermeiden.

Die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens kann verbessert werden durch:

  • Erstellung eines Finanzplans: Wichtig ist es zunächst ein Überblick über fällige Zahlungen und offene Posten zu erstellen. Diese sind in einem Finanzplan zusammenzufassen, der ständig überwacht und aktualisiert werden muss. Ein Finanzplan verhindert somit Überraschungen.
  • Forderungsmanagement: Auch die Verbesserung des eigenen Mahnwesens ist ein wesentlicher Punkt, um die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens erhalten aber auch verbessern zu können. Je reibungsloser die Geldeingänge erfolgen, desto weniger Zinsen sind auf der anderen Seite zu zahlen. Auch das Risiko, ein Inkassobüro einschalten zu müssen, wird minimiert. Gerade bei Aufträgen mit längerer Abwicklungszeit sollte man an Teilzahlungen denken, da Zeit und Materialeinsatz schon vorab Geld kosten. Umgekehrt sollte bei Lieferantenrechnungen lieber auf kleinere Rabatte verzichtet werden. Effizienter ist es, verlängerte Zahlungsziele auszuhandeln und so eigene Zahlungsausgänge hinauszuzögern.
  • Geringere Kapitalbindung: Sachanlagegüter wie Maschinen oder IT-Strukturen sollten nur entsprechend ihrer Nutzungsdauer finanziert werden. Bei Bankkrediten sollte auch für alle Fälle immer die Option einer Sondertilgung vereinbart werden. Alternativ schont die Liquidität auch, wenn Anlagen und Fahrzeuge geleast anstatt gekauft werden. Dieser Mietkauf mit regelmäßigen Raten erspart Verhandlungen mit der Bank, verbessert das eigene Rating bei der Bank und stärkt die Verhandlungsposition. Eine weitere Möglichkeit ist das sogenannte Sale-And-Lease-Back-Verfahren. Hierbei werden eigene Sachanlagen wie Gebäude oder Maschinen an ein Leasingunternehmen verkauft, um sie dann wieder selbst zu leasen. Diese Variante schont und schafft Liquidität zugleich.
  • Reduzierung des Lagers: Lange Lagerhaltung bindet viele Barmittel, wodurch viel Liquidität verloren gehen kann. Man sollte vor allem darauf achten, dass kurzfristig benötigte Rohstoffe auch nur kurze Zeit lagern. Das hat den Vorteil, dass man sein Lager verkleinern kann und dadurch sofort Kosten spart. Oft ist man dazu geneigt, große Mengen einzukaufen, da es günstiger erscheint. Im Betrieb sollte man jedoch besonders darauf achten, wirklich nur die Waren einzukaufen, die auch bald verbraucht werden.
  • Proaktiv prüfen und verhandeln: Ein Unternehmer darf sich nicht scheuen, die Höhe von Privatentnahmen und Geschäftsführungsgehältern kritisch zu hinterfragen, denn oberste Priorität hat immer die Sicherung der Zahlungsfähigkeit. Ist ein Finanz- bzw. Investitionsplan erstellt, sollte auf dessen Basis mit der Bank ein Kontokorrentrahmen vereinbart werden, der ein wenig Luft verschafft. Bei Engpässen der proaktive Kontakt zur Hausbank wichtig. Ihr sollte die Sachlage bekannt sein, bevor Lastschriften oder Überweisungen platzen.
  • Miteinbeziehung von Steuern: In der Finanz- und Liquiditätsplanung sollten immer alle voraussehbaren Steuerzahlungen berücksichtigt werden. Sollte es einmal zu hohen, unerwarteten Steuervorauszahlungen kommen, lassen sich diese auf Antrag herabsetzen, wenn mit einem schlechteren Jahresergebnis zu rechnen ist.

Dies sind einige Basisaspekte, die zu einer Liquiditätsverbesserung führen können. Im Detail lässt sich die Einnahmen- und Ausgabenseite aber natürlich noch weiter optimieren. Hierfür gibt es Experten, welche ein Unternehmen bei Fragen zur Liquidititäsplanung konsultieren sollte. Wichtig ist jedoch vor allem, insgesamt effiziente Strukturen zu schaffen und die Finanzen stets im Blick zu halten.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.