NEO: Was bringt Chinas Kryptowährung für Anleger?

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Chinas führende Blockchain NEO ist weiter auf dem Vormarsch - Was ist für Anleger drin? (Foto: Wit Olszweski / shutterstock.com)

Das Blockchain-Projekt NEO wird gerne als „Ethereum Chinas“ bezeichnet. Zunächst im Jahr 2014 als AntShares (ANS) gestartet, folgte Mitte 2017 die Umbenennung in NEO (NEO).

Mit der Umbenennung folgte auch eine Art Neuausrichtung, die NEO als führende Smart Economy Plattform etablieren soll. Mit Erfolg: Der Kurs der Kryptowährung NEO und des zugehörigen Tokens GAS hat sich in den letzten Monaten vervielfacht.

Heute zählt NEO zu den Top 10 der führenden Kryptowährungen. Viele Anleger fragen sich daher, was sich seit der Umbenennung in NEO geändert hat.

Was ist NEO Blockchain?

Das in Shanghai ansässige Blockchain Projekt NEO (gemeinnützige Organisation) wird von den beiden NEO-Gründern Da Hongfei und Erik Zhang vorangetrieben. Ziel ist der Aufbau einer sogenannten Smart Economy.

Dies bedeutet: Auf der NEO Blockchain sollen digitale Assets (Dokumente, Spiele, Kryptowährungen etc.) sowie digitale Identitäten und smarte Verträge dezentral verwaltet werden. Damit werden digitale Assets ähnlich wie bei Ethereum über sogenannte Smart Contracts gemanagt.

Die Grundidee dahinter: Auf NEO sollen Privatnutzer die Blockchain weitgehend kostenlos nutzen können, während Unternehmen für das Aufsetzen und Ausführen von Smart Contracts zahlen müssen. Technisch gesehen kann NEO derzeit 1.000 Transaktionen pro Sekunde (TX/s) auf seiner Blockchain verarbeiten, skalierbar ist die Blockchain bis 10.000 TX/s. Bis 2020 soll NEO dann 100.000 TX/s verarbeiten können, so NEO-Gründer Da Hongfei.

Um dieses Projekt zu realisieren, nahm NEO über 2 sogenannte Initial Coin Offerings (ICOs) in 2015 und 2016 insgesamt 4,5 Mio. US-$ auf – dieses eingesammelte Geld wurde im November 2017 wieder vollständig an die Investoren zurückgegeben. Dies bedeutet, ICO-Teilnehmer erhielten NEO Coins letztendlich umsonst.

Die Kryptowährung NEO unter der Lupe

NEO hat sich bei seinem Blockchain-Projekt für ein 2-Token-Modell entschieden: NEO und GAS. Der NEO Token repräsentiert einen Teil der Blockchain und ist nicht teilbar, während GAS de facto der „Treibstoff“ auf der NEO Blockchain ist, um Smart Contracts einzurichten und auszuführen.

NEO-Besitzer erwerben mit dem Token einen Teil der Blockchain und werden somit sozusagen zu Aktionären, denn an jedem NEO Token sind Stimmrechte gebunden. NEO-Besitzer können zum Beispiel für Nodes (Rechner im Netzwerk) stimmen, die neue Blocks generieren und zudem entscheiden, wie sich die Blockchain insgesamt weiterentwickeln soll.

Dazu gehören zum Beispiel Abstimmungen bezüglich der Servicegebühren auf der NEO Blockchain. Grundsätzlich generiert jeder NEO Token 22 Jahre lang GAS, wobei die GAS-Generierung im Laufe der Zeit abnimmt.

Insgesamt ist die Zahl der NEO und GAS Token auf jeweils 100 Millionen beschränkt. Derzeit sind bereits 65 Millionen NEO bzw. 9,6 Millionen GAS im Umlauf. Pro Block (Blockzeit zwischen 15 und 25 Sekunden) werden 8 NEO GAS generiert. Das bedeutet: 1 NEO wirft damit 8/100.000.000 GAS pro Block ab. Anleger können damit je nach Blockzeit derzeit mit Renditen von 4 bis 7 % pro Jahr rechnen.

Hinweis: Um GAS zu erhalten, ist es wichtig, dass Anleger NEO in einer entsprechenden Wallet (z.B. NEON) halten.

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Anleger müssen zudem wissen, dass das NEO Council selbst etwa 50 Millionen NEO Tokens hält, die nach und nach ausgeschüttet werden, um das Ökosystem weiter zu entwickeln. Dies bedeutet, dass dem NEO Council derzeit etwa 2 Mrd. US-$ zur Verfügung stehen, um das Blockchain-Projekt voranzutreiben.

Unterschiede zu Ethereum

NEO unterscheidet sich von Ethereum vor allem durch die Design-Philosophie. Während Bitcoin und Ethereum zensur-resistent sind, will NEO vor allem Compliance Anforderungen erfüllen und damit die echte Welt mit der virtuellen so verbinden, sodass keine rechtlichen Probleme auftreten.

Ferner setzt NEO auf ein anderes Konsensus-Modell mit dem Namen Delegated Byzantine Fault Tolerance (dBFT). Dieser Konsensus-Mechanismus ist de facto eine Abwandlung von Proof of Stake (PoS).

Anleger können sich dies so vorstellen: Auf der NEO Blockchain wählen die Token-Besitzer Delegierte wie im Parlament, die dann abstimmen und gewisse Entscheidungen treffen. Damit muss nicht mehr jeder einzelne Token-Besitzer abstimmen, was die Geschwindigkeit im Netzwerk erhöht.

Ein weiterer Vorteil von dBFT: Die NEO Blockchain ist immun gegen einen Netzwerk-Split (Fork). Zudem unterstützt die NEO Blockchain verbreitete Programmiersprachen wie C#, Java, JavaScript, Python und künftig auch Go, mit denen Smart Contracts auf NEO programmiert werden können.

Offchain-Lösung Trinity

Während Ethereum mit dem Raiden Network und Plasma seine eigenen Skalierungslösungen vorantreibt, gibt es auch bei NEO eine vergleichbare Lösung: das Trinity Network. Trinity soll NEO beim Skalieren helfen, aber auch gleichzeitig sofortige und private Zahlungen ermöglichen. Ziel ist es später bis zu 1 Million Transaktionen pro Sekunde über die NEO Blockchain abzuwickeln.

Erreicht wird dies durch sogenannte State Channels, die als eine weitere Protokoll-Ebene (Layer) über die aktuelle NEO Blockchain gelegt werden. Das bedeutet: Nicht mehr jede Transaktion wird auf der Blockchain eingetragen, sondern viele kleine Transaktionen können über private Channels laufen, die nicht auf der Blockchain erscheinen.

Fazit: NEO präsentiert sich als starke Alternative zu Ethereum

NEO gehört bereits zur zweiten Generation an Blockchain-Lösungen und ist mehr als nur eine ICO-Plattform. Über NEO sollen sämtliche digitalen Vermögenswerte abgebildet und gehandelt werden können.

Die Schnelligkeit der NEO Blockchain sowie die Vielzahl von unterstützten Programmiersprachen machen NEO insbesondere für Entwickler und Unternehmen interessant. Auch für Privatnutzer und Anleger ist NEO interessant, da diese anders als bei Ethereum NEO und GAS (derzeit) kostenfrei von einer Wallet-Adresse zur nächsten transferieren können und gleichzeitig von der GAS-Generierung des NEO Tokens profitieren.

Allerdings sollten Anleger bei aller Euphorie auch die Nachteile beachten. NEO ist noch sehr zentralisiert, der Großteil der Netzwerknoten (Nodes) wird noch von NEO selbst betrieben – dies soll sich in 2018 aber ändern.

Ansonsten sollten Anleger beachten, dass Kryptowährungen nach wie vor sehr volatil sind und stark im Kurs schwanken können. Hohe Kursgewinne können sehr schnell wieder hohe Verluste nach sich ziehen, die sogar bis zum Totalverlust reichen können. Zudem ist der Anleger selbst für die Sicherheit seiner Kryptowährungen verantwortlich.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands