Nominalzinssatz – Definition und Bedeutung

Der Nominalzinssatz ist von der Definition her der reine, der nackte Zins ohne Nebenkosten und Einfluss-Effekte. Damit erkennt man als […] (Foto: Watchara Ritjan / Shutterstock.com)

Der Nominalzinssatz ist von der Definition her der reine, der nackte Zins ohne Nebenkosten und Einfluss-Effekte.

Damit erkennt man als Anleger den realen, ungekürzten Ertrag, etwa beim Tagesgeld.

Beim Kredit ist der Nominalzinssatz sozusagen der reale Grundzins als Basis-Ertrag für die Bank.

Nominalzinssatz, Real- und Grundzins – gleiche Definition

Die Definition für den Nominalzinssatz gilt ebenso für ähnliche Begriffe, die häufig alternativ verwendet werden.

Gleich ob Nominalzins, Realzins oder Grundzins; stets handelt es sich um den vereinbarten Ertrag für die zeitliche Überlassung von Geld.

Als Zinssatz ausgedrückt, stellt er eine Messzahl dar, die sich in Prozent auf die Gesamtsumme bezieht und unverfälschte Vergleiche mit anderen Anlagen erlaubt.

In aller Regel ist es der Zins für 1 Jahr.

Begrifflich ist das zusammengesetzte Wort Nominalzinssatz also ein Zinssatz zum Nennwert. Das lateinische Wort “nomen” steht für Namen bzw. Benennung.

Der Nominalzinssatz ist völlig unbeeinflusst von irgendwelchen Kosten und Gebühren und anderen Nebeneffekten, die bei einer Geld-Überlassung entstehen.

Damit ist er von der Rendite zu unterscheiden. Beim Tagesgeld beispielsweise kann eine unterjährige Zins-Gutschreibung wegen der Zinseszins-Effekte das Zins-Ergebnis erhöhen.

Je öfter eine Gutschreibung erfolgt, desto höher.

Nominalzinssatz: Beim Kredit auch Sollzins

Bei Krediten wiederum stellt der Nominalzinssatz den Grundzinssatz für ein Darlehen dar, also nicht für ein Guthaben, sondern ein Soll. Deshalb wird auch meist vom Sollzins gesprochen.

Anlass war die europäische Verbraucherkredit-Richtlinie von 2008. Seitdem müssen die Banken Angaben zum Soll- also Nominalzins machen.

Zu ihm liefert die Richtlinie auch eine Definition:

Es ist der „als fester oder variabler periodischer Prozentsatz ausgedrückte Zinssatz, der auf jährlicher Basis auf die in Anspruch genommenen Kredit-Auszahlungsbeträge angewandt wird“.

Diese Definition aus dem EU-Amtsblatt heißt zunächst nichts anderes, als dass der Nominalzins die Gegenleistung für einen Kredit ist.

Nominalzinssatz – Fest oder variabel

Der Blick auf die Definition zeigt, dass es feste und variable Nominal- bzw. Sollzinsen gibt.

Ein fester Zinssatz bleibt über die gesamte Laufzeit unverändert gleich. Variable Zinsen hingegen hängen von der Markt-Entwicklung ab. Sie können steigen oder auch fallen.

Da die Entwicklung auf längere Sicht schlecht vorhersehbar ist, kann ein Kreditnehmer mit festen Zinsen besser planen und hat die Kosten für sein Darlehen leichter im Griff.

Aktuell sind die Zinsen ohnehin extrem niedrig. Der Nominalzins richtet sich vorwiegend nach dem Leitzins der EZB.

Egal ob fest oder variabel; anhand des Nominalzinssatzes lässt sich erkennen, was die Bank sonst noch am Kredit verdient. Aufschluss gibt der Abgleich mit dem Effektivzins.

Kredite: Effektivzins zeigt tatsächliche Kosten

Der Nominalzins ist nämlich nur ein Bestandteil der tatsächlichen Zinsbelastung.

Zwar ist er die Basis zur Berechnung der monatlichen Tilgungsrate, doch dann kommen anteilig beispielsweise Abschluss-, Bearbeitungsgebühren oder Provisionen hinzu.

Dies ergibt dann den Effektivzins, der zeigt, wie teuer der Kredit letztlich ist. Kontoführungs-Gebühren allerdings laufen separat.

Der Unterschied zwischen Nominal- und Effektivzinsen kann erheblich sein. Deshalb sind Kreditinstitute und Vermittler verpflichtet, beide auszuweisen.

Nur wer sowohl den jährlichen Nominal- und den Effektivzins kennt, ist in der Lage verschiedene Kredit-Angebote zu vergleichen.

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Über den Nominalzins kann man auch selbst sowohl die Renditen bei Geldanlagen als auch den Effektivzins bei Krediten berechnen.

Mitunter ist das ein lohnendes Unterfangen, da sich Kredite eben aus vielen Zahlen und Daten zusammensetzen.

Nominalzins als Kupon: So funktioniert der Zinsertrag bei Anleihen

Bei einer Anleihe borgt sich der Aussteller beim Käufer des Wertpapiers einen Geldbetrag und garantiert ihm dafür eine Zinszahlung. Emittenten können hier Banken, Unternehmen, aber auch ganze Staaten sein.

Die Höhe dieses (An-)Leihbetrages nennt man Nennwert oder auch Nominalwert.

Anders als bei einer Aktie erwirbt der Käufer keinen Anteil am Kapital des Ausstellers, sondern gewährt ihm einen Kredit.

Nach Ende der Laufzeit muss der Emittent dem Käufer der Anleihe den ursprünglichen Nennwert zurückzahlen. Während der Laufzeit hat der Käufer zudem Anspruch auf Zinszahlungen.

Dieser Zinssatz wird Nominalzins genannt, zu Beginn der Anleihe vertraglich festgelegt und ist im Bogen der Urkunde verbrieft.

Beim Erwerb einer Anleihe mit einem Nominalwert von 2.000 € und einem Nominalzins von 4% erhält der Käufer demnach jährlich 80 € Zinsen. Nach Ablauf der Anleihe bekommt er die 2.000 € rückerstattet.

Nominalzins: Herkunft des Kupon-Begriffes

Einer Anleihe beigefügt ist stets eine Urkunde, die in Mantel und Bogen geteilt ist.

Der Nominalzins ist als Kupon Teil des Bogens, über den Ertragsansprüche geltend gemacht werden. Mitunter findet sich darin auch ein sogenannter Talon, der dem Halter mit Ende der Laufzeit – bei Bedarf – eine Verlängerung ermöglicht.

Früher wurde der Kupon des jeweiligen Papiers zum Zinstermin abgeschnitten und konnte dann gegen Bargeld eingetauscht werden.

Begriffe wie Mantel, Bogen und Kupon haben heute mit ihrer ursprünglichen Bedeutung nicht mehr viel gemein und treten zumeist digital in Erscheinung.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.