Prokura erteilen: Wie es geht und was beachtet werden sollte

Mit dem erteilen einer Prokura werden mehr Rechte eingeräumt als mit einer Handlungsvollmacht. Welche Rechte das sind und wie Prokura erteilt wird. (Foto: sdecoret / Shutterstock.com)

Der Begriff des Prokuristen ist vielen bekannt. Doch was bedeutet es eigentlich, jemandem Prokura zu erteilen? Welche Rechte bekommt die Person eingeräumt und wo hört die Macht des Prokuristen auf? Zunächst sollte die Bedeutung des Wortes Prokura betrachtet werden.  Der Begriff wird vom lateinischen „procurare“ abgeleitet, was so viel wie „ für etwas Sorge tragen“ bedeutet. Wer für etwas Sorge trägt, bekommt auch viel Macht und Verantwortung zugeteilt.

Gründe, um die Prokura zu erteilen

Es kann viele Gründe geben, einem Angestellten Prokura zu erteilen. Der Geschäftsführer kann schließlich nicht immer überall sein, darum braucht er zuweilen eine handlungsfähige Vertretung.

Schon im Privatleben ist dies ein kritisches Thema. Viele werden es kennen: Man erteilt beispielsweise dem Lebenspartner oder einem engen Verwandten für den Fall der Fälle eine Kontovollmacht – ohne sich immer im Klaren darüber zu sein, was das genau bedeutet. Solche Vollmachten gibt es auch im Geschäftsleben, wo sie von einfachen Bankvollmachten über Handlungsvollmachten bis hin zur Erteilung der Prokura reichen. Bankvollmacht Muster: Hinweise und Risiken

Prokura – mehr als nur eine Handlungsvollmacht

Durch das Erteilen einer Prokura werden dem Prokuristen weitreichende Handlungsspielräume im Unternehmen erteilt. Die Rechte, die mit der Erteilung der Prokura vergeben werden, lassen sich nur erweitern, nicht jedoch beschränken. Dies ist per Gesetz in Paragraph 50 HGB (Handelsgesetzbuch) festgelegt.

Alle gesetzlichen Regelungen zur Erteilung einer Prokura stehen in den Paragraphen 48 bis 58 im HGB. Sie können den genauen Wortlaut der einzelnen Paragraphen auf den Seiten des Bundesministeriums der Justiz im Gesetzestext des HGB nachlesen.

Prokura erteilen: Wer ist dazu berechtigt?

Da dem Prokuristen eine Menge an Handlungsspielraum und Verantwortung eingeräumt wird, ist genau festgelegt, wer überhaupt berechtigt ist, Prokura zu erteilen. Einzig dem Inhaber eines Unternehmens oder dessen gesetzlichem Vertreter ist es möglich, Prokura zu erteilen.

Gesetzlicher Vertreter ist in Falle einer GmbH der Geschäftsführer. Dieser benötigt zusätzlich die Zustimmung der Gesellschafter. Bei einer AG kann Prokura nur durch den Vorstand erteilt werden. Bei Kommanditgesellschaften oder offenen Handelsgesellschaften ist einzig der persönlich haftende Gesellschafter dazu berechtigt.


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Wie erteilt man die Prokura?

In den meisten Fällen wird das Erteilen der Prokura schriftlich fixiert. Dies ist aber nicht zwingend notwendig, es kann auch mündlich geschehen. Allerdings ist in jedem Fall das Erteilen der Prokura durch den Geschäftsinhaber oder seinen gesetzlichen Vertreter im Handelsregister einzutragen.

Welche Rechte werden erteilt und wo sind die Grenzen?

Was ein Prokurist kann und darf, bestimmen zwei Kompetenzverhältnisse: das Außenverhältnis und das Innenverhältnis. Die Prokura ermächtigt nämlich per Gesetz den Angestellten im Außenverhältnis, das heißt gegenüber Dritten beziehungsweise Geschäftspartnern, alle Rechtshandlungen der GmbH durchzuführen. Prokura-Vertrag: Diese gesetzlichen Beschränkungen gelten

Er kann eigenhändig Prozesse führen, Personal einstellen, einen stillen Gesellschafter aufnehmen, Kredite beantragen oder Zweigniederlassungen errichten. Es ist allerdings per Gesetz auch geklärt, was ein Prokurist nicht kann. Er darf unter anderem keine Jahresabschlüsse unterzeichnen, keine Insolvenz beantragen und Prokura erteilen.

Prokura Bedeutung – mehr Macht im UnternehmenChefs sind überlastet – Angestellte wollen mehr Macht im Unternehmen. Die Prokura als eine Art Vollmacht kommt beiden entgegen. › mehr lesen

Das Innenverhältnis wiederum klärt, was der Prokurist im Namen der GmbH wirklich darf. Denn in einer GmbH kann das Innenverhältnis über einen Arbeitsvertrag genau regeln, wie hoch die Eigenverantwortlichkeit des Prokuristen ist.

So kann im Arbeitsvertrag beispielsweise festgehalten sein, dass der Prokurist keine Kredite für die GmbH aufnehmen kann, auch wenn das per Gesetz möglich ist. Hält er sich nicht an den Arbeitsvertrag und nimmt dennoch einen Kredit auf, ist dieser einerseits für die GmbH bindend, aber andererseits können die Gesellschafter den Prokuristen auf Schadensersatz verklagen.

Gesamtprokura und Filialprokura

Im Falle einer GmbH können die Gesellschafter 2 Arten von Prokura erteilen: die Gesamtprokura und die Filialprokura. Bei der Gesamtprokura wird die Vollmacht an mehrere Personen gleichzeitig erteilt. Das heißt, sie können nur gemeinschaftlich handeln und sind daher in ihrer Ausübungsmacht eingeschränkt. Das hat aber den Vorteil des Mehr-Augen-Prinzips und kann somit Fehlentscheidungen reduzieren.

Sobald eine GmbH mehrere Niederlassungen hat, kann es sinnvoll sein, die Filialprokura anzuwenden. Denn so wird ein Prokurist für eine bestimmte Filiale eingesetzt. Damit beschränkt sich der Handlungsspielraum des Prokuristen lediglich auf die vorher festgelegte Niederlassung. Damit können die Gesellschafter beispielsweise das Fehlerrisiko in ihrer GmbH minimieren.

Prokura erteilen – eine Vertrauenssache

Auch wenn es die oben genannten Beschränkungen gibt, ist der Prokurist zu allen wesentlichen Vorgängen im Unternehmen entscheidungsberechtigt. Diese Position kann also nur von einer Person besetzt werden, die das absolute Vertrauen des Unternehmers genießt.

Oftmals wird der Prokurist als die rechte Hand des Unternehmers bezeichnet. Eine Hand ist jedoch nur ein ausführendes Organ – der Prokurist trifft jedoch selbst zum Teil folgenschwere Entscheidungen und hat damit einen weit höheren Stellenwert.


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Von: Rüdiger Dalchow. Über den Autor

Seit 1995 ist er selber aktiv an den Märkten tätig und hat dabei sowohl Hochs als auch Tiefs erlebt. Aus dieser Erfahrung heraus ist es sein Ziel, dem privaten Anleger oftmals zu kompliziert dargestellte Zusammenhänge an der Börse möglichst einfach, aber dennoch effektiv näherzubringen. Seit 2011 führt sein Blog www.aktienhandel-einsteiger.de mit interessanten Fachartikeln und Interviews durch das Aktiendickicht.

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