Riester-Rente: Untauglicher Wiederbelebungsversuch

Es klingt schon immer besser als es für die meisten ist: Mit staatlicher Förderung und viel Sicherheit dank Mindestverzinsung soll die Riester-Rente als privater Zusatz fürs Alter vorsorgen. Dabei ist sie teuer, im Detail kompliziert, und der Garantiezins wurde zuletzt auf 0,9 % gesenkt. Angesichts der Versicherungskosten und Inflationseffekte ein trauriges Bild. Vermögensaufbau sieht anders aus.

Riester trotz Erhöhung ein Flop

Da hilft auch die jüngste beschlossene Aufstockung der Zulagen nicht viel. Trotz der Erhöhung bleibt Riester ein Flop. Was verheißungsvoll angekündigt wurde, ist letztlich der Versuch, mit Steuergeld etwas aufzupäppeln, was eigentlich tot ist.

Ganze 15 Jahre hat es gebraucht, die Grundzulage ab 2018 von 154 € auf 175 € anzuheben. Zudem ist nun ein Freibetrag vorgesehen, bei dem vorerst 100 € nicht mit der Grundsicherung verrechnet werden. Der Betrag könnte bis auf 202 € steigen. Doch was kommt in den nächsten Jahren?

Sinnvoller wäre gewesen die Förderung, wie vielfach gefordert, dynamisch steigen zu lassen oder die Kinderzulage einheitlich auf 300 € anzuheben. Den Betrag gibt es nur für ab 2008 geborene Kinder, für die anderen 185 €.

Ob die halbherzige Riester-Erhöhung den Flop übertünchen kann, bleibt abzuwarten. Auffallend ist, dass sie zu einer Zeit kommt, in der der Zusatzrente immer mehr die Luft ausgeht. Zum zweiten Mal ging Anfang des Jahres die Zahl der Verträge zurück.

Während unter den verschiedenen Vorsorgeformen Fondssparpläne und Wohn-Riester noch leicht zulegen konnten, verloren die zinsbasierten Banksparpläne und vor allem Versicherungen umso mehr. Hinzu kommt, dass Schätzungen zufolge gut ein Fünftel aller Verträge seit Längerem beitragsfrei, also ruhig gestellt ist.

Kunden haben Vertrauen verloren

Für eine echte Wiederbelebung des Komapatienten, wäre zumindest eine Anpassung des starren, förderfähigen Höchstbetrags von 2.100 € wichtig gewesen. Immerhin können nach Angaben der Gesamtverbands Deutsche Versicherungen (GDV) bereits 15% aller Riester-Kunden die vorgesehenen 4% ihres versicherungspflichtigen Einkommens nicht mehr einzahlen.

Auch der Bund der Versicherten (BdV) hat erhebliche Zweifel, ob das verlorene Vertrauen in das Produkt wiederhergestellt wird. Abgesehen von den dauerhaften Niedrigzinsen sind vor allem die Kostenstrukturen viel zu intransparent.

Angesichts der Tatsache, dass Riester eher Geringverdienern zugute kommen soll, ist völlig unverständlich, dass ausgerechnet die am wenigsten profitieren, wenn sich zuerst die Anbieter und Vermittler mit Provisionen bedienen und die Kosten für Vertrieb und Verwaltung an der mickrigen Rendite nagen.

Und, was viele übersehen: Im Gegenzug zur Förderung wird die spätere Rente voll besteuert. Im Höchstfall bis zu 44 %. Ob sich das rechnet, hängt natürlich von der persönlichen Konstellation ab. Rund ein Viertel davon zahlt man bei ungeförderten Produkten – wobei hier natürlich die Einzahlungen aus bereits versteuerten Einkommen geleistet werden.

ETF-Sparplan als naheliegende Alternative

Völlig abträglich sind auch die vielen Regularien, die eine Riester-Vorsorge so kompliziert machen, dass sie von einigen Versicherern wie etwa CosmosDirekt erst gar nicht mehr angeboten werden. Selbst Fondssparpläne bringen weniger als vermutet. Schon lange bevor das Rentenalter naht, liegen fast nur noch Anleihen im Depot.

Am ehesten lohnt sich noch die Variante Wohn-Riester. Vor allem, wenn durch die Förderung Kredite schneller abgezahlt werden können, was die Zinsen erheblich drückt. Allerdings bergen hier eine Reihe von Voraussetzungen und Einschränkungen Risiken, die mitunter zum Fallstrick werden. Und sei es nur, dass beim Umzug der Verlust der Förderung droht.

Die naheliegende Alternative zu einem derart komplizierten und starren Produkt ist beispielsweise ein ETF-Sparplan, bei dem man schon mit monatlichen Sparraten ab 25 € von den Zuwächsen der Aktienmärkte profitiert. Das Ganze ist günstig, überschaubar und in der Gestaltung völlig flexibel.

5. September 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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