Tezos: Weltrekord-Crowdfunding-Projekt unter der Lupe

Tezos will Ethereum den Rang ablaufen - Was steckt hinter dem Blockchain-Projekt mit Crowdfunding-Rekord? (Foto: welcomia / Shutterstock.com)

Schon das junge Unternehmen Bancor hatte mit seinem 152 Mio. US-$ schweren Crowdfunding-Projekt ein erstes Ausrufezeichen in der Blockchain-Szene gesetzt, nun stellte das Start-up Tezos diesen Weltrekord ein.

Binnen 20 Tagen sammelte Tezos über ein sogenanntes Initial Coin Offering (ICO) mehr als 65.000 Bitcoins und mehr als 361.000 Ether ein. Dies sind umgerechnet 232 Mio. US-$ – ein neuer Weltrekord beim Crowdfunding. Der Rekord wurde möglich, nachdem es keine Obergrenze, sondern lediglich ein Zeitlimit für die Anleger gab. Doch was steckt hinter dem Tezos-Projekt?

Was ist Tezos? Das Crowdfunding-Projekt unter der Lupe

Bei Tezos handelt es sich um ein unabhängiges Netzwerkprotokoll auf der Blockchain, dass sich auf die Schwerpunkte Sicherheit und smarte Verträge (Smart Contracts) spezialisiert hat. Die zu Tezos gehörige Kryptowährung heißt Tezzies.

Tezos Logo

Jährlich werden etwa 5 % mehr Tezzies an die Besitzer der Kryptowährung über einen Proof of Stake (PoS) Mechanismus ausgeschüttet, wodurch die Kryptowährung relativ inflationsneutral sein soll. Proof of Stake (PoS) heißt, dass die Anteilseigner die Kryptowährung halten, um Blöcke zu erzeugen und damit Transaktionen verifizieren. Hierfür werden die Anteilseigner mit weiteren Tezzies entlohnt.

Als Gründer von Tezos gelten das Ehepaar Kathleen und Arthur Breitman. Arthur war zuvor für die beiden Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley tätig, während Kathleen als strategische Beraterin für das Blockchain-Konsortium R3 aktiv war.

Die in der Schweiz ansässige Organisation Tezos Foundation verwaltet die durch das ICO aufgenommenen Mittel und wird außerdem die Funktionalität des Tezos Netwerks sicherstellen.

Was sind die Ziele von Tezos und was sind die Unterschiede zu Ethereum?

Die Tezos Blockchain sieht sich mit seiner Plattform als eine echte Alternative zu Ethereum, der weltweit zweitgrößten Kryptowährung.

Smarte Verträge, die automatisch ausgeführt werden, wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt (Wenn-dann-Funktion), sollen durch die Automatisierung komplexer Transaktionen Zeit und Geld sparen. Derartige Verträge können zum Beispiel im Versicherungswesen als auch im Gesundheitswesen zum Einsatz kommen, um den Zugang zu persönlichen Daten zu verwalten.

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Dabei unterscheidet sich Tezos in vier Kategorien von Ethereum: Selbstverwaltung, smarte Verträge, Konsens und allgemeine Philosophie. Bei Tezos stimmen die Inhaber der Kryptowährung über Verbesserungsvorschläge ab, die dann automatisch umgesetzt werden (Selbstverwaltung). Durch den einfachen Konsens, der über die Abstimmung erreicht wird, soll eine Aufspaltung der Blockchain (englisch genannt: Hard Fork) verhindert werden.

Während Ethereum auf die Programmiersprache Solidity setzt, werden die smarten Verträge bei Tezos in der neuen Programmiersprache Michelson umgesetzt. Michelson erlaubt eine formale Verifizierung, ein Prozess, der die mathematische Korrektheit des Computercodes garantieren soll.

Fazit: Tezos präsentiert sich als interessante Alternative zu Ethereum

Bedingt durch die Kapitalaufnahme von rund 230 Mio. US-$, hat Tezos durchaus die finanzielle Schlagkraft, um sich zu einer echten Alternative zu Ethereum zu entwickeln. Ob Tezos seine Pläne tatsächlich umsetzen kann, bleibt allerdings abzuwarten.

Tezos unterscheidet sich vor allem durch die Integration von Abstimmungsrechten in seinen Konsens-Mechanismus von Ethereum. Tezos sieht sich selbst als die erste und einzige Blockchain, die dezentral und selbstbestimmt ist.

Wenn Änderungen am Protokoll notwendig werden, sollen diese einfach und schnell durch das Abstimmungsverfahren umgesetzt werden. Dies soll die Weiterentwicklung des Netzwerks als solches beschleunigen.

Kurzum: Die formale Verifizierung und das automatisierte Abstimmungsverfahren räumt Tezos einen gewissen Vorteil gegenüber anderen Blockchains ein, allerdings könnte die neue Programmiersprache Michelson hinderlich sein, ausreichend Entwickler zu finden, die sich im großen Stil bei Tezos einbringen.

Insgesamt steht Tezos noch am Anfang, entsprechend groß ist damit auch das Risiko für Anleger, die in dieser frühen Projektphase in die Kryptowährung investieren wollen. Anleger sollten ferner Bedenken, dass Kryptowährungen sehr volatil sind. Kursschwankungen von 20 bis 30 Prozent pro Tag sind keine Seltenheit. Tezos ist daher nur für sehr risikofreudige Anleger einen näheren Blick wert.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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