Unternehmerwissen: Wenn Forderungen die Liquidität beeinflussen

„Money makes the world go round!“ In der heutigen Geschäftswelt ist keine Weisheit so bedeutsam und treffend zugleich. Die finanzielle Beweglichkeit ist für Unternehmer wichtiger denn je. (Foto: Siriwat Sriphojaroen / Shutterstock.com)

 

„Money makes the world go round!“ In der heutigen Geschäftswelt ist keine Weisheit so bedeutsam und treffend zugleich. Die finanzielle Beweglichkeit ist für Unternehmer wichtiger denn je.

Längst hat sich das Finanzmanagement gewandelt und zeigt sich im Zuge von Digitalisierung, Globalisierung und dem Fokus auf mehrere Parallelbereiche diffiziler denn je.

Insbesondere Forderungen an Kunden und Geschäftspartner sind hier ein Punkt, der die Flexibilität eines Unternehmens maßgeblich beeinflusst. Gut hat es da, wer über ein cleveres Forderungsmanagement verfügt.

Welche Rolle Liquidität spielt

Grundsätzlich versteht die Finanzwelt unter Liquidität nicht immer das Gleiche. In Bezug auf den Handel mit Aktien beschreibt dieser Begriff, wie gut (oder schlecht) ein Basiswert dazu in der Lage ist, gegen andere Werte eingetauscht werden zu können. Je schneller also eine Aktie ge- und verkauft werden kann, desto liquider ist sie.

Auch für Unternehmer, die sich aktiv mit dem Handel von Werten beschäftigen, kann dieses Wissen von Bedeutung sein. Zeitgleich jedoch schadet es nicht, auch die zweite Definition des Begriffes Liquidität zu kennen. Bezieht sich Liquidität auf ein Unternehmen und dessen Finanzlage, geht es um die Möglichkeiten, Forderungen und Verpflichtungen innerhalb einer gesetzten Frist zu begleichen.

Ein Unternehmer, der über ausreichend verfügbare Finanzmittel verfügt und seine eigenen Verbindlichkeiten zeitnah und zuverlässig begleichen kann, wird daher als liquide bezeichnet. Die Liquidität selbst bilden dabei verschiedene Posten wie Bargeld, Guthaben auf Konten und durchaus auch liquide Basiswerte.

Wer in der Wirtschaftswelt Erfolg haben möchte, muss daher nicht nur seine Umsätze steigern, sondern zeitgleich auch einem Plan folgen, der die Liquidität auf hohem Niveau hält. Nicht anders machen es all diejenigen, die sich schon jetzt zu den Besitzern der teuersten Yachten der Welt zählen dürfen.

Sobald ein Unternehmer jedoch Rechnungen an einen Dritten stellt, kommt es zur Verschmelzung der eigenen mit der fremden Liquidität. Schließlich finden sich Werte des eigenen Unternehmens wie

  • Arbeitsleistung,
  • Produktionsnebenkosten,
  • Rohstoffe
  • und auch Endprodukte

in der Forderung gebündelt, was einen finanziellen Ausgleich verlangt. So lange dieser Ausgleich jedoch nicht erfolgt ist, sinkt die Liquidität des eigenen Unternehmens. Grundsätzlich ist das kein Problem. Zahlt das Gegenüber seine Verbindlichkeiten innerhalb der gesetzten Frist, ist die Liquidität grundsätzlich nicht bedroht.

Jedoch ist ein gewisser Anteil der eigenen Liquidität ist in den offenen Forderungen gebunden. Und versäumt der Rechnungsempfänger es sogar die Forderung zu begleichen, führt dies nicht selten zu erheblichen Schwierigkeiten.

Das Mahnwesen: Ein Überblick

Grundsätzlich ist es für jeden Unternehmer unerlässlich, rechtssichere und konforme Rechnungen zu stellen. Sie nämlich bilden die Basis für ein solides Forderungsmanagement, das im Zweifelsfall auch die schnelle Reaktion auf Verzögerungen ermöglicht.

Erste Regelungen rund um die Behandlung von Verbindlichkeiten und Forderungen finden Unternehmer im Paragraph 271a des Bürgerlichen Gesetzbuches, nachzulesen unter gesetze-im-internet.de.

Die Basis, um einen möglichen Verzug zu errechnen, ist das genannte Zahlungsziel. Es ist nicht empfehlenswert, Rechnungen ohne ein solches zu verschicken, auch wenn es eine gesetzliche Regelung zum eintretenden Verzug gibt. Das Fälligkeitsdatum sollte so genau wie möglich angegeben werden.

Die ist entweder mit Hilfe eines konkreten Datums oder auch einer Zeitspanne in Tagen möglich. Das BGB sieht vor, dass kein Unternehmer mehr als sechzig Tage auf die Begleichung seiner Forderung warten muss. Dieser Zeitraum jedoch dürfte aus nachvollziehbaren Gründen für die meisten Rechnungssteller das verträgliche Maß übersteigen.

Das gewährte Zahlungsziel ist somit der Zeitraum, in dem benötigte Liquide Mittel in den Forderungen gebunden sind.

Wir die  angegebene Fälligkeit der Rechnung nicht eingehalten, sollte direkt eine Zahlungserinnerung folgen. Diese Erinnerung räumt dem Schuldner einen erneuten Zeitraum von etwa fünf Tagen ein, um die Forderung zu begleichen. Das weitere Prozedere kann in Abhängigkeit von der eigenen Philosophie und auch der Höhe der Rechnung geplant werden.

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Factoring als potenzielle Abkürzung

Lange Zahlungsziele und im schlimmsten Fall sogar ein kompletter Zahlungsausfall drücken auf die eigene Liquidität. Das Ergebnis: Unflexibilität bei unvorhergesehenen Investitionen, Verzögerung von Wachstumsmöglichkeiten, Erschwerte Nutzung von Lieferantenskonti, unter Umständen gebundene Kapazitäten durch nötiges Mahnwesen.

Der Schlüsselbegriff in diesem Zusammenhang ist „Factoring“. Dieser Vorgang, der laut abcfinance.de nicht nur liquider macht, sondern auch das Debitorenmanagement in externe Hände legt und vor Forderungsausfall schützt, ist für Unternehmer durchaus interessant.

Factoring unterscheidet sich von Inkasso vor allem dahingehend, dass es sich nicht um bereits überfällige Forderungen handelt, die von einem Dritten übernommen und weiter behandelt werden.

So verkaufen Unternehmer ihre Rechnungen beim Factoring an einen Dienstleister. Dieser veranlasst direkt nach dem Verkauf die Zahlung von rund neunzig Prozent der Rechnungssumme an das Unternehmen und wartet auf die Zahlung des Geschäftspartners.

Ist die Zahlung dann eingetroffen, folgt die Begleichung der verbleibenden zehn Prozent. So sind Dienstleister im Factoring-Bereich als zwischengeschaltete Instanz zu verstehen, die sich um die Begleichung und im Ernstfall auch das Eintreiben von Forderungen kümmern.

Ob sich dieses Prozedere auch für das eigene Unternehmen anbietet, sollte dennoch gründlich geprüft werden, denn selbstverständlich handelt es sich bei Factoring nicht um eine kostenfreie Dienstleistung. Das Factoringunternehmen berechnet für die erbrachte Leistung eine gewisse Gebühr, die sich am eingereichten Rechnungsvolumen und den gewünschten Zusatzleistungen orientiert. Doch der Einsatz von Factoring lohnt sich.

Durch die Möglichkeit, Lieferantenskonti jederzeit nutzen zu können, weniger Aufwand für das  Mahnwesen aufbringen zu müssen und durch eine verbesserte Liquidität auf eventuelle kurzfristige Kredite bei der Bank verzichten zu können amortisieren sich die anfallenden Gebühren in der Regel sehr schnell.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.