Verbraucherpreisindex – Inflation & Warenkorb

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Der Verbraucherpreisindex zeigt die Entwicklung der Preise und damit der Inflation an. Er ist Basis für die Geldpolitik und etliche Verträge. (Foto: macgyverhh/Shutterstock)


Wissenswertes zum Verbraucherpreisindex

Definition: Index der preislichen Veränderungen von Konsumgütern bezogen auf ein Basisjahr

Basisjahr: 2015 (Umstellung erfolgte Januar 2019)

Warenkorb: Rund 650 Gütergruppen: Nahrungsmittel, Hygieneartikel, Kleidungskosten, anteilig PKWs, Möbel, Dienstleistungen uvm.

Erhoben vom: Statistischen Bundesamt

Berichtwesen: Eilberichte, Monatsberichte, Jahresberichte & weitere Publikationen


Die Veränderung der Inflationsrate eines Landes ist für Verbraucher und die Gesellschaft relevant. Der entstehende Kaufkraftverlust beeinflusst das Konsumverhalten der Bevölkerung maßgeblich. Aus diesem Grund gibt es den Verbraucherpreisindex (kurz: VPI), der als eine der Grundlagen zur Errechnung der Inflation gilt.

Definition: Was ist der Verbraucherpreisindex (VPI)?

Der Verbraucherpreisindex (VPI) spiegelt die Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland wider. Diese werden aufwendig erhoben und umfassen Waren und Dienstleistungen von Konsumenten. Grundlage für die Erhebung bildet ein besonderer Warenkorb, der typische Konsumgegenstände und Dienstleistungen beinhaltet.

Der Warenkorb zur Ermittlung des Verbraucherpreisindex enthält unter anderem:

  • Nahrungsmittel für den alltäglichen Bedarf
  • Hygieneartikel
  • Kleidung
  • Anteilig PKWs
  • Möbel
  • Dienstleistungen
  • Mietkosten

Darüber hinaus fließen auch Kosten für Energie, Telekomunikation sowie Gebühren und Steuern in die Rechnung mit ein. Der Warenkorb umfasst etwa 650 typische Güterarten von Konsumenten. Ermittelt wird der Index auf Basis von bis zu 300.000 Einzelpreisen vom statistischen Bundesamt.

Definition

Der Verbraucherpreisindex gibt die preisliche Veränderung eines definierten Warenkorbs im Vergleich zu einem Basisjahr an.

Das bedeutet, dass der Index die Preise aufzeigt, die die Verbraucher zur Bewältigung ihres täglichen Lebens bezahlen müssen. Jeden Monat werden die Werte neu ermittelt und gegen die Ergebnisse der vorangegangenen Zeiträume gegengerechnet.

Das Ergebnis ist die sogenannte Teuerungsrate: Bei sinkenden Preisen liegt entsprechend eine Deflation, bei steigenden Preisen eine Inflation vor.

Die Preisentwicklung ist zum einen für die Wirtschafts- und Geldpolitik von Bedeutung. Zum anderen ist sie aber auch für den Verbraucher wichtig, da viele Verträge wie etwa Mieten an die Entwicklung des Verbraucherpreisindex gekoppelt sind.

Was ist die Inflation?

Der Begriff der Inflation stammt aus der Volkswirtschaftslehre (VWL).

Definition

Auch Teuerungsrate genannt, ist die Inflation jener Prozentsatz, um dem sich das allgemeine Preisniveau über einen definierten Zeitraum erhöht oder gesenkt hat.

Es wird hierbei im Normalfall eine permanente Erhöhung der Preise von Waren und Dienstleistung zu einer schwindenden Kaufkraft der Währung abgebildet.

Anschaulich bedeutet dies, dass die Preise über einen längeren Zeitraum stetig steigen. Dies führt dazu, dass beispielsweise 1 € in zehn Jahren weniger Kaufkraft haben wird als noch heute. Zu einer Inflation kann es durch verschiedene Gründe kommen, dazu gehören politische Entscheidungen auf der einen Seite oder auch Steuererhöhungen auf der anderen Seite.

In diesem Zusammenhang ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Zentralbanken, die Preisstabilität zu gewährleisten. Sie können dies auf unterschiedliche Weise erreichen, beispielsweise durch eine Veränderung des Leitzinses.

Was ist der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI)?

Im Wirtschaftsraum der Europäischen Union erfassen die statistischen Ämter den harmonisierten Verbraucherpreisindex nach einheitlichen Regeln. In Deutschland ist hierfür dasstatistische Bundesamt zuständig. Aus den unterschiedlichen nationalen Kennzahlen wird dann eine Gesamtkennzahl ermittelt, die entsprechend die Preisniveauentwicklung in der gesamten Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion anzeigt.

Bei der Berechnung des harmonisierten Verbraucherpreisindexes kommt ebenfalls ein Warenkorb zum Einsatz, der zahlreiche Konsumkosten in sich vereint.

Zu diesen Kosten des harmonisierten Verbraucherpreisindex zählen vor allem:

  • Miete
  • Energiekosten
  • Lebensmittel
  • Freizeit

Wie beim nationalen Pendant wird auch dieser Warenkorb gewichtet. Beim Vergleich der Resultate zweier Zeitperioden erhält man so die Inflation bzw. Deflation.

Unterscheidung harmonisierter Verbraucherpreisindex und deutscher Verbraucherpreisindex

Tatsächlich unterscheiden sich die beiden Preisindizes kaum. So berücksichtigt der VPI (Verbraucherpreisindex) selbstgenutztes Wohneigentum, das heißt die Ausgaben werden auf Basis der Entwicklung von Kaltmieten geschätzt. Zudem werden Glücksspielausgaben berücksichtigt.

Der HVPI (harmonisierter Verbraucherpreisindex) setzt hingegen mehr Wert auf dieAktualität der Gewichtung. Eine Aktualisierung findet beim HVPI häufiger statt als beim VPI.

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Verbraucherpreisindex Warenkorb: Gewichtung & Zusammenstellung

Das Herz des Verbraucherpreisindex ist der Warenkorb mit seinen vielen Bestandteilen, die den durchschnittlichen Konsum der Menschen abbilden. Es benötigt umfangreiche Studien und Umfragen, um stichhaltig zu bestimmen,welche Produkte in welchem Umfang Platz im Warenkorb finden. Diese Erkenntnisse müssen laufend aktualisiert werden. Insgesamt beinhaltet der Warenkorb des Verbraucherpreisindex über 300.000 einzelne Preise in etwa 650 Gütergruppen.

Produktgruppen im Verbraucherpreisindex Warenkorb

Um einen besseren Überblick über die einzelnen Produktgruppen zu erhalten, sind diese nach einer dreistufigen Hierarchie geordnet. Dabei sind insbesondere die zwölf bedeutendsten Produktkategorien hervorzuheben, die die wichtigsten Produkte im Warenkorb umfassen.

Die wichtigsten Produktgruppen im Warenkorb:

  • Nahrungsmittel und antialkoholische Getränke
  • Alkohol und Tabak
  • Kleidung, Schuhe
  • Miete und Nebenkosten
  • Möbel, Inneneinrichtungs- und Haushaltsgegenstände
  • Gesundheitspflegeprodukte
  • Verkehrskosten
  • Kosten für Nachrichtenübermittlung
  • Freizeit-, Unterhaltungs- und Kulturkosten
  • Kosten für Bildung
  • Kosten für Unterkunft auswärts
  • Andere Waren und Dienstleistungen

Wie werden die Produktgruppen im Verbraucherpreisindex gewichtet?

Die Gewichtung der Preise geschieht über das sogenannte Wägungsschema. Dieses basiert auf der Aufschlüsselung der Durchschnittsausgaben eines Haushalts für eine der rund 650 Güterarten. Dadurch wird sichergestellt, dass jede Güterart einen so großen Anteil im Preisindex besitzt, wie ihr vor dem Hintergrund ihrer Bedeutung für den Konsum zusteht. Das Wägungsschema wird aus der Einkommensstatistik und aus weiteren volkswirtschaftlichen Daten gespeist und alle fünf Jahre aktualisiert.

Die COICOP-Klassifizierung

COICOP steht für Classification of Individual Consumption according to Purpose und bezeichnet die internationale Referenz für eine Klassifizierung von Haushaltsausgaben. Wie oben bereits beschrieben werden Produkte in verschiedene Klassen unterteilt, damit eine bessere Übersichtlichkeit in der Analyse gegeben ist.

Das System ist in die Produktgruppen unterteilt, die wiederum viele Unterebenen besitzen, in denen einzelne Produkte abgebildet sind. So befinden sich beispielsweise:

  • Eier unter Punkt 01.1.4.8 (Nahrungsmittel und antialkoholische Getränke – Nahrungsmittel – Milch, andere Molkereiprodukte und Eier)
  • Feierartikel unter Punkt 09.2.1.3 (Freizeitbeschäftigungen, Sport und Kultur – andere langfristige Freizeitartikel).

Wie werden die Daten für den Verbraucherpreisindex gesammelt?

Die Auswahl der Daten über die vielen einzelnen Produkte erfolgt über repräsentative Stichproben, die vom statistischen Bundesamt in Auftrag gegeben werden. Das gesamte deutsche Bundesgebiet wird dazu in 94 verschiedene Regionen unterteilt, in denen repräsentative Gemeinden und Städte ausgewählt werden.

Dort werden wiederum repräsentative Geschäfte ausgewählt, deren meistgekauften Produkte und deren Preise für die Datensammlung verwendet werden. So wird bundesweit die gesamte Bandbreite des privaten Konsums abgebildet, von der größten Stadt Berlin bis zur kleinsten Stadt Arnis in Schleswig-Holstein.

Anpassung des Verbraucherpreisindex Warenkorbes

In regelmäßigen Abständen muss der Verbraucherpreisindex angepasst werden, nicht nur, weil sich die Preise der jeweiligen Warenkorbgüter verändern, sondern auch, weil sich der Warenkorb selbst verändert. Nicht immer werden die gleichen Waren gekauft, Trends ändern sich und was in einem Jahr viel gekauft wird, wird in einem anderen Jahr wenig bis gar nicht nachgefragt. Auch die Gewichtung wird in regelmäßigen Abständen angepasst. Die Anpassung von Warenkorb und Gewichtung findet ca. alle fünf Jahre statt.

Hinweis

Die letzte Anpassung des Warenkorbs fand im Januar 2019 statt. Im Zuge dessen wurde das Basisjahr von 2010 auf 2015 verändert.

Verbraucherpreisindex als Grundlage für Inflationsberechnung

Sowohl die Bundesbank und die Bundesregierung als auch Privatpersonen können von den Informationen des Verbraucherpreisindex profitieren. Zum einen zeigt der Index die Entwicklung der Inflation an und ist so eine wertvolle betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Kennzahl. Zum anderen orientieren sich Mieten, Pachten und Renten zum Erhalt der Wertbeständigkeit an dem VPI. Das bedeutet, dass auch Privatpersonen ein Interesse daran haben, über die aktuellen Preise informiert zu sein.

Verbraucherpreise für Güter in 2019

Info

Für das Jahr 2019 liegt der Verbraucherpreisindex im Juli 2019 bei 106,2, in den verschiedenen Unterkategorien rangiert er zwischen 95,7 und 111,4 Punkten.

Im Jahresdurchschnitt lag der VPI im Jahr 2018 noch bei insgesamt 103,8, mit einer Schwankung zwischen 96,6 und 108 Punkten. Damit wird deutlich, dass die Verbraucherpreise bereits jetzt (Mitte 2019) gestiegen sind.

Nennenswerte Preisänderungen zum Basisjahr 2015:

  • Gemüse: +11 %
  • Brief- und Paketdienstleistungen: +6,7 %
  • Strom +3,8 %
  • Bekleidung und Schuhe: +3,6 %
  • Nettokaltmiete: +1,4 %
  • Kaffee, Tee und Kakao: -1,9 %
  • Obst – 4,5 %
  • Telefone und andere Geräte für die Kommunikation: -8,1 %
  • Speisefette und Speiseöle: -10,1 %

Zusammenhang von Index-Zahl & Basisjahr

Der Umfang, mit dem sich der Preisindex im Laufe der Zeit verändert, wird als Index-Zahl jeweils mit einem Basisjahr in Verbindung gesetzt. Diese Bezeichnung entspricht dem Update im Fünf-Jahres-Wechsel, 2010, 2015, 2020, etc. Diese Anpassungen sind nötig, denn der Konsum und die Preise ändern sich stetig. Man kann nicht per se sagen, dass sich alle Preise nur erhöhen.

Schaut man sich die Indizes im Zusammenhang mit den letzten Basisjahren an, so erkennt man sehr gut, dass der Gesamtindex zwar stetig steigt (von 70,2 in 1991 bis 103,8 in 2018), aber die Preise in der Kategorie Kosten für Nachrichtenübermittlung seit Anfang der 90er Jahre um mehrere Punkte zurückgegangen sind.

Dies zeigt, dass es sinnvoll ist, die Daten, die der Berechnung des Verbraucherpreisindex zufließen, regelmäßig an die aktuellen Konsumgewohnheiten anzupassen, um den Index stetig weiterzuentwickeln. Es gibt auch noch eine weitere Fortentwicklung des Verbraucherpreisindex. Seit dem Jahr 2004 werden Qualitätsverbesserungen bestimmter Güter in die Berechnung miteinbezogen. Wenn also beispielsweise ein Computer im Vergleich zu früheren Modellen mehr Leistung zum gleichen Preis bietet, so ist dies mit einer Preissenkung gleichzusetzen.

Warum steigen die Preise für Verbrauchsgüter?

Der Grund dafür liegt in der Menge des in Umlauf befindlichen Geldes. Druckt die Zentralbank neues Geld, so ist mehr Geld vorhanden und der Gegenwert dieses Geldes sinkt. Verkäufer müssen nunihre Preise anpassen, um selbst mit dem Erlös die gleichen Einkäufe tätigen zu können.

Was wie eine negative Spirale klingt, ist von der Regierung durchaus gewünscht – zumindest in einem begrenzten Rahmen. Sinkt der Wert des Geldes, so kann die Regierung die Staatsschulden dank mehr verfügbarem Geld einfacher zurückzahlen. Diese erhöhen sich nämlich nicht. Auch wenn die Inflation steigt, bleiben die Schulden gleich. Gleichzeitig werden Investitionen und Einkäufe im Land für Ausländer interessanter. Die Wirtschaft kann also durch moderate Inflation angekurbelt werden.

Steigt jedoch die Inflation zu stark, kann dies auch negative Folgen haben, denn die Menschen haben weniger von ihrem Verdienst, Waren aus dem Ausland werden teurer und die Menschen können sich Dinge nicht mehr leisten, die sie früher kaufen konnten.

Fazit

Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass der Verbraucherpreisindex ein wichtiges und wertvolles Informationsmaß für viele verschiedene Marktteilnehmer ist. Nicht nur ist er interessant für die Regierung und Banken, sondern auch der Normalverbraucher kann daran viele Informationen ablesen, die für seinen Konsum bedeutsam sind.

Der Index spiegelt anhand eines virtuellen Warenkorbs mit rund 300.000 durchschnittlich am meisten gekauften Produkten den aktuellen Konsum eines Deutschen wider. Aufgrund von Änderungen der Konsumgewohnheiten wird der Index jeden Monat neu berechnet, Ca. alle fünf Jahre wird der Warenkorb neu zusammengestellt. Auf Basis der monatlichen Kennzahl kann der Verbraucher sein Gefühl hinsichtlich Preisänderungen kontrollieren und so ggf. seine Konsumgewohnheiten verändern.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.