Von Smart-Cars und Smart-Cities: Wie Innovationen unser Leben verändern

Der Bereich „Smart Cities“ ist ein enormer Wachstumsbereich, der von der Robotik- und Automatisierungsindustrie kräftig vorangetrieben wird. (Foto: StockStudio / shutterstock.com)

Während vielerorts noch über die rechtlichen Rahmenbedingungen von selbstfahrenden Autos diskutiert wird, konnte ich auf der CeBit bereits einen fahrerlosen Bus testen. Ich war beeindruckt.

Es gibt kein Steuerrad und keinen Fahrer. Nur ein Sicherheitsbegleiter war für den Notfall an Bord.

Zielsicher hat das Sammeltaxi mich und andere Messebesucher durch die Halle kutschiert. Mit zahlreichen Sensoren und Kameras ausgestattet kann das Fahrzeug mühelos Hindernissen ausweichen.

Das intelligente Auto kommt in großen Schritten

Und dieses Taxi ist keine Zukunftsmusik. Im Schweizerischen Sitten hat die Schweizer Post mit dem Elektroauto bereits mehr als 12.000 Fahrgäste transportiert.

Es gab auf der CeBit eine Reihe weiterer interessanter Beispiele für die Digitalisierung im Verkehr:

IBM setzt mit seinem Computer-System Watson auf den intelligenten Bus – oder genauer gesagt: Auf den personalisierten Nahverkehr.

Interessante Eindrücke lieferte auch der autonome Kleinbus „Olli“, der in Las Vegas, Washington und Berlin getestet wird, mit Fahrgästen spricht und optimale Routen für sie berechnet.

Microsoft, Intel, Mobileye – Alle großen Player sind an Bord

Auch Intel hat in Hannover seine Zukunftsprodukte präsentiert. Gezeigt wurde unter anderem ein BMW i8, der zukünftig dank der Technologie von Mobileye bald autonom fahren kann.

Über ein Microsoft HoloLens Headset durfte ich am Abend selbst die Informationen sehen, die zwischen Auto, Fahrer und Umgebung ausgetauscht werden.

In einer sogenannten erweiterten Realität (Augmented Reality) konnte ich erleben, wie die Sensoren eines hochmodernen Fahrzeugs ihre Umgebung wahrnehmen und wie die Autos der Zukunft „sehen“.

Ich kann Ihnen sagen, dass das absolut beeindruckend war.

Pflegeroboter – das nächste große Ding

Nicht nur der Bereich mit autonomen Fahrzeugen war hochspannend.

Besonders fasziniert haben mich auch Serviceroboter, die in der Überwachung von pflegebedürftigen Menschen eingesetzt werden.

Roboter

Auf dem obigen Bild sehen Sie mich mit einem Roboter, der genau für diesen Bereich entwickelt wurde. Er ist wie geschaffen für den japanischen Markt, der auf Grund seiner massiven Überalterung als besonders aussichtsreich gilt.

Viele Menschen wollen auch im hohen Alter noch zu Hause wohnen oder können sich kein teures Pflegeheim leisten.

Hier können Pflegeroboter Abhilfe leisten.

Der Roboter kann zahlreiche Körperfunktionen überwachen (Herzschlag, Blutdruck etc.) und ist mit Kamerasensoren ausgestattet. Dadurch kann er feststellen, ob der Mensch im Haushalt eventuell auf den Boden gefallen ist und nicht mehr aufstehen kann.

Stellt der Roboter Unregelmäßigkeiten fest, kann er sofort einen Notruf absetzen und einen angebundenen Pflegedienst oder Arzt benachrichtigen.

Pepper– der kleine Star der Messe

Für viele Messebesucher dürfte der Serviceroboter Pepper der heimliche Star gewesen sein.

Pepper verfügt über 17 Gelenke, einen Touchscreen, eine 3-D-Kamera zur Gesichtserkennung und drei Laufräder, die sich in jede Richtung bewegen können. Per WLAN ist auch eine Vernetzung mit anderen Geräten möglich.

Pepper ist dadurch nicht nur in der Lage, die unterschiedlichsten Fragen zu beantworten, sondern kann auch menschliche Gesten erkennen und entsprechend reagieren – mitunter sogar mit einem Witz, um die Stimmung des Gegenübers zu heben.

Pepper spricht 20 Sprachen und wird bereits auf Kreuzfahrschiffen und in zahlreichen Geschäften eingesetzt.

Wie Smart Cities unsere Zukunft verändern

Ein weiterer Bereich, der mich wirklich begeistert hat, ist das Konzept von sogenannten „Smart Cities”.

Darunter versteht man intelligente Städte, die mit innovativen Lösungen die Bereiche Energie, Gebäude, Mobilität und Infrastruktur inklusive Informationstechnologie binden.

Was sich vielleicht zunächst kompliziert anhört, ist nicht so schwer zu verstehen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten gerade einmal 2% der Bevölkerung in Städten. Zur Jahrtausendwende waren es bereits 47%. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen sollen bis zum Jahr 2050 bereits 75% der Weltbevölkerung urbane Regionen besiedeln.

Damit ist klar: Die wachsende Zahl der Menschen, die dann in den großen Städten der Welt lebt, übt einen enormen Druck auf verfügbare Ressourcen aus.

Zugleich schießen die Schadstoff- Emissionen in die Höhe.

Ineffiziente Städte schaden dem Planeten massiv

Sie müssen wissen: Bis zu 70% aller Treibhausgase stammen aus städtischen Gebieten, obwohl diese nur 4% der weltweiten Landmasse ausmachen.

Um dem Problem Herr zu werden, setzen die Städte zunehmend auf intelligente Vernetzung. Was verbirgt sich dahinter?

Ein Verkehrsfluss, der nie stockt, dynamische Navigationssysteme, die jeden Autofahrer individuell zum freien Parkplatz leiten, und intelligente Technologien, die Energie effizient dorthin bringt, wo sie benötigt wird.

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Die Visionen der Städte von morgen klingen fast zu gut, um wahr zu sein.

Auf der CeBIT konnte ich mir jedoch bereits einige Konzepte ansehen und kann Ihnen sagen: Die Vorstellungen sind keineswegs überzogen, sondern mithilfe der Digitalisierung bereits in greifbare Nähe gerückt.

Dabei beschränken sich die genutzten Informationen nicht nur auf Themen wie Verkehrssteuerung und Warenlogistik, sondern auch auf die Versorgung und den Verbrauch von Energie und Wasser.

Hierbei kommen zunehmend sogenannte Smart Meter, also intelligente Zähler, zum Einsatz.

Diese können den Energieverbrauch nicht nur messen sondern die Werte auch übermitteln und damit zu intelligenten Stromnetzen (Smart Grids) beitragen.

Der Bereich birgt gigantische Wachstumschancen: Der Energieverbrauch von Gebäuden liegt zwischen 20 und 40% der gesamten Aufwendungen eines Landes.

Experten schätzen daher, dass der Markt für Smart-Building-Technologie bis zum Jahr 2020 auf ein Volumen von rund 36 Milliarden USDollar anwachsen wird.

Vernetzte Laternen zeigen Ihnen wo die Reise hingeht

Aber das ist beileibe nicht alles. Wie weit die Möglichkeiten reichen, zeigen Ihnen auch die Pläne des Mobilfunkers Vodafone und des Stromlieferanten Innogy.

Geht es nämlich nach den beiden Konzern, dann können wir uns bald über intelligente Laternen freuen.

Die so genannte „City-Leuchte“ der beiden Konzerne funktioniert auch als Hot Spot, an dem Passanten per WLAN aufs Internet zugreifen können. Auch Autofahrer werden an der City-Leuchte ihre Freude haben, da man an den Laternen auch Elektro-Fahrzeuge aufladen kann.

Zugleich sollen die Laternen mit einer Notrufsäule ausgestattet sein und mit Hilfe von eingebauten Kameras öffentliche Plätze überwachen können.

Sogar Feinstaubwerte können über eingebaute Sensoren gemessen und an die Schaltzentrale übermittelt werden. Die neuen Laternen sind also wahre Alleskönner.

Fazit: Auch der Bereich „Smart Cities“ ist ein enormer Wachstumsbereich, der von der Robotik- und Automatisierungsindustrie kräftig vorangetrieben wird.

Das Internet der Dinge, also die Vernetzung von einzelnen Geräten, wirkt wie ein Wachstumsbeschleuniger.

Die über Sensoren in Echtzeit erfassten Daten lassen sich mit Hilfe von selbstlernender Software zum besseren Ressourcen-Einsatz nutzen. Auf Grund des zunehmenden Zuzugs in die Großstädte gewinnt dieser Bereich massiv an Bedeutung.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.