Was sind Dividenden Aristokraten?

Dividenden Aristokraten sind Aktien, die seit mindestens 25 Jahren die Dividende erhöhen – oder hierzulande zumindest nicht senken. (Foto: Monster Ztudio / shutterstock.com)

Bei einer Auswahl guter Aktien muss man nicht wirklich ständig auf den Kurs schielen. Man kann sie auch einfach liegen und langfristig reifen lassen. Dennoch rufen sie sich in regelmäßigen Abständen in Erinnerung – spätestens wenn Dividendenzahlungen fällig sind. Hierzulande meist jährlich, in Amerika verbreitet im Quartal.

Dividenden Aristokraten: Erklärung und Beispiele

Was in der Hinsicht „gute Aktien“ sind, ist persönliche Ermessenssache, wobei viele auf Dividenden Aristokraten wert legen. Die gelten für Langfristanleger als besonders zuverlässig. Hat der Begriff für Amerikaner Tradition, wird auch bei uns gerne vom Dividenden Adel gesprochen, was letztlich das gleiche ist. Schon das Wort Dividenden Aristokraten vermittelt etwas Fürstliches und Beständiges: Adel verpflichtet eben.

Wer nun spontan an Top-Auszahlungen nach der Höhe denkt, wie etwa die Münchner Rück, die dieses Jahr 8,60 Euro pro Aktie zahlt, oder die Allianz mit 8 Euro liegt falsch. Ebenso wenig taugt allein die Dividendenrendite, die in beiden Fällen um die 4 % beträgt, bei der US-Aktie  AT&T sogar 6,29 %.

Eine hohe Dividendenrendite kann tückisch sein. Das liegt zum einen am Verhältnis zum Kurs, vor allem aber sagt sie wenig über die langjährige Kraft des Unternehmens aus. Hier muss die Historie stimmen. Betrachtet man das durchschnittliche Dividendenwachstum der letzten fünf Jahre, zeigt sich bei der S&P 500 Aktie von Lowe’s, einer der größten Baumarktketten der USA, eine Wachstumsdynamik von 20,4 %. Gleichzeitig liegt die Rendite bei nur 1,8 %.

In der Konstellation kommt man der Sache schon näher. Lowe’s gehört mit dem Berufsbekleidungsunternehmen Cintas und dem Outdoor-Spezialisten VF Corp zu den US-Unternehmen, die nicht nur die höchste Wachstumsdynamik aufweisen, obendrein erhöhen sie ihre Dividenden seit mindestens 25 Jahren – ohne Unterbrechung.

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Angemessene Ausschüttungsquote

Und das ist in den USA wesentliches Kriterium für den Titel eines Dividenden Aristokraten. Neben der Dynamik zählt vor allem Kontinuität. Nun sollte man meinen, dass zu den über 50 US-Dividenden Aristokraten selbstverständlich Aktien wie Procter & Gamble oder Coca Cola gehören. Schließlich hat der Brausehersteller mit seiner unangefochtenen Marktstellung die Dividenden seit 56 Jahren in Folge erhöht.

Doch im Härtetest fallen die Kandidaten durch. Ganz einfach, weil sie mit ihrer Ausschüttungsquote über 75 % liegen. Sehr hohe Ausschüttungsquoten gemessen am Gewinn lassen weniger Geld in der Unternehmenskasse. Sie erzeugen zudem extremen Druck auf kommende Gewinnzuwächse. Unter 25 % wiederum sind zu mager. Top Dividenden sind ein Qualitätsmerkmal, weshalb die Quote im Korridor dazwischen liegen sollte.

Die einzige deutsche Aktie, die unter der Voraussetzung seit 25 Jahren durchgehend steigende Dividenden zahlt, ist Fresenius. In der Eurozone sind es zudem L’Oréal, Kerry Group und Sofina.

Deutschland – Abweichungen der Definition

Dass in Deutschland auch Siemens, Henkel und die Münchner Rück als Dividenden Aristokraten gelten, hat mit einer Abweichung zu den amerikanischen Vorstellungen zu tun. Hierzulande reicht es aus, wenn die Dividenden zumindest nicht gesenkt wurden. International ist der Begriff Dividenden-Adel nicht einheitlich und scharf definiert.

Insgesamt kommen ohnehin noch ein paar weitere Betrachtungen hinzu: So sollte das KGV nicht allzu hoch und der Kurs darf nicht besonders volatil sein. Qualitätsaktien entwickeln sich beständig.  Amazon, Facebook oder Google gehören übrigens nicht dazu. Sie sind schlicht zu jung.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.