Was sind „zerstörerische Wandelanleihen“?

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Zerstörerische Wandelanleihen verfügen über ein variierendes Wandelverhältnis – und wirken sich damit zerstörerisch auf den Aktienkurs aus. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Herkömmliche Wandelanleihen ermächtigen den Obligationär dazu, eine Anleihe in eine bestimmte Anzahl von Stammaktien des Emittenten umzutauschen – unabhängig von den aktuellen Marktpreisen bezüglich dieser Anteile.

Dies macht sich insbesondere dann bezahlt, wenn der Gesamtwert der zugrunde liegenden Stammaktien den Wert der Anleihe weit übersteigt.

Beispielsweise ist eine Wandelanleihe 1.000 € wert und kann in 20 Stammaktien umgetauscht werden. Ein Obligationär würde die Anleihe umtauschen, wenn der Anteilspreis 50 € übersteigt (da 1.000 €/20 = 50 €).

In gewisser Hinsicht verfügen Wandelanleihen über eine Auszahlung, die der einer Kaufoption gleicht.

Sogenannte „zerstörerische Wandelanleihen“ (engl. „death spiral convertible bonds“) unterscheiden sich von normalen Wandelanleihen aufgrund ihres Wandelverhältnisses.

Während dieses bei letzteren vorbestimmt und festgelegt ist, verfügen zerstörerische Wandelanleihen über ein variierendes Wandelverhältnis.

Dabei erhält der Obligationär Rabatt für den Umtausch von Aktien.

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So erhält beispielsweise ein Obligationär 1.500 € an Stammaktien, wenn er eine Anleihe von 1.000 € umtauscht – aufgrund des Wandelverhältnisses der Anleihe.

Problematisch bei dieser Art von Wertpapieren ist jedoch, dass sie beträchtliche Wertverluste hervorrufen.

Denn hat ein Obligationär einmal seine Anleihe in Aktienanteile umgetauscht, so schwächt der Zustrom an neuen Anteilen den Aktienkurs.

Außerdem besteht für viele Obligationäre der Anreiz, einen Leerverkauf der Stammaktien vor dem Umtausch durchzuführen – mit dem Wissen, dass der Aktienkurs nach dem Umtausch fallen wird.

Durch diesen Leerverkauf fällt der Aktienkurs noch weiter. Die Wandelanleihe wirkt also zerstörerisch, bzw. – im Englischen noch krasser ausgedrückt – in Form einer „Todesspirale“ („death spiral“‘).

Interessanterweise war diese Form der Finanzierung speziell für Unternehmen interessant, die unbedingt Geld benötigten und denen kaum Mittel zur Verfügung standen, dieses selbst aufzuwenden.

Ihrer Ansicht nach machte die Tatsache, das geliehene Geld nicht zurückzahlen zu müssen, die Verluste durch den geschwächten Aktienkurs wieder wett.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.