Was war ein typisches Beispiel für ein Unternehmen in der Dotcom-Blase?

VA Linux, der Spezialist für Computer und Server unter Linux, ist das Paradebeispiel für ein Dotcom-Unternehmen. Man flog hoch und fiel tief. (Foto: cybrain / Shutterstock.com)

Ein gutes Beispiel für ein Dotcom-Unternehmen, welches das klassische Schicksal der gesamten Branche in den späten 1990er-Jahren erlebte, ist VA Linux.

Dieses Unternehmen spezialisierte sich auf Hardware, Computer und Server, die auf dem Betriebssystem Linux basierten. Die Gründer Larry Augustin und James Vega hatten damit eine Nische für ihr Unternehmen geschaffen.

Während des großen Internetbooms war es undenkbar, dass ein profitables IT-Unternehmen nicht an der Börse notiert war. Daher ging auch VA Linux an die Börse.

Der Börsengang des Unternehmens wurde heiß erwartet. Rückblickend zeigt sich an diesem Beispiel sehr gut, wie weit fortgeschritten die Dotcom-Blase in 1999 bereits war.

Am 9. Dezember 1999 gingen die Aktien zu einem Preis von 35$ pro Stück an die Börse. Am Ende des ersten Handelstages notierten sie bereits bei 235$. Dieser Preis stieg im Laufe der Woche über die 300-Dollar-Marke.

Ein starker Preisanstieg einer Aktie am Tag des Börsengangs ist zunächst nicht unerwartet, da sich die Spekulanten um die Aktien reißen. Ein Anstieg von knapp 700% deutet jedoch relativ offensichtlich auf grobe Fahrlässigkeiten der involvierten Investmentbanken und Investoren hin.

Die Gründer von VA Linux beschwerten sich unterdessen nicht: In einem einzelnen Tag wurden sie von Besitzern einer nur wenig rentablen Firma zu Aktienmillionären – oder wie sie damals genannt wurden, Siliconaires.

Der Börsengang von VA Linux geschah jedoch nur kurze Zeit, bevor die Dotcom-Blase platzte.

Im folgenden Jahr mussten Augustin und Vera mit ansehen, wie ihr Unternehmen rasant an Wert verlor. Im April sank der Kurs unter 50$, im Dezember unter 10$. Nur ein Jahr später stand die VA Linux-Aktie kurz davor, unter einen Dollar zu fallen, ein Jahr später war es dann soweit.

VA Linux war zu dieser Zeit bereits Geschichte. 2001 wurde das Unternehmen in SourceForge Inc. Umbenannt und konzentrierte sich ab sofort auf die Softwareentwicklung. 2006 konnte das Unternehmen zum ersten Mal seit dem Börsengang wieder schwarze Zahlen schreiben.

Vom frühen Erfolg war das Unternehmen jedoch weit entfernt: 2008 bewegte sich die Aktie im Bereich von 1-3 Dollar, heute wird sie gar nicht mehr gehandelt.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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