Börsengänge 2026 im Fokus: So bereiten Sie sich vor
2026 könnte ein spannendes Jahr für Anleger werden, denn die Zahl der geplanten IPO nimmt wieder zu. Wenn Sie sich für einen kommenden Börsengang interessieren, finden Sie in unserem Beitrag praktische Hinweise zu Chancen, Abläufen und Motiven.
Wir erklären, wie eine Emission strukturiert wird, warum Unternehmen überhaupt Aktien ausgeben und welche Überlegungen hinter einem erfolgreichen IPO stehen. Zudem nennen wir einige Börsengänge, die bereits geplant sind oder gerüchteweise stattfinden könnten.
Was ist ein IPO überhaupt?
Ein IPO ist der erstmalige öffentliche Verkauf von Unternehmensanteilen an der Börse. Dabei werden neue Aktien ausgegeben oder bestehende Anteile verkauft, um Kapital einzuwerben. Durch ein IPO erhalten Unternehmen Zugang zu einem größeren Kreis von Investoren, während Anleger die Chance auf eine frühzeitige Beteiligung erhalten. Der Begriff Börsengang bzw. IPO umfasst sowohl die Vorbereitung als auch die Platzierung der Papiere.
Wie funktioniert ein IPO?
Der Börsengang folgt fast immer dem gleichen Schema und ist in die folgenden Schritte gegliedert:
- Das Unternehmen entscheidet sich für ein IPO und beauftragt Berater zur Vorbereitung.
- Die Finanzdaten werden geprüft und in einem Prospekt dokumentiert.
- Die Emission wird strukturiert und ein Preiskorridor festgelegt.
- Investoren werden im Rahmen eines Bookbuilding-Verfahrens angesprochen.
- Die finalen Preise der Aktien werden bestimmt und die Zuteilung vorbereitet.
- Am Tag des Börsengang erfolgt der Handelsstart und die Aktien werden erstmals öffentlich gehandelt.
- Nach dem IPO beginnt die Phase der Marktbeobachtung und Investor Relations.
Warum gehen Unternehmen an die Börse?
- Es gibt verschiedene Gründe, warum sich Unternehmen entscheiden, ihre Aktien an die Börse zu bringen und ein IPO durchzuführen, wie zum Beispiel:
- Kapital beschaffen: Ein wesentlicher Grund ist die Kapitalaufnahme, da durch einen Börsengang zusätzliche Mittel für Wachstum verfügbar werden.
- Bekanntheitsgrad steigern: Unternehmen möchten ihre Bekanntheit erhöhen und durch mehr Transparenz das Vertrauen der Märkte stärken.
- Beteiligungen handelbar machen: Der Schritt an den Kapitalmarkt dient oft dazu, bisherige Investoren auszuzahlen oder Beteiligungen handelbar zu machen.
- Eigenkapitalquote verbessern: Ein weiterer Anlass ist die Verbesserung der Eigenkapitalquote, um die finanzielle Stabilität zu erhöhen.
- Mehr Flexibilität: Zudem bietet der Zugang zum Kapitalmarkt strategische Flexibilität bei Expansionen und Akquisitionen.
Welche Börsengänge sind für 2026 geplant?
Es gibt bereits einige Börsengänge, die laut Berichten geplant sind und mit größerer Wahrscheinlichkeit stattfinden werden, wie zum Beispiel die folgenden:
Mobile.de
Die Plattform Mobile.de fungiert als einer der zentralen digitalen Umschlagplätze für Kraftfahrzeuge in Deutschland und steht im Besitz des norwegischen Medien- und Online-Marktplatzkonzerns Adevinta. Nach Informationen aus Finanzkreisen erwägen die aktuellen Anteilseigner – darunter die Investmentgesellschaften Blackstone und Permira – einen Börsengang an der Frankfurter Wertpapierbörse im Jahr 2026.
Die mögliche Gesamtbewertung des Unternehmens könnte dabei bis zu zehn Milliarden Euro erreichen. Für Investoren gilt Mobile.de als äußerst attraktiv, da das Portal im deutschen Kfz-Onlinemarkt eine nahezu monopolartige Stellung innehat. Das Geschäftsmodell profitiert sowohl von der hohen Nutzung im Bereich Gebrauchtwagen als auch von der wachsenden Bedeutung digitaler Vertriebskanäle für Autohäuser und Händler.
Visma
Das skandinavische Softwareunternehmen Visma zählt zu den führenden Entwicklern cloudbasierter Lösungen für Unternehmen und Organisationen. Der Schwerpunkt des Konzerns liegt auf digitalen Werkzeugen für Buchhaltung, Personalverwaltung, Lohnabrechnung und administrative Prozesse. Für 2026 bereitet Visma einen Börsengang vor, wobei derzeit die Londoner Börse als bevorzugter Handelsplatz gilt.
Die jüngste Bewertung des Unternehmens im Privatmarkt lag bei etwa 19 Milliarden Euro. Obwohl noch keine Angaben zum potenziellen Emissionsvolumen veröffentlicht wurden, gehen Marktbeobachter von einer umfangreichen Platzierung aus. Aufgrund der starken Position im nordeuropäischen Softwaremarkt, dem Fokus auf wiederkehrende Abonnementumsätze und der laufenden Expansion in weitere europäische Regionen gilt Visma unter Analysten als ein mögliches Langfrist-Investment mit solidem Wachstumskurs.
ISS Stoxx
Die Marke ISS Stoxx, ein Unternehmen im Besitz der Deutschen Börse, stellt wichtige Index- und Marktdaten bereit, die von institutionellen Anlegern und ETF-Anbietern genutzt werden. Nachdem der geplante Börsengang im Jahr 2025 nicht realisiert wurde, rechnen Branchenexperten nun mit einem IPO im Verlauf des Jahres 2026. Die Bewertung könnte sich nach derzeitigen Schätzungen bei etwa einer Milliarde US-Dollar einpendeln.
Das Unternehmen wird von der zunehmenden Nachfrage nach passiven Anlageinstrumenten getragen, da viele Exchange Traded Funds auf Indizes aus dem ISS Stoxx Portfolio basieren. Das Gebührenmodell sorgt für regelmäßige Einnahmen, was die Aktie insbesondere für Investoren interessant macht, die ein Engagement im Bereich der Finanzmarktinfrastruktur anstreben.
KNDS
KNDS, ein bedeutender europäischer Verteidigungs- und Rüstungskonzern, ist unter anderem für die Produktion des Leopard-2-Panzers sowie weiterer militärischer Geräte bekannt. Im Kontext geopolitischer Spannungen und steigender Verteidigungsbudgets plant der Konzern einen möglichen Börsengang im Juni 2026.
Finanzexperten kalkulieren eine Bewertung von ungefähr 20 Milliarden Euro. Aufgrund der Rolle des Unternehmens im europäischen Sicherheitsgefüge sowie des politischen Rückhalts durch mehrere Staaten erscheint eine Investition vielversprechend für Anleger, die auf nachhaltiges Wachstum im Verteidigungssektor setzen. Die Branche gilt aufgrund langfristiger staatlicher Verträge als relativ stabil.
Revolut
Revolut zählt zu den populärsten FinTech-Unternehmen Europas und bietet eine mobile Plattform für unterschiedlichste Finanzdienstleistungen, darunter internationale Zahlungen, Kryptowährungen, Kartenprodukte und den Handel mit Wertpapieren. Für das Jahr 2026 steht ein möglicher Börsengang im Raum, wobei sowohl London als auch New York als Parallel Listing infrage kommen, um die globale Präsenz zu erweitern.
Die aktuelle Schätzung der Unternehmensbewertung bewegt sich zwischen 65 und 75 Milliarden US-Dollar. Revolut spricht vor allem eine jüngere, technologieaffine Zielgruppe an, die klassische Bankdienstleistungen vermehrt über digitale Kanäle nutzt. Das dynamische Wachstum der Nutzerzahlen sowie die breite Palette an Einnahmequellen lassen auf erhebliches zukünftiges Ertragspotenzial schließen.
Über welche möglichen IPOs in 2026 wird spekuliert?
Neben den zuvor genannten voraussichtlichen IPOs gibt es ferner Börsengänge, über die bisher eher spekuliert wird, wie zum Beispiel die folgenden:
OpenAI
OpenAI hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der einflussreichsten Unternehmen im globalen KI Ökosystem entwickelt. Die Veröffentlichung von ChatGPT markierte einen Wendepunkt: Erstmals wurde generative künstliche Intelligenz in einem Umfang für Verbraucher nutzbar, der weltweit Begeisterung auslöste und den technologischen Fortschritt erheblich beschleunigte. Inzwischen prägen sowohl die GPT Sprachmodelle als auch das Bildgenerierungssystem DALL-E maßgeblich die Standards der gesamten Branche.
Die benötigten Rechenressourcen und die fortlaufende Forschung verschlingen jedoch enorme Summen. In der zweiten Jahreshälfte berichtet das Unternehmen eine annualisierte Umsatzrate von rund 12 Milliarden US-Dollar. Das ist ein massiver Sprung gegenüber den etwa 3,7 Milliarden US-Dollar Umsatz des Jahres 2024. Trotz dieser beeindruckenden Entwicklung bleibt die Profitabilität weiterhin außer Reichweite.
Der Aufbau leistungsfähiger GPU Cluster und die Weiterentwicklung der Modelle erzeugen gewaltige Kosten, die einen erheblichen Kapitalbedarf erzeugen. Diese Finanzierungsintensität treibt seit Monaten Spekulationen über einen möglichen Börsengang an. OpenAI prüft eventuell derzeit, ob in der zweiten Hälfte 2026 eine offizielle Anmeldung bei der US-Börsenaufsicht SEC vorgenommen werden könnte.
SpaceX
SpaceX, gegründet und bis heute geführt von Elon Musk, hat die Raumfahrtindustrie in einer Weise verändert, die vor wenigen Jahrzehnten kaum vorstellbar war. Das Unternehmen startete als Anbieter kostengünstiger Raketenstarts, hat sich jedoch inzwischen zu einem der am höchsten bewerteten privaten Unternehmen in den Vereinigten Staaten entwickelt. Die Kombination aus wiederverwendbaren Raketen, dem ehrgeizigen Starship Programm und dem globalen Satelliteninternet Starlink verschafft SpaceX eine Sonderstellung zwischen Vision und kommerziellem Erfolg.
Ein Börsengang von SpaceX selbst ist nach aktuellem Stand zwar eher unwahrscheinlich, dennoch gibt es Spekulationen darüber. Musk argumentiert immer wieder, dass die langfristigen Raumfahrtziele zu wenig mit der kurzfristigen Denkweise börsennotierter Investoren vereinbar seien. Starlink hingegen spielt eine besondere Rolle: Das Projekt könnte als eigenständiges Unternehmen an die Börse gehen, sobald stabile Gewinne und verlässliche Cashflows erreicht sind.
Anthropic
Anthropic hat sich in kürzester Zeit zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten von OpenAI entwickelt. Das Unternehmen wurde von früheren Führungskräften von OpenAI gegründet, die eine stärker sicherheitsorientierte Vision von KI verfolgten. Ihr erklärtes Ziel: Modelle erschaffen, die für Menschen nicht nur leistungsfähig, sondern auch zuverlässig, transparent und risikoarm sind. Die Claude-Modellreihe spiegelt diese Philosophie wider und tritt in direkter Konkurrenz zu ChatGPT an. Dabei reicht das Portfolio von besonders schnellen, kosteneffizienten Modellen wie Claude Haiku bis hin zu Claude Opus, das für anspruchsvolle, komplexe Aufgaben ausgelegt ist.
Laut mehreren Insiderinformationen plant Anthropic, seine Umsatzrate bis Ende 2026 auf rund 26 Milliarden US-Dollar auszubauen. Um dieses Ziel zu erreichen, investiert das Unternehmen massiv in erweiterte Rechenkapazitäten, internationale Bürostandorte in Asien sowie die rasante Weiterentwicklung seiner Modelle. Ein Börsengang im Jahr 2026 steht aktuell allerdings nicht im Raum. Sollte die nächste Ausbaustufe der Infrastruktur jedoch weitere Milliarden verschlingen, könnte ein IPO künftig als Mittel zur Kapitalbeschaffung in Betracht gezogen werden.