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Hochfrequenzhandel: Chancen und Risiken des HFT

Hochfrequenzhandel: Chancen und Risiken des HFT
Deutsche Börse AG
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Hochfrequenzhandel (High Frequency Trading bzw. HFT) werden unter Einsatz von Algorithmen und Hochleistungscomputern in sehr kurzer Zeit große Mengen an Trades vorgenommen
  • Der Handelsansatz bietet Chancen, die manuellem Trading nicht zugänglich sind
  • Hochfrequenzhandel birgt aber auch viele Risiken und ist eine umstrittene Handelstechnik
  • Der Hochfrequenzhandel ist in der Regel Profis vorbehalten und streng reguliert
  • Kleinanlegern stehen Alternativen zur Verfügung, die auf ähnlichen Prinzipien beruhen, jedoch ebenfalls große Risiken bergen

Was ist der Hochfrequenzhandel?

Der Hochfrequenzhandel (High-Frequency Trading bzw. HFT) ist ein automatisierter Handelsansatz und beruht auf programmierten Algorithmen und schnellen Computern, mit denen in sehr kurzer Zeit große Mengen an Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Devisen gehandelt werden können.

Dabei sind Hochleistungsrechner im Einsatz, die entweder völlig selbständig oder durch zusätzliches Einwirken von Menschen Handelsbefehle im Sekunden- bis Mikrosekundenbereich ausführen können. Hochfrequenzhändler suchen dabei häufig die unmittelbare Nähe zu den Servern der Handelsplätze, um sich durch kürzere Signalwege Geschwindigkeitsvorteile zu verschaffen.

Wie funktioniert der Hochfrequenzhandel?

Der Hochfrequenzhandel basiert auf der Nutzung von extrem schnellen Hochleistungscomputern mit schnellen Verbindungen, die in Sekundenbruchteilen auf Marktbewegungen reagieren können. Die Systeme, die dabei zum Einsatz gelangen, reagieren dabei bis in den Mikrosekundenbereich.

Wie schnell ist der Hochfrequenzhandel?

1 Sekunde = 1000 Millisekunden

1 Millisekunde = 1000 Mikrosekunden

Im Hochfrequenzhandel kann eine Order innerhalb von einer 64-Millionstel-Sekunde platziert werden.

Während das menschliche Gehirn noch damit beschäftigt ist, die Informationen auf einem Computerbildschirm zu verarbeiten, kann der Computer in derselben Zeit bereits zahlreiche Transaktionen in Auftrag geben. Darin liegt die große Stärke des Hochfrequenzhandels. Innerhalb von nur einer Sekunde sind somit Tausende von Orders möglich, wobei letzten Endes programmierte Algorithmen entscheiden, ob Positionen gekauft, gehalten oder verkauft werden.

Hochfrequenzhändler bzw. die automatisierten Systeme dahinter, suchen dabei nach kleinsten Preisunterschieden, die sie zu ihren Gunsten ausnutzen können, um Gewinne zu erzielen. Dies wird auch als Arbitrage-Geschäft bezeichnet, einer der möglichen Strategien im Rahmen des Hochfrequenzhandels. So können Aktien an dem einem Börsenplatz günstiger gekauft werden, um sie im Bruchteil einer Sekunde wieder an einem anderen Börsenplatz zu verkaufen, wo sie teurer gehandelt werden.

Damit der Hochfrequenzhandel technisch funktionieren kann, sind also die folgenden Instrumente vonnöten:

  • Schnelle Computer
  • Zugang zu schnellen Datenverbindungen
  • Komplexe Algorithmen zur Analyse von Marktdaten

Was sind die Chancen beim Hochfrequenzhandel?

Der Hochfrequenzhandel ist eine viel diskutierte und sehr umstrittene Handelstechnik. Sie ist ein Ausdruck der schnell voranschreitenden technischen Evolution der Finanzmärkte und macht tatsächlich einen Großteil des Handelsvolumens an europäischen und internationalen Handelsbörsen aus. Es gibt eine Vielzahl an möglichen Strategien und Chancen, die sich durch den Hochfrequenzhandel ergeben. Drei davon sollen im Folgenden näher erläutert werden:

  • Volumenhandel
  • Nutzung kurzfristiger Gelegenheiten
  • Arbitrage Trading

Befürworter argumentieren, dass der Hochfrequenzhandel einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Liquidität und Stabilität im Handel mit Wertpapieren leistet und zur Reduzierung von Spreads beiträgt. Dadurch profitieren sowohl Käufer als auch Verkäufer, die schneller und häufiger zu einem Preis ins Geschäft kommen, mit dem beide einverstanden sind und der dem tatsächlichen Marktwert des jeweiligen Vermögenswerts entspricht. Dieser Argumentation zufolge spielt der Hochfrequenzhandel also eine wichtige Rolle für effiziente und funktionsfähige Kapitalmärkte und seine Auswirkungen wären demnach sogar von volkswirtschaftlichem Nutzen.

Strategie 1: Volumenhandel

Durch die Automatisierung können in kurzer Zeit große Mengen an Trades abgegeben werden, welche kleinste Preisunterschiede ausnutzen. Von diesen minimalen Preisunterschieden können Hochfrequenzhändler profitieren, wenn sie Trades mit ausreichendem Volumen abschließen. Mit manuellem Trading wäre dies nicht zu bewerkstelligen. Diese Handelsform wird daher Volumen Trading genannt.

Strategie 2: Nutzung kurzfristiger Gelegenheiten

Hochfrequenzhändler haben die Chance, Gelegenheiten zu nutzen, die sich nur für sehr kurze Zeit ergeben. Angenommen, ein großes Investmentunternehmen würde eine sehr große Anzahl an Aktien eines Unternehmens aus ihrem Portfolio liquidieren, so würde es Sekunden bis Minuten dauern, bis der Markt darauf reagiert und die Preise anpasst. Während der manuelle Handel es nicht erlaubt, so schnell darauf zu reagieren, um von den Preisänderungen zu profitieren, kann der Algorithmus in dieser Zeit bereits mehrere Orders aufgeben.

Strategie 3: Arbitrage Trading

Die Grundidee des Arbitrage Tradings ist relativ simpel: Angenommen, es ändert sich der Preis einer Aktie, die auf verschiedenen Börsen gehandelt wird. Durch die Geschwindigkeit und Stabilität globaler Informationsnetze werden die Kurse beinahe in Echtzeit aktualisiert. Unter Umständen dauert es jedoch an einer Börse eine halbe Sekunde länger, bis die Preise angepasst werden. Dieses Zeitfenster würde für einen Hochleistungsrechner genügen, um die Aktie auf der einen Börse billiger zu kaufen, um sie an der anderen Börse sofort wieder teurer zu verkaufen. Auch diese Möglichkeiten stehen nur dem Hochfrequenzhandel zur Verfügung.

Was sind die Risiken des Hochfrequenzhandels?

Der Hochfrequenzhandel ist sehr umstritten und gerät anlassbezogen immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik. Kritiker argumentieren, dass der Hochfrequenzhandel die Märkte verzerrt, da innerhalb weniger Sekunden eine derart gewaltige Menge an Orders aufgegeben wird, die normale Menschen niemals abgeben könnten. Das erhöht tendenziell die Volatilität und die Aktivität der Märkte, was zu Verlusten bei anderen Handelsteilnehmern führen kann.

Außerdem wird kritisiert, dass der Hochfrequenzhandel eine nicht vorhandene Nachfrage vortäuscht und die Informationseffizienz der Märkte somit stört und negativ verzerrt. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC kam zudem nach der Analyse zahlreicher wissenschaftlicher Studien zu dem Schluss, dass in etwa der Hälfte der Fälle, in denen aggressive Strategien mittels High Frequency Tradings verfolgt werden, die Kosten der anderen Marktteilnehmer erhöht werden. Dies würde die weiter oben angeführten Vorteile reduzierter Spreads wieder relativieren.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Umstand, dass etwa im Rahmen vor Arbitrage-Geschäften die Gewinne letztlich nur durch Software-Verzögerungen erzielt werden, somit Geld ohne echten Marktwert verdient wird. Dies wirft vor allem auch ethische Fragen auf.

Technische Fehler sind in hochtechnologischen Handelssystemen nie gänzlich auszuschließen. Welche gravierenden negativen Auswirkungen technische Fehler haben können, zeigt das Beispiel der US-amerikanischen Handelsgruppe Knight Capital, die am 1. August 2012 aufgrund eines Softwarefehlers in nur 45 Minuten 440 Millionen US-Dollar verloren hat.

High Frequency Trading erlangte in der Vergangenheit auch negative Aufmerksamkeit in Zusammenhang mit Manipulationsversuchen. Im Jahr 2014 etwa wurde einem Hochfrequenzhandelsunternehmen von der SEC vorgeworfen, einen Algorithmus zur Manipulation der Schlusskurse an der NASDAQ verwendet zu haben.

Die vielfältige Kritik im Zusammenhang mit dem Hochfrequenzhandel sorgt für vermehrtes Misstrauen der Marktteilnehmer gegenüber dem Markt. Daher wurden in der Vergangenheit auch immer wieder Forderungen nach einer stärkeren Regulierung, einer höheren Besteuerung oder gar von Verboten des Hochfrequenzhandels laut.

Wie wird der Hochfrequenzhandel reguliert?

Um die Risiken und Missbrauchsgefahren des Hochfrequenzhandels einzudämmen, gibt es mittlerweile umfangreiche Regulierungsmaßnahmen. In Deutschland wird der Hochfrequenzhandel seit dem 15. Mai 2013 durch das Gesetz zur Vermeidung von Gefahren und Missbräuchen im Hochfrequenzhandel (Hochfrequenzhandelsgesetz) reguliert, auf europäischer Ebene im Rahmen der Überarbeitung der Markets in Financial Instruments Richtlinie (MiFID-II-Richtlinie) der Europäischen Finanzmarktaufsichtsbehörde (ESMA).

In den USA wurde nach der Finanzkrise im Jahr 2008 mit dem Dodd-Frank-Act die wohl wichtigste Regulierung für den Hochfrequenzhandel verabschiedet. Zudem stellt die SEC und das US-amerikanische Justizministerium vermehrt Ressourcen für Ermittlungen gegen Betrug und Marktmanipulation zur Verfügung.

Auch die Handelsplätze selbst sind dazu angehalten, regelmäßig interne Überprüfungen und Schulungen vorzunehmen, um Praktiken zu verhindern bzw. aufzudecken, die Marktmissbrauch darstellen können. So existieren auch umfassende Sicherheitsmaßnahmen von der Gruppe Deutsche Börse, wie Plausibilitätskontrollen und Volatilitätsunterbrechungen („Circuit Breakers“).

Ist der Hochfrequenzhandel für Privatanleger geeignet?

Der Hochfrequenzhandel ist ohne Zweifel eine Angelegenheit für Profis und nichts für Privatanleger. Es handelt sich um eine Handelstechnik, die den Einsatz hochentwickelter Technologien voraussetzt. In der Regel werden nur Banken, spezialisierte Finanzinstitute, Hedgefonds und spezielle Investmentfonds die nötigen technologischen und finanziellen Ressourcen aufbringen können, die der Hochfrequenzhandel verlangt.

Auch wenn Kleinanleger in der Regel kein richtiges High Frequency Trading praktizieren können, so stehen ihnen dennoch verschiedene Trading-Alternativen zur Verfügung, die ebenfalls auf den Grundprinzipien Automatisierung und Geschwindigkeit von Transaktionen basieren.

Was sind die Alternativen für Privatanleger?

Mögliche Alternativen zum Hochfrequenzhandel für Kleinanleger:

– Scalping

– Auto Trading & Handelsroboter

Das sogenannte Scalping beschreibt eine Trading-Strategie, die darauf abzielt, mehrmals täglich in Positionen ein- und auszusteigen und kleine, schnelle Gewinne zu erzielen. Die Positionen werden dabei für Sekunden bis Minuten gehalten. Diese Strategie erfordert jedoch einen Broker, der diese spezielle Handelsform anbietet und eine entsprechende Trading Plattform, die das schnelle Kaufen und Verkaufen erlaubt.

Auto Trading versteht sich ebenfalls als eine Form des algorithmischen Handels. Hier können die Trader eine Reihe von statistischen und grafischen Bedingungen für das Eingehen und für den Ausstieg von Positionen festlegen und in einen Handelsalgorithmus übertragen. Ein Handelsroboter führt die Aufträge dann automatisch und ohne Zutun des Händlers aus. Das automatische Trading ist im Gegensatz zum Hochfrequenzhandel für Kleinanleger über Online Broker gut zugänglich. Programmierkenntnisse sind dafür nicht unbedingt erforderlich. Wer sich für das Auto Trading interessiert, sollte aber bereits über eine fortgeschrittene Trading-Expertise verfügen.

Es sollte sich von selbst verstehen, dass diese Handelsstrategien mit sehr großen Risiken verbunden sind und neben einer großen Risikobereitschaft und ausgezeichneten Trading-Kenntnissen noch ein hohes Maß an emotionaler Beherrschung und eine sehr gute Konzentrationsfähigkeit erfordert. An dieser Stelle soll zudem noch der Hinweis gegeben werden, dass es in der Natur des Menschen liegt, die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse gerne zu überschätzen, vor allem was Aktivitäten an der Börse anbelangt.