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Robo-Advisor: So funktioniert die digitale Vermögensverwaltung

Robo-Advisor: So funktioniert die digitale Vermögensverwaltung
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Inhaltsverzeichnis

Klassische Vermögensverwaltungen gibt es schon seit über 100 Jahren. Die Experten kümmern sich dann um das Kapital der Anleger, nämlich dieses möglichst rentabel anzulegen. Das Problem an einer klassischen Vermögensverwaltung besteht allerdings für viele Kunden darin, dass normalerweise erst ab sechsstelligen Anlagesummen der Service überhaupt in Anspruch genommen werden kann. 

Seit mehreren Jahren ist das nun anders, nämlich seit es die sogenannten Robo-Advisor am Markt gibt. Mit diesen digitalen Vermögensverwaltern möchten wir uns im Beitrag näher beschäftigen. Wir gehen unter anderem darauf ein, was Robo-Advisor sind, wie sie funktionieren und worin die Unterschiede zur klassischen Vermögensverwaltung bestehen.

Was macht eine Vermögensverwaltung?

Bei der Vermögensverwaltung geht es im Allgemeinen darum, dass erfahrenen Experten sich um das Vermögen von Privat- und Geschäftskunden oder institutionellen Anlegern kümmern. Das bedeutet, dass der Anleger selbst keine Entscheidung betrifft, in welche Anlageformen sein Kapital fließt. Oft wird die Vermögensverwaltung mit der Vermögensberatung verwechselt. Der Unterschied ist, dass es bei der Vermögensberatung tatsächlich ausschließlich darum geht, den jeweiligen Anleger zu beraten. 

Ob und in welches Anlageprodukt investiert wird, entscheidet jedoch nach wie vor der Anleger selbst. Bei der Vermögensverwaltung hingegen möchte der Kunde, dass die Anlageentscheidung von Experten, den Vermögensverwaltern, getroffen wird. Dieser Service kostet natürlich, wobei die verschiedenen Vermögensverwaltungen teilweise unterschiedliche Gebührenmodelle haben. 

Was ist ein Robo-Advisor?

Der Begriff Robo-Advisor lässt sich etwas freier mit „Automatisierte Anweisung / Vorschlag“ übersetzen. Es handelt sich beim sogenannte FinTechs, also um Unternehmen, die zum Beispiel Anlage und IT im Finanzbereich miteinander verbinden. Nicht alle, aber die weitaus meisten Robo-Advisor sind Online-Vermögensverwalter und verfügen über die entsprechende Erlaubnis seitens der BaFin. 

Die digitalen Vermögensverwalter (Robo-Advisor) kümmern sich also ebenso wie klassischer Vermögensverwaltung darum, Ihr Vermögen möglichst zu vermehren. Dazu arbeiten auch Robo-Advisor mit unterschiedlichen Anlageprodukten und berechnen für ihre Dienstleistung eine Gebühr.

Wie funktionieren digitale Vermögensverwaltungen?

Der Namenszusatz „Robo“ oder auch „Digital“ lässt bereits vermuten, dass die entsprechenden Robo-Advisor ausschließlich online arbeiten. Sonst allerdings funktionieren digitale Vermögensverwaltungen prinzipiell genauso, wie Sie es vielleicht schon von einer klassischen Vermögensverwaltung kennen. Veranschaulichen lässt sich das am Prozess, der mit Ihrer Registrierung bei einem Robo-Advisor beginnt und sich in die folgenden Schritte gegliedert:

  • Anmeldung beim Robo-Advisor
  • Onboarding (Fragebogen)
  • Persönliche Daten angeben
  • Portfolio wählen / wird vorgeschlagen
  • Anlagesumme transferieren
  • Robo-Advisor kümmert sich um die Vermögensverwaltung

Zu Beginn steht also eine ganz gewöhnliche Anmeldung, welche Sie auch bei jeder Bank im Rahmen einer Kontoeröffnung durchführen müssen. Dazu zählt die Angabe Ihrer persönlichen Daten, aber der Robo-Advisor möchte auch noch ganz gezielt zusätzliche Angaben zu Ihren Erfahrungen in Finanzbereich und zum Teil zu Ihrem Anlagevermögen haben. Das geschieht meistens in Form eines Fragebogens, der auch als Onboarding bezeichnet wird. Die Fragen lauten zum Beispiel:
 

  • Ist Ihnen eine hohe Sicherheit oder eine hohe Rendite wichtiger?
  • Möchten Sie aktiv oder passiv investieren?
  • Was ist Ihr Anlageziele?

Auf Grundlage Ihrer ausgewerteten Angaben schlägt der Robo-Advisor dann in der Regel ein Portfolio mit entsprechender Zusammensetzung vor, welches am besten zu Ihren Anlagezielen und auch zu Ihrem Anlegertyp passen sollte. In der Regel können Sie wählen, ob Sie dem Vorschlag folgen oder sich für ein etwas anderes Portfolio entscheiden. Anschließend müssen Sie lediglich die gewünschte Anlagesumme transferieren und danach kann der Robo-Advisor sofort mit seiner Arbeit als digitaler Vermögensverwalter beginnen.

Wie investieren Robo-Advisor Geld?

Zahlreiche Anleger möchten sich auf der einen Seite bei einer Vermögensverwaltung nicht um die Anlageentscheidung und die Verwaltung ihres Kapitals kümmern. Auf der anderen Seite interessiert Kunden meistens dennoch, in welche Anlageformen ihr Kapital seitens des Vermögensverwalters investiert wird. Diese Frage stellt sich somit auch bei den Robo-Advisor.

Wie in allen Sparten des Finanzbereichs, so liegt die Entscheidung ebenfalls beim entsprechenden Anbieter. Das bedeutet, dass der eine Robo-Advisor das Kapital seiner Kunden vielleicht vorwiegend in ETFs investiert, während ein anderer, digitaler Vermögensverwalter eher mit aktiv gemanagten Fonds oder sogar Aktien arbeitet. In den meisten Fällen sind es allerdings vornehmlich oder sogar ausschließlich Wertpapiere, in die Robo-Advisor das Kapital ihrer Kunden anlegen. Deshalb arbeiten die meisten Online-Vermögensverwalter vorrangig mit den folgenden Finanz- und Anlageprodukten:

Bei vielen Robo-Advisor dominieren insbesondere ETFs, die vor allem in den ersten Jahren, in denen die digitalen Vermögensverwalter neue am Markt auftraten, absolut vorherrschend waren. Mit den Indexfonds bilden die Vermögensverwalter eine passive Strategie ab, die vor allem den Vorteil hat, dass sie vergleichsweise kostengünstig ist. Inzwischen gibt es allerdings immer mehr sogenannte hybride Robo-Advisor am Markt. 

Das bedeutet, dass nicht nur auf einen finanzmathematischen Algorithmus gesetzt wird und vorwiegend ETFs zum Einsatz kommen. Bei hybriden Robo-Advisor ist es vielmehr so, dass auch wieder der menschliche Vermögensverwalter etwas in den Vordergrund gerückt ist, sodass dann auch mit weiteren Anlageformen wie eben Aktien gearbeitet wird. Wenn Sie im Detail interessiert, worin der einzelne Robo-Advisor Ihr Kapital investieren wird, sollte Sie sich diesbezüglich ausführlicher informieren.

Worin unterscheiden sich Robo-Advisor und klassische Vermögensverwaltungen?

Eine ganz wichtige Frage ist für viele Anleger, insbesondere mit etwas größeren Vermögen, warum sie sich eigentlich für einen Robo-Advisor und nicht für eine klassische Vermögensverwaltung entscheiden sollten. An dieser Stelle möchten wir zunächst festzuhalten, dass der Robo-Advisor für zahlreiche Anleger ohnehin die einzige Option ist, um eine Vermögensverwaltung in Anspruch zu nehmen. 

Der Grund besteht – wie eingangs bereits kurz erwähnt – darin, dass bei der klassischen Vermögensverwaltung oft erst ab Vermögen von 100.000 Euro aufwärts der entsprechende Service im Angebot ist. Das stellt sich bei den Robo-Advisor gänzlich anders dar, denn dort können Kunden schon ab oftmals 500 oder 2.000 Euro investieren.

Der zweite Hauptunterschied zwischen Robo-Advisor und einer klassischen Vermögensverwaltung besteht in den Kosten. Die sogenannte Gesamtkostenquote beläuft sich bei einer traditionellen Vermögensverwaltung nicht selten auf mehr als zwei Prozent im Jahr. Mitunter kommt noch eine Performance-Fee hinzu, sodass ein Teil der Rendite vom Vermögensverwalter vereinnahmt wird. Bei den Robo-Advisor hingegen ist die Kostenstruktur für den Anleger in aller Regel deutlich günstiger.

Durchschnittlich betrachtet zahlen Sie bei einer digitalen Vermögensverwaltung pro Jahr meistens eine sogenannte All-in-one Fee (Gebühr inklusive aller Kosten) in Höhe von 0,5 bis 0,9 Prozent. Dadurch erzielen Sie tendenziell eine bessere Rendite, weil geringere Kosten das Ergebnis und Ihren Ertrag belasten. 

Ein weiterer Unterschied zwischen Robo-Advisor und klassischer Vermögensverwaltung liegt in der Natur der Sache, nämlich wenn es um den Vertriebsweg und die Kontaktmöglichkeiten geht. Eine klassische Vermögensverwaltung hat häufig Niederlassungen, sodass Sie bei Bedarf auch persönlich mit Ihrem Vermögensverwalter sprechen können. Bei den Robo-Advisor fallen dieser Vertriebsweg und die gleichzeitige Kontaktmöglichkeit weg. Stattdessen stellen die digitalen Vermögensverwalter meistens die folgenden Kontaktmöglichkeiten bereit:

  • Anruf
  • E-Mail
  • Postalischer Weg
  • Rückrufservice
  • Live Chat

Kurz gesagt sind es in erster Linie Online-Kontaktwege, mittels derer Sie den Kundenservice erreichen können. In der folgenden Tabelle möchten wir noch einmal die zuvor erläuterten Unterschiede zusammenfassen und einige weitere Punkte nennen, in denen das Angebot klassische Vermögensverwalter von dem der Robo-Advisor abweicht.

 Robo-AdvisorKlassische VV
MindestanlageMeistens 500 bis 2.000 Eurooft erst ab 100.000 Euro
VertriebswegInternetNiederlassung / vermehrt online
Kostenca. 0,5 bis 0,9 % im Jahrca. 1,2 bis 2,3 % im Jahr + evtl. Performance Fee
Anlageproduktehäufig ETFs, aber auch Aktien, AktivfondsAktien, Aktivfonds, ETFs, Sachwertanlagen
ZielgruppeAnleger und SparerVermögende Privatanleger, institutionelle Investoren
Sicherheit (Anbieter)hoch (reguliert)hoch (reguliert)

Ist ein Robo-Advisor für mich als Anleger geeignet?

Grundsätzlich sind Vermögensverwalter, somit auch Robo-Advisor, vor allem für Anleger geeignet, die sich nicht selbst um die Anlage ihres Kapitals kümmern möchten, sondern lieber einem Experten vertrauen. Sollten Sie hingegen Freude daran haben, sich mit unterschiedlichen Anlageformen zu beschäftigen und letztendlich selbst zu selektieren, in welche Anlageformen Sie Ihr Geld Kapital investieren, sind auch Robo-Advisor eher weniger für Sie geeignet. 

Insbesondere aufgrund der deutlich geringeren Mindesteinlage – im Vergleich zu einer klassischen Vermögensverwaltung – sind Robo-Advisor grundsätzlich für eine deutlich größere Gruppe von Anlegern geeignet. Dazu gehören:

  • Vermögende Privatkunden
  • Privatkunden mit durchschnittlichen Vermögen
  • Kleinanleger
  • Sparer
  • Institutionelle Investoren

Die Robo-Advisor sind also mit ihrem Angebot im Grunde für alle möglichen Anleger offen. Selbst Sparer haben bei manchen, digitalen Vermögensverwaltern die Option, einen Sparvertrag abzuschließen und somit kontinuierlich Vermögen aufzubauen. Wer sein Kapital allerdings äußerst sicher investieren möchte, der ist vermutlich bei Robo-Advisor nicht bestens aufgehoben. Die Online-Vermögensverwalter arbeiten nämlich in der überwiegenden Mehrheit mit Wertpapieren, die vom Grundprinzip her ein gewisses Risiko haben.

Wie sicher ist die Anlage über Robo-Advisor?

Bei FinTech-Unternehmen und Firmen, die ausschließlich online aktiv sind, haben nicht wenige Anleger Bedenken im Hinblick auf Sicherheit und auch manchmal hinsichtlich der Seriosität. Bei Robo-Advisor müssen Sie sich diesbezüglich in der Regel keine Gedanken machen, weil die meisten Online-Vermögensverwalter dementsprechend eine offizielle Erlaubnis zum Betreiben des Vermögensverwaltungs-Geschäftes seitens der BaFin besitzen. 

Das wiederum beinhaltet eine Regulierung und dass einige Vorgaben – auch im Hinblick auf die Sicherheit – beachtet werden müssen. Zudem werden die Depots der Anleger in aller Regel nicht beim Online-Vermögensverwalter selbst geführt, sondern bei einer Bank, die entsprechend mit den jeweiligen digitalen Vermögensverwaltern zusammenarbeitet. Deshalb lässt sich als Fazit festhalten, dass die Verwaltung Ihres Kapitals als relativ sicher zu bezeichnen ist. Das bedeutet aber keineswegs, dass Sie mit Ihrem Investment, die der Vermögensverwalter tätigt, keine Verluste erleiden könnten. Sowohl Aktien als auch aktiv gemanagte Fonds und ETFs unterliegen nicht der Einlagensicherung, sodass dort selbstverständlich auch bei einem Robo-Advisor Verluste entstehen können.

Fazit zu Robo-Advisor: Vermögensverwalter für viele Anleger

Als Fazit zu Robo-Advisor als digitale Vermögensverwalter lässt sich festhalten, dass es sich dabei um Finanzdienstleister handelt, die einer großen Anzahl von Anlegern zugänglich sind und eine interessante Option darstellen. Bis auf den Kontaktweg gibt es nur wenige Unterschiede zur klassischen Vermögensverwaltung. Allerdings profitieren Sie bei den Robo-Advisor im Direktvergleich von einigen Vorteilen, insbesondere (deutlich) geringeren Kosten und einer wesentlich niedrigeren Mindesteinlage. Deshalb sind Robo-Advisor mit ihrem Angebot zur Vermögensverwaltung auch für Kleinanleger und Sparer geeignet, die bei vielen, klassische Vermögensverwaltungen keinen Service bekommen würden.