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Hindenburg-Omen: Kann der Indikator den Crash vorhersagen?

Hindenburg-Omen: Kann der Indikator den Crash vorhersagen?
Dragon Images / Shutterstock.com
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Hindenburg-Omen handelt es sich um einen technischen Indikator, der bei einer höheren Wahrscheinlichkeit eines Crashs an den Börsen ausschlägt
  • Grundlage für das Hindenburg-Omen sind 52-Wochen Hochs und Tiefs, die mit einem Referenzsatz verglichen werden
  • Die Treffergenauigkeit des Hindenburg-Omens ist nicht sehr groß und liegt historisch betrachtet nur bei etwa 25 Prozent

Anleger nutzen verschiedene Möglichkeiten, um an den Börsen möglichst genau vorhersagen zu können, wie sich die Kurse in Zukunft verhalten werden. Eine große Hilfe sind in dem Zusammenhang technische Indikatoren, zu denen unter anderem auch das sogenannte Hindenburg-Omen zählt.

Was ist das Hindenburg-Omen?

Der Name Hindenburg-Omen stammt vom gleichnamigen Luftschiff „Hindenburg“ ab, welches 1937 abgestürzt ist. Es handelt sich um einen technischen Indikator. Gleichzeitig ist das Hindenburg-Omen ein Warnsignal, denn beim Ausschlagen ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es zu einem Börsencrash kommen könnte. 

Erfunden wurde das Hindenburg-Omen vom Börsenbrief-Autor und Mathematiker James Miekka. Grundlage des technischen Indikators ist, dass es auf der einen Seite viele Aktien an den Börsen mit neuen Hochpunkten gibt. Auf der anderen Seite existieren aber zur selben Zeit ebenso viele Wertpapiere, die neue Tiefpunkte erreichen.

Wie funktioniert das Hindenburg-Omen?

Beim Hindenburg-Omen handelt es sich um einen relativ einfach zu deutenden technischen Indikator. Die grundlegende Annahme ist, dass die meisten Aktienwerte normalerweise innerhalb von 52 Wochen neue Höchst- oder Tiefstände erreichen werden. Tritt beides zugleich zu, erreichen also die einen Wertpapiere neue Höchststände, während die anderen Aktienwerte auf einem neuen Tiefststand angelangt sind, ist das ein Warnsignal und deutet auf einen stärkeren Abschwung bis hin zu einem Börsencrash hin. 

Typisch für die Funktionsweise des Hindenburg-Omens als Indikator ist, dass das entsprechende Signal normalerweise während eines Aufwärtstrends zu erkennen ist. Zu diesem Zeitpunkt gibt es noch eine relativ große Anzahl von Höchstständen, wobei allerdings die Anzahl der Aktien mit neuen Tiefpunkten wächst. Daher funktioniert das Hindenburg-Omen im Wesentlichen auf Basis der folgenden, zwei Kriterien:

  • Zugleich neue Höchst- und Tiefststände an den Börsen
  • Positiver Trend an den Börsen

In der Praxis findet ein Vergleich statt, bei wie vielen Aktien 52-Wochen Hochs und Tiefs zu erkennen sind. Am Ergebnis lässt sich dann ableiten, ob es in Kürze einen deutlichen Abschwung oder sogar einen Börsencrash geben könnte.

Welchen Kriterien müssen für das Hindenburg-Omen erfüllt sein?

In der Summe sind es vier Kriterien, die zugleich erfüllt sein müssen, damit das Hindenburg-Omen als Warnsignal darauf hindeutet, dass es zu einem Börsencrash kommen könnte. Dabei handelt es sich um die folgenden Merkmale:

  1. Tägliche Anzahl neuer 52-Wochen Hochs sowie Tiefs größer als Durchschnittswert von meistens 2,2 Prozent (aller Aktien)
  2. 52-Wochen Hochs dürfen maximal das Doppelte der 52-Wochen Tiefs von der Anzahl her ausmachen
  3. Negativer McClellen Oszillator
  4. Aktienmärkte bzw. ein Börsenindex ist im Aufwärtstrend

Sollten diese Merkmale zugleich auftreten, ist das Hindenburg-Omen für einen Zeitraum von 30 Handelstagen aktiv geschaltet. Eine Bestätigung findet dann statt, wenn der angesprochene McClellen Oszillator während dieser Zeit negativ ist. Ist er hingegen positiv, wird sich das Hindenburg-Omen vermutlich nicht erfüllen.

Wie häufig kommt das Hindenburg-Omen vor?

Das Hindenburg-Omen als technisches Signal kommt in der Praxis durchaus häufiger vor, auch wenn es nicht jährlich zu einem Börsencrash kommt. Darauf gehen wir allerdings im nächsten Abschnitt näher ein, denn die Erfolgsquote dieses technischen Indikators ist nicht besonders hoch. 

Experten gehen davon aus, dass zum Beispiel innerhalb der letzten 20 Jahre ungefähr 20 bis 25 Mal das Hindenburg-Omen ausgeschlagen hat. Im Vergleich zu anderen technischen Indikatoren ist das zwar relativ wenig, aber trotzdem handelt es sich nicht um ein sehr seltenes Signal.

Kann das Hindenburg-Omen wirklich einen Crash vorhersagen?

Das Hindenburg-Omen ist als Warnsignal zur Vorhersage eines Börsencrashs nur bedingt zuverlässig. Auf der einen Seite gab es dieses Signal vor nahezu allen größeren Börsencrash, die in der Vergangenheit aufgetreten sind, wie zum Beispiel im Jahre 1987. Tatsächlich folgte dann ein Einbruch der Märkte von über 30 Prozent, beispielsweise beim S&P 500.

Die andere Seite der Medaille ist allerdings, dass das Hindenburg-Omen auch schon mehrfach in der Vergangenheit ein Warnsignal abgegeben hat, es darauf hin aber weder zu einem Börsencrash noch zu einem größeren Abschwung gekommen ist – als Fehlsignal. Die Fachleute nennen in der Regel beim Hindenburg-Omen als technischen Indikator eine Erfolgsquote von etwa 25 Prozent. Deshalb sollten im Prinzip immer weitere Indikatoren herangezogen werden, um eine wahrscheinlichere Einschätzung der zukünftigen Marktbewegungen zu erhalten.

Ist der technische Indikator relevant für Privatanleger?

Ob und in welchem Umfang das Hindenburg-Omen als technischer Indikator für Privatanleger interessant und relevant ist, hängt vor allem von Anlagehorizont ab. Möchten Sie Ihr Kapital zum Beispiel für eine Dauer von mindestens zehn Jahren in Aktien investieren, können Sie dieses technische Signal eher vernachlässigen. In der Vergangenheit hat sich nämlich fast immer gezeigt, dass es nach einem Börsencrash selten mehr als zwei bis drei Jahre gedauert hat, bis sich die Aktienmärkte wieder vollständig erholt hatten. 

Wenn Sie allerdings eher kurzfristig traden möchten und dabei einen Anlagehorizont von vielleicht maximal ein bis zwei Jahren haben, dann ist dieses technische Signal durchaus von Interesse. Sie könnten nämlich beim Eintreten dieses Warnsignals Wertpapiere veräußern oder kurz darauf günstig in den Markt einsteigen, wenn der prognostizierte Börsencrash tatsächlich eingetreten ist.