Optionsscheine: Implizite Volatilität als wichtigste Kennzahl

Optionsschein Umschlag gelb – ado MQ-Illustrations

Geht es um die Entscheidung für oder gegen einen Optionsschein ist die implizite Volatilität für Sie als Anleger die wichtigste Kennzahl. Lesen Sie hier, was sie aussagt. (Foto: MQ-Illustrations | Adobe Stock)

Definition: Was ist die implizite Volatilität?

Die implizite Volatilität bei Optionsscheinen steht für die Schwankungsbreite des Basiswertes innerhalb des Kurses während der Restlaufzeit der Option. Generell gilt die Faustregel: Ein hoher Wert steht für hohe Schwankungen. Ein niedriger für das Gegenteil.

Wichtig: Die implizite Volatilität gibt nur die Bandbreite der Kursschwankungen an, nicht aber deren Richtung.

Was bedeutet “implizit”?

Die implizite Volatilität eines Optionsscheins drückt also nichts anders als die Markterwartungen aus. Implizit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die erwarteten Schwankungen bereits im Optionsschein enthalten sind.

Implizite Volatilität drückt Erwartung der Markteilnehmer aus

Normalerweise wird die historische Schwankungsbreite verwendet, um Wertänderungen für gewisse Zeiträume zu ermitteln. Für den Optionsschein ist allerdings die implizite Volatilität von Interesse. Sie drückt die aktuell erwartete Schwankungsstärke des Basiswertes für die restliche Laufzeit der Option aus.

Welche Bedeutung hat die implizite Volatilität für den Optionsschein?

Der Kurs des Optionsscheins wird enorm durch die Volatilität beeinflusst. Wenn diese einen hohen Wert aufweist und die Banken dementsprechend mit hohen Schwankungen rechnen, wird der Preis des Optionsscheins angehoben. Der Zeitwert wird heraufgesetzt. Der Optionsschein wird günstiger, wenn die implizite Volatilität gering ausfällt.

  • Bei starken Schwankungen einer Aktie erwartet die Bank, dass der Kurs für den Inhaber des Optionsschein in eine gewinnbringende Richtung pendelt.
  • Größere Kursschwankungen versprechen dem Anleger bessere Chancen.
  • Die Optionsscheine gewinnen an Wert, wenn die Schwankungen stark sind.

Das steigende Risiko lassen sich die Anleger, die stillhalten, in Form von Prämien auch bezahlen. Deshalb hebt die Bank den Preis des Optionsscheins bei einer hohen Volatilität an. In ruhigeren Börsenphasen wären die Käufer von Optionen gar nicht bereit, hohe Preise zu zahlen.

Deshalb passen die Banken in diesen Phasen – also bei einem niedrigen Volatilitätswert – die Preise nach unten an. Anleger sind in diesen Phasen mit geringen Prämien schon zufrieden.

Implizite Volatilität in Krisenzeiten

In Krisenzeiten sollten Sie die implizite Volatilität genau betrachten, wenn Sie mit dem Gedanken spielen, in Optionen zu investieren. Häufig sind die impliziten Volatilitäten enorm hoch und die Optionsscheine sehr teuer. Dann könnten Sie nach der Anlage unter einer fallenden Volatilität leiden und wesentlich geringere Prämien einkassieren, als zuvor kalkuliert.

In Krisenzeiten sollte man deshalb auf Optionsscheine setzen, die eine kurze Laufzeit haben und sich tief im Geld befinden. Dazu ein erklärendes Beispiel: Ein Call auf die BSP-Aktie ist „im Geld“, wenn der aktuelle Kurs der Aktie über dem Basispreis des Calls liegt:

Bei einem angenommenen Basispreis von 50 Euro ist dieser Call immer „im Geld“, wenn der Kurs der Aktie höher als 50 Euro notiert.

Die Differenz zwischen Basispreis des Calls und dem Kurs der Aktie nennt man “inneren Wert”. Ein hoher innerer Wert und ein geringer Zeitwert sind in Krisenzeiten empfehlenswert, weil diese Optionsscheine nicht so stark auf Volatilitätsänderungen reagieren.


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Sabrina Behrens
Von: Sabrina Behrens. Über den Autor

Sabrina Behrens beschäftigt sich seit Ihrem Schulabschluss mit den Themen Wirtschaft, Politik, private Finanzen, Vorsorge und Versicherung. In ihrer Tätigkeit als freie Journalistin in Berlin hält sie die Leser in diesen Bereichen regelmäßig auf dem Laufenden.

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