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Auto kaufen, leasen oder finanzieren – was rechnet sich?

Auto kaufen, leasen oder finanzieren – was rechnet sich?
adobe stock - sasun Bughdaryan
Inhaltsverzeichnis

Vielleicht haben auch Sie schon einmal vor dem geplanten Kauf eines Neu- oder Gebrauchtwagens überlegt, ob sich eigentlich ein Kauf nebst sofortiger Bezahlung, das Leasen oder die Finanzierung über einen Kredit mehr rechnet? Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten, weil es sehr viele Einflussfaktoren gibt, die sich auf die jeweilige Methode auswirken können.

Daher möchten wir uns in diesem Beitrag näher damit beschäftigen, ob sich rein geldmäßig meistens das Kaufen, die Finanzierung oder das Leasen eines Fahrzeuges mehr lohnen. In dem Zusammenhang gehen wir auch auf die unterschiedlichen Finanzierungsvarianten ein, die es im Bereich der Autofinanzierung am Markt gibt.

Über 30 Prozent aller Fahrzeuge werden finanziert oder geleast

In Deutschland zeigen Statistiken, dass mehr als 30 Prozent aller Neu- oder Gebrauchtwagen entweder – zumindest zum Teil – finanziert oder geleast werden. Nimmt man dann noch die Verrechnung des bisherigen Gebrauchtwagenverkaufs an den Händler mit dazu, sind es sogar mehr als die Hälfte aller Neu- und Gebrauchtwagen, die vom Kunden nicht zu 100 Prozent aus der eigenen Tasche gezahlt werden.

Man stellt sich die Frage: Kaufen, finanzieren oder leasen? natürlich nicht, wenn genügend Eigenkapital vorhanden wäre, um den Neu- oder Gebrauchtwagen faktisch in bar zu zahlen. In diesem Fall müssen Sie sich zunächst entscheiden, ob Sie finanzieren oder leasen wollen. Ist die Wahl auf eine Autofinanzierung gefallen, gibt es dann noch eine Reihe von Finanzierungsoptionen, die heutzutage am Markt zur Verfügung stehen.

Das Kfz-Leasing: Rechnet sich zumeist nur für Gewerbetreibende

Lassen Sie uns mit der dritten Option beginnen, nämlich dem Leasing. Wirtschaftlich rechnet sich das Kfz-Leasing in den weitaus meisten Fällen nur für Gewerbetreibende, nicht jedoch für private Nutzer eines Pkws. Der Grund besteht darin, dass einerseits Gewerbetreibende die monatlichen Leasingraten als Betriebsausgaben innerhalb der Steuer geltend machen können. Auf der anderen Seite ist der Finanzierungszins nebst ermitteltem Restwert beim Leasing normalerweise ungünstiger als eine Finanzierung über die Bank oder über den Händler. Anders ausgedrückt: Meistens ist das Leasing von den Gesamtkosten her teurer als die Finanzierung und natürlich erst recht als die Barzahlung des entsprechenden Fahrzeuges.

Rein rechnerisch lohnt sich Leasing somit für Privatpersonen nicht. Allerdings gibt es neben dem wirtschaftlichen Faktor noch weitere Gründe, warum sich dennoch manche Privatkäufer für die Finanzierungsvariante Leasing entscheiden. Ein Grund ist, dass die monatlichen Raten relativ moderat ausfallen, weil am Ende der Leasingdauer ein Restwert zu Buche schlägt. Zum anderen ist es für manche Autofahrer sehr interessant, beim Leasing zum Beispiel alle zwei Jahre den Vertrag zu wechseln und ein neues Fahrzeugmodell fahren zu können.

Rein wirtschaftlich gesehen, lohnt sich das Leasing nahezu ausschließlich für Gewerbetreibende.

Finanzierung des Neu- oder Gebrauchtwagens: Diese Finanzierungsoptionen gibt es

Kommen wir nun neben dem Kauf und dem Kfz-Leasing zu einer zweiten Option, nämlich der Finanzierung des Neu- oder Gebrauchtwagens. In der Sparte gibt es mehrere Finanzierungsalternativen am Markt, die entweder von Banken oder vom Autohändler selbst stammen. Für gewöhnlich haben Sie die Auswahl zwischen den folgenden Finanzierungsmethoden:

  • Ratenkredit
  • Autokredit
  • Finanzierung
  • Ballonfinanzierung

Mit diesen einzelnen Finanzierungsvarianten möchten wir uns kurz beschäftigen, damit Sie die Unterschiede kennen und dementsprechend entscheiden können, welche der Alternativen für Sie eventuell ideal geeignet ist.

Ratenkredit

Den Ratenkredit können Sie prinzipiell im gesamten Konsumbereich einsetzen, da es keinen bestimmten Verwendungszweck gibt, für den Sie Ratenkredite ausschließlich nutzen könnten. Deshalb sind Ratenkredite natürlich auch geeignet, wenn Sie die Anschaffung eines Neu- oder Gebrauchtwagens finanzieren möchten. Die meisten Kreditinstitute stellen einen Ratenkredit zur Verfügung, sodass Sie ein großes Angebot am Markt finden. Zudem ist die Aufnahme eines Ratenkredites sehr unkompliziert, denn oft können Sie diese Darlehensvariante online über die Webseite der Bank beantragen. Der Ratenkredit ist also flexibel, transparent und Sie erhalten ihn zum Teil noch zu relativ günstigen Konditionen ab Zinssätzen von 1,9 Prozent.

Autokredit

Der Autokredit unterscheidet sich vom Ratenkredit prinzipiell nur dadurch, dass er ausschließlich für die Finanzierung eines Neu- oder Gebrauchtwagens verwendet werden kann. Davon abgesehen funktionieren Autokredite genauso wie Ratenkredite. Sie bekommen die Darlehenssumme X ausgezahlt und müssen den Darlehensbetrag dann nebst Zinsen an den Kreditgeber zurückzahlen. Autokredite sind ebenfalls flexibel, transparent und manchmal mit einem günstigen Zinssatz ausgestattet. Vergeben werden Autokredite von Banken oder auch einigen Automobilclubs, die ihrerseits mit einem Kreditinstitut kooperieren.

Klassische Händlerfinanzierung

Schon seit vielen Jahren müssen Sie nicht zwingend einen Bankkredit aufnehmen, wenn Sie den Kauf eines Neu- oder Gebrauchtwagens finanzieren möchten. Der Grund ist, dass es inzwischen zahlreiche Autohändler gibt, insbesondere die großen Vertragshändler der Automobilkonzerne, die – in Kooperation mit einer Autobank – ebenfalls eine Finanzierung zur Verfügung stellen. Die klassische Variante ist die Finanzierung, bei der Sie den Kaufpreis des Fahrzeuges in monatlichen Raten zahlen. Es wird Ihnen also nicht wie beim Bankkredit Geld ausgezahlt, sondern Sie treffen mit dem Händler eine Ratenzahlungsvereinbarung für den Kaufpreis.

Ein Vorteil der Finanzierung ist, dass Sie nicht zusätzlich einen externen Bankkredit aufnehmen müssen und so Zeit einsparen. Zudem bieten Automobilkonzerne über ihre Händler und die entsprechenden Autobanken manchmal sogar eine Null-Prozent-Finanzierung an. Aber selbst, wenn dies nicht der Fall sein sollte, sind die Zinskonditionen bei der Händlerfinanzierung oft sehr günstig und auch besser als bei vielen Bankkrediten. Trotzdem ist die Finanzierung rein rechnerisch nicht immer die beste Lösung, worauf wir im weiteren Verlauf unseres Beitrages noch explizit eingehen werden.

Ballonfinanzierung (Drei-Wege-Finanzierung)

Eine nicht mehr ganz neue, aber trotzdem relativ junge Finanzierungsvariante, die immer mehr Autohändler im Angebot haben, ist die sogenannte Ballonfinanzierung. Oft wird alternativ auch von einer Drei Wege-Finanzierung gesprochen, weil sich nämlich der Kunde am Ende der vereinbarten Laufzeit zwischen den folgenden drei Alternativen (wegen) entscheiden kann:

  • Rückgabe des Fahrzeuges an den Händler
  • Finanzierung der Schlussrate
  • Zahlung der Schlussrate

Grundsätzlich handelt es sich bei der Drei-Wege-Finanzierung um eine Händlerfinanzierung, sodass Sie auch dort den Kaufpreis des Fahrzeuges in Raten zahlen. Der wesentliche Unterschied zur klassischen Finanzierung besteht allerdings darin, dass Sie zum einen eine relativ hohe Schlussrate haben, nicht selten über mehrere Tausend. Diese Schlussrate bewirkt, dass die monatlichen Kreditraten relativ gering ausfallen können. Das ist übrigens eine Gemeinsamkeit mit dem Kfz-Leasing. Ein weiterer Unterschied ist, dass die bei der Drei-Wege Finanzierung meistens am Ende der Laufzeit wählen können, ob Sie das Fahrzeug doch zurück an den Händler geben, die Schlussrate finanzieren oder diese zahlen wollen. Entscheiden Sie sich für die letztere Option, werden Sie anschließend Eigentümer und Besitzer des Neu- oder Gebrauchtwagens.

Welche Kosten fallen bei der Finanzierung an?

Um beurteilen zu können, ob sich letztendlich das Auto kaufen (inklusive Barzahlung), das Leasing oder das Finanzieren am meisten lohnt, müssen Sie natürlich die jeweiligen Kosten kennen. Das Kfz-Leasing lassen wir an dieser Stelle außen vor, weil Sie zuvor bereits erfahren haben, dass sich dieses im Prinzip nur für Gewerbetreibende rechnet. Wie sieht es also mit den Kosten für eine Autofinanzierung aus? Abhängig sind die Zinsen natürlich von der jeweiligen Finanzierungsart und auch von den einzelnen Angeboten der Banken oder Händler. Daher lässt sich ebenfalls nur mit Durchschnittswerten arbeiten, wenn wir am Ende unseres Beitrages einen direkten Vergleich zwischen dem Finanzieren und dem Kaufen ziehen möchten. Daher gehen wir bei Finanzierungen momentan von durchschnittlichen Zinskosten zwischen 2,9 und 4,9 Prozent im Jahr aus.

Barzahlerrabatt: Bankkredit kann trotz höherer Zinsen günstiger sein

Was auf den ersten Blick etwas kurios erscheint, tritt in der Praxis öfter auf: Der Bankkredit, also beispielsweise ein Auto- oder Ratenkredit, kann für Sie trotz höherer Zinsen im Vergleich zur Händlerfinanzierung dennoch die günstigere Variante sein. Der Grund ist der sogenannte Barzahlerrabatt. Viele Händler gewähren ihren Kunden nach wie vor einen Preisnachlass, wenn Sie das Fahrzeug vor Ort in bar zahlen, also innerhalb weniger Tage den Kaufpreis überweisen.

Das ist allerdings nur möglich, wenn Sie entweder genügend Eigenkapital haben oder einen externen Bankkredit aufgenommen haben. Entscheiden Sie sich hingegen für eine Händlerfinanzierung, gibt es keinen derartigen Barzahlerrabatt. Dass der Preisnachlass dazu führen kann, dass ein externer Bankkredit in der Summe trotz höherer Zinsen günstiger als die Händlerfinanzierung (ohne Barzahlerrabatt) ist, zeigt das folgende Beispiel:

Ratenkredit der Bank

  • Kaufpreis Fahrzeug: 25.000 €
  • Barzahlerrabatt des Händlers: 20 %
  • Zu finanzierende Betrag: 20.000 €
  • Zinssatz: 3,9 %
  • Laufzeit: 5 Jahre
  • Zinskosten insgesamt: 3.900 Euro
  • Monatliche Rate: 398,33 Euro

Händlerfinanzierung

  • Kaufpreis Fahrzeug: 25.000 €
  • Barzahlerrabatt des Händlers: 0
  • Zu finanzierende Betrag: 25.000 €
  • Zinssatz: 3,2 %
  • Laufzeit: 5 Jahre
  • Zinskosten insgesamt: 4.000 Euro
  • Monatliche Rate: 483,33 Euro

An diesem Beispiel wird deutlich, dass der Bankkredit zwar vom Zinssatz her um 0,7 Prozent teurer ist, Sie aufgrund des Barzahlerrabattes beim Händler jedoch dennoch gegenüber der Finanzierung beim Autohändler 100 Euro an Zinskosten sparen. Der Grund schlichtweg der, dass Sie natürlich durch den Rabatt weniger finanzieren müssen, weil der Kaufpreis nicht mehr 25.000 Euro, sondern durch den Preisnachlass nur noch 20.000 Euro beträgt. Zudem ist die monatliche Belastung in Form der Darlehensrate deutlich niedriger, und zwar aus dem gleichen Grund.

Fallen für zu stellenden Sicherheiten Kosten an?

Bevor wir uns mit der dritten Alternative beschäftigen, nämlich dem Kauf, möchten wir kurz auf eventuelle Kosten für Sicherheiten eingehen. Sowohl bei der Finanzierung über die Bank als auch über den Händler ist es im Rahmen einer Autofinanzierung üblich, dass eine Sicherungsübereignung des Fahrzeuges stattfindet. Bank oder Händler werden bzw. bleiben – zeitlich befristet – demnach Eigentümer des Fahrzeuges, sodass Sie dieses nicht Ihrerseits veräußern dürfen.

Sollten Sie die Raten nicht zahlen können, dürfen Händler oder Bank das Fahrzeug verwerten und sich entsprechend aus dem Verkaufserlös bedienen, um ihre offene Forderung zu begleichen. Manchmal fallen – insbesondere beim Bankkredit – für die Formalitäten rund um die Sicherungsübereignung Verwaltungsgebühren an. Diese belaufen sich allerdings selten auf mehr als 50 Euro, sodass dieser Kostenfaktor für den Vergleich zwischen Kauf und Finanzierung nur selten ausschlaggebend sein dürfte.

Barkauf: immer die günstigste Variante?

Vermutlich werden auch Sie davon ausgehen, dass es immer die günstigste Variante ist, ein Auto direkt zu kaufen und aus Eigenmitteln zu bezahlen, als einen Kredit aufzunehmen oder sich für das Leasing zu entscheiden. Der Gedanke ist im ersten Schritt auch vollkommen richtig. Unabhängig davon, ob Sie sich für Leasing oder Finanzierung über Händler und Bank entscheiden: Sie müssen in dem Fall immer Zinsen zahlen, es sei denn, es handelt sich um eine sogenannte Null-Prozent-Finanzierung. Dann natürlich ist diese Finanzierung nicht teurer als der Kauf.

Im Allgemeinen jedoch zahlen Sie natürlich für Bankkredite und die Händlerfinanzierung Zinsen, die als Kostenfaktor anzusetzen sind. Wenn Sie den Kaufpreis hingegen in bar zahlen, also von Ihrem Girokonto aus Eigenmitteln heraus überweisen, gibt es diese Kosten nicht. Trotzdem kann es in der Praxis passieren, dass der Kauf inklusive sofortiger Bezahlung des Fahrzeuges sich nicht rechnet, sondern tatsächlich die Finanzierung über den Händler oder die Bank günstiger ist. Wie kann das sein?

Der Gedanke dahinter ist folgender: Wenn Sie sich für den Kauf und das sofortige Bezahlen des Fahrzeuges entscheiden, müssen Sie dementsprechend Eigenkapital haben. Eventuell kann zuvor noch der Verkaufspreis für das bisherige Fahrzeug abgerechnet werden, der faktisch als Anzahlung für den Neu- oder Gebrauchtwagen dient. Trotzdem benötigen Sie noch einen gewissen Anteil an Eigenkapital, der zum Beispiel aus den folgenden Komponenten bestehen kann:

Sie haben in dem Fall also ein bestimmtes Guthaben auf dem Festgeldkonto und Aktien nebst Rentenfonds in Ihrem Wertpapierdepot, die Sie jederzeit veräußern könnten. Mit Ihrem angelegten Kapital erzielen Sie allerdings eine Rendite, sodass Sie mit Ihrem Guthaben zusätzliches Geld erwirtschaften. Exakt das ist der springende Punkt, dass eben die Barzahlung sogar weniger lohnenswert als die Finanzierung des Fahrzeuges ist. Es kommt entscheidend darauf an, ob die Gesamtrendite Ihrer Anlagen höher oder niedriger als der für die Finanzierung zu zahlende Zins ist. Gehen wir in einem Beispiel von den folgenden Werten aus:

  • Guthaben auf dem Festgeldkonto: 10.000 Euro zu einem Zins von 1,2 %
  • Aktien im Depot: 5.000 Euro mit einer Durchschnittsrendite von 7 % im Jahr
  • Rentenfonds im Depot: 5.000 Euro mit einer Durchschnittsrendite von 3,3 % im Jahr

Der neue Wagen, den Sie sich gerne kaufen möchten, kostet beim Händler 20.000 Euro. Sie können das Fahrzeug also aufgrund Ihrer vorhandenen Guthaben auf dem Festgeldkonto und durch Wertpapiere vollständig aus Eigenmitteln heraus zahlen. Alternativ gibt es vom Händler ein Finanzierungsangebot, bei dem der Kreditzins 2,9 Prozent betragen würde. Was ist nun günstiger? Die Finanzierung zu nutzen oder stattdessen das Festgeldkonto aufzulösen, die Wertpapiere zu veräußern und somit keine Finanzierungskosten zu haben?

Wenn wir den Durchschnitt der zuvor aufgeführten, beispielhaften Renditen für die Anlageformen nehmen, so beträgt die Jahresrendite 3,18 Prozent. Das aber bedeutet, dass die Rendite knapp 0,3 Prozent höher als die Finanzierungskosten beim Zins von 2,9 Prozent liegen. Es wäre in diesem Fall also tatsächlich lohnenswerter, die Finanzierung in Anspruch zu nehmen, da das Auflösen der Geldanlagen dazu führt, dass Sie auf eine höhere Rendite verzichten.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass insbesondere die Entscheidung zwischen den zwei Alternativen Auto kaufen und finanzieren nicht immer ganz einfach ist, wenn es um die Frage geht, was sich rechnet. Das Kfz-Leasing ist für Privatpersonen fast immer außen vor, da sowohl Kauf als auch Finanzierung in der Regel günstiger sind.