Häusliches Arbeitszimmer: AfA richtig berechnen

Einkommensteuererklärung – PeJo – shutterstock_80848987

Steuervorteil durch häusliches Arbeitszimmer – AfA individuell berechnen. (Foto: PeJo / Shutterstock.com)

Die Absetzung für Abnutzung – kurz AfA genannt – ermöglicht es, die Abnutzung von Anschaffungen auf die Dauer der gewöhnlichen Nutzung abzuschreiben. Dies betrifft nicht nur Arbeitsmaterial oder Büroeinrichtungen, sondern findet auch bei Immobilien, welche zum Betriebsvermögen gehören, Anwendung.

Der Hintergrund der AfA ist der, dass der Gesetzgeber davon ausgeht, dass sich ein Gebäude im Laufe der Nutzungsdauer abnutzt und am Ende dieser Zeit wertlos ist. Deshalb wird die Möglichkeit eingeräumt, die Anschaffungs- oder Herstellungskosten über diesen Zeitraum hinweg steuerlich geltend zu machen.

Während selbstgenutzter Wohnraum dabei im Allgemeinen nicht geltend gemacht werden kann, stellt sich die Situation bei einem häuslichen Arbeitszimmer anders dar. Dabei ist AfA jedoch nicht die einzige Möglichkeit, Geld zu sparen.

Häusliches Arbeitszimmer: Umfang der Nutzung kann entscheidend sein

Zunächst einmal gilt es zu klären, inwieweit ein häusliches Arbeitszimmer überhaupt steuerlich geltend gemacht werden kann. Grundsätzlich sind drei Unterteilungen möglich:

  1. Wird ein Arbeitszimmer genutzt, obwohl dazu keine Notwendigkeit besteht, so wird das Arbeitszimmer vom Finanzamt in der Regel nicht anerkannt.

Ausnahme: Während der Corona-Pandemie sind viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezwungen, ihre erste Arbeitsstätte in die eigenen vier Wände zu verlagern, da der Betrieb zur Eindämmung der Pandemie geschlossen ist. Selbst wenn im eigenen Haushalt kein Arbeitszimmer zur Verfügung steht, kann in den Jahren 2020 und 2021 für bis zu 120 Arbeitstage eine Pauschale von 5 Euro pro Tag für das Homeoffice geltend gemacht werden. Diese Homeoffice-Pauschale soll Betroffene, die ohne Arbeitszimmer von zu Hause arbeiten müssen, pauschal finanziell entlasten.

  1. Steht für eine berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, so können bis zu 1.250 € als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend gemacht werden. Dies kann beispielsweise bei einem angestellten Arzt der Fall sein, der von zu Hause aus nebenbei medizinische Gutachten erstellt.
  2. Eine dritte Situation liegt vor, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit darstellt. Entscheidend ist, dass zwischen dem Wohnbereich und dem Arbeitsbereich eine häusliche Verbindung besteht. Beispielsweise wird ein Arbeitszimmer auf dem Dachboden oder im Keller als häusliches Arbeitszimmer anerkannt. In diesem Fall können Aufwendungen in vollem Umfang bei der Steuer berücksichtigt werden, wenn das häusliche Arbeitszimmer zu mindestens 90 % (nahezu ausschließlich) betrieblich oder beruflich genutzt wird.

Häusliches Arbeitszimmer – AfA berechnen mit Beispiel

Ein Raum, in dem ein Schreibtisch steht, ist noch lange kein häusliches Arbeitszimmer. AfA kommt somit nur in Frage, wenn das häusliche Arbeitszimmer als solches anerkannt wird. Sind die notwendigen Hürden genommen, stellt sich die Frage nach der Berechnung der Absetzung durch Abnutzung des häuslichen Arbeitszimmers in der eigenen Immobilie.

Dabei spielt auch das Alter des Gebäudes eine Rolle. Bei Gebäuden, welche vor dem 31.12.1924 errichtet wurden (Altbau), können jährlich 2,5% der anteiligen Anschaffungskosten geltend gemacht werden. Wurde die Immobilie ab dem 01.01.1925 errichtet, beträgt die AfA 2% der Anschaffungskosten. Wohnhäuser können somit grundsätzlich über 50 Jahre mit 2 % abgeschrieben werden, Altbauten die vor 1925 errichtet wurden in 40 Jahre mit 2,5 %.

Zu berücksichtigen ist dabei selbstverständlich, dass nur der Anteil der Herstellungs- oder Anschaffungskosten angesetzt werden darf, der auf das häusliche Arbeitszimmer entfällt. Die einfache Formel hierzu lautet:

(Fläche des Arbeitszimmers * 100) / Wohnfläche = Arbeitszimmeranteil (in %).

Hat das Arbeitszimmer also eine Größe von 30m² in einem Haus mit einer Wohnfläche von 150m² (inklusive Arbeitszimmer), so ergibt sich daraus:

(30 * 100) / 150 = 20%

Beträgt nun der Anschaffungspreis der Immobilie ohne Grundstück (welches nicht mit einbezogen werden darf) beispielsweise 300.000 €, so erhält man:

2% (AfA) von 300.000 € = 6.000 €.

20% (Anteil des Arbeitszimmers an der Wohnfläche) von 6.000 € = 1.200 €.

Arbeitszimmer und Betriebsvermögen

Ein Arbeitszimmer im Privathaus eines Selbstständigen oder Freiberuflers kann zum Betriebsvermögen gehören, wenn bestimmte Bagatellgrenzen überschritten werden, die im § 8 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung (EStDV) dargestellt werden. Der Gesetzgeber bestimmt hier, dass eigenbetrieblich genutzte Grundstücksteile nicht als Betriebsvermögen behandelt werden müssen, wenn ihr Wert nicht mehr als ein Fünftel des gemeinen Werts des gesamten Grundstücks und nicht mehr als 20.500 Euro beträgt.

Übersteigt der kalkulatorische Wert des Arbeitszimmers die Bagatellgrenzen, gehört er automatisch zum Betriebsvermögen und wird aus diesem Grund steuerlich relevant. Unternehmer, die dies ausschließen möchten, können das Arbeitszimmer bewusst als Raum zur Privatnutzung ausweisen. In diesem Fall können sie keine AfA ansetzen, müssen jedoch ebenfalls nicht befürchten, dass das Arbeitszimmer im Privathaus zum Betriebsvermögen gehört und zu einem späteren Zeitpunkt als stille Reserve des Unternehmens gilt.

Zusammenfassend ist es essenziell, gewissenhaft zu prüfen, welche Möglichkeiten der Abschreibung für ein Arbeitszimmer bestehen. Unternehmer, die nicht möchten, dass ihr Arbeitszimmer zum Betriebsvermögen gerechnet wird, sollten auf die Bagatellgrenzen achten. Ansonsten gilt der Grundsatz, dass die Kosten für ein Arbeitszimmer in voller Höhe steuerlich geltend gemacht werden können, wenn der Arbeitsanteil im häuslichen Arbeitszimmer mindestens 90 % beträgt. Ist dies nicht der Fall, können pro Jahr höchstens 1.250 Euro Kosten als AfA angesetzt werden. Es kann sich also durchaus lohnen, prüfen zu lassen, ob alle Voraussetzungen für ein häusliches Arbeitszimmer gegeben sind.

Deutschland Regierung Reichstag – shutterstock_526234636

Homeoffice-Pauschale: Für viele Arbeitnehmer eine Milchmädchen-RechnungAbsetzbar sind 5 Euro pro Tag und ein Maximalbetrag von 600 Euro. Doch unterm Strich profitieren wohl die wenigsten. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
sebastian-gruenwald2-217×217
Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist freier Autor und Redakteur mit mehrjähriger Erfahrung. Er vermittelt einer breiten Leserschaft ökonomische Zusammenhänge und Themenfelder wie private Vorsorge und Geldanlage mit einfachen Worten.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter "GeVestor täglich". Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz