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Spitzensteuersatz: Bedeutung, Höhe & Co. – Alle Infos

Spitzensteuersatz: Bedeutung, Höhe & Co. – Alle Infos
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Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Spitzensteuersatz beschreibt, wie hoch der maximal zu zahlende Steuersatz in Deutschland ist
  • Der Spitzensteuersatz beläuft sich seit fast 20 Jahren auf 42 Prozent
  • Der Höchststeuersatz hingegen greift ab einem Einkommen von über 277.826 Euro
  • Momentan sind es rund vier Millionen Bundesbürger, die den Spitzensteuersatz zahlen müssen

Das Einkommensteuerrecht basiert hierzulande darauf, dass umso mehr Steuern gezahlt werden müssen, desto mehr der entsprechende Bürger verdient. Entsprechend muss bei einem höheren Verdienst auch ein größerer Einkommensanteil versteuert werden. Dabei reguliert der persönliche Einkommensteuersatz, wie hoch die zu zahlende Steuer ausfällt. 

Wir möchten uns im Beitrag näher mit dem Spitzensteuersatz beschäftigen. Worum handelt es sich dabei, wie hoch ist dieser Steuersatz in Deutschland, wie wird er berechnet und wie sieht der Spitzensteuersatz hierzulande in seiner historischen Entwicklung sowie im internationalen Vergleich aus?

Was ist der Spitzensteuersatz?

In Deutschland gilt die Maßgabe, dass bei einem Mehrverdienst auch höhere Steuern zu zahlen sind. Dies wird durch den persönlichen Steuersatz reguliert, den jeder Bundesbürger hat. Die Basis ist die jährliche Steuertabelle, denn dort sind die Steuerabgaben entsprechend dem jeweiligen Jahreseinkommen definiert. Wenn der Grundfreibetrag in Höhe von etwas über 10.000 Euro überschritten wird, dann steigt auch der prozentuale Anteil, mit dem die jeweiligen Einkommen zu versteuern sind. 

Der Einkommensteuersatz beginnt bei 12 Prozent und endet beim Spitzensteuersatz. Der Spitzensteuersatz stellt dennoch nicht den absolut höchsten Steuersatz dar, den man in Deutschland zu zahlen hat. Darauf gehen wir gleich noch etwas näher ein. Ab einem Einkommen von mehr als 58.597 Euro findet der Spitzensteuersatz im Jahre 2022 seine Anwendung. Bei gemeinsamen veranlagten Eheleuten beläuft sich die Einkommensgrenze auf 117.194 Euro.

Wie hoch ist hierzulande der Spitzensteuersatz?

In Deutschland liegt der Spitzensteuersatz zur Zeit bei 42 Prozent. Auf Grundlage welches Einkommens er berechnet wird, ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. In 2022 greift der Spitzensteuersatz von 42 Prozent ab einem Einkommen von 58.597 Euro. Für Ehepaare, die gemeinsam veranlagt sind, gilt ein doppelt so hoher Betrag. In dem Fall greift der Spitzensteuersatz dementsprechend bei einem gemeinsamen Einkommen in Höhe von 117.194 Euro. 

Grundlage für die Höhe des Spitzensteuersatzes und dessen Berechnung ist das in Deutschland geltende Modell der Steuerprogression. Dies beinhaltet, dass Personen mit einem höheren Einkommen anteilig auch mehr Steuern bezahlen müssen. 

Spitzensteuersatz vs. Höchststeuersatz

Nicht zu verwechseln ist der Spitzensteuersatz mit dem Höchststeuersatz, denn dieser ist noch einmal auf einem etwas höheren Niveau angesiedelt. Der Höchststeuersatz wird alternativ häufiger als Reichensteuer bezeichnet. Er liegt noch einmal um drei Prozent höher als der Spitzensteuersatz und beläuft sich dementsprechend aktuell 45 Prozent. Der Höchststeuersatz greift ab einem Einkommen von etwas mehr als 277.000 Euro.

Wie findet die Berechnung des Spitzensteuersatzes statt?

Die Berechnung des Spitzensteuersatzes ist nicht ganz einfach und wird oft von einem Missverständnis begleitet. Viele Bürger meinen, dass beim Spitzensteuersatz exakt 42 Prozent des Einkommens besteuert werden. Dem ist allerdings aus zwei Gründen nicht so. Zunächst einmal werden erst noch mehrere Beträge vom Bruttoeinkommen subtrahiert. Dabei handelt es sich zum Beispiel um die folgenden Abzüge:

Daraus wiederum resultiert, dass das zu versteuernde Einkommen niedriger als das Bruttoeinkommen ist. Darüber hinaus ist es so, dass der Spitzensteuersatz ausschließlich für den Einkommensteil greift, mit dem die Grenze von 58.597 Euro überschritten wird. DerEinkommensanteil, der unterhalb dieser Einkommensgrenze liegt, wird demzufolge mit geringeren Steuersätzen belastet. Für die Berechnung heißt das, dass auf das Gesamteinkommen der Durchschnittssteuersatz angewendet wird. Dieser wiederum besteht aus der Spanne zwischen 12 und 42 Prozent.

Wie Sie den Spitzensteuersatz selbst berechnen können, erfahren Sie hier.

Beispiel für Berechnung des Spitzensteuersatzes

Gehen wir in einem Beispiel davon aus, dass sich Ihr zu versteuerndes Einkommen auf 80.000 Euro beläuft. Nun wenden wir den Steuerfreibetrag in Höhe von 10.347 Euro an, sodass dieser Einkommensteil steuerfrei bleibt. Anschließend steigt der Steuersatz bis zum Spitzensteuersatz auf 42 Prozent an. Allerdings wird der Spitzensteuersatz der nur auf den Einkommensteil berechnet, der oberhalb der Grenze von 58.597 ist Euro liegt, in unserem Beispielfall also für 21.403 Euro. Dies ist gleichzeitig auch der sogenannte Grenzsteuersatz. Im Ergebnis liegt der persönliche Durchschnittssteuersatz im Beispiel bei etwa 30 Prozent.

Entwicklung und Spitzensteuersatz im internationalen Vergleich

Viele Bürger in Deutschland haben das Gefühl, dass Sie im Laufe der Jahre immer für Steuern zahlen müssen. Dieses Bild trifft zumindest im Bereich der Einkommensteuer jedoch nicht zu. Der Spitzensteuersatz ist nämlich innerhalb der letzten knapp 50 Jahre immer weiter gesunken. Das zeigen zum Beispiel die folgenden Werte aus entsprechenden Jahren:

  • 1980: 56 %
  • 2000: 51 %
  • 2004: 45 %
  • 2022: 42 % 

Der Spitzensteuersatz ist also in über 40 Jahren immerhin von 56 auf 42 Prozent gefallen. Damit kommt Deutschland im internationalen Vergleich übrigens sehr gut weg.

In den meisten europäischen Ländern ist der Spitzensteuersatz höher, bezieht sich allerdings auf der anderen Seite öfter auch auf ein höheres Einkommen. Das zeigen zum Beispiel die folgenden Beispiele im internationalen Vergleich:

  • Österreich: 45 % ab 1 Million Euro
  • Belgien: 50 % ab 42.170 Euro
  • Dänemark: 56 % ab 65.000 Euro
  • England: 45 % ab 55.000 Euro 

Nimmt man diese zwei Komponenten zusammen, ist der Spitzensteuersatz in Deutschland dennoch insgesamt im internationalen Vergleich, zumindest innerhalb von Europa, auf einem moderaten Niveau angesiedelt.