Steuerprogression: Durch Ehegattensplitting Steuern sparen

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Unterscheidet sich die Höhe des Einkommens beider Ehepartner stark voneinander, lässt sich durch das Ehegattensplitting viel Geld sparen. (Foto: IhorL / Shutterstock.com)

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Das sogenannte Ehegattensplitting gehört zu den am meisten diskutierten Gesetzen in Deutschland. Regelmäßig zu Bundestagswahlen oder bei öffentlichen Diskussionen über das Thema Steuern und Abgaben wird über das Für und Wider des Ehegattensplittings gestritten. Als Ehegattensplitting bezeichnet man vereinfacht ausgedrückt ein steuerliches Aufteilungsverfahren, bei dem das Jahresgehalt von zwei zusammenveranlagten Ehegatten oder Lebenspartnern steuervergünstigt behandelt wird.

Ehegatten und eingetragene Lebenspartnerschaften profitieren durch die Möglichkeit des Ehegattensplitting von Steuervorteilen, die Einzelverdienern nicht offenstehen. Selbst wenn zwei Einzelverdiener in einer eheähnlichen Gemeinschaft einen gemeinsamen Hausstand führen, muss jeder Partner, abhängig von seinem spezifischen Verdienst Steuern nach der Einkommensteuertabelle für Ledige zahlen. Beim Ehegattensplitting wird dieser Grundsatz aufgehoben. Verheiratete Steuerzahler und Partner in einer Lebensgemeinschaft können ihr Einkommen zusammenfassen und sind in diesem Fall Nutznießer von einer insgesamt geringeren Steuerbelastung.

Dieser Artikel geht auf die wichtigsten Fakten zum Ehegattensplitting ein, erläutert, in welchen Fällen Paare vom Ehegattensplitting profitieren und welche Rolle die sogenannte Steuerprogression im deutschen Steuersystem spielt. Darüber hinaus wird in Beispielrechnungen gezeigt, wie die Steuerersparnis beim Ehegattensplitting berechnet wird.

Fakten zum Ehegattensplitting – das ist wichtig

Im Laufe des letzten Jahrhunderts gab es immer wieder Phasen in Deutschland, in denen Eheleute, die gemeinsam für den Lebensunterhalt sorgten, in Bezug auf die Steuerlast vorteilhafter gestellt wurden. Im Preußen des 19. Jahrhunderts war es üblich, ganze Haushalte zu besteuern. Dieses Prinzip wurde nach und nach verworfen. Besteuert wurde die Person, die ein Einkommen aus nicht selbstständiger Tätigkeit erhielt. Eheleute wurden ähnlich wie heute bessergestellt, da das Einkommen des Mannes dem der Ehefrau hinzugerechnet wurde. Ab den 1920er-Jahren wurde eine nachteilige Besteuerung für Familien eingeführt, in denen sowohl der Mann und ebenso die Frau arbeiteten.

Das noch heute gültige Gesetz zur „Änderung steuerlicher Vorschriften auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und Ertrag und des Verfahrensrechts“ wurde am 18. Juli 1958 eingeführt. Im heutigen Einkommensteuergesetz (EStG) wird im § 32 a ausgeführt, wie der Gesetzgeber das Ehegattensplitting berechnet:

Bei Ehegatten, die nach den §§ 26, 26b zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden, beträgt die tarifliche Einkommensteuer… das Zweifache des Steuerbetrags, der sich für die Hälfte ihres gemeinsam zu versteuernden Einkommens nach Absatz 1 ergibt (Splitting-Verfahren)

Warum das Ehegattensplitting umstritten ist

So interessant die Steuervorteile beim Ehegattensplitting auf den ersten Blick sind, umso größer fällt die Kritik an diesem Gesetz aus. Durch das Ehegattensplitting werden aus Sicht der Kritiker vor allem für Frauen erhebliche Anreize gesetzt, nicht oder im Höchstfall geringfügig beschäftigt zu arbeiten. Wird die Ehe im Laufe des Lebens geschieden, kann dies negative Folgen auf die spätere gesetzliche Rente der Frau haben. Warum die Kritik am Ehegattensplitting in Teilen plausibel ist, wird nachvollziehbar, wenn man sich ansieht, wie das Ehegattensplitting vom Prinzip her aufgebaut ist.

Ehegattensplitting und Steuerprogression – so funktioniert das Ehegattensplitting

Das deutsche Steuersystem beruht auf dem Prinzip der Steuerprogression. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet Steuerprogression, dass der effektiv zu zahlende Steuersatz größer wird, je höher das zu versteuernde Einkommen ist.

Geht man beispielsweise bei einem unverheirateten Arbeitnehmer ohne Kinder von einem zu versteuernden Jahreseinkommen in Höhe von 40.000 € aus, zahlt dieser regulär 8.333 € Einkommenssteuer. Dies entspricht einer Steuerbelastung von 20,83 %. Seit 2021 muss auf Einkommen bis 73.000 Euro (Alleinstehende) und 151.000 Euro (Verheiratete) kein Solidaritätszuschlag mehr gezahlt werden, was sich positiv auf das Nettoeinkommen auswirkt.

Bei einem Einkommen in Höhe von 60.000 € werden hingegen 16.063 € Einkommenssteuer fällig, was bereits rund 26,77 % entspricht und einer fast doppelt so hohen Steuerbelastung entspricht, wie bei einem Verdienst von 40.000 Euro. Bei einem Jahresverdienst von 100.000 € werden sogar 34.670,46 Euro fällig. Enthalten sind 1.807,46 € Solidaritätszuschlag. Die Steuerbelastung beträgt 34,67 %. Nahezu jeder dritte verdiente Euro muss für die Einkommensteuer aufgewendet werden. Der Spitzensteuersatz liegt bei 42 Prozent.

Begründen lässt sich die Steuerprogression auf mehrere Arten. Ein Ansatz ist beispielsweise der des abnehmenden Nutzens. Bei dieser Argumentation ist der erste verdiente Euro wesentlich wichtiger für den Lebensunterhalt als der letzte verdiente Euro. Aus diesem Grunde ist der erste Euro bis zu einem Jahresgehalt von 9.744 Euro (Grundfreibetrag) steuerfrei, während etwa der 100.000 Euro hoch besteuert wird.

Wie das Ehegattensplitting konkret funktioniert

Ehegattensplitting bedeutet in der steuerlichen Praxis, dass nicht jeder Ehegatte sein eigenes Einkommen separat versteuert, sondern dass beide Einkommen zusammen veranlagt werden.

Beispiel: Herr und Frau Meier arbeiten beide Vollzeit in unterschiedlichen Berufszweigen. Als leitender Angestellter verdient Herr Meier 90.000 Euro pro Jahr. Frau Meier arbeitet als Kauffrau für Bürokommunikation und kommt pro Kalenderjahr auf einen Verdienst von 36.000 Euro.

Würden Herr und Frau Meier als nicht verheiratetes Paar allein veranlagt, müssten sie in folgender Höhe Einkommenssteuer an das Finanzamt abführen:

 Herr Meier

(Leitender Angestellter)

Frau Meier

(Kauffrau für Bürokommunikation)

Einkommenssteuer28.663,00 €6.986,00 €
Solidaritätszuschlag1.393,13 €0,00 €
Durchschnittsbelastung33,40 %19,41 %
Gesamtbelastung30.056,13 €6.986,00 €

 

Als ledige Arbeitnehmer müssten Herr und Frau Meier von ihrem Jahresverdienst von 126.000 Euro insgesamt 37.042,13 Euro für die Einkommensteuer und den Solidaritätszuschlag abrechnen. Da Herr und Frau Meier verheiratet sind, können Sie den Splittingtarif in Anspruch nehmen.

Berechnung der Einkommensteuer nach dem Splittingtarif

Beim Ehegattensplitting wird das zu versteuernde Einkommen im ersten Schritt halbiert. Auf dieser Ergebnisgrundlage wird im nächsten Schritt die Einkommenssteuer berechnet, die ans Finanzamt zu entrichten ist. Zur Berechnung wird der aktuell geltende Einkommenssteuertarif für Alleinverdiener herangezogen. Der Endbetrag wird im letzten Step verdoppelt und im Rahmen der jährlichen Einkommensteuererklärung an das Finanzamt übermittelt.

 Herr und Frau Meier

(Leitender Angestellter und Kauffrau für Bürokommunikation

Gesamtverdienst126.000,00 €
Teilung des Gesamtverdienstes63.000,00 €
Einkommenssteuer17.323,00 €
Solidaritätszuschlag43,67 €
Durchschnittsbelastung27,57 %
Gesamtbelastung17.366,67 €
Verdoppelung der Gesamtbelastung34.733,34 €

 

Jeder Ehepartner zahlt für das Ehegattensplitting im Beispiel rechnerisch 17.366,67 €. Dies macht insgesamt 34.733,34 € Steuerbelastung für die Ehepartner. Im Vergleich zur Alleinveranlagung bei nichtverheirateten Paaren ergibt sich ein Steuervorteil von 2.308,79 €. Diesen Steuervorteil erhalten Ehepartner allein durch die Gesamtveranlagung und den Splittingtarif.

Wer besonders vom Ehegattensplitting profitiert

Das Ehegattensplitting lohnt sich vor allem für Ehepaare, die unterschiedlich hohe Einkommen haben. Liegt zum Beispiel der Verdienst der Ehefrau weit über dem des Ehemanns, kann die Steuerbelastung der Ehefrau durch Anwendung des Splittingtarifs deutlich gesenkt werden. Im Gegenzug muss der Ehemann mit einer signifikant höheren Steuerlast rechnen. Da man bei gemeinsam veranlagten Eheleuten davon ausgeht, dass das Gesamteinkommen beiden Partnern zugutekommt, ist das Ehegattensplitting unter dem Strich lukrativ und für Familien zielführend.

Ehepaare mit einem Alleinverdiener profitieren am stärksten

Je höher die Differenz im Einkommen der Eheleute ist, desto mehr lässt sich sparen. Am meisten profitieren Ehepaare mit einem Alleinverdiener. Dies wird an folgendem Beispiel deutlich.

Beispiel: Herr und Frau Schulze sind seit 7 Jahren verheiratet. Als leitender Angestellter verdient Herr Meier 90.000 Euro pro Jahr. Frau Meier ist nicht abhängig beschäftigt und arbeitet vor allem ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe ihrer Gemeinde.

Würden Herr und Frau Meier ihre Steuerlast nicht nach dem Splittingtarif abrechnen, müssten sie mit folgenden Abgaben für die Einkommensteuer und den Solidaritätszuschlag rechnen:

 Herr Schulze

(Leitender Angestellter)

Frau Schulze

(Nicht abhängig beschäftigt)

Einkommenssteuer28.663,00 €0,00 €
Solidaritätszuschlag1.393,13 €0,00 €
Durchschnittsbelastung33,40 %0,00 €
Gesamtbelastung30.056,13 €0,00 €

 

Bei der Abrechnung unter Anwendung des Ehegattensplitting-Tarifs entsteht das folgende Bild:

 Herr und Frau Schulze

(Leitender Angestellter und ehrenamtlich tätig)

Gesamtverdienst90.000,00 €
Teilung des Gesamtverdienstes45.000,00 €
Einkommenssteuer10.111,00 €
Solidaritätszuschlag0,00 €
Durchschnittsbelastung22,47 %
Gesamtbelastung10.111,00 €
Verdoppelung der Gesamtbelastung20.222,00 €

 

Durch Anwendung des Splittingtarifs im Ehegattensplitting sparen Herr und Frau Schulze insgesamt 9.834,13 Euro an Einkommensteuer. Trotz des hohen Verdienstes von 90.000 Euro fällt kein Solidaritätszuschlag für das Paar an, da der Gesamtverdienst bei der Berechnung halbiert wird und damit unter der Schwelle von 71.000 Euro liegt, ab der der Solidaritätszuschlag fällig wird.

Am Beispiel ist deutlich ablesbar, wie lukrativ das Ehegattensplitting für Ehepaare bei einem Alleinverdiener sein kann. Durch die Förderung des klassischen Familienmodells mit einem Alleinverdiener und einem Ehepartner der zu Hause die Kinder erzieht, sollen Familien mehr finanziellen Spielraum erhalten. Zusätzlich zur geringeren Steuerlast erhalten Familien mit Kindern weitere Vergünstigungen wie zum Beispiel einen Steuerfreibetrag für jedes Kind, der mit dem Kindergeld verrechnet wird.

Warum Kritiker das Ehegattensplitting abschaffen möchten

Kritiker des Ehegattensplittings sprechen davon, dass dieses Steuermodell Frauen in mehrfacher Hinsicht diskriminiert. Zum einen setzt es eindeutige Anreize für ein klassisches Familienmodell. Gleichzeitig müssen arbeitende Ehepartner mit einem geringeren Einkommen deutlich mehr Steuern auf ihr Einkommen zahlen, während der Ehepartner mit höherem Gehalt profitiert. Da Frauen in Deutschland in den meisten Fällen weniger verdienen oder in Teilzeit arbeiten, kommt es rechnerisch zu einem Ungleichgewicht.

Trennen sich die Ehepartner, kann dies gravierende Folgen für den Ehepartner haben, der während der Ehe wenig oder gar kein Geld verdient hat. Da er in dieser Zeit kaum in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen konnte, fällt der Rentenanspruch entsprechend gering aus und liegt bei vielen Frauen trotz Teilzeittätigkeit und Anrechnung von Kindererziehungszeiten unter dem Existenzminimum. Kritiker befürworten aus diesen Gründen die Abschaffung des Ehegattensplittings, da vor allem Alleinerziehende Frauen bei einer Scheidung die Leidtragenden sein können. Gleichzeitig profitieren Familien mit Kindern eindeutig vom Ehegattensplitting.

Ab wann der Steuervorteil beim Ehegattensplitting greift

Verheiratete Eheleute profitieren für das volle Jahr ihrer Eheschließung vom Ehegattensplitting. Das bedeutet in der Praxis, dass ein Paar, das Ende Dezember heiratet, für das gesamte Kalenderjahr einen Anspruch auf Steuerabrechnung nach dem Splittingtarif hat. Eine Hochzeit kann aus diesem Grund neben der persönlichen Verbindung ebenso wirtschaftliche Vorteile bringen.

Der Splittingtarif ist auf Grundlage von § 32 EStG ebenfalls in den folgenden Fällen anzuwenden:

  • Bei einem verwitweten Steuerpflichtigen für den Veranlagungszeitraum, der dem Kalenderjahr folgt, in dem der Ehegatte verstorben ist.
  • Bei einem Steuerpflichtigen, dessen Ehe in dem Kalenderjahr, in dem er sein Einkommen bezogen hat, aufgelöst worden ist, wenn
  • bisher die Voraussetzungen erfüllt wurden oder
  • der bisherige Ehegatte wieder geheiratet hat und
  • der bisherige Ehegatte und dessen neuer Ehegatte ebenfalls die Voraussetzungen für den Splittingtarif erfüllen.

Info: Auf Grundlage der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 07.05.2013 (2 BvR 909/06) haben auch Personen, die ihre gleichgeschlechtliche Beziehung als eingetragene Lebenspartnerschaft eingetragen haben, einen Anspruch auf Anwendung des Splittingtarifs.

Fazit: Durch Ehegattensplitting können Ehepaare effektiv Einkommensteuer sparen

Das deutsche Steuerrecht unterliegt der sogenannten Steuerprogression. Dies bedeutet, dass ein höheres Einkommen automatisch zu höheren Abgaben bei der Einkommensteuer führt. Beim Ehegattensplitting wird dieser Automatismus abgeschwächt.

Ehegattensplitting bedeutet im Prinzip, dass nicht jeder Ehegatte sein eigenes Einkommen separat versteuert, sondern dass beide Jahreseinkommen zusammen veranlagt werden. Dies funktioniert, indem man das Gesamteinkommen des Ehepaares oder der eingetragenen Lebensgemeinschaft halbiert und auf diesen Betrag die Einkommensteuer ausrechnet. Im letzten Schritt müssen der Abgabebetrag für die Einkommensteuer und eventuelle Abgaben für den Solidaritätszuschlag verdoppelt werden. Beide Ehepartner zahlen somit Einkommensteuer auf den jeweils hälftigen Betrag des Gesamteinkommens.

Vom Ehegattensplitting profitieren vor allem Eheleute mit unterschiedlich hohen Einkommen oder Familien mit einem Alleinverdiener. Sie können abhängig vom Jahresgehalt viele Tausend Euro im Jahr an Einkommensteuer sparen.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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