Elementarschadenversicherung: Kommt die Pflicht in 2026?

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Ereignisse wie die Flutkatastrophe im Ahrtal sind nur eines von vielen Extremwetterereignissen der letzten Jahre, die bei Versicherungsgesellschaften die Pflicht zur Elementarschadenversicherung ins Gespräch bringen.

Denn im Raum steht die Frage, ob freiwilliger Schutz noch ausreicht, oder ob es eine staatlich geregelte Pflichtversicherung geben soll. 2026 steht die Pflicht zur Elementarversicherung auf dem Prüfstand, denn im Koalitionsvertrag ist eigentlich festgeschrieben, dass Wohngebäude künftig nur noch mit Elementarschutz angeboten werden sollen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kommt die Elementarschadenversicherungspflicht ab 2026? Eine Pflicht wird schon länger politisch angestrebt und ist auch im Koalitionsvertrag verankert. Beschlossen ist sie jedoch noch nicht und die Details zur Umsetzung sind noch offen.
  • Warum könnte die Pflichtversicherung kommen? Extremwetterereignisse wie Hochwasser nehmen aufgrund des Klimawandels zu und verursachen immer höhere Schäden. Da viele Häuser bislang nicht versichert sind, muss der Staat bei Schadensfällen oft einspringen.
  • Was würde die Pflicht für Eigentümer und Vermieter bedeuten? Mit einer Pflicht wäre derVersicherungsschutz künftig flächendeckend gewährleistet, was mehr Sicherheit bietet. Gleichzeitig bedeutet die Pflicht für Eigentümer zusätzliche Kosten. Vermieten könnten diese gegebenenfalls auf ihre Mieter umlegen.
  • Wie teuer könnte eine verpflichtende Elementarversicherung werden? Je nach Risikogebiet reichen die Schätzungen von einigen Hundert Euro bis zu mehreren Tausend Euro pro Jahr. Besonders für Immobilien in hochwassergefährdeten Gebieten würden höhere Prämien fällig.

Was ist der aktuelle Stand zur Elementarschadenversicherungspflicht?

Laut des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden alleine seit dem Jahr 2021 7,5 Mrd. Euro an von Elementarschäden betroffene Hausbesitzer ausgezahlt. Und für viele Betroffene bedeutete ein solches Ereignis dennoch den finanziellen Ruin, da sie keine entsprechende Versicherung für ihr Eigentum hatten. Nur die Hälfte aller Haushalte in Deutschland hat laut Angaben des GDV eine Elementarschadenversicherung.

Eine verpflichtende Absicherung gegen Naturgefahren gilt in der Politik als ein ernsthaftes Reformprojekt und die Bundesregierung ist dabei, flächendeckende Lösungen zu prüfen. Das Ziel ist, dass künftig alle Immobilien gegen Elementarschäden abgesichert sind. Als Elementarschäden zählen:

  • Hochwasser
  • Starkregen
  • Erdrutsch oder Erdfall
  • Schneedruck oder Lawinen
  • Erdbeben
  • Rückstau aus der Kanalisation
  • Vulkanausbruch

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit für Schäden durch Vulkanausbruch in Deutschland nicht vorhanden ist, so sind Starkregen und Hochwasser aufgrund des Klimawandels in den letzten Jahren leider zu immer häufiger wiederkehrenden Ereignissen geworden.

Bisher gibt es in Deutschland keine allgemeine Pflicht, eine entsprechende Versicherung für Eigentum abzuschließen. Der Elementarschutz gilt als freiwillige Zusatzleistung zur Wohngebäudeversicherung. Diese Freiwilligkeit führ dazu, dass viele Hausbesitzer aufgrund der oft hohen Kosten keine Versicherung abschließen, was im Fall eines auslösenden Ereignisses wie Hochwasser oder Starkregen den persönlichen Ruin bedeuten kann.

Wie könnte die Versicherungspflicht genau aussehen?

Geprüft wird, dass Wohngebäude künftig nur noch mit einer Elementarschadenversicherung verkauft werden und dass auch bestehende Wohngebäudeversicherungen zu einem noch festzulegenden Stichtag um eine solche Versicherung erweitert werden.

Auch ist eine Opt-Out-Lösung im Gespräch, das heißt, Eigentümer könnten dem Versicherungsschutz noch aktiv widersprechen. Das würde für sie aber bedeuten, dass sie dann im Schadensfall keine Hilfe vom Staat erhalten, wenn es zu einem Elementarschaden kommt.

Ein weiterer Baustein des Koalitionsvertrags der Bundesregierung ist eine staatliche Rückversicherung, die Versicherer bei Elementarschäden entlasten soll. Der GDV legte dazu im Dezember 2025 erstmals ein Konzept vor, wie das aussehen könnte.

Was bedeutet die Pflicht für Eigentümer?

Für Eigentümer von Immobilien bringt die geplante Pflicht auf der einen Seite mehr Sicherheit und auf der anderen Seite neue Kosten mit sich. Positiv ist: Der Versicherungsschutz wäre künftig flächendeckend gewährleistet und Elementarschäden könnten schneller beglichen werden, ohne auf staatliche Hilfsprogramme warten zu müssen. Gerade bei selbstgenutztem Eigentum bedeutet das mehr Planungssicherheit.

Gleichzeitig stellt sich die Frage nach dem Beitrag. Dieser hängt stark von Lage, Bauweise einer Immobilie und bestehenden Risikoklassen ab. In hochwassergefährdeten Gebieten ist mit höheren Prämien zu rechnen. Die Bundesregierung diskutiert deshalb Modelle, bei denen besonders hohe Belastungen gedeckelt oder durch Ausgleichsmechanismen solidarisch abgemildert werden.

Wie teuer könnte die verpflichtende Elementarversicherung für Hausbesitzer werden?

Es gibt erste Vergleiche, die andeuten, wie hoch die Jahresbeiträge für eine verpflichtende Elementarschadenversicherung sein könnten. Zwischen 350 und 1.300 Euro stehen als jährlicher Betrag im Raum. Die Zeitschrift „Der Wirtschaftsdienst“ wird in ihrer Berechnung noch genauer: in den niedrigsten Risikozonen müssen Hausbesitzer mit rund 608 Euro im Jahr rechnen und in Hochrisikogebieten mit Beträgen von 2.000 bis 3.000 Euro pro Jahr.

Was entscheidet über den Preis der Elementarschadenversicherung?

Die Lage eines Hauses ist zentral für die Berechnung der Versicherungssumme. Mit dem Zonierungssystem ZÜRS Geo lässt sich das Risiko für Elementarschäden wie Starkregen oder Überschwemmungen für das eigene Haus einschätzen. Es gibt sogar Gefährdungslagen, die so riskant sind, dass dort gar keine Tarife für Elementarschadenversicherungen mehr erhältlich sind. Kommt es zur Pflichtversicherung wären auch die Versicherer in der Verantwortung, sich für diese Gebiete eine Lösung zu überlegen.

Was bedeutet die Pflicht für Vermieter?

Für Vermieter ist die Situation komplexer, als wenn die Immobilie selbst bewohnt wird. Die Versicherung gehört zwar zu den laufenden Kosten, aber nicht alle Vermieter haben bislang eine Elementarschutzversicherung abgeschlossen. Eine Pflichtversicherung würde für sie zusätzliche Koten bedeuten, die über die Nebenkosten umgelegt werden könnten, wenn das Mietrecht es zulässt.

Langfristig profitieren Vermieter von einem höheren Versicherungsschutz und geringeren Ausfallrisiken nach Naturereignissen. Insbesondere in Mehrfamilienhäusern kann eine schnelle Schadensregulierung entscheidend sein, um Mietausfälle zu vermeiden.

Wie sinnvoll ist eine Pflicht zur Elementarschadenversicherung?

Es gibt Argumente für und gegen eine Pflicht zur Versicherung. Dafür spricht, dass weniger staatliche Soforthilfen benötigt würden und die Kosten gerechter verteilt wären. Im Hinblick auf den fortschreitenden Klimawandel scheint das bisherige System nicht ausreichend. Auch was die Finanzierung von Immobilien angeht, könnte sich eine verpflichtende Elementarschutzversicherung positiv auswirken. Für Banken und Kreditgeber sinkt nämlich dadurch das Risiko, dass das Gebäude durch verheerende Naturereignisse an Wert verliert.

Kritiker hingegen sehen die Versicherungspflicht als Eingriff in die Vertragsfreiheit und warnen vor steigenden Kosten für Eigentümer. Außerdem merken die Versicherer an, dass eine solche Versicherungspflicht nicht dazu führt, dass Menschen ihre Häuser besser schützen oder gar nicht erst in Hochwassergebieten bauen.

Letztlich wird entscheidend sein, wie die Bundesregierung die Umsetzung gestaltet. Denn nur mit transparenten Tarifen und klaren Regeln für den Elementarschutz wird die Versicherungspflicht von Immobilieneigentümern akzeptiert werden.

Fazit: Wann die Pflicht kommt, ist weiterhin offen

Die Diskussion um eine Pflicht zur Elementarschadenversicherung zeigt, wie sehr sich der Umgang mit Naturgefahren in Deutschland verändert hat. Zunehmende Extremwetterereignisse, hohe Schadenssummen und eine bislang lückenhafte Absicherung vieler Immobilien sorgen dafür, dass es in Zukunft nicht mehr ausreichen könnte, dass eine solche Versicherung freiwillig ist. Eine verpflichtende Elementarschutzversicherung könnte dazu beitragen, Risiken breiter zu verteilen, staatliche Nothilfen zu entlasten und Eigentümern und Vermietern mehr Planungssicherheit zu geben.

Entscheidend für den Erfolg einer solchen Pflicht ist jedoch, wie die genaue Umsetzung aussieht. Um Akzeptanz zu schaffen, braucht es bezahlbare Beiträge und transparente Regeln, insbesondere für Häuser in Risikogebieten. Ob die Pflicht tatsächlich kommt und ob es schon in 2026 soweit sein wird, ist weiterhin offen (Stand Januar 2026). Immobilienbesitzer können aber jetzt schon ihren Versicherungsschutz prüfen und sich auf mögliche Veränderungen vorbereiten.