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Marktkapitalisierung: Berechnung, Bedeutung & Indexzugehörigkeit

Inhaltsverzeichnis

Wissenswertes zur Marktkapitalisierung

Synonyme: Börsenkapitalisierung, Börsenwert, engl.: market capitalisation (kurz: market cap)

Definition: Beziffert den Gesamtwert eines börsennotierten Unternehmens.

Berechnung: Multiplikation von Aktienkurs und in Streubesitz befindlichen Aktien.

Aktienkurs: Ergibt sich aus Angebot und Nachfrage nach den Wertpapieren des Unternehmens.

Börsenindizes: Marktkapitalisierung dient als Gewichtung im Index.

Bedeutung: Hohe Marktkapitalisierung bedeutet hohe Liquidität für ein Unternehmen.


Definition Börsenwert: Was ist die Marktkapitalisierung?

Die Marktkapitalisierung (auch Börsenkapitalisierung oder Börsenwert genannt) zeigt den Marktwert einer Aktiengesellschaft, dessen Anteile an der Börse gehandelt werden. Sie ermöglicht Größenvergleiche zwischen Unternehmen innerhalb einer Branche.

Für die Marktkapitalisierung wird die Anzahl der Aktien mit dem aktuellen Börsenkurs der Aktie multipliziert. Wenn die Aktienkurse eines Unternehmens steigen, steigt damit die Marktkapitalisierung.

Formel

Marktkapitalisierung = Anzahl der in Umlauf befindlichen Aktien × Börsenkurs pro Aktie

Wie berechnet man die Marktkapitalisierung einer Aktie?

Angenommen, die von einem Unternehmen ausgegebenen Aktien belaufen sich auf 1.000.000 an der Zahl. Der aktuelle Aktienkurs liegt bei 70 € pro Aktie. Die Marktkapitalisierung erhält man durch Multiplikation des Aktienkurses mit der Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien. Die Marktkapitalisierung der Aktiengesellschaft liegt in unserem Beispiel bei 70.000.000 €.

Ein Aktienkurs unterliegt ständigen Schwankungen. Daher ändert sich die Marktkapitalisierung und damit der Börsenwert des Unternehmens ständig.

Bei der Berechnung der Marktkapitalisierung werden diejenigen Aktien berücksichtigt, die sich im freien Umlauf befinden, also die am Aktienmarkt gehandelt werden. Aktien, die sich im Besitz des Unternehmens befinden, fließen nicht in die Berechnung mit ein. Die frei handelbaren Aktien eines Unternehmens bezeichnet man als Streubesitz.

Wie entsteht ein Aktienkurs?

Der Aktienkurs (auch Börsenkurs) ist ein am Aktienmarkt festgestellter Preis für ein Wertpapier. An den Börsen werden auch andere Finanzinstrumente gehandelt, wie beispielsweise Devisen oder Rohstoffe.

Der Aktienkurs entsteht aus Angebot und Nachfrage des gehandelten Wertpapiers. Die Börsenmakler nehmen zunächst alle Kauf- und Verkaufswünsche entgegen. Anschließend wird mit diesen Orders errechnet, bei welchem Kurs der größte Umsatz zustande kommt, d. h. bei dem möglichst viele der vorliegenden Kauf- und Verkaufswünsche erfüllt werden können. Dadurch erfolgt die Festsetzung und Veröffentlichung des Aktienkurses. Diesen Schritt nennt man Notierung.

Was sind die wertvollsten Unternehmen der Welt nach Marktkapitalisierung?

Marktkapitalisierung - 6 wertvollsten Unternehmen
 SymbolMarktkapitalisierung in USD
AppleAAPL2,78 Billionen
Saudi Aramco2222.SR2,29 Billionen
MicrosoftMSFT2,19 Billionen
AlphabetGOOG1,71 Billionen
Amazon.comAMZN1,58 Billionen
TeslaTSLA1,12 Billionen
Berkshire HathawayBRK-A771,04 Milliarden
Meta (Facebook)FB575,17 Milliarden
NVIDIANVDA546,61 Milliarden
TSMCTSM520,70 Milliarden
(Stand 21.04.2022)

Mit einer Marktkapitalisierung in Höhe von fast 2,8 Billionen US-Dollar führt Apple die Liste der wertvollsten Unternehmen der Welt an, gemessen an der Marktkapitalisierung. In den Top Five folgen Saudi Aramco, Microsoft, das Google-Unternehmen Alphabet und Amazon.com.

Apple führt gleichzeitig zusätzlich die Liste der profitabelsten Unternehmen weltweit an: Der Jahresüberschuss im Jahr 2020 betrug 51,4 Milliarden US-Dollar.

Die wertvollsten Wertpapier-Börsen der Welt nach Marktkapitalisierung

Anteile an der Weltmarktkapitalisierung

Die Marktkapitalisierung ist bei der Betrachtung der größten Börsen weltweit eine wichtige Kennzahl. Sie zeigt den Handelsumfang und damit die Bedeutung einer Börse. Die folgende Übersicht zeigt die größten Börsen weltweit, gemessen an ihrer Marktkapitalisierung.

 Marktkapitalisierung in USD
New York Stock Exchange26,11 Billionen
NASDAQ21,62 Billionen
Shanghai Stock Exchange7,88 Billionen
Tokyo Stock Exchange6,17 Billionen
Shenzhen Stock Exchange5,83 Billionen
Hong Kong Stock Exchange5,23 Billionen
London Stock Exchange Group3,61 Billionen
India National Stock Exchange3,32 Billionen
Toronto Stock Exchange3,25 Billionen
Saudi Stock Exchange3,07 Billionen
Frankfurt Stock Exchange2,24 Billionen
(Stand: 21. April 2022)

Börsenwert Deutung: Das sagt die Marktkapitalisierung aus

Die Marktkapitalisierung ermöglicht die Einschätzung der Größe eines Unternehmens im Vergleich zu anderen Unternehmen der gleichen Sparte.

Die Kennzahl eignet sich aber nicht, um Aussagen über künftige Kurschancen einer Aktie zu treffen. Für den Anleger stellt die Marktkapitalisierung insofern ein wichtiges Kriterium bei der Anlageentscheidung dar, als dass sie die Liquidität anzeigt. Ein Unternehmen mit hoher Liquidität bedeutet höhere Krisenfestigkeit.

Aktien mit einer geringen Marktkapitalisierung sind häufiger starken Kursschwankungen ausgesetzt. Der Grund liegt darin, dass diese Aktien weniger gehandelt werden. Eine plötzliche Handelszunahme führt zu größeren Kursausschlägen. Damit stellen diese kleineren Unternehmen in der konventionellen Aktienanalyse riskantere Investitionen dar. Hohe Kursschwankungen können zu hohen Verzerrungen der Marktkapitalisierung führen. Aktien von Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung gelten in der Regel als sicherere Investments.

Hinweis

In der Fundamentalanalyse dient die Marktkapitalisierung zur Berechnung des Kurs-Umsatz-Verhältnisses.

Börsenwert als wichtigstes Kriterium für die Indexzugehörigkeit

Die Marktkapitalisierung wird zur Gewichtung einzelner Aktien in einen Börsenindex herangezogen. In der Regel wird hierbei nicht das Gesamtpaket ausgegebener Aktien, sondern die Streubesitz-Marktkapitalisierung verwendet. Im Klartext ist das die Summe der Aktien, welche von Kleinanlegern gehalten werden. Die Aktien von Großaktionären bleiben unberücksichtigt.

Dieses Prinzip gilt nicht nur für den DAX, sondern auch für ausländische Indizes wie beispielsweise die des britischen FTSE 100. Wird ein Wertpapier in einen Index aufgenommen, steigert dies die Beachtung der Investoren und damit die Liquidität.

Im deutschen Leitindex DAX befinden sich beispielsweise die 30 größten deutschen Unternehmen, gemessen an ihrer Marktkapitalisierung. Für die gelisteten Unternehmen hat die Zugehörigkeit zum Index nicht nur einen ideellen Wert. Sie geraten stärker in den Fokus für private und institutionelle Anleger. Damit steigt ihr tägliches Handelsvolumen. Fonds und ETFs kaufen diese Aktien. Dies erhöht die Liquidität des Unternehmens.

Marktkapitalisierung im DAX: Das sind die 10 wertvollsten Unternehmen

Die Marktkapitalisierung wirkt sich auf die Gewichtung eines Unternehmens im Deutschen Aktienindex aus. Je höher die Marktkapitalisierung eines Unternehmens, umso größer seine Gewichtung im DAX.

Die folgende Übersicht zeigt die zehn größten deutschen Unternehmen nach Marktkapitalisierung im Leitindex DAX:

 ISINMarktkapitalisierung in Euro
LindeIE00BZ12WP82148,19 Milliarden
SAPDE0007164600114,62 Milliarden
VolkswagenDE000766403995,68 Milliarden
SiemensDE000723610193,97 Milliarden
AllianzDE000840400589,01 Milliarden
Deutsche TelekomDE000555750885,20 Milliarden
AirbusNL000023519081,88 Milliarden
MerckDE000659990578,24 Milliarden
Mercedes-Benz (Daimler)DE000710000068,77 Milliarden
BayerDE000BAY001765,25 Milliarden
(Stand: 21. April 2022)

Marktkapitalisierung nur innerhalb einer Branche vergleichend anwenden

Vergleicht man Marktkapitalisierung von Unternehmen innerhalb einer Branche, ist sie ein gutes Indiz dafür, wie ein Unternehmen an der Börse eingeschätzt wird.

Beim Vergleich einer Aktiengesellschaft mit der Konkurrenz innerhalb eines Sektors kann man auf die Stellung des Unternehmens schließen. Bei Unternehmen verschiedener Branchen ist der Vergleich der Größen anhand der Marktkapitalisierung nicht geeignet, um Aussagen über die Wettbewerbsfähigkeit zu treffen.

Es gilt zu beachten, dass der höchste Börsenwert nicht automatisch mit den besten Geschäftszahlen korreliert. Zur Bewertung eines Investments sollte man zusätzlich das Kurs-Gewinn-Verhältnis hinzuziehen.

Marktkapitalisierung ausgew Automobilhersteller

Der Börsenwert im Verhältnis: Was ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)?

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist eine Kennzahl zur Beurteilung von Aktien. Es berechnet die Relation zwischen dem aktuellen Kurs einer Aktie und dem Jahresgewinn pro Aktie:

Formel

KGV = aktueller Aktienkurs / Gewinn pro Aktie

Die Kennzahl gibt die Anzahl der Jahre an, in denen das Unternehmen bei konstanten Gewinnen den eigenen Börsenwert verdient. Dabei wird der Gewinn im laufenden Jahr geschätzt. Da Informationen aus der aktuellen Periode bereits im Aktienkurs berücksichtigt sind, versucht man bei der Schätzung künftigen Gewinnentwicklungen gerecht zu werden.

Die berühmte Börsenweisheit „an der Börse wird die Zukunft gehandelt“ gilt auch bei der Analyse des KGV.

Grenzen der Marktkapitalisierung: Übernahmeangebote liegen oft höher

Die Marktkapitalisierung berücksichtigt nur die im Umlauf befindlichen Aktien. Die Kontrolle von Großaktionären, welche den Unternehmenswert erheblich beeinflussen, fließt damit nicht in die Berechnung mit ein. So haben Unternehmen mit einem hohen Anteil von Streubesitz eine größere Marktkapitalisierungsquote als die Unternehmen mit geringerem Streubesitz.

Das ist der Grund, warum die Marktkapitalisierung als Indikator für die Bewertung einer Aktie ihre Grenzen hat. Der Börsenwert kann bei der Entscheidung, ob man bei einer Aktie einsteigen soll, nicht als alleiniges Kriterium herangezogen werden.

Das ist der Grund, warum die Marktkapitalisierung nicht exakt der Betrag ist, den man für den Erwerb eines Unternehmens zahlt. Übernahmeangebot liegen oftmals deutlich über den Börsenwert eines Unternehmens.

Kategorisierung von Aktien mittels Marktkapitalisierung

Tatsächlich ist es für Anleger von Relevanz, ob eine Aktie ein Small oder Large Cap ist. Denn zahlreiche Finanzprodukte (z. B. ETFs) lassen sich auf bestimmte Aktienkategorien filtern. Somit kann man die Produkte ins Depot holen, die zur jeweiligen Strategie passen. Die Kategorisierung der Aktien ist für Anleger von hoher Bedeutung, da die gelisteten Unternehmen je nach Aktienindex abgestufte Offenlegungspflichten haben.

Für konservative Anleger sind Aktien von großen Unternehmen attraktiver, da diese weniger anfällig für Schwankungen sind. Sie gehören damit zu den weniger risikoreichen Investments. Die erweiterten Offenlegungspflichten und die Analysen und Nachrichten über diese Unternehmen bieten eine höhere Transparenz.

 Marktkapitalisierung (USD)
Blue-Chips / Mega Capsab 200 Milliarden
Large Caps10 – 200 Milliarden
Mid Caps2 – 10 Milliarden
Small Caps300 Millionen – 2 Milliarden
Mikro Caps50 Millionen – 300 Millionen
Nano Caps / Pennystocksunter 50 Millionen

Nano Caps werden als Anlage nicht empfohlen, da sie das Risiko eines Totalverlustes bergen. Large Caps werfen der Erfahrung nach weniger Rendite ab, gelten jedoch als risikoarmSmall Caps versprechen hohe Renditen bei hohem Risiko. Hierbei handelt es sich um mittelständische Unternehmen, die in neue Geschäftsfelder investieren. Daher sind die Wachstumsraten höher als bei etablierten Konzernen. Genauso hoch ist das Verlustrisiko.

In den USA haben die Small Caps über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten hinweg eine nominale Rendite von 14,8 % jährlich erzielt. Die unterbewerteten Value Small Caps schnitten noch besser ab. Im selben Zeitraum erwirtschafteten die Large-Cap-Aktien eine jährliche Rendite von 12 %. Auch hier konnten die Value-Aktien besser abschneiden.

Die Kurse der Small Caps schwanken stärker als die von Large Caps. Gewinne von kleineren Unternehmen sind weniger stabil und planbar als die großer Unternehmen. Für den Anleger bedeutet das: Wenn er zu einem schlechten Zeitpunkt in das Investment eingestiegen ist, muss er mit hohen zwischenzeitlichen Verlusten rechnen.

Fazit

Die Marktkapitalisierung dient Anlegern als Kennzahl für die Beurteilung des Unternehmenswerts und den Vergleich mit anderen Unternehmen der gleichen Branche. Sie bemisst sich am Aktienkurs des Unternehmens und bildet so dessen Einschätzung am Markt ab, unterliegt damit aber dem Kurs entsprechenden Schwankungen. Weitere für die Bewertung eines Unternehmens wichtige Faktoren, wie die Verschuldung, Umsatz, Gewinn etc. sind darin nicht berücksichtigt. So ist vor allem keine Aussage bezüglich künftiger Kurschancen mit der Marktkapitalisierung möglich.