Big-Mac-Index – Definition, Aussagekraft & Kritik

Big-Mac-Index – Definition, Aussagekraft & Kritik
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Inhaltsverzeichnis

Der Big-Mac-Index ist ein populärer Wirtschaftsindikator, um Wechselkurse auf Basis der Kaufkraftparität (Purchasing Power Parity, PPP) zu vergleichen. Die zugrundeliegende Idee ist das ökonomische „Gesetz des einen Preises“: Ein identisches Gut – hier der weltweit standardisierte Big Mac von McDonald’s – sollte theoretisch in jedem Land, umgerechnet in eine gemeinsame Währung (meist US-Dollar), gleich viel kosten.

Das Wichtigste zum Thema Big-Mac-Index

  • Wirtschaftsindikator: Der Big-Mac-Index vergleicht die Kaufkraft verschiedener Währungen anhand eines weltweit standardisierten Produkts.
  • Ursprung: 1986 von der Zeitschrift The Economist eingeführt, basiert er auf der Theorie der Kaufkraftparität (Purchasing Power Parity).
  • Aktuelle Daten: Während ein Big Mac in den USA durchschnittlich ca. 5,79 USD kostet, müssen Konsumenten in der Schweiz umgerechnet knapp 8,00 USD zahlen – ein Zeichen für eine überbewertete Währung. In Deutschland liegt der Preis bei etwa 6,09 EUR.

Indikator für Kaufkraftparität: Was ist der Big-Mac-Index?

Auf den ersten Blick mag es kurios wirken: Ein Fast-Food-Produkt als ernstzunehmender Wirtschaftsindikator? Doch der Big-Mac-Index ist weit mehr als eine statistische Spielerei. Er ist ein weltweit beachtetes Werkzeug, um Währungsbewertungen greifbar zu machen. Aber was genau verrät uns der Preis des berühmten Burgers über die Weltwirtschaft?

Der Name ist Programm: Es geht tatsächlich um den Klassiker von McDonald’s. Der Index, auch als Big Mac PPP (Purchasing Power Parity) bekannt, wird seit 1986 vom britischen Wirtschaftsmagazin „The Economist“ erhoben. Ursprünglich jährlich publiziert, erscheinen die Daten inzwischen zweimal pro Jahr (im Januar und Juli). Sie zeigen auf einen Blick, was ein Big Mac in verschiedenen Währungsräumen umgerechnet in US-Dollar kostet und liefern so Indizien zur Kaufkraft.

Warum ausgerechnet ein Burger? Die Stärke des Index liegt in der Standardisierung: Ein Big Mac wird nach nahezu identischer Rezeptur hergestellt. Da McDonald’s in über 100 Ländern weltweit vertreten ist, eignet sich das Produkt hervorragend als vergleichbarer Warenkorb „light“, um die Kaufkraft unterschiedlicher Nationen gegenüberzustellen, ohne sich in komplexen statistischen Warenkörben zu verlieren.

Die geistige Mutter des Index ist die Volkswirtin Pam Woodall. Sie veröffentlichte den Vergleich erstmals im September 1986 im „Economist“. Ihr Ziel war es, die komplexe Theorie der Kaufkraftparität (Purchasing Power Parity, PPP) auch für Laien verständlich zu machen. Was als humorvolle Veranschaulichung der „Burgernomics“ begann, ist heute ein fester Bestandteil der Finanzwelt, um Über- und Unterbewertungen von Währungen schnell zu identifizieren.

Aktueller Big-Mac-Index

Vergleich der Kaufkraft zum US-Dollar (Benchmark)

Land / RegionPreis (in USD)Abweichung zum USDBewertung
Schweiz8,00 $+38,0 %Stark Überbewertet
Norwegen6,70 $+15,5 %Überbewertet
USA (Basis)5,80 $0,0 %Referenzwert
Eurozone5,95 $+2,6 %Fair bewertet
China3,60 $-38,0 %Unterbewertet
Indien2,65 $-54,3 %Stark Unterbewertet
Taiwan2,40 $-58,6 %Stark Unterbewertet

Quelle: The Economist / Eigene Recherche (2026). Während der Schweizer Franken traditionell überbewertet bleibt, zeigen asiatische Währungen weiterhin deutliche Kaufkraft-Reserven.

Um die Aussagekraft des Big-Mac-Index vollständig zu erfassen, lohnt sich zunächst ein Blick auf das fundamentale Regelwerk dahinter: die Wechselkurse. Sie sind der Mechanismus, der Preise über Grenzen hinweg vergleichbar macht und entscheiden darüber, ob eine Währung als „überbewertet“ oder „unterbewertet“ gilt. Doch welche Kräfte bewegen diese Kurse eigentlich?

Wie entsteht der Wechselkurs von Währungen?

Ein Wechselkurs ist nichts anderes als der Preis einer Währung, ausgedrückt in einer anderen. Tauscht eine Person Euro gegen US-Dollar, kauft sie effektiv Kaufkraft im anderen Land. Dieses Verhältnis bestimmt maßgeblich die finanzielle Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft: Eine starke Währung (wie traditionell der Schweizer Franken) verbilligt zwar Importe und Auslandsreisen, macht aber heimische Exporte teurer. Umgekehrt kurbelt eine schwächere Währung die Exportwirtschaft an, da Waren für ausländische Käufer günstiger werden – ein Effekt, der auch im Jahr 2026 in verschiedenen globalen Handelszonen eine zentrale Rolle spielt.

In der Praxis entstehen Wechselkurse an den Devisenmärkten (Forex) durch das freie Spiel von Angebot und Nachfrage. Neben der allgemeinen Wirtschaftskraft werden die Kurse im aktuellen Marktumfeld (Stand 2026) vor allem durch zwei Faktoren getrieben:

Der Bedarf einer Währung (Nachfrage): Währungen werden benötigt, um internationalen Handel zu betreiben oder Kapital anzulegen. Möchten Investoren beispielsweise amerikanische Aktien kaufen, müssen sie ihre heimische Währung in US-Dollar tauschen. Diese steigende Nachfrage treibt den Kurs des Dollars nach oben. Auch in Krisenzeiten steigt der Bedarf nach Währungen, die als „Sicherer Hafen“ gelten (z. B. US-Dollar oder Schweizer Franken), was deren Wert oft unabhängig von der realen Kaufkraft steigen lässt.

Die Währung eines Landes, das mehr Waren exportiert als importiert (Handelsbilanzüberschuss), ist auf den internationalen Märkten stark gefragt. Um die Exportgüter zu bezahlen, müssen ausländische Handelspartner ihre eigene Währung verkaufen und die Währung des Exportlandes kaufen. Diese erhöhte Nachfrage führt nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage zu einer Aufwertung der Exportwährung, während die verkauften Währungen tendenziell an Wert verlieren.

Der Leitzins: Zentralbanken steuern mit dem Leitzins die gesamtwirtschaftliche Aktivität und die Inflation. Droht eine Überhitzung der Wirtschaft, erhöhen sie den Leitzins; soll das Wachstum angekurbelt werden, senken sie ihn. Für den Wechselkurs ist dieser Mechanismus entscheidend: Hohe Zinsen ziehen internationales Kapital an, da Investoren dort höhere Renditen für ihre Geldanlagen (z. B. Staatsanleihen) erhalten.

Um in diesem Währungsraum anzulegen, müssen sie die lokale Währung kaufen. Dieser Kapitalzufluss (Capital Inflow) steigert die Nachfrage und führt zu einer Aufwertung der Währung. Ein Blick auf das Jahr 2026 verdeutlicht dies: Mit einem US-Leitzins von etwa 3,50 % gegenüber rund 2,00 % im Euroraum bleibt der US-Dollar für Zinsanleger oft attraktiver als der Euro.

Was ist Kaufkraftparität (Purchasing Power Parity)?

Die Theorie der Kaufkraftparität (KKP) besagt, dass Währungen im Idealfall so bewertet sein sollten, dass man für den gleichen Geldbetrag überall auf der Welt die gleiche Menge an Gütern kaufen kann. Ist ein Produkt in einem Land – umgerechnet zum aktuellen Wechselkurs – deutlich teurer als im anderen, deutet dies auf eine Überbewertung der dortigen Währung hin.

Ein konkretes Beispiel aus dem Jahr 2026 (Big-Mac-Index): In den USA kostet ein Big Mac durchschnittlich ca. 5,79 US-Dollar. In der Schweiz müssen Sie für denselben Burger umgerechnet etwa 8,00 US-Dollar bezahlen. Da Sie für Ihre Dollars in der Schweiz deutlich weniger Ware erhalten, gilt der Schweizer Franken nach der Kaufkraftparität als stark überbewertet. Der Wechselkurs müsste sich theoretisch anpassen, bis der Burger in beiden Ländern gleich viel kostet.

Während der Außenwert einer Währung (der Wechselkurs) durch Angebot und Nachfrage an den Devisenmärkten bestimmt wird, spiegelt der Binnenwert die tatsächliche Kaufkraft im eigenen Land wider. In der ökonomischen Theorie sollten diese Werte langfristig konvergieren – ein Konzept, das als Kaufkraftparität (Purchasing Power Parity, PPP) bekannt ist. Der Big-Mac-Index nutzt genau diesen Mechanismus: Er vergleicht die Preise eines identischen Gutes (des Big Macs) in verschiedenen Währungsräumen, um fundamentale Über- oder Unterbewertungen von Währungen sichtbar zu machen, die der bloße Wechselkurs oft verdeckt.

Der repräsentative Warenkorb: Die Basis der Inflationsmessung

Ein repräsentativer Warenkorb ist eine statistische Zusammenstellung von hunderten Waren und Dienstleistungen (z. B. Miete, Lebensmittel, Elektronik), die das typische Konsumverhalten eines Durchschnittshaushalts abbilden. Er bildet die Grundlage für den Verbraucherpreisindex (VPI) und die Berechnung der offiziellen Inflationsrate. Im Gegensatz zum Big-Mac-Index, der nur ein einziges Produkt betrachtet, wird der offizielle Warenkorb regelmäßig aktualisiert, um den Zeitgeist zu treffen: So flossen in den Jahren 2024 und 2025 verstärkt digitale Abos und moderne Gadgets (wie VR-Brillen) in die Gewichtung ein, während veraltete Güter gestrichen wurden.

Fakten über McDonalds und den Big Mac

Um die ökonomische Relevanz des Index zu verstehen, lohnt ein Blick auf die aktuellen Daten des Unternehmens. Mit mittlerweile über 42.000 Restaurants in mehr als 100 Ländern (Stand Anfang 2026) liefert McDonald’s eine weltweit fast einzigartige Datenbasis für Preisvergleiche. Täglich werden rund 70 Millionen Kunden bedient. Auch die Inflation der letzten Jahre spiegelt sich im „Burger-Warenkorb“ wider: Während ein Big Mac in den USA 2019 noch durchschnittlich 5,30 USD kostete, liegt der Preis 2026 bereits bei rund 6,00 USD. Diese globale Standardisierung macht den Big Mac zum idealen, leicht verständlichen Vergleichsmaßstab für Privatanleger.

Warum wurde ausgerechnet der Big Mac als globaler Ökonomie-Indikator auserkoren? Die Antwort liegt in seiner einzigartigen Rolle als weltweit verfügbares Standardprodukt. Ein Big Mac ist weit mehr als nur ein Burger: Sein Preis bündelt diverse lokale Wirtschaftsfaktoren. Er enthält Rohstoffe (Fleisch, Getreide, Milch), erfordert Dienstleistung (Zubereitung, Service) und beinhaltet Infrastrukturkosten (Miete, Energie). Damit dient er als idealer Stellvertreter für die Kaufkraft und das Preisniveau eines Landes, weit über den reinen Wechselkurs hinaus.

Das Fundament des Index ist die extreme Standardisierung. Seit der Einführung im Jahr 1967 – also seit fast 60 Jahren – unterliegt die Herstellung weltweit identischen Franchise-Vorgaben. Gewicht, Größe und Qualität sind überall nahezu gleich. Zwar gibt es minimale lokale Anpassungen (z. B. aus religiösen Gründen), doch im Kern bleibt das Produkt eine global vergleichbare Handelseinheit. Diese Konsistenz ermöglicht es Ökonomen, Preise realistisch gegenüberzustellen, ohne dass Qualitätsunterschiede das Ergebnis verzerren.

Wie wird der Big-Mac-Index berechnet?

Die Berechnung des Big-Mac-Index ist denkbar einfach: Man dividiert den Preis eines Big Macs in der Landeswährung (z. B. Euro) durch den Preis des gleichen Burgers in den USA (in US-Dollar). Das Ergebnis ist der implizite PPP-Wechselkurs (Big-Mac-Wechselkurs). Dieser theoretische Kurs wird anschließend mit dem tatsächlichen Wechselkurs an der Börse verglichen. Weicht der Big-Mac-Wechselkurs stark vom echten Kurs ab, deutet dies darauf hin, dass die Währung gegenüber dem US-Dollar entweder unter- oder überbewertet ist.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht dies (Stand Januar 2025): Angenommen, ein Big Mac kostet in Deutschland durchschnittlich 5,67 € und in den USA 5,79 $. Teilt man den Preis in Euro durch den Preis in Dollar (5,67 : 5,79), erhält man einen impliziten Wechselkurs von 0,98. Das bedeutet: Nach Kaufkraftparität müsste ein Dollar eigentlich 0,98 Euro kosten.

Vergleicht man diesen Wert nun mit einem tatsächlichen Marktkurs von beispielsweise 0,95 € pro Dollar (ca. 1,05 $ pro Euro), liegt der implizite Kurs (0,98) über dem echten Kurs (0,95). Das würde bedeuten, dass der Euro kaufkraftbereinigt leicht überbewertet ist, da man für den Burger in Deutschland umgerechnet etwas mehr bezahlen muss als in den USA.

Am extremen Ende der Skala stehen Länder wie die Schweiz, Norwegen und Uruguay, in denen ein Big Mac traditionell deutlich teurer ist als in den USA. Ein aktueller Blick auf die Daten des Jahres 2026 zeigt: In der Schweiz kostet der Burger mittlerweile rund 7,30 Schweizer Franken (ca. 8,20 USD). Vergleicht man dies mit einem durchschnittlichen US-Preis von etwa 5,80 USD, signalisiert der Index eine massive Überbewertung des Franken von über 40 %. Auch in Norwegen müssen Verbraucher mit Preisen um die 89 Kronen tief in die Tasche greifen, was die hohe Kaufkraft, aber auch das hohe Preisniveau in Skandinavien unterstreicht.

Wie entstehen Über- und Unterbewertungen von Währungen?

Warum aber weichen die tatsächlichen Wechselkurse oft so stark von der Kaufkraftparität ab? Ein wesentlicher Faktor ist das unterschiedliche Preisniveau für nicht handelbare Güter und Dienstleistungen (wie Mieten, Energie und Löhne), die in wohlhabenden Ländern höher sind (Balassa-Samuelson-Effekt). Bei einer Aufwertung einer Währung werden die Exporte eines Landes für ausländische Käufer teurer, was die Wettbewerbsfähigkeit belasten kann. Gleichzeitig werden jedoch Importe günstiger, was die Inflation im Inland dämpfen kann.

Im Gegensatz dazu führt eine Unterbewertung (oft in Schwellenländern zu beobachten) dazu, dass heimische Waren auf dem Weltmarkt günstiger angeboten werden können. Dies wirkt wie ein Turbo für die Exportwirtschaft. Im Big-Mac-Index 2026 zeigen Länder wie Taiwan, Indien oder Vietnam Preise von umgerechnet unter 3,50 US-Dollar. Für Investoren und Touristen bedeutet dies: Ihr Geld hat dort eine deutlich höhere Kaufkraft als im Dollar- oder Euro-Raum.

Solche Fehlbewertungen sind häufig kein Zufall, sondern ein gezieltes finanzpolitisches Werkzeug. Ein bekanntes Beispiel sind die „Währungskriege“, bei denen Länder versuchen, ihre Währung künstlich schwach zu halten, um Exportvorteile zu sichern. Auch im Jahr 2026 bleibt dies relevant: China nutzt Währungsanpassungen teils, um die Auswirkungen von Handelszöllen abzufedern. Zudem spielt die Geldpolitik eine entscheidende Rolle: Wenn die US-Notenbank (Fed) und die EZB ihre Leitzinsen unterschiedlich schnell senken oder anheben, verschieben sich die Kapitalströme und damit die fairen Bewertungen der Währungen massiv.

Wichtige Einflussfaktoren auf den Big-Mac-Preis

Neben der reinen Währungsbewertung spielen lokale ökonomische Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle für die Preisgestaltung. Da ein Big Mac ein nicht-handelbares Gut ist (man kann ihn nicht günstig in Indien kaufen und teuer in der Schweiz verkaufen), gleichen sich die Preise nicht durch internationalen Handel an.

Folgende fundamentale Faktoren verursachen die Preisvariabilität:

Nicht-handelbare Kosten (Balassa-Samuelson-Effekt)Der wichtigste Faktor: Ein Großteil des Preises besteht aus lokalen Dienstleistungen (Löhne, Mieten, Energie). In wohlhabenden Ländern sind diese Kosten zwangsläufig höher. Ein Big Mac in der Schweiz muss teurer sein als in Vietnam, unabhängig vom Wechselkurs.
Transport und VerderblichkeitBurger sind verderblich und müssen vor Ort konsumiert werden. Eine Arbitrage (Ausnutzung von Preisunterschieden durch Export) ist unmöglich, was die Märkte voneinander isoliert und Preisunterschiede konserviert.
Steuern und ZölleDie Mehrwertsteuersätze (VAT) differieren weltweit stark. Zudem können Importzölle auf Zutaten (z. B. Fleisch oder Käse) oder Agrarsubventionen die Kostenstruktur massiv verzerren.
Wettbewerb und NachfrageDie Preisgestaltung orientiert sich auch an der lokalen Kaufkraft und der Konkurrenzsituation. In Märkten mit hoher Preissensibilität muss McDonald’s die Margen oft stärker drücken als in kaufkräftigen Regionen.

Kritik am Big-Mac-Index zur Kaufkraftparität

Der Big-Mac-Index wird von Ökonomen zwar als didaktisches Meisterwerk gelobt, für seine ökonomische Einfachheit aber oft kritisiert. Die wichtigsten Kritikpunkte im Detail:

Nicht handelbare Güter: Der Preis eines Burgers besteht nicht nur aus Zutaten (Fleisch, Brot), sondern zu großen Teilen aus lokalen Dienstleistungen wie Miete, Strom und Löhnen. Diese sind in ärmeren Ländern naturgemäß billiger, was den Burger-Preis drückt, ohne dass die Währung zwangsläufig falsch bewertet ist.

Wichtig für die Analyse: Der BIP-korrigierte Index

Weil höhere Preise in reichen Ländern oft eher hohe Löhne als eine falsche Währungsbewertung widerspiegeln, veröffentlicht The Economist seit 2011 zusätzlich einen BIP-korrigierten Index. Dieser berücksichtigt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und liefert oft ein realistischeres Bild: Nach dieser Lesart sind Währungen von Hocheinkommensländern oft fair bewertet, auch wenn der absolute Burger-Preis hoch erscheint.

Steuerliche Verzerrungen: Unterschiedliche Mehrwertsteuersätze (z. B. für Außer-Haus-Verkauf vs. Restaurantverzehr) oder Zölle auf Importfleisch verfälschen den Endpreis massiv.

Kulturelle Unterschiede & Präferenzen: In den USA ist der Big Mac ein günstiges Massenprodukt. In Ländern wie China oder Indien positioniert sich McDonald’s oft eher als Premium-Marke für die Mittelschicht. Zudem wird in Indien aus religiösen Gründen kein Rindfleisch verwendet (stattdessen „Maharaja Mac“ mit Huhn), was die Vergleichbarkeit der Warenkörbe einschränkt.

Transportkosten: Die Theorie der Kaufkraftparität geht von einem reibungslosen Welthandel ohne Transportkosten aus – in der Realität ist ein frischer Burger jedoch nicht global handelbar (Arbitrage ist nicht möglich).

Zusammenfassend ist der Index ein hervorragender langfristiger Trendmesser, taugt aber kaum zur Vorhersage kurzfristiger Wechselkursschwankungen.

Mit dem Big-Mac-Index will „The Economist“ seit 1986 das komplexe Zusammenspiel von Kaufkraftunterschieden und Wechselkursen jedermann einfach und verständlich näherbringen. Die Redaktion räumt jedoch offen ein, dass der Index als „lighthearted guide“ gedacht ist und wichtige ökonomische Realitäten ausblendet. Um dem Rechnung zu tragen, veröffentlicht das Magazin mittlerweile auch einen „Adjusted Index“ (BIP-bereinigter Index). Dieser korrigiert die Rohdaten um das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, da Burger in ärmeren Ländern aufgrund niedrigerer Arbeitskosten theoretisch günstiger sein müssen als in Hochlohnländern wie der Schweiz oder den USA.

Ein zentraler Kritikpunkt bleibt der Fokus auf ein einzelnes Produkt statt eines repräsentativen Warenkorbs, wie er normalerweise zur Inflationsmessung (VPI) genutzt wird. Dies macht das Konzept anfällig für Verzerrungen: Lokale Preisstrategien, aggressive Rabattaktionen von McDonald’s oder temporäre Steuersenkungen können das Ergebnis massiv verfälschen. Im Jahr 2026, in dem viele Länder mit volatilen Lebensmittelpreisen kämpfen, kann eine kurzfristige Preisanpassung im Restaurant fälschlicherweise als fundamentale Währungsunterbewertung interpretiert werden.

Ökonomisch betrachtet hat der Index klare Grenzen: Er ignoriert nicht-handelbare Güter wie Mieten, Strom und Löhne, die einen Großteil des Burger-Preises ausmachen und zwischen Ländern stark variieren (der sogenannte Balassa-Samuelson-Effekt). Zudem wird der Devisenmarkt kurzfristig viel stärker von Kapitalströmen und Zinsdifferenzen getrieben als vom reinen Warenhandel. Ein „teurer“ Big Mac in Zürich bedeutet also nicht zwingend, dass der Schweizer Franken sofort abwerten muss, solange internationale Anleger den Franken als „sicheren Hafen“ suchen.

Kreative Alternativen: Vom Billy-Regal bis zum Latte-Index

Um die Schwächen des Burger-Vergleichs auszugleichen, haben Ökonomen und Analysten diverse Alternativen entwickelt. Besonders populär ist der Billy-Index von Bloomberg, der die Preise des ikonischen IKEA-Regals weltweit vergleicht. Da Möbel handelbare, langlebige Güter sind, eignet sich dieser Index oft besser, um echte Warenpreis-Diskrepanzen zu zeigen. Eine weitere beliebte Variante ist der Latte-Index (oft zitiert vom Wall Street Journal), der Starbucks-Kaffeepreise heranzieht. Dieser spiegelt – anders als das Möbelstück – stärker lokale Faktoren wie Ladenmieten und Servicekosten wider. Für Regionen wie Afrika, in denen McDonald’s weniger präsent ist, wird zudem gelegentlich der KFC-Index als Ersatz genutzt.

Ein besonders anschauliches Beispiel für Preisdifferenzierung bietet der Markt für Round the World Tickets (RTW). Obwohl die Leistung – der Transport rund um den Globus mit vergleichbarem Service und Komfort – identisch ist, variieren die Preise massiv, je nachdem, in welchem Land die Reise beginnt. Ein Ticket der gleichen Airline-Allianz kann bei einem Start in Kairo oder Mumbai im Jahr 2026 tausende Dollar günstiger sein als bei einem Abflug in New York oder Frankfurt. Airlines passen ihre Tarife an die lokale Kaufkraft und die Wettbewerbssituation an – ein klassischer Fall von geographischer Arbitrage, der dieselbe Logik wie der Big-Mac-Index verfolgt.

Fazit: Was Anleger 2026 aus dem Big-Mac-Index lernen

Der Big-Mac-Index ist weit mehr als eine humorvolle Spielerei; er ist ein globaler Fiebermesser für Währungsbewertungen. Indem er den Preis eines standardisierten Produkts weltweit vergleicht, macht er das abstrakte Konzept der Kaufkraftparität (PPP) greifbar. Für Privatanleger liefert er ein schnelles Signal: Kostet der Burger in einem Land umgerechnet deutlich weniger als in den USA, deutet dies darauf hin, dass die lokale Währung im Vergleich zum US-Dollar fundamental unterbewertet sein könnte – oder dass lokale Faktoren wie niedrige Lohnkosten den Preis drücken.

Aktuelle Daten aus dem Jahr 2026 bestätigen ein langfristiges Bild: Der US-Dollar ist gegenüber den meisten Weltwährungen (mit Ausnahme des Schweizer Frankens) tendenziell stark überbewertet. Wer jedoch tiefer blickt und den BIP-bereinigten Index heranzieht, sieht oft ein anderes Bild: Viele Schwellenländer-Währungen wirken dann nicht mehr so extrem billig, sondern sind relativ zu ihrer Wirtschaftskraft fair bewertet. Für Investoren bedeutet das: Ein „billiger“ Big Mac allein ist noch kein Kaufsignal für eine Währung, aber er ist ein exzellenter Startpunkt, um globale Preisniveaus und Wechselkursrisiken besser zu verstehen.