Qualitative Easing und Quantitative Easing: Definition & Auswirkung

Inhaltsverzeichnis

Qualitative Easing im Überblick 

Definition: Durch Qualitative Easing nimmt die EZB Einfluss auf Leitzinsen.

Maßnahmen: Bei gleichbleibender Bilanz strukturiert die Notenbank auf weniger liquide Vermögenswerte um.

Ursache: Krisenintervention in Folge der Finanzmarktkrise 2008

Abgrenzung: Quantitaive Easing (Quantitaive Lockerung)

Problem: Kredit- und Ausfallrisiko bei den Zentralbanken erhöht sich. Kaufkraftverlust droht


Qualitative Easing vs. Quantitative Easing

Im Jahre 2019 sind die Leitzinsen nach wie vor niedrig, es wird auch von der Niedrigzinsphase gesprochen. Aktivmaßnahmen der Notenbanken sorgen dafür, dass dies weiterhin der Fall ist. In diesem Zusammenhang werden die Begriffe Quantitative Easing (Quantitative Lockerung) und Qualitative Easing (Qualitative Lockerung) als Faktoren genannt. Die Fachtermini beschreiben Maßnahmen der Zentralbanken, um die Geldpolitik zu regulieren. Effektiv werden durch Qualitative Easing und Quantitative Easing Einfluss auf das Zinsniveau (Leitzinsen) genommen.

Durch die quantitative Lockerung nimmt die Quantität des Zentralbankgeldes zu. Bei der qualitativen Lockerung hingegen, erfolgt keine Veränderung der Bilanz der Zentralbanken. Es findet stattdessen eine Umschichtung der Vermögenswerte statt.

Qualitative Easing vs. Quantitative Easing

Definition: Qualitative Easing erklärt

Diese Vorgehensweise betrachtet die Qualität bzw. die Zusammensetzung der Vermögenswerte der Zentralbanken auf der Aktivseite. Die Vermögenswerte der Zentralbank verschieben sich in weniger liquide und riskantere Anlagen. Die Bilanzsumme der Bank ändert sich dadurch nicht. Bei diesen Maßnahmen wird beispielsweise in riskante Vermögenswerte wie Staatsanleihen von potenziellen Pleite-Staaten mit Ausfallrisiko umgeschichtet.

Als eine der Folgen der Schuldenkrise aus dem Jahre 2008, findet die Qualitative Lockerung bei der Europäischen Zentralbank im Euroraum Anwendung. Im Zuge dessen kauft die EZB z. B. Schuldtitel (Staatsanleihen) von Ländern mit niedriger Bonität. Griechenland oder Italien können hier als Beispiel genannt werden. Ebenfalls abgesenkt werden die Anforderungen an Beleihungssicherheiten als ein weiteres Resultat.

Ziel dieser Maßnahme besteht darin, das Zinsniveau für betroffene Staaten möglichst niedrig zu halten. Überschuldete Länder können sich dadurch am Kapitalmarkt weiter refinanzieren, die Zinsen werden nicht der Bonität angepasst. Die EZB ist mit dieser Vorgehensweise nicht allein, die US-Notenbank FED (Federal Reserve Bank) griff ebenfalls auf die Maßnahme zurück. US-Staatsanleihen wurden von der FED im großen Stil gekauft, um das Zinsniveau entsprechend zu kontrollieren.

Qualitative Easing: Folgen und Kritik

Die EZB begründet Ihre Maßnahmen damit, dass starken Spannungen in einigen Märkten entgegengewirkt werden müsse. Doch diese Maßnahmen sind strittig: Mit der qualitativen Lockerung muss das Kredit- bzw. Ausfallrisiko der Institutionen wie der EZB neu bewertet werden. Es drohen im schlimmsten Fall, z. B. bei einer Staatspleite, hohe Abschreibungen. Eine Folge bestünde im Aufzehren der Eigenkapitalreserven der Zentralbanken. Die geldpolitische Unabhängigkeit könnte im Zuge dessen verloren gehen.

Quantitative Easing: Quantitative Lockerung erklärt

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht bereits seit einiger Zeit vor einem Problem: Auf der einen Seite ist die Reduzierung des Leitzinses das bevorzugte Werkzeug, um die Wirtschaft anzukurbeln. Auf der anderen Seite jedoch nähert sich dieser schon seit Jahren immer mehr der Null an. Daher braucht die EZB andere Möglichkeiten, der Wirtschaft das Leihen von neuem Kapital schmackhaft zu machen. Als „Dicke Bertha” der Optionen (so EZB-Chef Mario Draghi) kommt in diesem Zusammenhang das sogenannte Quantitative Easing ins Spiel. Dieses ist ein in der Finanzwelt sehr bekanntes (aber auch umstrittenes) Instrument, um die Wirtschaft, quasi mit dem Holzhammer, wieder in Schwung zu bringen.

Wie funktioniert Quantitative Easing?

Die Funktionsweise hinter Quantitative Easing (QE) ist relativ simpel erklärt. Anstatt dass der Leitzins reduziert wird, wird schlicht die Geldbasis ausgeweitet. Das bedeutet, bei QE steigt die Bilanzsumme der Zentralbank. Die

monetären Verbindlichkeiten werden erhöht, während die Struktur der Vermögenswerte (einschließlich ihrer Risiken) konstant bleibt. Umgangssprachlich kann gesagt werden, dass mehr Geld in Umlauf kommt. Dies wird erreicht, indem die Zentralbank im großen Stil Staatsanleihen aufkauft.

Als Folge werden den Verkäufern Risiken abgenommen, damit diese Kredite und Investitionen zu attraktiven Konditionen offener gegenüberstehen. Dies wird in der Finanzkette heruntergereicht und beeinflusst selbst einzelne Privatleute. Diese können nun Produkte, Immobilien, etc. sich besser leisten oder einfacher Kredite aufnehmen. Davon können natürlich alle profitieren. Das Endergebnis: Die Wirtschaft erholt sich.

Quantitative Easing Funktion

Der Begriff „Geldschwemme” – Mythos aufgeklärt

Kritisierend wird in den Medien im Zusammenhang mit QE oft von einer „Geldschwemme” gesprochen, die direkt inflationär wirke. Dies ist falsch. Es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen dem Geld, welches von den Zentralbanken ausgegeben wird (Zentralbankgeld) und dem Geld, das in der Realwirtschaft in Umlauf ist (Giralgeld).

Beide Geldarten sind weder identisch, noch beeinflussen sie sich gegenseitig. Privatpersonen beziehungsweise andere Institutionen als Banken erhalten generell keinen Zugriff auf Zentralbankgeld. Eine Ausweitung des Zentralbankgeldes wirkt daher auch nicht inflationär auf das Giralgeld, mit dem Privatpersonen arbeiten. Das Zentralbankgeld ist also primär dafür da, damit sich u. a. Banken Geld einfacher gegenseitig leihen können. Die Finanzierungskosten der Banken sinken bei dieser Geldpolitik also.

Erfolg und Gefahren von Quantitative Easing?

Die Auswirkungen von Quantitative Easing sind nur schwer absehbar und der Erfolg ist unter Experten heftig umstritten. Letztlich dient Quantitative Easing in erster Linie dazu, Investoren zufriedenzustellen und gleichzeitig einer Deflation entgegenzuwirken. Holger Schmieding von der Berenberg Bank sagte im Zuge des umfangreichen Aufkaufs von Staatsanleihen der EZB 2015: „Ich bin überzeugt, dass das Programm auf lange Sicht dazu beiträgt, die Stimmung aufzuhellen und Deflationsängste zu vertreiben”. Im besten Fall handelt es sich also um eine Win-Win-Situation.

Tatsächlich ist es jedoch sehr schwierig, den wiederkehrenden Erfolg der Wirtschaft eindeutig auf das Quantitative Easing zurückzuführen. Unterschiedliche Experten zweifeln an der Rückverfolgbarkeit von bisher erkennbaren positiven Auswirkungen auf die quantitative Lockerung. Gleichzeitig befürchten sie, dass auf lange Sicht negative Folgen überwiegen werden.

Als große Gefahr gilt, dass schlimmstenfalls das Gegenteil dessen eintritt, was die Maßnahmen bewirken sollen: Die Zinsen sinken weiter und damit die Fähigkeit, weitere Kredite in Aussicht stellen zu können. Die Folge wäre eine Deflationsspirale.

Gleichzeitig nimmt die quantitative Lockerung den Druck von wirtschaftsschwächeren Ländern (insbesondere im Staatenbund der EU), Reformen und Sparmaßnahmen zu beschließen und durchzusetzen.

Die EZB ist nicht die einzige Zentralbank, die sich dazu entschlossen hat, Quantitative Easing einzusetzen. Auch die zentrale Notenbank in den USA (FED) und die Bank of Japan haben in der Vergangenheit Quantitative Easing angewandt, um Geld in das System zu pumpen. Auch Länder wie die Schweiz und Großbritannien haben bereits Erfahrungen mit der Methode machen können.

Quantitative Easing Kosten Nutzen

Quantitative Easing Beispiele aus der Weltwirtschaft

Beispiel Japan: Ein Pionier im Quantitative Easing

Schon 2001 setzte Japan die quantitative Lockerung ein und gilt damit als Pionier des Finanzmarkt-beeinflussenden Instruments. Das Land gilt generell als eine Art Experimentallabor für Wirtschaftsinstrumente. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die japanischen Anleger nur schwer aus der Ruhe zu bringen sind. Auf einen wirklichen Erfolg durch Quantitative Easing warten die Japaner allerdings bis heute vergeblich. Besonders die Kreditvergabe wurde durch die Maßnahmen nicht signifikant positiv beeinflusst. Gleichzeitig hat sich QE in Japan zu einem Selbstläufer entwickelt – bis auf den heutigen Tag wurden stetig neue QE-Projekte eingeführt, die weiteres Geld in den Markt spülen. 2017 hielt das Land insgesamt 40% aller Staatsanleihen, das entspricht einem Wert von über 350 Billionen Yen, umgerechnet 2,98 Billionen Euro.

Beispiel USA: Ein Erfolgsmodell

In den USA wurde Quantitative Easing seit der großen Wirtschaftskrise 2008 angewandt. In drei großen QE-Phasen wurden je mehrere Hundert Milliarden US-Dollar für Anleihen ausgegeben. Die dritte Phase endete im Oktober 2014, nachdem die monatlichen Anleihenkäufe nach und nach reduziert worden waren. Für die USA hat dieser Rückkauf insgesamt relativ gute Auswirkungen gezeigt, auch wenn sich dieser positive Effekt erst nach der ersten QE-Phase einstellte. Quantitative Easing konnte die Wirtschaft hier wieder auf ihre eigenen Beine stellen.

Beispiel EU: Hoffnung für den Staatenbund

Auch die Europäische Union beschloss schließlich 2015 den Anleihen-Kauf umzusetzen. Zwischen 2015 und Ende 2018 wurde das Projekt stets verlängert und umfasste eine Gesamtsumme von über 3,5 Billionen Euro. Gerade angesichts des Staatenbundes wurde diese quantitative Lockerung sehr unterschiedlich gut aufgenommen und war daher starker Kritik aus verschiedenen Richtungen ausgesetzt.

Gegen Mitte des Jahres 2017 kündigte das Bundesverfassungsgericht an, die QE-Käufe durch den Europäischen Gerichtshof prüfen zu lassen. Grund dafür waren mehrere Verfassungsbeschwerden, unter anderem durch Bernd Lucke, maßgeblicher Mitbegründer der Partei Alternative für Deutschland. Es sollte untersucht werden, ob das Programm im Sinne einer Mandatsüberschreitung gegen das Verbot von Staatsfinanzierung verstieße. Ende 2018 urteilte der Europäische Gerichtshof, dass ein derartiger Verstoß nicht vorliege.

Geldentwertung für Verbraucher und Anleger?

Der Ankauf von Anleihen bankrottgefährdeter Staaten wird nicht durch eine entsprechende Ausfallprämie entlohnt. Mögliche Ausfälle führen zu Abschreibungen und entsprechender Verminderung der Gewinne. Im schlimmsten Fall müssten die Euro-Staaten den Ausfall entsprechend ihrer Kapitalanteile tragen. Quantitative und Qualitative Easing birgt also Gefahren. Zahlreiche Experten warnen vor diesen Folgen. Durch Fortsetzung der gewollten Politik des billigen Geldes, könnte eine Entwertung des Papiergeldes entstehen.

Die hängt damit zusammen, dass die Geldmengenausweitung, die vor allem mit der quantitativen Lockerung einhergeht, die eigene Währung schwächt. Die Folgen sind aktuell zum Beispiel am schwachen Euro in 2019 zu beobachten. Die Kaufkraft des Papiergeldes sinkt, was die Verbraucher trifft. Auch Anleger und Sparer sind direkt betroffen, da kaum mehr Zinsen auf ihre Festgeld- und Spareinlagen gezahlt werden. Insbesondere in Deutschland führte dies in den Jahren 2018 und 2019 zu vielen Diskussionen. Manche Banken haben sogar Negativzinsen in 2018 eingeführt.

Anleger können sich wehren, indem sie in Sachwerte wie zum Beispiel in Aktien oder Immobilien investieren. Diese Anlageformen scheinen aufgrund der weiter anhaltenden Niedrigzinspolitik der EZB die einzige Lösung zu sein. Auf diesem Weg kann der Inflation und dem Kaufkraftverlust entgegengewirkt werden.