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Was bedeutet eine Leitzinserhöhung? Auswirkungen

Was bedeutet eine Leitzinserhöhung? Auswirkungen
Paul Brady Photography / shutterstock.com
Inhaltsverzeichnis

Leitzinsen sind das Instrument von Zentralbanken, um den Geld- und Kapitalmarkt zu steuern. Mit dem Leitzins legt die Zentralbank fest, zu welchen Zinsen sich Kreditinstitute Geld leihen können. Die Privatbanken geben den höheren Zins dann in der Regel an ihre Kunden weiter. Der Leitzins ist damit die Orientierungsgröße für die Entwicklung der Kreditbedingungen.

Warum erhöhen Zentralbanken die Leitzinsen?

Zentralbanken benutzen Erhöhungen des Leitzinses, um stabileres Geld zu gewährleisten. Wenn eine Zentralbank den Leitzins erhöht, so bedeutet das, dass es teurer wird sich Geld zu leihen. Dadurch werden sich weniger Privatbanken Geld leihen und das Geld wird knapper. Kurz gesagt, die Währung stabilisiert sich. Wenn also eine geringe Inflation gewünscht ist, dann erhöhen Banken den Leitzins um zu verhindern, dass die Währung abgewertet wird.

Die Inflationsrate mit einem Ziel von zwei Prozent wird deshalb von der EZB gewünscht, weil es bei einer länger anhaltenden und höheren Inflation unter anderem zu einer sogenannten Lohn-Preis-Spirale kommen kann. Dieser Begriff ist auch in den letzten Wochen in den Medien häufiger gefallen. Die Lohn-Preis-Spirale wird dadurch verursacht, dass durch die Inflation die Lebenshaltungskosten steigen, sodass der Lohn der Arbeitnehmer durch den Kaufkraftverlust eventuell nicht mehr ausreicht.

Daher fordern Tarifparteien und Arbeitnehmer höhere Löhne, was sich natürlich negativ auf die Kosten der Unternehmen auswirkt. Um den höheren Lohn zu finanzieren, heben die Unternehmen ihre Preise weiter an, sodass ich auf dieser Grundlage die gefürchtete Lohn-Preis-Spirale bildet.

Wie wirkt sich die Leitzinserhöhung auf die Wirtschaft aus?

Die Auswirkung einer Leitzinserhöhung beginnt bei den Kreditinstituten. Wenn die Banken neues Geld bei der Zentralbank abrufen möchten, ist dies teurer als vorher, sodass die Banken weniger Kapital von den Zentralbanken anfordern werden. Das wiederum führt dazu, das Geld knapper wird und dementsprechend an Wert gewinnt. Die Auswirkung dessen ist, dass Produkte günstiger werden, weil man innerhalb der Wirtschaft für einen Euro mehr Dienstleistungen oder Waren erhält.

Eine weitere Auswirkung einer Leitzinserhöhung kommt von den Verbrauchern und Unternehmen. Firmen werden weniger investieren, weil Kredite teurer geworden sind. Verbraucher werden auf der anderen Seite weniger konsumieren und lieber etwas mehr Geld sparen, weil auch die Anlagezinsen auf Grundlage der Leitzinserhöhung angestiegen sind.

Eine weitere Auswirkung einer Leitzinserhöhung auf die Wirtschaft ist, dass Importe günstiger werden, ebenfalls zum Beispiel Urlaube im Ausland. Das gilt zumindest dort, wo eine andere Währung als der Euro gilt. Auf die heimische Währung wirkt die Leitzinserhöhung dementsprechend stabilisierend. Während Verbraucher also zum Beispiel beim Kauf von Gütern aus dem nicht-deutschen Raum profitieren, hält sich der Effekt bei Unternehmen eher die Waage. Während nämlich Importe preiswerter werden, steigen auf der anderen Seite die Kosten für Exporte ins Euro-Ausland.

In einem negativen und gar nicht unwahrscheinlichen Szenario bedeutet die Leitzinserhöhung für die Wirtschaft, dass es eine Rezession geben kann. Gründe wären ein deutliches Nachlassen des Konsums und manchmal sogar Produktionsausfälle. Das wiederum hätte zur Folge, dass Arbeitsplätze reduziert werden und seitens des Staates die Steuereinnahmen deutlich sinken.

Welche Auswirkungen hat die Leitzinserhöhung auf die Finanzmärkte?

Natürlich wirkt sich eine Leitzinserhöhung relativ direkt auch auf die Finanzmärkte aus. Da die Banken ihre eigenen Zinsen sowohl im Kredit- als auch im Einlagengeschäft am EZB Leitzins orientieren, werden Sie die entsprechenden Schritte – wenn auch nicht 1:1 – nachvollziehen. Für den Finanzierungsbereich bedeutet das, dass auch die Kreditzinsen angehoben werden. Das merken Verbraucher und Unternehmen im Jahre 2022 an den deutlich teuren Bauzinsen, die sich seit Jahresbeginn verdreifacht haben. Aber auch andere Kredite werden teurer, sodass sich letztendlich weniger Bankkunden ein Darlehen leisten können.

Für Anleger sieht die Situation hingegen erfreulich aus, denn sie erhalten für Guthaben auf Spar-, Tages- und Festgeldkonten wieder höhere Zinsen. Das wiederum führt erfahrungsgemäß dazu, dass Anleger Geld von den Aktienmärkten abziehen. Daher wirkt sich die Leitzinserhöhung auf die Börsen tendenziell eher negativ aus, sodass durchaus mit rückläufigen Aktienkursen zu rechnen ist.

Was bedeutet eine Leitzinserhöhung für Verbraucher?

Da durch die Leitzinserhöhung Geld wertvoller wird, steigen die Zinsen von Anlegern. Wenn Sie Geld auf der Bank haben, werden Sie höhere Zinsen erhalten. Schuldner müssen nach einer Leitzinserhöhung höhere Kreditraten zahlen, allerdings nur bei der Neuaufnahme eines Kredites. Für die Banken ist es teurer, sich Geld von der Zentralbank zu leihen, also geben sie diese Kosten weiter, wenn sie Geld verleihen. Bei bereits laufenden Krediten hingegen zahlen die Kreditnehmer von der Kaufkraft her weniger Geld zurück. Daher sind Leitzinserhöhungen für Schuldner eher positiv, wenn der vereinbarte Kreditzins sich nicht ändert.

Leitzinserhöhung in Europa – das Beispiel der EZB

Zu Zeiten der D-Mark wurde der Leitzins noch von der Deutschen Bundesbank festgelegt und hieß Diskontsatz. Seit 1999 liegt die Kompetenz für Zinserhöhungen im Euroraum einzig bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Ihr Ziel ist es, die Inflation gering zu halten, aber auch wirtschaftspolitische Maßnahmen zu unterstützen und damit zu Beschäftigung in der Eurozone beizutragen.

Ist das Geld billiger, können kurzfristig mehr Investitionen getätigt werden. Aus diesem Grund senkt auch die EZB die Leitzinsen in Zeiten von Rezessionen und erhöht den Leitzins, wenn es wieder besser läuft. Die Zinspolitik der EZB orientiert sich an der Kennzahl, die Inflation unter zwei Prozent zu halten. Aus diesem Grund fallen die Maßnahmen der EZB auch in Krisenzeiten zurückhaltend aus.

Im europäischen Währungsraum ist eine unabhängige gemeinsame Zentralbank notwendig. So gerät kein Staat in die Versuchung, durch niedrige Leitzinsen die gemeinsame Währung zu belasten, um Vorteile für die nationale Wirtschaft zu erzielen.

Wie ist die aktuelle Situation bei den Leitzinsen?

Innerhalb der Eurozone lagen die Leitzinsen bis Mitte des Jahres mehrere Jahre bei null Prozent. Mitte Juni 2022 hob die Europäische Zentralbank die Leitzinsen dann erstmals nach vielen Jahren wieder an, und zwar auf 0,5 Prozent. Weniger als zwei Monate später, nämlich zum 14. September 2022, unternahm die EZB einen weiteren Zinsschritt und erhöhte die Leitzinsen um weitere 0,75 Prozentpunkte. Dementsprechend liegt der aktuelle Leitzinssatz innerhalb der Eurozone bei 1,25 Prozent.

In den Vereinigten Staaten sind die Leitzinsen bereits länger auf dem Vormarsch und auf einem noch etwas höheren Niveau angekommen. Lag der Korridor zum 15. Juni 2022 noch zwischen 1,5 und 1,75 Prozent, so erhöhte die Fed (amerikanische Zentralbank) die Leitzinsen gegen Ende Juli erneut. Der aktuelle Korridor beläuft sich somit in den USA auf 2,25 bis 2,5 Prozent.

Wie hoch war der jüngste Zinsschritt der FED?

Da die Inflationsrate in den USA momentan bei mehr als acht Prozent liegt, haben die Notenbanker in der Sitzung am 21. September 2022 eine weitere Leitzinserhöhung beschlossen – um 0,75 Prozentpunkte auf eine Spanne von nun 3,0 bis 3,25 Prozent. Manche Analysten rechnen damit, dass der Leitzins in den Vereinigten Staaten bis Anfang 2023 auf eine Spanne zwischen 4,5 und 4,75 Prozent ansteigen könnte.