Zinsstrukturkurve + ihre Bedeutung für Anleger – einfach erklärt

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Inhaltsverzeichnis

Für Anleger ist es äußerst interessant, wie sich die Zinssätze und die Kapitalmärkte in der Zukunft entwickeln werden. Daraus werden eigene Handlungen abgeleitet, zum Beispiel, in welche Anleihen, Aktien oder sonstigen Anlageprodukt zu welchem Zeitpunkt investiert wird. Ein Instrument, um Prognosen für die zukünftige Entwicklung zu machen, ist die sogenannte Zinsstrukturkurve.

Sie erfahren im Beitrag, was man unter der Zinsstrukturkurve versteht und was die Kurve der Zinsen aussagt. Wir gehen ferner auf die verschiedenen Arten der Zinsstrukturkurve ein, durch welche Faktoren sie beeinflusst wird und welche Bedeutung sie für Anleger hat.

Das Wichtigste zur Zinsstrukturkurve im Überblick

  • Die Zinsstrukturkurve stellt dar, in welcher Abhängigkeit die Rendite eines Investments zur Laufzeit steht.
  • Es existieren drei Varianten: die normale, die inverse und flache Zinsstrukturkurve.
  • Typisch für eine normale Zinsstrukturkurve ist, dass die Rendite mit steigender Laufzeit höher ausfällt.
  • Unter anderem ist die Zinsstrukturkurve ein wichtiges Konjunkturbarometer für Banken, Anleger und Unternehmen.
  • Die Zinsstrukturkurve wird von mehreren Faktoren beeinflusst, insbesondere der Inflationsrate, der Geldpolitik sowie der Erwartungen der Marktteilnehmer.

Was versteht man unter einer Zinsstrukturkurve?

Einfach erklärt handelt es sich bei einer Zinsstrukturkurve um eine Darstellung grafischer Art, mittels derer das Verhältnis zwischen Zinssätzen und Laufzeiten eines Anlageproduktes oder eines Kredites verdeutlicht wird.

Auf dieser Grundlage bietet die Zinsstrukturkurve zum Beispiel einem Anleger wichtige Hinweise, wie sich Laufzeit und Rendite eines Investments zueinander verhält. Dargestellt werden können sowohl die Zinssätze kurz-, ,mittel- als auch langfristiger Anleihen.

An der Zinsstrukturkurve können Anleger schnell erkennen, ob die Rendite einer Anleihe mit kurzer Laufzeit höher als von Anleihen mit längeren Laufzeiten ausfällt.

Alternativ wird die Zinsstrukturkurve kurz als Zinskurve oder im Englischen als „yield curve“ bezeichnet. Die Zinsstrukturkurve stellt in der Regel unterschiedliche Zinssätze grafisch im Verhältnis zueinander dar, meistens der Anleihen. Die zwei Achsen der Darstellung geben folgende Daten wieder:

  • X-Achse: Laufzeit der Anlage
  • Y-Achse: Jährliche Zinssätze

Gesteuert wird der Verlauf der Zinsstrukturkurve unter anderem von der Zentralbank. Wird zum Beispiel der Leitzins seitens der Zentralbank angehoben, bedeutet das höhere Renditen im kurzfristigen Bereich. Das schlägt sich auch auf die Zinsstrukturkurve nieder.

Was sagt die Zinsstrukturkurve aus?

Grundsätzlich handelt es sich bei der Zinsstrukturkurve um einen sehr guten Indikator, ob es zukünftig eventuell eine Rezession oder auch einen Crash an der Börse geben könnte. Darüber hinaus stellt die Zinsstrukturkurve die zukünftige Zinsentwicklung dar, insbesondere, ob kurze Laufzeiten für Anleger attraktiver als zum Beispiel Anleihen mit einer längeren Laufzeit im Hinblick auf die erzielbare Rendite sind.

Aussagen über eventuelle Kurseinbrüche am Aktienmarkt oder zumindest Unruhen kann die Zinsstrukturkurve deshalb treffen, weil sie die Verfügbarkeit des Kapitals darstellt. Das wiederum ist eine Grundsäule für die Kapitalmärkte und die Wirtschaft, denn ohne ausreichende Liquidität gäbe es Probleme. Zeigt die Zinsstrukturkurve zum Beispiel eine relativ große Differenz zwischen den Zinsen der kurz- und langfristigen Anleihen oder sonstige Anlagen mit Zinsen, sind Banken eher dazu bereit, Kredite zu vergeben.

Zinsstrukturkurve als Börsenbarometer und Hinweis auf Konjunktur

Unter anderem handelt es sich bei der Zinsstrukturkurve um ein sogenanntes Börsenbarometer. Gleichzeitig gibt die Kurve Hinweise auf die voraussichtliche, konjunkturelle Entwicklung. Aus dem Grund ist die Yield Curve insbesondere für Anleger ein interessantes Hilfsmittel, die in der Zukunft eventuell am Aktienmarkt investieren möchten.

Arten von Zinsstrukturkurven erklärt

Es gibt insgesamt drei Arten der Zinsstrukturkurven, die wir im Folgenden gerne kurz erläutern möchten. Dabei handelt es sich um:

  1. Normale Zinsstrukturkurve
  2. Inverse Zinsstrukturkurve
  3. Flache Zinsstrukturkurve

Normale Zinskurve

Kennzeichnend für eine normale Zinsstrukturkurve ist, dass die Zinsen bei Anleihen mit längeren Laufzeiten höher als die für verzinsliche Wertpapiere sind, die eine kürzere Laufzeit haben. Grund ist, dass Anleger bei Anleihen mit längeren Laufzeiten ein höheres Risiko eingehen und deshalb eine ebenfalls höhere Rendite erzielen möchten. Damit drücken die Käufer der Anleihen aus, dass sie von einer positiven Entwicklung der Wirtschaft ausgehen, sodass sie sich leichter auf ein langfristiges Investment einlassen.

Inverse Zinskurve

Nur bei der inversen Zinsstrukturkurve verhält es sich exakt umgekehrt. Das bedeutet, dass die Rendite für Anleihen mit einer kurzen Laufzeit höher als die für eine Anlage mit einer längeren Laufzeit ausfällt. Begründet wird dies damit, dass Anleger eher pessimistisch in die Zukunft blicken. Zumindest dann, wenn es sich um die nächsten Monate und vielleicht ein bis zwei Jahre handelt. Deshalb möchten sie für eine kurze Laufzeit einen höheren Ertrag erzielen. Exakt aus dem Grund kann eine inverse Zinsstrukturkurve gleichsam ein Hinweis auf eine bevorstehende Rezession oder zumindest auf einen Rückgang der Konjunktur sein.

Flache Zinskurve

Die dritte Variante ist die flache Yield Curve. Diese sagt aus, dass die Rendite unabhängig von der Laufzeit der Anleihen relativ ähnlich ausfällt. Eine flache Zinsstrukturkurve ist demzufolge ein Hinweis darauf, dass sich die Konjunktur in einer Übergangsphase befindet, zum Beispiel von einer Rezession hin zu einem zukünftigen Wachstum. In diesem Fall würden die kurzfristigen Renditen eher fallen, während die langfristige Rendite steigt.

Was beeinflusst die Zinsstrukturkurve?

Die Zinsstrukturkurve wird durch mehrere Faktoren beeinflusst, die in Kombination dazu führen, wie sich die Zinsstrukturkurve darstellt. Die wichtigsten Einflussfaktoren sind:

  • Höhe des Kreditrisikos
  • Inflationsrate
  • Geldpolitik der Zentralbank
  • Erwartungen der Marktteilnehmer im Hinblick auf zukünftige Zinssätze

Wichtig: Ein bedeutender Einflussfaktor ist das Kreditrisiko, also das Risiko von Zahlungsausfällen für Kreditgeber. Je größer dieses ist, desto höhere Zinsen möchten zum Beispiel Inhaber einer Anleihe als Kreditgeber für ein längerfristiges Investment haben. Aus dem Grund führt ein erhöhtes Kreditrisiko meistens zu einer steigenden Zinsstrukturkurve.

Einfluss von Erwartungen der Marktteilnehmer auf Zinsstrukturkurve

Ebenfalls größeren Einfluss haben die Erwartungen der Marktteilnehmer an die zukünftigen Zinsen.

Gehen Anleger von steigenden Zinsen in der Zukunft aus, führt das in der Regel zu einem Anstieg der Zinsstrukturkurve. Nehmen Sie zum Beispiel an, dass die Zinssätze am Markt bald deutlich anziehen werden und möchten Sie Ihr Geld gerne für einen Zeitraum von acht Jahren anlegen? Aufgrund der positiven Zinserwartungen ist es dann sinnvoll, das Geld zunächst für einen kurzen Zeitraum zu parken, um sich nicht lange an die aktuellen Zinssätze zu binden.

Sollte die Entwicklung eintreten und Zinsen steigen, könnten Sie Ihr Geld zum Beispiel in einem Jahr zu einem höheren Zins investieren. Wenn dieses Verhalten ebenso von anderen Anlegern praktiziert wird, steigen die Zinssätze im kurzfristigen Bereich normalerweise deutlich an, weil das Angebot an kurzfristigen Anleihen geringer als die Nachfrage ist. Um dieses Ungleichgewicht wieder auszugleichen, müssten die Renditen für langfristige Anleihen ansteigen.

Gehen Anleger jedoch eher von fallenden Zinsen aus, reagiert die Zinsstrukturkurve im Normalfall exakt gegenteilig. Das bedeutet, dass sie fällt und die kurzfristigen Renditen eher steigen, weil es einen Ausgleich zu einer erhöhten Nachfrage der Anleger nach Anleihen mit einer längeren Laufzeit gibt.

Welche Bedeutung hat die Zinsstrukturkurve für Anleger?

Die Zinsstrukturkurve hat eine größere Bedeutung für Anleger, da sie in erster Linie deren Erwartungen darstellt, wie sich die Zinsen am Markt zukünftig entwickeln könnten. Dabei lässt sich an den Erwartungen die eventuelle konjunkturelle Entwicklung ableiten, was ebenfalls eine wichtige Säule für Entscheidungen im Anlagebereich darstellt. Es ist statistisch erwiesen, dass Anleger in der Vergangenheit mit ihren Erwartungen an Zinsen und Konjunktur oftmals richtig lagen.

Auf diese Weise treffen Anleger ihre Entscheidungen nicht selten danach, wie sich die Zinsstrukturkurve verhält. Das betrifft insbesondere die Wahl der Laufzeiten, ob Sie sich also zum Beispiel bei Anleihen oder anderen Geldanlagen tendenziell für eine kurzfristige oder längerfristige Bindung des Kapitals entscheiden. Bei einer inversen Zinsstrukturkurve, also bei der Annahme sinkender Zinsen, ist demzufolge ein Investment im langfristigen Bereich sinnvoll, um sich die aktuell guten Zinsen für einen möglichst langen Zeitraum zu sichern.

Interessant ist die Zinsstrukturkurve nicht nur für Anleger, die in verzinsliche Geldanlagen investieren, wie zum Beispiel:

  • Anleihen
  • Tages- und Festgeld
  • Spareinlagen

Darüber hinaus sind die Aussagen der Zinsstrukturkurve ebenfalls für Investoren an den Aktienmärkten interessant. Diese verhalten sich häufig zumindest in Teilen abhängig davon, wie die konjunkturelle Entwicklung sich darstellt.

Welche Zinsstruktur haben wir aktuell?

Deutschland befindet sich momentan zwar nicht in einer Rezession, aber es gibt auch kein nennenswertes Wirtschaftswachstum. Diese Situation spiegelt sich in der Zinsstrukturkurve wider, denn derzeit haben wir eine inverse Zinskurve. Das zeigt sich zum Beispiel an den US-Staatsanleihen, bei denen die sogenannten Treasuries (sehr kurze Restlaufzeit) eine höhere Rendite als die Anleihen mit einer langen Laufzeit bieten.

Welche Chancen bietet die Zinsstrukturkurve?

Die Vorteile und Chancen der Yield Curve für Anleger haben wir im im Beitrag bereits beschrieben. So lassen sich anhand der Zinsstrukturkurve folgende Einschätzungen treffen:

  • Entwicklung der Zinsen im kurz- und langfristigen Bereich
  • Wirtschaftsentwicklung
  • Entwicklung an den Börsen

Zusammengefasst bietet die Zinsstrukturkurve Anlegern den Vorteil, die Märkte im Hinblick auf die Entwicklung der Rendite abhängig von der Laufzeit einzuschätzen und so möglichst gute Anlageentscheidungen zu treffen.

Was sind die Nachteile und Grenzen der Zinsstrukturkurve?

Ein Nachteil der Zinskurve besteht darin, dass sie sehr stark auf die Vereinigten Staaten und deren Staatsanleihen fokussiert ist. Aus dem Grund gibt es bei anderen Anleihemärkten deutlich weniger Daten und es liegen entsprechend weniger Analysen vor. Da es jedoch nicht stets einen Zusammenhang zwischen den USA und zum Beispiel Europa und Deutschland gibt, ist die Aussagekraft der Zinsstrukturkurve teilweise gedämpft.

Ebenfalls an ihre Grenzen kommt die Zinsstrukturkurve deshalb, weil sie lediglich die Erwartungen der Marktteilnehmer an die zukünftige Entwicklung der Zinsen darstellt. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass sich diese erfüllen werden. Existiert zum Beispiel – wie es aktuell der Fall ist – eine inverse Zinsstrukturkurve, heißt das nicht automatisch, dass es nicht trotzdem zu Zinserhöhungen kommen kann.

Darüber hinaus stellt die Zinsstrukturkurve nicht genau dar, wann die erwartete Entwicklung eintritt. Wird zum Beispiel durch die Kurve eine bevorstehende Rezession prognostiziert, wissen Anleger deshalb nicht automatisch, zu welchem Zeitpunkt diese eintreten wird.