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Behaviorismus: Lerntheorien & Kritik im Überblick

Beitragsbild zum Artikel "Behaviorismus: Lerntheorie" in der Kategorie "Wirtschaftstheorien". Links ist zusätzlich der Schriftzug "Definition nach Skinner, Menschenbild & Kritik daran, klassische Konditionierung, operante Konditionierung, Reiz & Reaktion" zu sehen. Rechts befindet sich ein Piktogramm, dass die Form eines Menschenkopfs samt Gehirn darstellt. Die linke Hirnhälfte wird dabei als ein halbes Maschinenrad dargestellt.
Inhaltsverzeichnis

Definition: Behaviorismus

  • Ursprung: Psychologie (Teilgebiet der Verhaltenspsychologie)
  • Begründer: John Watson, Burrhus Frederic Skinner
  • Vertreter: Iwan Petrowitsch Pawlow
  • Theorie: Lerntheorien
  • Untersuchungsgegenstand: Reiz-Reaktions-Modelle
  • Methoden: klassische und operante Konditionierung
  • Charakteristika: Menschenbild (Mensch als “Blackbox”)
  • Kritik: freier Wille als Illusion, Mensch als Maschine, vermeintlich gegen die Menschenwürde

Der Behaviorismus ist ein wissenschaftstheoretisches Konzept aus dem Bereich der Psychologie, das das Verhalten (engl: behavior, amerikanische Schreibweise) des Individuums untersucht. Untersuchungsgegenstand der Behavioristen sind dabei die sog. Reiz-Reaktions-Modelle.

Das Menschenbild des Behaviorismus charakterisiert sich durch den Menschen als Maschine ohne freien Willen. Nicht zuletzt auf Grund dieses deterministischen Ansatzes, den Menschen als “Blackbox” zu verstehen, steht der Behaviorismus öfter in der Kritik.

Begründer des Behaviorismus

Als Begründer des Behaviorismus gilt der US-amerikanische Psychologe John Watson (1878-1958).

In seinem Artikel „Psychology as the Behaviorist views it” von 1913 setzt sich Watson von der, zu dieser Zeit in der Psychologie gängigen, Methode der Introspektion ab. Psychologie soll objektiv und nicht subjektiv sein. Dies verdeutlicht auch die Grundgedanken des Behaviorismus.

Watson war zwar der Wegbereiter für den Behaviorismus, geprägt hat ihn aber schließlich Burrhus Frederic Skinner (1904-1990) in den 1950er Jahren.

Lerntheorie des Behaviorismus nach Skinner

Um feststellen zu können, wie Lernprozesse aus behavioristischer Sicht ablaufen, ist in einem ersten Schritt wichtig zu wissen, was die theoretischen Grundlagen des Behaviorismus sind.

Kernaspekt des Behaviorismus ist dabei der Mensch als Produkt seiner Umwelt. Die Vertreter der behavioristischen Lerntheorie gehen davon aus, dass geistige Prozesse nicht relevant sind, um das beobachtbare Verhalten der Menschen zu ergründen.

Demnach vertritt diese psychoanalytische Richtung einen empirischen Ansatz und klammert innerpsychische Vorgänge als nicht-beobachtbare Phänomene aus. Dabei wird der Lernende selbst zu einer „Blackbox“ bzw. zu einem von äußeren Umständen gesteuerten Wesen.

Reiz-Reaktions-Ketten als Grundlage des Behaviorismus

Untersuchungsgegenstand der behavioristischen Forschung ist der Zusammenhang zwischen Reiz und Reaktion. Dieser Ansatz beruht auf der Grundannahme Skinners, dass auf jeden Reiz zwingend eine Reaktion folgt.

Das Reiz-Reaktions-Schema

Grundsätzlich funktionieren die behavioristischen Theorien nach dem Reiz-Reaktions-Schema: Auf bestimmte Reize (Stimuli) folgen bestimmte Reaktionen (Responses).

Aus behavioristischer Sichtweise ist die Steuerung des Lernprozesses daher in erster Linie durch Hinweisreize und die Verstärkung erwünschten Verhaltens zu ermöglichen.

Reiz-Reaktions-Ketten bilden somit die Basis des Lernens nach behavioristischen Grundsätzen. Sobald sich eine Reiz-Reaktions-Kette aufgebaut hat, ist ein Lernprozess zu Ende und der Lernende hat etwas Neues gelernt.

Hierzu entwickelten Vertreter des Behaviorismus zwei Lerntheorien:

  • die klassische Konditionierung
  • die operante Konditionierung

Das Gehirn, respektive die Prozesse, die sich im Gehirn abspielen, werden dabei außer Acht gelassen und spielen im Behaviorismus keine Rolle. In der behavioristischen Forschung werden die inneren Prozesse des Menschen, also beispielsweise Emotionen, Motivationen und Absichten, also bewusst nicht berücksichtigt.

Behaviorismus & klassische Konditionierung

Angestoßen durch die Experimente des russischen Forschers Ivan Pawlow bildete sich die behavioristische Lerntheorie der klassischen Konditionierung heraus.

Dabei wird zwischen zwei unterschiedlichen Reizen unterschieden:

  1. Vor dem Konditionierungsprozess existiert ein unbedingter Reiz, auf den ohne Lernerfahrung eine unbedingte Reaktion, respektive ein Reflex folgt. Beispielsweise löst ein Schlag auf das Knie eine natürliche Reaktion der Muskelkontraktion aus.
  2. Demgegenüber existiert außerdem noch der neutrale Reiz, der keine spezifische Reaktion auslöst, wie beispielsweise ein Glockenton.

Ziel der klassischen Konditionierung ist es nun, den unbedingten Reiz mit dem neutralen Reiz zu koppeln. Sobald dieser Vorgang mehrere Male wiederholt wird, wird sich der vorher unbedingte Reiz nach einiger Zeit in einen konditionierten Reiz verwandeln.

Der Proband hat mit diesem Reiz nun eine Erwartung verknüpft und wird darauf mit einer erlernten Reaktion reagieren.

Beispiel: Pawlow’sche Hund

Die Bezeichnung „Pawlow’scher Hund“ bezieht sich auf ein Experiment des russischen Forschers Iwan Petrowitsch Pawlow.

Dieser machte es sich im Jahr 1905 zur Aufgabe, mithilfe eines Versuchs an Hunden den Beweis zur klassischen Konditionierung und somit zum Behaviorismus zu liefern.

Pawlow verknüpfte die Darbietung von Futter (unbedingter Reiz) mit einem Glockenton (neutraler Reiz).

Nach kurzer Zeit stellte er fest, dass die Hunde schließlich allein auf das Ertönen der Glocke mit Speichelfluss reagierten, da sie durch die erprobte Konditionierung eine Futterlieferung erwarteten.

Behaviorismus & operante Konditionierung

Die operante Konditionierung ist eine Fortführung der klassischen Konditionierung.

Wohingegen bei der klassischen Konditionierung ein bestimmter Reiz bewusst ausgelöst wird, zielt die operante Konditionierung auf spontanes Verhalten ab. Dadurch sollen Verhaltensmuster gelernt werden.

Bei der operanten Konditionierung werden während des Lernprozesses die erwünschten positiven Reaktionen durch Belohnungen verstärkt, unerwünschtes Verhalten wird durch Sanktionen bestraft.

Durch einen positiven Verstärker wird die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens erhöht. Zu den positiven Verstärkern gehören:

  • Belohnung
  • Lob
  • Lernerfolg

Verhaltensweisen können außerdem abgeschwächt werden, wenn sie negative Ereignisse, wie Bestrafungen, nach sich ziehen.

Im Zuge der operanten Konditionierung erfährt ein Mensch im Anschluss an sein spontanes Verhalten immer Erfolg oder Misserfolg. Aus dieser Erfahrung wird er lernen und bestimmte Verhaltensweisen, abhängig von der daraus resultierenden Reaktion, unterlassen oder weiter verfolgen.

Behavioristische Lehr- und Lernmethoden in der Schule

Im Hinblick auf Lehr- und Lernmethoden in der Schule steht der Behaviorismus für das „Einpauken“ von Informationen.

Vorgegebene Aufgaben sollen so lange wiederholt werden, bis sie richtig gelöst bzw. verstanden wurden.

Mit Lob und Erfolgen, wie z. B. gute Note oder finanziellen Gewinnen, werden Anreize zum Lernen geschaffen, die dazu dienen, dass die gelernten Informationen sich festigen.

Welche Kritik wird am Behaviorismus geäußert?

Seit seinen Anfängen steht die behavioristische Forschung in der Kritik, vor allem der radikale Behaviorismus, wie ihn Skinner vertritt.

Größter Kritikpunkt ist dabei die Reduktion von Verhalten als bloße, beobachtbare Reaktion auf einen Reiz. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in der völligen Vernachlässigung der Rolle des Gehirns wider, so die Kritiker.

Das Gehirn, und damit der Mensch als Ganzes, wird als “Blackbox” verstanden. Kritiker merken aber an, dass im Organismus keine isolierten Reiz-Reaktions-Vorgänge passieren würden.

Menschenbild des Behaviorismus als Kritikpunkt

Im Zusammenhand dieses Konzepts des Menschen als Blackbox lässt sich das immer wieder kritisierte Menschenbild der Behavioristen als mechanisch und materialistisch beschreiben.

Die Vertreter dieser psychoanalytischen Methode, speziell des radikalen Behaviorismus, betrachten den Menschen als Maschine, deren Prozesse einzig und allein von äußeren Einflüssen gelenkt werden.

Die Grundannahme des vorhersehbaren Verhaltens eines jeden Menschen hat zur Folge, dass er als nicht-autonomes Wesen angesehen wird. Die Fähigkeit zum eigenständigen Denken und Reflektieren, respektive der freie Wille werden ihm damit gänzlich abgesprochen. Durch Konditionierung, so die Meinung der Behavioristen, ist die Steuerung jeglichen Verhaltens des Organismus möglich.

Des Weiteren blenden die Behavioristen in ihren Theorien die Betrachtung von Wünschen und Gefühlen in den Prozessen größtenteils aus. Zwar gestehen sie dem Menschen zu, über Emotionen zu verfügen, jedoch glauben sie nicht, dass diese ausschlaggebend für das aktive Verhalten sind. So werten manche Kritiker das Menschenbild des Behaviorismus als unrealistisch und als Verstoß gegen die Menschenwürde.