Monetarismus: Definition und Kritik

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Inhaltsverzeichnis

Überblick: Was ist Monetarismus?

  • Theorie: Devise „money matters“, Ablehnung staatlicher Eingriffe, Selbstregulierung des Marktes, Geldmengensteuerung durch Zentralbanken
  • Begründer: Milton Friedman, Hauptwerk “Kapitalismus und Freiheit”
  • Grundlage: Quantitätstheorie (Irving Fisher)
  • Nachteile: Theorie nur schwer in geldpolitische Praxis übertragbar
  • Kritik: Inflation und Arbeitslosigkeit stehen in keinem Verhältnis, Arbeitslose “freiwillig” arbeitslos, feindlich gegenüber Gewerkschaften, keine Differenzierung von Verwendung der Kredite

Monetarismus einfach erklärt

Im Monetarismus gilt im Gegensatz zum Keynesianismus die Devise „money matters“, das heißt, dass Geld die entscheidende Rolle im Gefüge der Volkswirtschaft spielt. Im Monetarismus gilt Geld als der bedeutendste Faktor für die Steuerung der wirtschaftlichen Entwicklung.

Im Monetarismus wird daher jegliche Form von Eingriff des Staates abgelehnt.

Keynesianismus vs. Monetarismus

Die Geschichte des Monetarismus ist eng mit dem Keynesianismus verbunden, der quasi die „negative Vorlage“ des Monetarismus war. Der Keynesianismus ist nach John Maynard Keynes benannt, da der Keynesianismus sich auf dessen Theorie stützt. Diese besagt, dass die Nachfrage in Bezug auf die Volkswirtschaft der bestimmende Faktor für Beschäftigung und Produktion ist.

Der Keynesianismus setzte maßgeblich auf Eingriffe des Staates. Keynesianer schreiben dem Staat hohe Entscheidungskompetenz und große Eingriffsmöglichkeiten zu.

Im Keynesianismus wird Rezession – also ein Nachlassen der Konjunktur – mit erhöhten Staatsausgaben bezahlt. Diese Eingriffe des Staates bezeichnet man auch als „deficit spending“.

Keynesianismus einfach erklärt

Vereinfacht gesagt geht der Keynesianismus davon aus: je mehr konsumiert wird, desto mehr wird produziert und somit auch gearbeitet.

Dabei begrüßt der Keynesianismus auch staatliche Steuerungsmaßnahmen, um die Ziele einer hohen Produktion und Beschäftigung zu verfolgen.

In diesem Rahmen geht der Keynesianismus vom Grundsatz “money doesn’t matter“ aus – Geld spielt also keine Rolle.

Monetarismus und staatliche Eingriffe

Der Monetarismus sieht im Vergleich zum Keynesianismus nicht den Staat als Retter in der Not – sondern vertraut auf die unsichtbare Hand des Marktes. Wenn jeder Marktteilnehmer seine eigenen Entscheidungen – ohne Eingriff des Staates trifft – so reguliert sich der Markt von alleine.

Der Staat soll nur beim Vorliegen von externen Effekten – z.B. Zerstörung der Umwelt – eingreifen. Ansonsten stört ein Eingreifen des Staates den Markt und nimmt ihm die Möglichkeit sich selbst zu regulieren. Diese Selbstregulierung kann nur in einem Umfeld mit stabilem Preisniveau stattfinden.

Der Monetarismus geht von einer langfristig festen und konstanten Beziehung zwischen Geldmenge und Inflation aus. Die Geldmenge steigt jedoch nach monetaristischen Modellen konstant mit dem Wachstum der realen Wirtschaftskraft. Kurz gesagt: Wenn die Produktivität steigt – steigt auch die Geldmenge.

Wenn die Geldmenge aber schneller wächst als die Produktivität in der Realwirtschaft, so entsteht Inflation. Inflation entsteht also dann, wenn mehr Geld in die Wirtschaft gepumpt wird als Güter produziert werden. Zentralbanken sind laut dem Monetarismus in der Pflicht, die Geldmenge streng zu kontrollieren, um eine Inflation zu verhindern.

Der Monetarismus übt daher Kritik an der Praxis der Zentralbanken, die Geldmenge in Zeiten der Rezession zu erhöhen. Die Geldmenge soll von den Zentralbanken – dem Wirtschaftswachstum entsprechend – stetig erhöht werden. Diese Erhöhung muss aber konstant sein – konjunkturelle Faktoren dürfen keine Rolle spielen.

Friedman: Begründer des Monetarismus

Die ursprüngliche Konzeption des Monetarismus ist schon ein knappes halbes Jahrhundert alt und wurde in den 1960er und 1970er Jahren entwickelt. Die Bezeichnung leitet sich ab aus dem Lateinischen: „moneta“ bedeutet „Münzen“ oder ganz allgemein „Geld“. Hauptvertreter des klassischen Monetarismus war Milton Friedmann (1912-2006), ein US-amerikanischer Ökonom, der 1976 den Nobelpreis erhielt.

Milton Friedman hat fundamentale Arbeiten auf den Gebieten der Mikro- und Makroökonomie sowie der allgemeinen Wirtschaftsanalyse verfasst hat. Seinen Nobelpreis erhielt Friedman für Wirtschaftswissenschaften für seine Leistungen auf dem Gebiet der Analyse des Konsums und der Theorie des Geldes.

Friedmans Hauptwerk: “Kapitalismus und Freiheit”

Friedman war überzeugt von den Vorteilen eines freien Marktes und den Nachteilen staatlicher Eingriffe. In seinem Hauptwerk, “Kapitalismus und Freiheit”, fordert Friedman die Minimierung der Rolle des Staates, um somit politische und gesellschaftliche Freiheit zu fördern.

Friedmann betont, dass vor allem der langfristige Verlauf der Wirtschaft betrachtet werden müsse, vor allem, was Eingriffe von außen anbelangt. Kurzfristige Eingriffe des Staates zur punktuellen Steuerung der Wirtschaft werden von Friedman daher abgelehnt.

Eine staatliche Geldpolitik in Form von Geldmengensteuerung führt dagegen langfristig gesehen zu einem stetigen Wirtschaftswachstum. Dabei hat sich die Geldmenge an der volkswirtschaftlichen Produktion zu orientieren.

Eine zu starke Ausdehnung der Geldmenge durch die Fiskalpolitik führe demnach zu Inflation, eine zu starke Bremsung des Geldmengenwachstums durch die Wirtschaftspolitik wiederum zu Deflation.

Quantitätstheorie als grundlegende Theorie des Monetarismus

Die grundlegende Theorie für den Monetarismus stellt die Quantitätstheorie von Irving Fisher dar. Diese besagt, dass in den Staaten durch die Zentralbanken eine Geldmengenregelung stattfinden soll.

Ausgehend von dieser Quantitätstheorie entwickelte Milton Friedman den Monetarismus als Gegenentwurf zum Keynesianismus.

Nachteile des Monetarismus

Bei der praktischen geldpolitischen Umsetzung des Monetarismus sind mehrere Nachteile deutlich geworden:

  • Eingeschränkte Steuerbarkeit der Geldmenge: Zentralbanken können die Geldmenge nicht vollständig kontrollieren, da sie auch vom Verhalten der Geschäftsbanken und der Öffentlichkeit abhängt. Zentralbanken können nur die von ihnen definierten Zentralbankgeldmengen kontrollieren, was die monetäre Basis der Volkswirtschaft bildet.
  • Schwierigkeiten bei der Durchsetzung: Staaten, die Monetarismus in ihre Geldpolitik aufgenommen haben, haben versucht, Geldmengenziele durch die zentrale Notenbank zu erreichen. In der Praxis erwies sich die strikte Durchsetzung monetaristischer Geldpolitik jedoch als schwierig und oft nicht ausreichend monetaristisch aus Sicht der Theoretiker.
  • Komplexität der realen Wirtschaft: Wirtschaftskreisläufe sind komplex und können nicht vollständig durch monetaristische Modelle dargestellt werden. Zu viele variable Faktoren beeinflussen die Wirtschaft, was die Umsetzung rein monetaristischer Geldpolitik erschwert.

Die geldpolitische Umsetzung des Monetarismus zeigt deutliche Schwächen, insbesondere in der Steuerbarkeit der Geldmenge und der Komplexität der realen Wirtschaft. Trotz wirtschaftspolitischer Bemühungen bleiben viele der Annahmen aus der Theorie in der Praxis schwer realisierbar.

Kritik am Monetarismus

Es lassen sich drei wesentliche Kritikpunkte am Monetarismus festmachen:

  1. Verhältnis Inflation und Arbeitslosigkeit
  2. arbeitnehmerfeindlich
  3. fehlende Differenzierung der Verwendung der Kredite

1. Kritikpunkt: Inflation und Arbeitslosigkeit

Mit der Aussage, dass die Inflation und die Arbeitslosigkeit in keiner bedeutenden Relation zueinanderstehen, hat sich der Monetarismus viel Kritik eingehandelt, besonders von Keynesianern:

Keynesianern sind der Ansicht, dass eine zunehmende Inflation die Arbeitslosigkeit senkt, da höhere Inflation Investitionen anregt. Keynesianern schlussfolgern, dass der Staat zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit wählen muss, da eine Steigerung der einen Variable die andere senkt.

Monetaristen hingegen führen Arbeitslosigkeit auf kurzfristige Erwartungen der Arbeitnehmer an das Preisniveau zurück und sind der Ansicht, dass sich die Arbeitslosigkeit langfristig durch einen wirtschaftlichen Anpassungsprozess stabilisiert, ohne jedoch die Länge dieses Prozesses zu definieren.

Die Annahme des Monetarismus, dass die meisten Arbeitslosen freiwillig keiner Arbeit nachgehen, ist in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit fragwürdig. Zweifelhaft ist auch, ob Arbeitslosigkeit ohne staatliche Maßnahmen durch Marktkräfte und Geldmengensteuerung allein schnell in Beschäftigung überführt werden kann.

2. Kritikpunkt: arbeitnehmerfeindlich

Aus der Perspektive eines Arbeitnehmers sind die Nachteile des Monetarismus deutlich in dessen strikter Ablehnung von sozialmarktwirtschaftlichen staatlichen Maßnahmen erkennbar.

In diesem Zusammenhang sind auch Gewerkschaften ein Dorn im Auge der Monetaristen, da diese die Löhne ebenfalls künstlich in die Höhe treiben und somit den Selbstregulierungsmechanismus des Marktes stören.

3. Kritikpunkt: Verwendung der Kredite

Ein weiterer Nachteil des Monetarismus ist die fehlende Differenzierung hinsichtlich der Verwendung von Krediten.

Die Inflationsgefahr ist höher, wenn Kredite für Konsum statt Investitionen genutzt werden, da Konsum nur indirekt zur Produktionssteigerung beiträgt, während Investitionen direkt die Produktion und das Einkommen erhöhen.