Amazon-Aktie: Online-Riese treibt dem Wettbewerb Sorgenfalten auf die Stirn

Amazon: Internetriese versetzt Logistikbranche in Angst und Schrecken. Warum Amazon den Aufbau eines eigenen Lieferdienstes plant (Foto: Sundry Photography / shutterstock.com)

Aus dem alltäglichen Leben ist für viele der Amazon-Konzern kaum mehr wegzudenken. Zu bequem ist das Einkaufen über das Portal des Online-Riesen oder das Nutzen des Speicherplatzes in der sogenannten Cloud (Wolke). Die Zeiten als Firmengründer Jeff Bezos noch für seine ambitionierten Expansionspläne und hohen Verluste belächelt wurde, sind längst vorbei. Heute ist Amazon eine wahre Innovationsmaschine, die sich ihre Abnehmermärkte einfach selbst kreiert.

Nach der Ankündigung in den Markt für Krankenversicherungen mit einzusteigen folgte jetzt der nächste Paukenschlag. Der Internetgigant will seinen eigenen Lieferdienst starten und sorgte damit für ein regelrechtes Kursmassaker bei den Logistik-Aktien, für die damit einer der Top-Kunden wegbrechen, sondern auch ein neuer Rivale entstehen könnte.

Amazons ungestillter Expansionsdrang

Die Entwicklung des US-Konzerns ist auf jeden Fall beeindruckend. Im Jahr 1995 ging der Konzern mit einer Datenbank von einer Million Büchern online. Zu Beginn lieferte Firmengründer und Chef Bezos die Bücher noch höchstpersönlich aus, bevor Lieferfahrzeuge angeschafft wurden. In den Folgejahren hat der Konzern nichts von seiner Innovationskraft eingebüßt. Nehmen Sie das Lesegerät Kindle, die Einführung des Prime Day, Amazon Video, die Cloud, den Kauf der Bio-Supermarktkette Whole Foods, die smarten Lautsprecher Elexa oder der kassenlose Supermarkt Amazon go– die Liste ließe sich noch lange weiterführen.

Das Ergebnis der massiven Investitionen ist jedenfalls beeindruckend. Seit 2003 kletterten die Umsätze von 5,26 auf zuletzt 177,86 Milliarden Dollar. Unterdessen ist der Konzern profitabel, wenn auch die Gewinnmargen auf Grund der hohen Ausgaben für Entwicklungen und Marketing mit 1,71% überschaubar sind. Dennoch blieben in Summe damit gut 3 Milliarden Dollar Gewinn hängen.

Automatisierung ist der Schlüssel zum Erfolg            

Dabei setzt das US-Unternehmen auf immer mehr Automatisierung, um seine Effizienz zu steigern. Vor über fünf Jahren hat sich Amazon den amerikanischen Roboterhersteller Kiva ins Haus geholt. Mittlerweile drehen über 80.000 von Amazon selbst gebaute Roboter in dem Konzern ihre Runden. Der Grund liegt auf der Hand: in jedem neuen Lager werden tausende der flinken Helfer benötigt. Die Roboter orientieren sich mit Hilfe von QR-Codes auf dem Boden.

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Jetzt greift Amazon die gesamte Logistikbranche an

Mit seinen Vorstößen versetzt Amazon immer mehr Branchen in Unruhe. Zuletzt rumpelte es kräftig bei den Krankenversicherern als der Konzern bekannt gab, mit JP Morgan und Berkshire Hathaway Krankenversicherungen für die eigenen Mitarbeiter anbieten zu wollen. Auch wenn hierbei die Auswirkungen auf die etablierten Konzerne über lange Zeit gering sein dürften, die jüngste Meldung ist von weitaus bedeutender Tragweite.

Denn Amazon plant einen eigenen Lieferdienst aufzubauen und macht damit den Paketriesen UPS und Fedex direkte Konkurrenz. Unter dem Namen „Shipping with Amazon“ will der Konzern nämlich nicht nur seine eigenen Pakete versenden, sondern auch selbst für andere Unternehmen ausliefern. Laut Insiderinformationen will der Konzern aus Seattle auch beim Preis seine direkten Wettbewerber unterbieten.

Auch wenn die Informationen noch nicht voll bestätigt sind, denkbar ist der Schachzug in jedem Fall. Sie müssen wissen: Amazon liefert bereits in 37 Städten der USA Waren aus den eigenen Lagern selbst an die Kunden aus. Auch in Deutschland sind vermehrt Paketboten für den Konzern von Haus zu Haus unterwegs. Außerdem ist der Konzern gerade dabei einen eigenen Frachtflughafen zu bauen.

Der Kampf um die Pakete hat begonnen

Die Meldung verfehlte ihre Wirkung nicht. Die Aktien der Logistik-Riesen sackten am Freitag deutlich in den Keller. Dabei dürfte es sich nur um den Beginn eines lang anhaltenden Wettrennens handeln. Denn die Konkurrenz wird sich dem angriffslustigen Konzern mit Sicherheit nicht kampflos geschlagen geben. Der Paketspezialist UPS hat bereits angekündigt, bis zu 7 Milliarden Dollar in sein Liefernetzwerk investieren zu wollen. Für die Kunden dürfte das auf jeden Fall von Vorteil sein. Über schnellere Lieferungen und günstigere Preise wird sich wahrscheinlich niemand beschweren.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.