Facebook Aktie: Droht eine Überalterung der User?

Nicht nur bei Teenagern verliert Facebook zunehmend an Bedeutung. Hat die Aktie ihren Zenit bereits überschritten? (Foto: Ink Drop / shutterstock.com)

Bei Facebook läuft es nicht rund. Wenn man ganz ehrlich ist, war die Geschichte des Sozialen Netzwerks von Anfang an von regelmäßigen Strategiewechseln geprägt. Zunächst ging es Facebook darum, möglichst viele Menschen zu erreichen: Nutzer sollten ihre Freunde eingeladen, denen man seinen Gemütszustand und aktuellen Aufenthaltsort mitteilen sollte. Also teilten wir Fotos von unserem Urlaub, unseren Kindern und unserem Essen – in der Hoffnung auf Likes.

Danach entdeckte Facebook, dass sich nicht nur mit Werbung, sondern auch durch den Verkauf von Spielen Geld verdienen lässt. Also wurden wir zu digitalen Bauern und spielten Farmville, bis wir feststellten, dass die schwache Grafik der Gratisspiele und deren Monotonie doch nicht das Wahre ist.

Dann wurde das Ziel ausgegeben, dem optisch etwas angestaubten Twitter den Rang als Informationsportal abzulaufen. Nachrichten und Eilmeldungen sollten möglichst schnell verteilt werden. Die Konsequenz war ein Überangebot an Informationen, durchsetzt von strategisch gesetzten Falschmeldungen und – besonders wichtig, weil es den Kern von Facebook berührte – eine Verdrängung der Postings von Freunden.

Rückbesinnung auf alte Werte

Sichtlich betroffen von unzähligen Fake-News beschloss CEO Marc Zuckerberg erneut eine strategische Kehrtwende. Zurück zu den Ursprüngen, also zu den Beiträgen von Freunden, welche nun wieder häufiger angezeigt werden sollten.

Doch die Beliebtheit von Facebook scheint Schaden genommen zu haben. Die durchschnittliche Verweildauer pro Nutzer ging im vierten Quartal 2017 um zwei Minuten zurück. Da dies Durchschnittswerte sind, muss es eine ganze Menge an Nutzern geben, die sich komplett von Facebook verabschiedet haben. Haben Sie schon mal Ihr persönliches Umfeld überprüft? Nicht einmal mehr jeder zweite Jugendliche unter 18 Jahren ist hierzulande auf Facebook. Das soziale Netzwerk gilt bei Teenagern als „uncool“.

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Gerade die Jungen wenden sich ab

Die jüngste Generation der digital Heranwachsenden setzt auf Snapchat oder Instagram, die mit fotographischen Verfremdungen und einer eher spielerischen Herangehensweise punktet. Sie betrachtet Facebook als Medium der „Alten“, also der 25- bis 45-Jährigen. Und auch diese beginnen sich, angesichts der vielen Hass-Postings, immer häufiger zu fragen, ob sie ihre Zeit nicht besser verwenden sollten als mit dem Betrachten eintöniger Katzenvideos.

Versuche, den Trend umzukehren, sind bislang eher kläglich gescheitert. Eine Virtual-Reality-Anwendung, die Facebook Zugang zu den Jüngeren verschaffen sollte, wurde noch vor dem globalen Roll-Out zurückgezogen, weil Facebook eingestehen musste, dass die Anwendung auf gestohlener Technik basierte. Eine Strafzahlung von 500 Millionen Dollar war die Folge.

Droht jetzt eine Überalterung?

Facebook scheint zu überaltern. Mit dem Image ist es nicht mehr zum Besten bestellt. Technologisch haben andere Netzwerke Facebook überholt. Die Wachstumsraten verlangsamen sich. Hat das Soziale Netzwerk seinen Zenit bereits passiert?

Mit einfachen Strategiewechseln ist es jedenfalls nicht getan. Viele Menschen sind von Facebook einfach nur noch genervt. Die nächsten Monate werden zeigen, in welche Richtung sich die Aktie bewegen wird. Vorsicht ist jedenfalls angebracht.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.