Leserfrage: Genügt der Bank ein handschriftliches Testament als Nachweis?

Liebe Leserinnen und Leser von Bankkunden-vertraulich,

zu einigen Reaktionen auf Ihrer Seite führte unser Bericht von letzter Woche, ein eröffnetes notarielles Testament sei ein ausreichender Ersatz für den Erbschein, die Banken müssten diesen Nachweis akzeptieren und dem oder den Erben den Zugriff auf die Konten und Depots des Erblassers ermöglichen.

Ein Leser fragte, ob denn ein handschriftliches Testament diesen Zweck nicht auch erfülle. Hierzu die Antwort: Leider nein. Ein handschriftliches Testament werden die Banken nicht akzeptieren, um einem Erben Zugriff auf die Konten und Depots zu ermöglichen.

Die Gründe sind nachvollziehbar: Es ist nicht Sache der Bank zu klären, ob das vorgelegte Schriftstück wirklich die letzte und damit gültige Fassung des Testaments ist. Diese Aufgabe obliegt dem Nachlassgericht, das den Erbschein erst erteilt, wenn diese Frage zweifelsfrei geklärt ist.

Wer allerdings seinen Erben die Wartezeit ersparen und einen Zugriff auf seine Konten und Depots gleich nach seinem Tode ermöglichen will, kann bei der Bank bzw. den Banken eine so genannte „Vollmacht über den Tod hinaus“ erteilen. Das ist für alle Konten und Depots auf einmal möglich, aber auch für einzelne, ganz wie es der Inhaber verfügt.

Um eine solche Vollmacht zu errichten, wenden Sie sich am besten direkt an Ihre Bank. Jedes Kreditinstitut benutzt sein eigenes Formular und wird eine frei formulierte Vollmacht oft nicht akzeptieren. Wenn Sie bei Ihrer Bank nicht persönlich bekannt sind, sollten Sie sich unbedingt mit einem Personalausweis identifizieren.

Übrigens: Die Banken erstatten in der Regel problemlos alle Kosten, die mit der Beerdigung, der Ausstellung des Totenscheins etc. zusammenhängen. Wenn Sie als Erbe die entsprechenden Rechnungen vorlegen, werden diese vom Konto des Erblassers bezahlt. Dafür brauchen Sie als Angehöriger noch nicht einmal eine Vollmacht vorzulegen.

Bankenbescheinigung: Oft ein teures Vergnügen

Achten Sie darauf, dem Finanzamt die Original-Steuerbescheinigung Ihrer Bank vorzulegen, schrieb ich Ihnen im letzten Jahr. Indes: Längst nicht jede Online-Bank schickt Ihnen diese automatisch und kostenfrei zu.

Sie haben die Möglichkeit, sich diese Dokumente im gesicherten Login-Bereich Ihrer Online-Bank im Internet anzusehen und auszudrucken. Jetzt kommt es aufs Finanzamt an: Viele reagieren inzwischen kulant, und akzeptieren die ausgedruckte PDF-Fassung der Jahressteuerbescheinigung.

Falls Ihr Finanzamt das nicht tut, melden Sie sich telefonisch bei Ihrer Bank. Bestellen Sie dann die Dokumente per Post. Aber Vorsicht: Manche Institute, etwa die DAB-Bank in München, machen dann auch nichts anderes, als die PDF auszudrucken und Ihnen zu übersenden. Das genügt dann nicht. Stellen Sie dann sofort klar, dass Sie eine Original-Bescheinigung brauchen.

Laut DAB-Bank wird in solchen Fällen eine von Hand unterschriebene Bescheinigung ausnahmsweise kostenfrei an den betreffenden Depot-Inhaber versendet.

Übrigens: Sie sollten unbedingt prüfen, ob die Steuerbescheinigung die Kaufdaten Ihrer Wertpapiere richtig erfasst hat. Gerade nach einem Depotwechsel kommt es manchmal vor, dass diese Daten nicht korrekt von der Vorgängerbank übernommen wurden und deshalb steuerpflichtige Spekulationsgewinne statt steuerfreier Kursgewinne anfallen. Prüfen Sie das und ergänzen Sie fürs Finanzamt ggf. den Kaufbeleg der Vorgängerbank.

Ein wenig bekanntes Steuersparmodell der Zukunft sind Zero Bonds

Zero-Bonds sind langlaufende Anleihen, deren Laufzeit bis zu 30 Jahren beträgt. Statt eines jährlichen Zinskupons bekommen Käufer dieser Anleihen den Zins in Form von Kurssteigerungen. Sprich: Zero-Bonds werden bei Emission deutlich unter dem Nominalwert verkauft. Am Ende der Laufzeit bekommt der Anleger dann 100 Prozent des Nominalwerts zurück.

Bislang machten Anleger mit Zero-Bonds nicht unbedingt ein gutes Geschäft. Denn die Kursgewinne unterlagen in vollem Umfang der Einkommensteuer. Der Grund: Zero-Bonds wurden vom Fiskus als Finanzinnovationen eingestuft.

Die Einführung der Abgeltungssteuer macht aber den Finanzinnovationen den Garaus: Denn unabhängig von der Haltefrist werden dann Kursgewinne, Zinsen und Dividenden einheitlich mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag plus ggf. Kirchensteuer belegt.

Hier könnten sich Zero-Bonds als besonders vorteilhaft erweisen: Denn bislang ist nicht geplant, zwischenzeitliche Kursgewinne zu besteuern. Das heißt: Erst bei Fälligkeit oder Verkauf des Zero-Bonds ab 2009 müssten Sie auf die Gewinne Abgeltungsteuer zahlen. Bis es aber soweit wäre, blieben alle Gewinne steuerfrei, Sie hätten also einen gewissen Steuerstundungseffekt.

Indes: Die Regelungen zur Abgeltungssteuer sind noch nicht so sicher wie das Amen in der Kirche. Bei Zertifikaten hat die Politik schon nachgebessert – oder vielmehr: „nachgebösert“ – das kann auch bei Zero Bonds passieren. Da aber für diese Produkte die Werbetrommmel nicht so aggressiv gerührt wird, kann es durchaus sein, dass der Steuer(stundungs)vorteil bestehen bleibt. Einen Versuch wäre es wert.

Übrigens: Wie für andere Anleihen auch ist der Börsenplatz Stuttgart Ihre erste Wahl. Dort bekommen Anleger in vielen Fällen ausgesprochen günstige Konditionen.

Unterschrift

Dr. Erhard Liemen,

Chefredakteur von:

„Bankkunden – vertraulich“

„Der Deutsche Wirtschaftsbrief“

Zero Bonds: Anleihen, bei denen es nicht Jahr für Jahr zu einer Zinsausschüttung kommt. Zero Bonds werden zu Beginn mit einem deutlichen Abschlag auf den Nominalwert auf den Markt gebracht. Am Ende der Laufzeit, die nicht selten bis zu 30 Jahre beträgt, bekommen die Inhaber dann 100 Prozent ausgezahlt.

11. April 2008

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Dr. Erhard Liemen. Über den Autor

Dr. Erhard Liemen ist Chefredakteur verschiedener, international renommierter Informationsdienste. Seit 1996 betreut er den angesehenen und erfolgreichen Dienst "Der Deutsche Wirtschaftsbrief".

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