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Enron: Was Anleger gelernt haben sollten

Viel Zeit ist auf den weltweiten Finanzmärkten vergangen, seit der Megakonzern Enron im Dezember 2001 auseinander fiel. Kein Wunder also, dass der Name des Unternehmens bei vielen Anlegern bereits in Vergessenheit geraten ist, aber kurz nach der Jahrtausendwende war der Zusammenbruch ein Wirtschaftsskandal vorher ungeahnten Ausmaßes.

Zur Erinnerung: Enron war eine US-amerikanische Energiehandelsfirma mit Sitz in Houston, Texas, welches auf ihrem Höhepunkt die Energieindustrie in den Vereinigten Staaten dominierte. Aber Enron investierte nicht nur in den Energiesektor, sondern breitete sich über die Jahre in zahlreiche andere Branchen und Zukunftstechnologien aus.

Enron: Das nur scheinbar perfekte Unternehmen

In der euphorischen Stimmung kurz vor der Jahrtausendwende, an der Unternehmen am NASDAQ mehrere Milliarden verdienten, nur weil sie eine grobe Idee von einem Geschäftsplan vorweisen konnten, galt Enron lange Zeit als heiliger Gral, als perfektes Unternehmen.

Erst 2001 platzte dieser Traum. Die Investoren fanden heraus, dass das gesamte Unternehmen Enron nichts als ein Schneeballsystem war, um im Hintergrund die Investitionen der Anleger abzugraben. Die lange Zeit hochgelobten Milliardengewinne des Unternehmens waren in Wahrheit nicht existent.

Das Ende von Enron, laut des altehrwürdigen Fortune-Magazins „das innovativste Unternehmen Amerikas“, bietet daher einige Lektionen, die Anleger auch heute noch beachten sollten. Dass dies jedoch nicht geschehen ist, zeigt die weltweite Finanzkrise um das Jahr 2009, die mit ein wenig Vorsicht vermeidbar hätte sein können.

Das Geld muss vorhanden sein

Diese Lektionen beinhalten den richtigen Einsatz von Hebeln, den Umgang mit Zweckgesellschaften und mit Bargeld – oder vielmehr dem Fehlen von Bargeld.

Der Wert eines Unternehmens entsteht durch den Verkauf von Produkten und Serviceangeboten zu einem Preis, der höher als die entstandenen Kosten liegt. Dieser Gewinn, der positive Cashflow, der auch in den Unternehmensberichten offensichtlich ausgewiesen wird, kann entweder zurückgelegt, ins Unternehmen investiert oder an die Anleger in Form von Dividenden ausgeschüttet werden.

Unternehmen können heutzutage jedoch auch an Wert gewinnen, indem sie eine Wertsteigerung ihrer vorhandenen Vermögenswerte angeben. Als Beispiel kann ein Blick in die Immobilien helfen. In den USA sind Immobilien heute deutlich mehr wert als zur Zeit der Finanz- und Immobilienkrise. Aber dennoch besitzt ein Hausbesitzer heute die gleichen vier Räume wie noch vor wenigen Jahren. Der „Gewinn“ existiert für ihn bis zum Verkauf nur „in den Büchern“.

In der Buchhaltung würde dies bedeuten, dass ein Unternehmen ihre Vermögenswerte jeden Tag an die aktuellen Marktpreise anpassen könnte. Ohne jemals Bargeld zu sehen könnte eine Firma so Gewinne erzielen. Genau dies ist bei Enron geschehen. Anleger sollten also darauf achten, dass „das Geld offen auf dem Tisch liegt“.

Zweckgesellschaften immer hinterfragen

Die zweite Lektion liegt in der Nutzung von Zweckgesellschaften. Diese Finanzinstrumente – ganz ähnlich der CDOs, die die Finanzkrise von 2007-2009 auslösten – ermöglichen Unternehmen, Vermögenswerte und Risiken aus den Bilanzen zu schieben, um ihre Auswirkungen auf das Mutterunternehmen zu verschleiern.

Das heißt natürlich nicht, dass alle Zweckgesellschaften per se schlecht sind. Anleger müssen jedoch vor der Geldinvestition sicher sein, dass sie die Berichte des gesamten Konzerns gelesen und verstanden haben.

Enron: Regeln der Buchhaltung kennen

Die dritte Lektion schließt an die beiden ersten Punkte an. Anleger sollten sämtliche Regeln der Buchhaltung kennen, um bösen Überraschungen vorzubeugen und sie direkt zu erkennen. Der Großteil des Betruges von Enron basierte auf der Anpassung von Vermögenswerten an aktuelle Marktwerte und daraus entstandene Gewinne. Dies führte nicht nur zu zahllosen enttäuschten und bankrotten Investoren, sondern auch zur Verurteilung von Enron-Vorstand Jeffrey Skilling zu einer Gefängnisstrafe von 24 Jahren.

Vorsicht ist der Freund des Anlegers

Die letzte und wichtigste Lektion ist daher, jede Aufstellung, jeden Bericht und jede Bilanz kritisch zu hinterfragen. Dazu gehören nicht nur die reinen Zahlen, sondern auch jede auch noch so kleine Anmerkung im Kleingedruckten. Denn eines ist sicher: Enron war mit Sicherheit nicht der letzte Versuch, Anleger um ihr Geld zu prellen.

30. September 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.