MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Sperrminorität Aktiengesellschaft: Rechte und Macht von Aktionären

Der Sperrminorität bei einer Aktiengesellschaft liegt derselbe Gedanke zugrunde wie bei etlichen anderen Gesellschaften, Gremien und staatlichen Organen: der Schutz von Minderheiten vor einsamen Mehrheitsbeschlüssen. Dieses Vetorecht ist zugleich aber ein Machtinstrument.

Mit der Sperrminorität Beschlüsse blockieren

Wenn sich auf der Hauptversammlung mehr als 25% der Aktionäre einig sind, können sie eine Reihe von wichtigen Beschlussvorlagen notfalls blockieren. Ist zum Beispiel eine Kapitalerhöhung vorgesehen, können schon 25% plus eine Aktie als Sperrminorität dagegen stimmen. Jede Aktie hat eine Stimme, nur Vorzugsaktien nicht.

Kapitalerhöhungen stehen seit der restriktiveren Kreditvergabe durch Basel III häufiger auf der Agenda von AGs. Sie berühren aber die substanziellen Rechte der Aktionäre und brauchen daher nach dem Aktiengesetz eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 75%.

Alle Beschlüsse, bei denen dies erforderlich ist, können abgenickt oder per Sperrminorität blockiert werden. Als Minderheit gilt die Anzahl der Aktien unter 50% – 49,9% Gewinnausschüttungen übrigens fallen nicht unter die Sperrminorität. Für sie reicht die einfache Mehrheit von über 50%.

Gegenstand der Sperrminorität

Einer Sperrminorität bzw. Dreiviertelmehrheit unterliegt Folgendes:

  • Nachgründungen mit über 10% des Grundkapitals
  • Vom Aufsichtsrat verweigerte Entscheidungen
  • Abberufung von Aufsichtsratmitgliedern

  • Gratis Studie: Die Zukunft Ihres Depots?....

    • China Mobile (China), größter Mobilfunkanbieter weltweit
    • Vale (Brasilien), größter Eisenerzlieferant der Welt
    • Novo Nordisk (Dänemark), führender Hersteller Insulin der Welt
    • Petrochina (China), zweitteuerstes Unternehmen der Welt
    • Burberry Group (England), führender Luxushersteller der Welt
    • Harley Davidson (USA), legendärster Motorradhersteller der Welt

    Hier erfahren wo sich der Einstieg noch lohnt ➜


  • Rechtebeschränkungen von Vorzugsaktionären
  • Kapitalerhöhungen oder –herabsetzungen
  • Satzungsänderungen
  • Auflösung der Gesellschaft
  • Unternehmens-, Beherrschungs-, Gewinnabführungsverträge
  • Fusionen
  • Vermögensübertragungen auf die öffentliche Hand der Rechtsform, z.B. in eine KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien)

Sperrminorität – Macht und Einfluss

Mit der Sperrminorität haben Aktionäre also großen Einfluss auf eine Aktiengesellschaft bis hin zur Unternehmensführung, und das obwohl sie keine Mehrheit besitzen.

Die Herausforderung besteht darin, die erforderliche Mindeststimmzahl zu organisieren. Einfacher ist dies für einen Anteilseigner, der mehr als 25% Aktien hält.

Beispiele: Sonderfall VW

Gerade die Sperrminorität einzelner Investoren ist immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen um Macht und Einfluss. Prominentes Beispiel: die Sperrminorität des Landes Niedersachsen bei VW.

Durch eine Sonderregelung ist die Stimmrechtsausübung auf 20% beschränkt während Niedersachsen mit nur 20,2% eine Sperrminorität besitzt. 2013 hatte der EuGH eine Klage gegen dieses sog. VW-Gesetz abgewiesen. Somit kann das Land weiterhin Übernahmen und den Verlust von Arbeitsplätzen verhindern.

Dagegen hat der Bund mit nur noch 24,89% Aktienanteil sein Vetorecht bei der Deutschen Post verloren. Ebenso hat der Staat im Mai 2013 nach einer Kapitalerhöhung seine Sperrminorität über den Rettungsfonds Soffin bei der Commerzbank aufgekündigt.

Thyssen und Bilfinger als weitere prominente Beispiele

Ehrgeiz in Sachen Sperrminorität zeigt der schwedische Finanzinvestor Cevian. Nachdem bei einer Kapitalerhöhung die Krupp-Stiftung ihre Sperrminorität und damit ihre Stellung als Bollwerk gegen Übernahmen verloren hatte, stockte Cevian seine Anteile an Thyssen-Krupp auf. Wie erwartet, kam im Juli 2014 die Ankündigung, den Einfluss in Richtung Sperrminorität auszubauen.

Nach dem Motto: Einkaufen, bestimmen, Gewinne mitnehmen, hat Cevian derweil mit 25,6% eine dominierende Machtposition bei Bilfinger. Und damit das Recht auf einen zweiten Sitz im Aufsichtsrat. Auf Druck des Investors haben anschließend nach Vorstandschef Roland Koch auch der Aufsichtsratchef und Finanzvorstand gekündigt.

In den Aufsichtrat rückte der Cevian-Vertraute und ehemalige Metro-Chef Eckhard Cordes nach. Der Erfolg auf der angeschlagenen Dauerbaustelle Bilfinger lässt bislang dennoch auf sich warten.

12. November 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.