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Steuersatz in Deutschland – ein komplexes Zusammenspiel

Von einem Steuersatz kann in Deutschland eigentlich nicht die Rede sein. Eingangssteuersatz, Durchschnittssteuersatz, Grenzsteuersatz, Spitzensteuersatz – die Liste verschiedenster Steuersätze lässt sich beliebig erweitern und treibt nicht nur Steuerneulinge, sondern auch erfahrene Hasen manches Mal in die Verzweiflung. Dabei gilt es den Blick für die Unterschiede zu schärfen.

Steuersatz in Deutschland – ein System verschiedener Steuersätze

Wollte man alle Steuersätze in Deutschland auch nur annähernd beschreiben, so könnte man allein damit ein Buch füllen. Was Normalverdiener, Selbstständige und auch Anleger angeht, so richtet sich der Blick vor allem auf den Bereich der Einkommensteuer und der Abgeltungssteuer.

Schon bei der Einkommensteuer geht es mit den Begriffen los. Behauptet zum Beispiel jemand, er zahle 45% Einkommenssteuer, dann ist kaum davon auszugehen, dass sein komplettes Einkommen diesem Steuersatz unterliegt. Was zählt, ist der Durchschnittssteuersatz. Und der ist das Ergebnis des Grenzsteuersatzes – genaugenommen verschiedener Grenzsteuersätze.

Das klingt natürlich verwirrend, ist aber recht einfach zu verstehen. Zunächst: Grenzsteuersatz bedeutet nicht etwa die obere Grenze der Besteuerung. Der Grenzsteuersatz ist schlicht Ausdruck des Systems progressiver Einkommensstufen, was in den meisten Ländern angewendet wird. Allerdings wurde in Deutschland das Stufensystem 2004 durch einen linear ansteigenden Tarif ersetzt.

Steuersatz in Deutschland – nach Leistungsfähigkeit progressiv steigend

Die ansteigende Linie zeigt, wie sich mit jedem zusätzlich eingenommenen Euro die prozentuale Steuerbelastung erhöht. Der Grenzsteuersatz in Deutschland gilt immer ab der Grenze, von der an der jeweils nächste Euro zum nächsthöheren Tarif zu versteuern ist.

Die Besteuerungslinie – der Grenzsteuersatz – steigt nach dem steuerfreien Grundfreibetrag bald steil an, flacht dann langsam ab und endet bei 45%.

Einkommenssteuersatz in Deutschland – verschiedene Zonen

Dieses System lässt sich in folgende Steuersätze unterteilen (Angaben für Ledige): Beim Grundfreibetrag sind bis zu 8.130 € steuerfrei. Das ist die Nullzone. Ab dem nächsten Euro gelten 14% bis zu 13.469 €: Das ist der Eingangssteuersatz.

Danach geht es linear nach oben bis zu 42%: Das ist dann der Spitzensteuersatz. Alles über 250.730 € unterliegt der sogenannten Reichensteuer von 45%.

Diese Einteilung in verschiedene Steuersätze gilt auch für Gut- oder Spitzenverdiener. Niemand zahlt pauschal 42% oder 45% auf sein gesamtes hohes Einkommen. Immer geht zunächst der Grundfreibetrag ab. Die nächsten Anteile werden dann eben höher besteuert, und nur der obere Bereich des Einkommens unterliegt dem Spitzensteuersatz.

Da der Grenzsteuersatz immer nur den Einkommenszuwachs betrachtet, muss aus diesen Teilen der ansteigenden Linie der Durchschnitt gebildet werden. Daraus ergibt sich dann der Durchschnittssteuersatz. Und der liegt dann irgendwo dazwischen. Abzugsfähige Aufwendungen sind hierbei erst gar nicht berücksichtigt.

Wichtig ist also in aller Regel der Durchschnittssteuersatz. Je höher das Einkommen ist, desto mehr nähert er sich dem Spitzensteuersatz. Wer also behauptet, er zahle die Hälfte an Steuern, der muss schon ein außergewöhnlich hohes Einkommen haben.

Beispiel: Ein Single mit 52.882 € Einkommen kann zwar von einem Grenzsteuersatz von 42% sprechen. Tatsächlich aber bezahlt er rund 26,5% Steuern, den Durchschnittssteuersatz. Erst über 500.000 € käme er an die 42% heran. Wer nun seinen persönlichen Steuersatz berechnen will, für den gibt es im Internet eigene Steuerrechner.

Steuersatz-System in Deutschland: Kaum Veränderung in Sicht

Übrigens: Der Grundfreibetrag wurde nach verfassungsrechtlichen Vorgaben für 2013 auf 8.130 € angehoben. Ab 2014 sind es dann 8.354 €.

Unverändert bleibt leider das Problem der kalten Progression. Wenn die Löhne zum Inflationsausgleich steigen, wird das Einkommen nominal höher. Damit steigt dann die Durchschnittssteuerbelastung aufgrund des progressiven Tarifs. Eine geplante Entlastung wurde vom Bundesrat blockiert.

Einheitlicher Steuersatz in Deutschland?

Ein einheitlicher Steuersatz in Deutschland erlaubt weniger politische Lenkung. Dabei geht es nicht nur um die unterschiedlichen Bewertungen des inflationär gebrauchten Begriffs der Steuergerechtigkeit.

Mit der Abzugsfähigkeit bestimmter Aufwendungen lassen sich  ausgesuchte Bereiche gezielt fördern. Einen einheitlichen Steuersatz beim Einkommen gibt es: die Abgeltungssteuer auf Gewinne aus Geldanlagen.

Seit 2009 werden alle Kapitaleinkünfte pauschal mit 25% besteuert. Hinzu kommt der Soli von 5,5% und oft auch noch die Kirchensteuer. Allerdings gibt es auch hier eine Art Grundfreibetrag: der Sparerfreibetrag von 801 €, bei Verheirateten das Doppelte. Steuerzahler sind in Deutschland also gut beraten, wenn sie sich genau ansehen, welche Steuersätze für sie greifen und wo noch Chancen lauern.

16. Mai 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.