Automobilbau: Halbleiter-Mangel bremst die Produktion

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Der derzeitige Engpass bei der Herstellung und Lieferung von Halbleitern könnte laut Experten sogar zum Dauerproblem werden. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Die deutsche Autoindustrie erwartet im laufenden Jahr ein Absatzplus von 8% auf 3,2 Mio. Fahrzeuge. Auch in anderen Ländern nimmt der Optimismus zu. Wachstumstreiber sind der boomende Absatzmarkt China und die Förderprogramme der Regierungen für elektrifizierte Fahrzeuge. Hinzu kommt: In den vergangenen 12 bis 15 Monaten haben die Konsumenten pandemiebedingt viel Geld gespart, das jetzt für größere Anschaffungen zur Verfügung steht.

Der Absatzrückgang des vergangenen Jahres wird damit aber nicht kompensiert. Gebremst wird die Branche derzeit vom Halbleitermangel. Während des ersten Lockdowns haben die Hersteller ihre Produktion deutlich heruntergefahren. Entsprechend sank der Bedarf an Halbleitern. Die Nachfrage aus der Unterhaltungsindustrie zog dagegen kräftig an. Und als dann die Autoindustrie überraschend schnell die Trendwende einleitete, standen nicht mehr ausreichend Halbleiter zur Verfügung. Wann sich die Lage wieder normalisiert, ist derzeit noch nicht absehbar.

Experten zufolge könnte sich die Knappheit sogar zum Dauerproblem entwickeln. Denn die Autoindustrie spielt als Abnehmer nur eine untergeordnete Rolle. Entsprechend schwach ist ihre Marktmacht gegenüber den Halbleiter-Herstellern. Einige Autobauer wie Peugeot helfen sich bereits mit dem Einbau analoger Teile wie Tachometer mit Zeiger.

EU plant schärfere Abgasnormen

Ungemach droht aus Brüssel. Die EU-Kommission plant die neue Euro-Norm 7 und damit eine deutliche Verschärfung der Grenzwerte für den CO2-Ausstoß. Ab 2025 soll die Norm gelten. Im Juni wird die Kommission einen detaillierten Vorschlag präsentieren. Allgemein wird befürchtet, dass schärfere Grenzwerte das Ende des herkömmlichen Verbrennungsmotors einleiten.

Die Rettung wären synthetische Kraftstoffe. Ob aber diese in ausreichendem Maß und zu bezahlbaren Preisen produziert werden können, ist zu bezweifeln. Die Autohersteller sind daher noch lange auf den Verkauf von herkömmlichen benzin- und dieselangetriebenen Fahrzeugen angewiesen. Denn sie brauchen die Einnahmen, um die hohen Investitionen in die E-Mobilität finanzieren zu können.

Es wird immer noch geschummelt

Schon die geltenden Abgas-Regelungen machen den Autoherstellern zu schaffen. Die Grenzwerte für den CO2- und Stickstoffausstoß werden von vielen Herstellern überschritten. Das haben Messungen des Emissions- Kontroll-Instituts ergeben. Die Hersteller verzichten auf effektive Abgasreinigungsanlagen und helfen sich mit illegalen Abschalteinrichtungen. Darüber hinaus stimmen die Herstellerangaben zum Spritverbrauch nicht mit der Realität überein. Auch bei E-Fahrzeugen wird geschummelt. Der Stromverbrauch liegt oftmals 30 bis 40% über den offiziellen Angaben. Und die Bundesregierung schaut dem Treiben tatenlos zu.

Der Optimismus nimmt zu

Unabhängig von den Abgasproblemen macht der Wandel in der Branche immer größere Fortschritte. Ende des Jahres könnten schon 1 Mio. Stromer auf deutschen Straßen fahren. Denn das Fahrzeugangebot wird breiter, die Reichweiten größer und die Ladezeiten kürzer. Zudem sind elektrifizierte Fahrzeuge dank der Förderung von bis zu 9.000 € preislich attraktiver geworden. Lediglich beim Ausbau der Ladeinfrastruktur besteht noch erheblicher Handlungsbedarf, vor allem europaweit. 75% aller Ladestationen finden sich in nur 3 Ländern: Deutschland, Frankreich und Niederlande.

Aussichtsreich bleiben Daimler, Volkswagen und General Motors. Bei Stellantis muss abgewartet werden, ob der Zusammenschluss von Peugeot und Fiat Chrysler schnell und reibungslos gelingt und die erwarteten Synergien realisiert werden können.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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