Aktien verkaufen – das Wann und Wie entscheidet

Deutsche Börse Frankfurt Handelssaal RED – Deutsche Börse

Es ist nicht einfach zu bestimmen, wann und wie man Aktien verkaufen sollte. Mit einigen Hilfsmitteln lassen sich aber Verluste begrenzen. (Foto: Deutsche Börse AG)

Obwohl Aktien sich vorwiegend als Langfristanlage eignen, kommt es zu Situationen, in denen man sich als Anleger besser von einigen Aktien aus dem Depot trennt. Dabei spielen nicht nur taktische Überlegungen eine Rolle. Wenn etwa alles dafür spricht, dass ein Unternehmen auf dem absteigenden Ast ist, verdirbt es die Wertentwicklung im Depot. Wenn Umschichten durch Aktienverkauf angesagt ist, so mag das auf Anhieb recht einfach erscheinen, doch bei der Frage wann und wie man als Anleger Aktien verkaufen sollte, gilt es ein paar Aspekte zu beachten.

Optimaler Zeitpunkt wird fast immer verpasst

Neben dem Wie ist zunächst das Wann beim Verkaufen von Aktien wichtig: das richtige Timing. Da natürlich niemand vorhersagen kann, wann eine Aktie ihren Höhepunkt erreicht, wird man höchstens durch Zufall den optimalen Zeitpunkt erwischen. Mit gewissen Einbußen ist immer zu rechnen. Fragt sich nur, ob es besser ist, Anfangsverluste oder verpasste Maximalgewinne zu riskieren. In aller Regel sollte man lieber früher aussteigen und auf die letzten Reste an Zugewinn verzichten. Verluste indes wirken sich stärker aus. Zumal wenn ein Abwärtstrend rasch seine Dynamik entfaltet, während man in der Hoffnung auf eine Kurserholung der Wertpapiere noch zögert.

Was es bedeutet, längere Zeit im tiefen Tal der Kursniederungen zu landen, wissen nicht zuletzt Anleger zum Beispiel mit Aktien von RWE oder Eon im Depot. Nach dem beschlossenen Atomausstieg nötigten Papiere der Energieversorger den Aktionären Jahre der Geduld und Hoffnung ab. Sind drastische Kursverluste erst einmal eingetreten, ist das Thema Aktien verkaufen einstweilen erledigt.

Deshalb am besten in Sachen Wertpapiere rechtzeitig mit kühlem Kopf arbeiten – die schlechtesten Berater sind aufkommender Gier oder Angst. Im ersten Fall werden Chancen überreizt, im zweiten Fall werden Aktien viel zu lange nicht verkauft. Da selbst mit Chartanalysen und Indikatoren der ideale Zeitpunkt schlecht zu definieren ist, steckt man im Vorab klare Ziele und Limits anstatt eine spontane Entscheidung zu treffen. Sowohl bei den Kurszielen als auch bei den Verslustgrenzen kommt es ganz auf die jeweilige Aktie an.

Limits gegen Angst und Gier

So sind bei soliden, etablierten Konzernen im Dax normalerweise weniger starke Kurssprünge der Wertpapiere zu erwarten als bei aufstrebenden Unternehmen, die ihre Zukunft noch vor sich haben. Entsprechend bieten sich beispielsweise Kursziele zwischen 10% und 30% an. Bei trägeren Aktien sind die Grenzen bereits mit kleineren Werten schnell erreicht, bevor sie zu teuer gekauft werden und ins Minus drehen. Ähnliches gilt umgekehrt für Verlustlimits bei Aktien. Wer bereit ist, auf ein paar Prozent nach oben bzw. auf Gewinne zu verzichten und nach unten Verluste im Depot begrenzt, schläft ruhiger.

Dieser Schutzmechanismus lässt sich ganz einfach über einen Orderzusatz einrichten. Damit werden Aktien entsprechend festgelegter Kriterien und Grenzen automatisch verkauft. Das bange Starren auf den Kursverlauf entfällt weitgehend. Man geht weder der eigenen Gier noch der Angst auf den Leim und bleibt sowohl bei übertriebener Markteuphorie als auch bei Panikverkäufen in der selbstgesteckten Schutzzone.

An der Stelle deckt sich das Wann mit der Frage wie man Aktien verkaufen kann. Die angesprochenen Orderzusätze lassen sich beim Aktienverkauf in drei Gruppen aufteilen.

Sell Limit Order

Mit diesem Zusatz wird ein Mindestkurs festgelegt, zu dem verkauft wird. Beim Erreichen oder Überschreiten einer bestimmten Kursmarke wird die Order für die Wertpapiere umgehend ausgeführt, jedoch nicht, wenn der Aktienkurs unterhalb des Limits liegt. Ziel ist es, möglichst vorteilhafte Kurse zu sichern.

Stop Order

Hier wird beim Handelsplatz ein Verkauf ausgeführt, sobald sich der Aktienkurs nachteilig entwickelt. Als Anleger möchte man sich damit Gewinne sichern und setzt einen Stop unterhalb des aktuellen Marktpreises. Läuft der Kurs in den kritischen Bereich, wird die Aktie umgehend verkauft. Wie eingangs erwähnt, lässt sich dies zum Beispiel auch bei steigenden Kursen einsetzen. Es wird automatisch verkauft, wenn der Kurs eine kritische Schwelle erreicht, an der er zu kippen droht.

Market Order

Bei der Market Order gibt es kein Limit. Die Aktie soll so schnell wie möglich verkauft werden. Die dabei möglichen Zusätze „billigst“ oder „bestens“ bedeuten lediglich, dass der Verkauf an dem Handelsplatz sofort umgesetzt wird auch wenn dabei Verluste entstehen. Dies kann etwa geschehen, wenn der Kurs aufgrund von Sprüngen in der Zwischenzeit von der persönlichen Erwartung abweicht.

Kosten und Steuern

Diese Orderzusätze werden bei demjenigen angegeben, der die Aktien handelt – in der Regel eine Bank bzw. ein Broker. Da persönliche oder telefonische Aufträge seltener werden, wird heute meist online agiert. Ausgeführt wird ein Verkauf am Sekundärmarkt, also einer Börse bzw. einem Handelsplatz wie der Börse Stuttgart, der Frankfurter Börse oder Tradegate, die auf Privatanleger spezialisiert ist. Außerbörslich werden eher exotische Aktien oder billige Pennystocks verkauft.

Die Börsen verdienen natürlich am Handel und haben unterschiedliche Preismodelle. Auch verlangt der Broker bzw. die Bank für jede Transaktion, also für das Kaufen und auch für jeden Verkauf, ein Entgelt bzw. eine Gebühr. Ein Vergleich der Anbieter nach Gebühr im Vorfeld ist somit dringend geboten.

Schließlich ist noch das Finanzamt mit im Spiel. Der Verkauf von Aktien fällt in den Bereich Kapitalerträge und damit unter die Abgeltungssteuer. Die pauschalen 25% werden üblicherweise von der Bank direkt abgezogen und weitergeleitet. Nicht so, wenn der Anbieter im Ausland sitzt. In dem Fall muss man selbst die Beträge versteuern, die den Jahresfreibetrag von 801 Euro für Ledige und das Doppelte für Verheiratete übersteigen.

Mit begrenztem Verlust verkaufen und reinvestieren

Insgesamt ist es durchaus nicht einfach, Signale richtig zu interpretieren, die anzeigen, wann und wie man Aktien am besten am Handelsplatz verkaufen sollte. So können Aktien an sich gut aufgestellter Firmen von der negativen Börsenstimmung mitgerissen werden, die eine ganze Branche erfasst. Selbst die Geschäftsdaten eines Unternehmens sind keine Garantie für Vorhersagen. Möglich ist allerdings die Einschätzung über das Kurs-Umsatz Verhältnis, ob eine Aktie im Branchenvergleich zu teuer ist. Bei einem vergleichsweise sehr hohen Wert besteht die Überlegung, die Aktie eher zu verkaufen.

Ein Verkauf lässt sich auch erwägen, wenn der Kurs längere Zeit deutlich unter dem Einstandspreis liegt. Die verbreitete Hoffnung auf baldige Besserung wird häufig genug enttäuscht. Auf keinen Fall sollte man sich gegen einen eindeutigen Abwärtstrend stemmen. Lieber mit begrenztem Verlust verkaufen und das Kapital in aussichtsreicheren Aktien anlegen als auf kommende Gewinne zu hoffen.

E.ON Logo RED_shutterstock_1094724095_Piotr Swat

Das sind die Gewinner und Verlierer der jüngsten BerichtssaisonUm zu beurteilen, wer im Dax die Gewinner und Verlierer dieser Berichtssaison sind, orientieren wir uns an Geschäftszahlen und Aussichten.  › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.