Aktien verschenken – Gründe, Ablauf & Versteuerung

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Wenn Sie heutzutage Aktien oder Fondsanteile erwerben, findet dies in aller Regel in digitaler Form statt. Sie erhalten also nicht mehr ein Stück Papier. (Foto: gopixa)


Das Wichtigste zum Verschenken von Aktien

Definition: Verschenken von Aktien dient als attraktive Alternative zu herkömmlichen Geschenken

Schmuckaktien: Wertpapiere, die künstlerisch gestaltet sind & Sammlerwert vorweisen können

Grundvoraussetzung zur Schenkung: Schenker & der Beschenkte müssen ein Aktiendepot besitzen

Kosten für das Verschenken: Belaufen sich ausschließlich auf die Handelsgebühr, sofern Schenkung als solche markiert wird

Schenkungssteuer: Freibetrag ausnutzen, berechnet sich anhand des Verwandtschaftsverhältnisses


In den vergangenen Jahrzehnten galt es als üblich, Kindern bzw. Neugeborenen ein Sparbuch zu schenken und dieses zu besparen. Beim achtzehnten Geburtstag oder zur Hochzeit wurde dieses dann überreicht. Diese Tradition wird im Jahre 2019 durch das Besparen von Aktienfonds oder ETFs vielerorts fortgeführt, da Sparbücher keinen Zinsertrag mehr versprechen. Einzelaktien können ebenfalls abgeschlossen und übergeben werden.

Abgesehen von dieser Tradition gibt es zahlreiche weitere Gründe, Aktien zu verschenken. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Verschenkungsthematik der Wertpapiere und zeigt auf, worauf geachtet werden muss.

Gründe: Warum sollte man Aktien verschenken?

Aktien zu verschenken kann sehr sinnvoll sein, da sie den Vorteil haben, dass sie im Idealfall ihren Wert steigern können, anstatt ihn zu verlieren. Als Geschenk bieten sie sich vor allem zur Geburt eines Kindes oder für Kinder an, aber auch als Ausgangslage für ein Aktienportfolio kann ein Geschenk von Aktien dienen.

Wieso Aktien ein gutes Geschenk sind

 

Durch den Zinseszinseffekt, wenn Dividenden ausgeschüttet und reinvestiert werden, kann der Wert ebenfalls in erheblichem Maße ansteigen. Grundlage ist in diesem Zusammenhang, dass die Aktie Dividenden auszahlt. Ist dies nicht der Fall, kann der Beschenkte von der Kurssteigerung der Aktie als solche profitieren.

Es können hohe Renditen und entsprechende Gewinne die Folge sein. Aktien als Geschenk bieten sich ebenfalls für Geschwister, Eltern oder Freunde an. In Abhängigkeit von Alter und Anlagezeit wird der Zinseszinseffekt jedoch unter Umständen keinen hohen Hebel erwirken können.

Tipp

Sollten Aktien als Geschenk in Betracht gezogen werden, empfiehlt es sich, Aktien eines Unternehmens zu kaufen, mit dem sich der Geschenkempfänger identifizieren kann. Somit hat der Beschenkte einen persönlichen Bezug zu der Aktie.

Einzelaktien oder Aktiendepots verschenken?

Gerade beim Verschenken von Aktien stellt sich die Frage, ob es sinnvoller ist, Einzelaktien oder Aktiendepots zu vergeben. Beide Optionen bieten Vorund Nachteile. Welches letzten Endes für den Beschenkten eher in Frage kommt, muss individuell entschieden werden. Tatsache ist, dass es sich bei Aktien um ein Geschenk handelt, das dem Beschenkten nach langer Zeit noch einen Gewinn bringen kann.

EinzelaktienAktiendepot
Identifikation des Beschenkten mit dem UnternehmenIdentifikation mit den Aktien seitens des Beschenkten ist eher unwahrscheinlich
Fokussierung auf ausgewählte UnternehmenGeringere Schwankungen
Kaum DiversifikationBessere Diversifikation & Risikostreuung

Was gilt es bezüglich Namensaktien zu beachten?

Namensaktien gehören zu den Orderpapieren. Wer im Besitz einer Namensaktie ist, genießt keine Anonymität. Eine Aktienübertrag von Namensaktien ist möglich.

Das Unternehmen hat die Möglichkeit, die Aktienübertragung einer Namensaktie einzuschränken. Jede Namensaktie wird im Aktienbuch des Unternehmens eingetragen. Hierdurch wird ein Überblick über die Besitzverhältnisse geschaffen. Das Unternehmen hat somit die Möglichkeit, mit jedem Aktionär individuell in Kontakt zu treten.

Aktien verschenken: Wertpapiere in Papierform

Heutzutage werden Aktien oder Fondsanteile in der Regel in digitaler Form erworben. Die Papierform, die früher den Besitz einer Aktie gekennzeichnet hat, ist heute selten zu finden. Wertpapiere in Papierform sind bei Sammlern nach wie vor beliebt, wenn nicht sogar beliebter als je zuvor. Für das tatsächliche Handeln und Halten der Wertpapiere ist die digitale Form der Papiervariante einfachheitshalber vorzuziehen.

Effektive Stücke deutscher Fonds befinden sich bei zahlreichen deutschen Anlegern noch in Papierform. Für diese gelten gesonderte Regeln.

Was sind effektive Stücke deutscher Fonds?

Als effektive Stücke werden Wertpapiere in Papierform bezeichnet. Hierbei kann es sich um Aktien, Anleihen sowie einige wenige Fonds handeln. Wer solche Papiere besitzt, musste diese bis spätestens zum Jahresende 2016 ins digitale Depot einliefern. Ist dies nicht geschehen, verlieren die Papiere ihre Handelbarkeit.

Die jahrzehntelange Ära effektiver Stücke deutscher Fonds endete hier. Der Gesetzgeber sorgt somit für das endgültige Ende sogenannter effektiver Stücke deutscher Fonds. Die Anzahl dieser Stücke hat sich seit der Jahrtausendwende ohnehin erheblich reduziert.

Es liegen noch immer ein paar solcher Papiere in Bankschließfächern oder heimischen Tresoren. Wer nicht frühzeitig entsprechende Vorkehrungen getroffen hat, besitzt seit Anfang 2017 noch ein Legitimationspapier für eine Depotgutschrift gegenüber der Verwahrstelle des Fonds. Es handelt sich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr um ein frei handelbares Wertpapier. Die Anteile gehören weiterhin dem Besitzer.

Was sind Schmuckaktien?

Bei Schmuckaktien handelt es sich um Wertpapiere, die besonders künstlerisch gestaltet sind. Außerdem unterscheiden sie sich in ihrem enorm hochwertigen Druck von anderen Wertpapieren. Schmuckaktien sind auf dem Markt sehr gefragt. Ihr Sammlerwert übersteigt häufig den eigentlichen Nominalwert des Wertpapieres. Als Ergebnis eignen sich Schmuckaktien durchaus zum Verschenken, sie sollten an einen Sammler gehen. Für die reguläre Übertragung von Aktien eignen sich digitale Wertpapiere besser.

Hinweis

Bei Schmuckanleihen spekuliert der Emittent darauf, dass diese nicht eingelöst werden, sondern als Sammlerstücke betrachtet werden. Dementsprechend werden sie über den Verfallstag hinaus aufbewahrt und verlieren ihren Nominalwert.

Voraussetzung zum Verschenken von Aktien: das Aktiendepot

Um Aktien verschenken zu können bzw. geschenkt zu bekommen, gibt es eine wichtige Voraussetzung. Der Schenker und der Beschenkte müssen über ein Aktiendepot verfügen. Begründen lässt sich das damit, dass Aktienhandel heute elektronisch stattfindet. Es handelt sich nicht mehr um Wertpapiere in ihrer eigentlichen Form, wodurch eine manuelle Übertragung unmöglich wird.

Tipp

Damit es sich bei Aktien um ein optisch schönes Geschenk handelt, können Urkunden im Internet ausgedruckt werden. Hier kann der Name des Unternehmens und des Aktienbesitzers eingetragen werden. Dies ist vor allem für Kinder interessant, damit sie etwas physisch in der Hand haben.

Jeder Aktieninhaber muss im Besitz eines Aktiendepots sein, in welchem die Aktie hinterlegt wird. Trotzdem können Aktien für Minderjährige als Geschenk infrage kommen. Minderjährige besitzen in der Regel kein Aktiendepot. Dieses kann aber von den Erziehungsberechtigten eröffnet werden. Soll für das Kind kein eigenen Aktiendepot eröffnet werden, kann die Aktie auf das Depot eines der Erziehungsberechtigen geschoben werden.

Hinweis

Ohne eine vorhandenes Aktiendepot auf beiden Seiten ist eine Schenkung von Aktien unmöglich.

Aktien verschenken: so geht’s!

Um Aktien verschenken zu können, müssen sie erst einmal gekauft werden. Dies verhält sich bei jedem anderen Geschenk genauso: Es lässt sich nichts verschenken, das man nicht besitzt. Nachdem sich die Aktie im Besitz des Schenkers befindet, kann sie über den Broker auf das Aktiendepot des Geschenkempfängers verschoben werden.

Wie man Aktien verschenkt

 

In der Regel ist der Vorgang der Übertragung kostenlos. Es fallen ausschließlich die Handelsgebühren an. Die Abgeltungsteuer kann bei diesem Prozess umgangen werden. Voraussetzung für die Umgehung der Abgeltungssteuer ist, dass angegeben wird, dass es sich um eine Schenkung handelt. Einmalige Schenkungen im vierstelligen Bereich sind kostenlos, sodass die Abgeltungssteuer nicht wirksam wird und die Schenkungen deshalb versteuert werden müssen. Anders verhält es sich bei Schenkungen ab einem Übertragungswert von 20.000 €. Von diesem Moment an sollte die Schenkungssteuer berücksichtigt werden.

Hinweis

Handelt es sich um Schenkungen innerhalb der Familie sind diese bis zu einem Betrag von 500.000 € von der Schenkungssteuer befreit. Ausschlaggebend ist der Verwandtschaftsgrad.

Aktien verschenken: Elektronisch oder in Papierform?

Wer Aktien verschenkt, hat im Grunde genommen nichts in der Hand, um es dem Beschenkten physisch zu überreichen, da Papieraktien nicht mehr die Norm sind. Allerdings ist es für die Geste deutlich schöner, etwas in der Hand zu halten. Dem kann Abhilfe geschaffen werden. Im Internet können Urkunden gesucht und ausgedruckt werden. Findet man nicht das passende Dokument als Vorlage, kann man selbst eine Urkunde entwerfen.

Tatsache ist, dass diese Urkunden offiziell wertlos sind. Mit diesen Urkunden kann nicht gehandelt werden. Ebenfalls geht der Wert der Aktie daraus nicht hervor. Es handelt sich nicht um ein offizielles Dokument. Dieses Papier ist ausschließlich für den Schenkenden bzw. den Beschenkten von Bedeutung.

Anders gestaltet es sich mit offiziellen Urkunden zu den Aktien als Alternative zu Papieraktien. Diese werden von wenigen Unternehmen angeboten. Sollte dies der Fall sein, sind entsprechende Angaben in der Satzung des jeweiligen Unternehmens zu finden. Es ist mittlerweile typisch, dass Unternehmen, wenn überhaupt, auf Sammelurkunden zurückgreifen. Damit entfällt das Recht auf die Auslieferung einzelner physischer Aktien als Papieraktien.

Fazit

Jenseits der elektronischen Form der Wertpapiere sind selbstausgestellte Urkunden jeder Art für den tatsächlichen Handel mit Aktien bedeutungslos. Diese erfüllen einen rein ideellen Wert für die Schenkung. Papieraktien sind eine Seltenheit und schwer zu erhalten.

Was kostet das Verschenken von Aktien?

Die Kosten des Verschenkens einer Aktie beschränken sich in der Regel auf die Handelsgebühr. Diese wird fällig, da der Broker die Aktie von Depot A in Depot B verschiebt. Andere Kosten, wie beispielsweise die Schenkungssteuer, werden erst ab einer bestimmten Summe fällig. Vergleichbare Gebühren fallen beim Depotübertrag an.

Abgeltungsteuer und Schenkungssteuer lassen sich beim Transfer von Aktien aus dem einen in ein anderes Depot vermeiden. Hierfür gilt es den Transfer als Schenkung zu deklarieren sowie Freibeträge zu nutzen. Mehr dazu im nächsten Kapitel.

Sparpläne verschenken

Auch Sparpläne sind ein gutes Geschenk, vor allem für Kinder. Denn Sparpläne eignen sich gut dafür, ein langfristiges Vermögen aufzubauen und sind dabei einfach, transparent, individuell flexibel und oft sogar kostenlos. Inbesondere ETF-Spar­pläne und Fondssparpläne eignen sich als günstige und ren­dite­star­ke Geld­an­la­gen. Viele Banken und Online-Broker bieten Fonds­sparpläne, ETF-Spar­pläne und klassi­sche Bank­spar­pläne oft schon ab einer Spar­rate von nur 25 € im Monat an. Diese Sparpläne eignen sich ideal als Investition in die Zukunft von Kindern, die man dann an sie verschenken kann, beispielsweise zum 18. Geburtstag.

Schenkungssteuer beim Verschenken von Aktien

Schenkungssteuer Freibetrag

 

Verschenkte Aktien sind bis zu einem gewissen Betrag von der Schenkungssteuer befreit. Die Einstufung dieses Freibetrages wird an dem Verwandtschafts- bzw. Beziehungsgrad durch das Finanzamt bemessen. Die Freibeträge bei Schenkungen können alle zehn Jahre in Anspruch genommen werden. Insbesondere bei der Übertragung von Depots mit größerem Übertragungswert sollte rechtzeitig mit dem Prozess begonnen werden, damit genügend Zeit bleibt. Einer Erbschaft kann somit zuvorgekommen bzw. der Erbschaft vorweggenommen werden.

VerhältnisFreibetrag
Ehegatten / eingetragene Lebenspartner / Ehepartner500.000 €
Kinder400.000 €
Enkelkinder200.000 €
Geringerer Verwandtschaftsgrad20.000 €

Abgeltungssteuer beim Verschenken von Aktien vermeiden

Beim Verschenken einer Aktie sollte dieser Vorgang als solcher gekennzeichnet werden, um eine steuerfreie Transaktion durch den Schenkenden zu gewährleisten. Andernfalls wird die Abgeltungsteuer beim Depotübertrag berechnet. Die Abgeltungssteuer fällt dann an, wenn davon ausgegangen wird, dass es sich um einen normalen Aktienhandel handelt.

Das Finanzamt legt diese Steuer pauschal mit 25 % fest, zuzüglich dem Solidaritätszuschlag. Wird ein Übertrag von einem Depot auf ein anderes beantragt, ist darauf zu achten, diesen Übertrag als Schenkung zu markieren.

Tipps zum Verschenken von Aktien

Wer sich dazu entscheidet, Aktien zu verschenken, sollte unterschiedliche Faktoren im Hinterkopf behalten. Diese reichen von der Vorbereitung über die Auswahl der Aktien bis hin zum tatsächlichen Übertrag in den Besitz des zu beschenkenden. Wer sich schon einmal mit dem Handel von Aktien beschäftigt hat, dem ist bewusst, dass der Zeitpunkt des Kaufs einen großen Einfluss auf den Preis des Wertpapiers haben kann. Daher ist es sinnvoll, einen, im wahrsten Sinne des Wortes, günstigen Zeitpunkt zu wählen.

Davon abgesehen, sollte stets darauf geachtet werden, eine Schenkung als solche zu kennzeichnen. Andernfalls werden unter Umständen enorme Steuern berechnet. Diese können durch einen einfachen Hinweis des Übertragungsgrundes umgangen werden. Wird dies nicht vermerkt, hat der Broker keine Auskunft darüber und geht beim Übertrag davon aus, dass es sich um einen regulären Handel handelt.

Bei einer Schenkung von Wertpapieren handelt es sich um einen Vorgang, der theoretisch rückgängig gemacht werden kann. Es ist hierbei allerdings unbedingt zu berücksichtigen, dass auf die Betroffenen, steuerlich betrachtet, einiges zukommt. Begründet wird dies mit den individuellen Freibeträgen bei Schenkungen. Beispielsweise spendiert das Gesetz Eltern, Enkelkindern und Geschwistern wesentlich niedrigere Freibeträge als Kindern oder Ehepartnern.

Tipp

Die Schenkung von Wertpapieren rückgängig zu machen, ist, finanziell betrachtet, selten sinnvoll. Ein Schenkungsvertrag kann die Bedingungen der Übertragung festgehalten werden.

Fazit zum Verschenken von Aktien

Aktien bieten als Geschenk in jedem Fall eine attraktive und eher außergewöhnliche Möglichkeit. Wer einmal ein Geschenk austeilen möchte, das nicht dem typischen Standard entspricht, der sollte die Option eines Wertpapieres in Form einer Aktie genauer in den Blick nehmen. Der Vorteil gegenüber anderen Geschenken ist, dass im besten Fall kein Wertverlust entsteht, sondern der Wert mit jedem Jahr der Anlage gesteigert wird.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

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