Altersarmut in Deutschland – Ursachen & Vorsorge

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Altersarmut hat Auswirkungen auf die Lebensqualität, Gesundheit und Lebenserwartung. Erfahren Sie mehr über die Zusammenhänge. (Foto: Khongtham/ shutterstock.com)

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Inhaltsverzeichnis

Altersarmut: Fakten & Statistiken

Definition der EU: Armutsgefährdet: < 60% des nationalen Medianeinkommens; Arm: < 40 % des Medianeninkommens

Statistisch häufig betroffen: Frauen, Selbstständige, Alleinerziehende, Geringverdiener, Langzeitarbeitslose

Vorsorge von Altersarmut: Gesetzliche & private Rentenversicherung, Lebensversicherung, Rürup-/Riester-Rente, Sparpläne & Wertpapiere

Gründe für Altersarmut: Absenkung des Rentenniveaus, Berufsunterbrechungen, Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne, Selbstständigkeit mit geringem Einkommen


Das Thema Altersarmut ist nicht nur für viele ältere Menschen eine große Belastung, sondern auch für die jüngere Generation. Sie fürchtet sich schon jetzt davor, dass die Rente im Alter nicht ausreichen wird – auch wenn sie ein Leben lang gearbeitet hat. Die Ursachen dafür sind breit gefächert. In Zukunft werden immer mehr Menschen von Altersarmut bedroht sein.

Der „Schuldneratlas 2019″ der Wirtschaftsaufkunftei Creditreform berichtet von 380.000 überschuldeten Senioren. Die Gründe dafür sind nicht nur die vergangenenen Rentenreformen, welche das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente erheblich kürzten. Unregelmäßige Einkünfte bzw. Anstellungen im Verlauf eines Lebens, der anwachsende Niedriglohnsektor sowie die Steigerung der Mieten haben in vielen Fällen Armut im Alter zur Folge.

Was versteht man unter Altersarmut?

Es gibt keine allgemeingültige oder gesetzlich festgelegte Definition von Altersarmut. Verschiedene Organisationen haben aber versucht, Altersarmut an einigen Kriterien festzumachen.

  • Armut: Definition der Weltgesundheitsorganisation

Die Weltgesundheitsorganisation (kurz WHO) spricht beispielsweise von Armut, wenn einer Person weniger als die Hälfte des nationalen Durchschnittseinkommens zur Verfügung steht.

  • Armut: Definition der Europäischen Union

Für die Europäische Union gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60 % des nationalen Medianeinkommens zur Verfügung hat.

Mit weniger als 40 % des nationalen Medianeinkommens gelten Menschen laut der Definition der Europäischen Union als arm.

Obwohl es keine allgemeingültige Definition gibt, sind sich die meisten Organisationen einig, dass Altersarmut dann vorliegt, wenn ein Rentner seine Kosten nicht alleine decken kann. Reichen die Rentenversicherung und alle weiteren Zahlungen nicht dafür aus, den Lebensunterhalt zu bestreiten, wird allgemein von Altersarmut gesprochen.

Was ist das Medianeinkommen?

Unter dem Medianeinkommen oder mittleren Einkommen einer Nation oder einer Gruppe versteht man die Höhe des Einkommens, bei der die Anzahl der Personen bzw. Haushalte mit niedrigem Einkommen der Anzahl der Personen mit höherem Einkommen entspricht.

Folglich definiert der Median beziehungsweise der Zentral- oder Mittelwert das mittlere Einkommen.

Wussten Sie? 

2017 betrug das Medianeinkommen von Alleinstehenden in Deutschland 1.400 €. Armutsgefährdet sind jene Personen, welchen monatlich weniger als 840 € zur Verfügung stehen. Als arm gelten nach der Definition der Europäischen Union alle, die monatlich weniger als 560 € erhalten.

Wer ist von der Altersarmut bedroht?

Heutzutage sind wesentlich mehr Menschen von Altersarmut bedroht, als noch vor 10 oder 20 Jahren. Die Zahl der Altersarmen wird laut Experten noch deutlich steigen.

Besonders Menschen mit geringem Einkommen oder jene, die zwischenzeitlich für eine längere Zeit ohne Einkommen waren, sind von Altersarmut bedroht. Da sie nur wenig Geld in die Rentenkasse einzahlen konnten, erhalten sie im Alter nur eine kleine Rente und haben oftmals nur wenige bis gar keine Ersparnisse.

Eine große Gefahr für die Rente sind außerdem die Niedriglöhne. Für Geringverdiener ergeben sich zwei gravierende Probleme. Zum einen können sie nur sehr wenig in die Rentenkasse einzahlen, zum anderen müssen sie häufig früher in die Rente eintreten, da sie durch ihre Arbeit körperliche Erkrankungen haben.

Zahlen & Fakten

Derzeit sind rund 2,6 Millionen Rentner von Armut bedroht. Das sind 15,6 % der über 65 Jährigen. Und diese Zahl wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen.

Gruppen die von Altersarmut gefährdet sind

Wie kann man sich vor Altersarmut schützen?

All diese genannten Gründe für die Altersarmut sind der deutschen Regierung bekannt und sie arbeiten daran, der Altersarmut entgegen zu wirken. Dafür wurden verschiedene Projekte und Gesetze eingeführt:

  • Der Regelbedarf für die Grundsicherung wurde geändert: In der höchsten Stufe I erhalten Rentner 416 €, in der niedrigsten Stufe VI 240 €.
  • Die Rente mit 63 bzw. 64 wurde eingeführt: Wer zwischen 1951 und 1963 geboren ist und 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hab, kann mit 63 bzw. 64 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen.
  • Die Mütterrente soll vor allem Frauen unterstützen: Mütter, die sich um ihre vor 1992 geborenen Kinder gekümmert haben, können ihre Kindererziehungszeit auf zwei Jahre erhöhen. Die Rente soll sich dadurch erhöhen.
  • Der Mindestlohn wurde eingeführt: Durch den Mindestlohn soll das Einkommen von Geringverdienern steigen und Ausbeutung verhindert werden.

Obwohl der Staat mit diesen neuen Regelungen versucht hat, die Menschen vor Altersarmut zu schützen, sind dennoch viele Menschen von ihr bedroht. Schon lange ist klar, dass man sich nicht alleine auf die gesetzliche Rente verlassen kann und anders vorsorgen sollte, wenn man im Alter nicht an der Armutsgrenze leben möchte.

Die Meinungen gehen weit auseinander, wie man am besten für das Alter vorsorgen kann. Etwa 16 Millionen Deutsche investieren dabei in die unterschiedlichsten Möglichkeiten und Konzepte.

Altersarmut vorsorgen: Betriebliche Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge kann von Arbeitgeber und/oder Arbeitnehmer finanziert werden. Ein festgelegter Teil des Einkommens wird direkt in eine private Rentenversicherung eingezahlt.

Dieser monatliche Betrag wird natürlich vom Gehalt abgezogen, weshalb niedrigere Ansprüche auf die gesetzliche Rente entstehen. Außerdem muss eine solche Betriebsrente im Rentenalter versteuert werden.

Altersarmut vorsorgen: Lebensversicherungen

Es gibt Kapitallebensversicherungen mit genau definierten Laufzeiten. Endet die Versicherung bei Eintritt in die Rente, wird die Summe ausgezahlt. Sie steht dann zur freien Verfügung.

Eine solche Kapitallebensversicherung wird häufig mit einer Risikolebensversicherung kombiniert. Kommt es innerhalb des Versicherungszeitraums zum Versterben des Versicherten, wird seinen Angehörigen eine vereinbarte Summe ausgezahlt.

Lebensversicherungen sind eine beliebte Altersvorsorge – Verträge, die nach 2005 abgeschlossen wurden, müssen aber voll versteuert werden.

Altersarmut vorsorgen: Rürup- & Riester-Rente

Wer nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt – wie Selbstständige beispielsweise – kann sich mit einer Rürup-Rente absichern. Ab dem 60. Lebensjahr kann das eingezahlte Geld ausgezahlt werden.

Die Rürup-Rente wird in Form von Steuerbegünstigungen staatlich gefördert. An das eingezahlte Geld ist vor dem Rentenalter kein Herankommen – es kann also nicht vorab für andere Zwecke ausgegeben werden.

Riester-Renten sind ebenfalls für manche ein sinnvolller Weg der Vorsorge. Hierbei gibt es verschiedene Varianten:

  • Bausparen
  • Fondssparplan
  • Banksparplan
  • Private Rentenversicherung
  • Fondsgebundene Rentenversicherung

Diese Möglichkeiten für das Alter vorzusorgen, sind vor allem für Familien ein guter Weg, denn sie werden besonders begünstigt. Die Zahlungen sind ebenfalls erst ab einem Alter von 60 Jahren zu erhalten. Sie werden dann in Form einer monatlichen Rente ausgezahlt.

Hinweis

Aufgrund der hohen Kosten für die Riester-/Rürup-Verträge ist der Abschluss einer solchen Versicherung sorgfältig abzuwägen.

Altersarmut vorsorgen mit Investments

Die beste Möglichkeit der privaten Vorsorge zur Vorbeugung von Altersarmut sind Aktien, Aktienfonds und ETFs – ggf. als monatliche Sparpläne.

ETF-Sparpläne bieten zum Beispiel gute Renditechancen und sind bei langen Laufzeiten verhältnismäßig sicher, da kurzfristige Marktschwankungen kein Grund zur Sorge sein müssen.

Mit einem Fondssparplan können Sie bereits mit einer geringen monatlichen Sparrate ab beispielsweise 25 € regelmäßig in Aktien investieren. Dabei kann man die Sparrate seinen jeweiligen finanziellen Möglichkeiten anpassen. Am besten eignet sich ein weltweit anlegender Aktienfonds.

Wer frühzeitig anfängt zu sparen, kann durch den Zinseszinseffekt im Zeitablauf auch mit kleineren regelmäßigen Sparbeiträgen privates Alterskapital aufbauen. Das angesparte Kapital erwirtschaftet Zinsen und diese erwirtschaften wiederum Zinseszinsen. Dieser Effekt ist umso größer, je länger das Sparkapital angelegt wird.

Was sind die Vorteile von Sparplänen zur Altersvorsorge?

Der Vorteil bei dieser Art der Vorsorge ist unter anderem, dass Sparer oft ohne große Verluste an ihr Geld kommen. Bei Festverträgen wie privaten Rentenversicherungen ist das in der Regel nicht der Fall. Zudem werden für diese Art der Geldanlage verhältnismäßig wenig Gebühren eingezogen.

Durch gutes Management ergibt sich eine gewisse Risikostreuung, da ein Fonds in viele verschiedene Aktien investiert. Rechtzeitig vor Erreichen des Ruhestands sollte man sein Aktienfondskapital zumindest teilweise in festverzinsliche Wertpapiere umtauschen, um zu verhindern, dass ein Börsencrash das angesparte Kapital kurz vor Erreichen der Altersgrenze vermindert.

Tipp

Wichtig bei der Altersvorsorge ist der Mix aus verschiedenen Produkten, um auch Verluste abfedern zu können. Gerade im Bereich Fonds gibt es auch Produkte mit geringem Risiko, langfristiger Anlagestrategie und garantierten Renditen.

Wo erhält man Sparpläne zur Altersvorsorge?

Fondsanteile oder ETFs (auch Sparpläne) kann man einfach und günstig zum Beispiel bei Direktbanken erwerben. Wer Wert auf Beratung legt, kann sich zum Beispiel an seine Hausbank wenden.

Dieser sollte man allerdings die Order geben, die Fonds an der Börse zu kaufen, weil man dann wie im Fondsshop oder bei einer Direktbank den Ausgabeaufschlag spart. Dies wirkt sich nicht unerheblich auf die Rendite aus.

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Hilft die Grundsicherung gegen Altersarmut?

Die Grundsicherung soll Rentner unterstützen, die aus allen Einkünften nicht genug Geld haben, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Diese kann aber nur unter bestimmten Voraussetzungen bezogen werden.

Ein Kriterium ist, dass die Betroffenen eine Altersgrenze erreicht haben, die von ihrem Geburtsjahr abhängig ist. Sie liegt zwischen 65 und 67 Jahren. Dieses muss erreicht werden, da man davon ausgeht, dass die Betroffenen in dem Alter keiner Arbeit mehr nachgehen können. Sonst müssten sie ihr Einkommen durch einen Arbeitslohn aufstocken.

Liegen alle Einkünfte eines Rentners unter der Bedarfsgrenze, dann greift die Grundsicherung. Die Differenz zwischen den eigenen Einkünften und der Bedarfsgrenze wird durch die Grundsicherung aufgestockt. Hierbei ist aber zu bedenken, dass nicht nur die Einkünfte berücksichtigt werden, sondern auch Ersparnisse und Besitztümer. Die Grundsicherung kann erst bezogen werden, wenn jegliches Vermögen aufgebraucht ist und teure Besitztümer veräußert wurden.

Folgendes Beispiel soll die Zahlungen der Grundrente erklären. Ein 71-jähriger Mann ist Witwer und hat kein Vermögen mehr. Er erhält 745 € Rente sowie 230 € Witwerrente – macht ein Einkommen von 925 € im Monat. Dann wird zunächst sein Bedarf berechnet, der sich aus einem Regelbedarf von 399 € sowie 520 € für seine Wohnung und 75 € für die Heizkosten zusammensetzt. Sein Bedarf liegt also bei 994 €.

Es ergibt sich eine Differenz von 69 €. Diese wird durch die Grundsicherung gezahlt. 2017 haben knapp 545.000 Rentner in Deutschland eine Grundsicherung bezogen. 61 % davon waren Frauen und nur 39 % Männer.

Die Grundsicherung hilft Rentnern insoweit, dass ihr Bedarf für die grundlegende Finanzierung ihres Lebens gedeckt ist. Es sei allerdings auch gesagt, dass durch die Grundsicherung kein luxuriöses Leben möglich ist.

Hinweis

Auch das Einkommen der Kinder kann eine Hürde für den Erhalt von Grundsicherung ein. Verdient ein Kind mehr als 100.000 Euro im Jahr, muss es seine Eltern unterstützen. Es kann dann keine Grundsicherung bezogen werden.

Was sind die Gründe für die Altersarmut in Deutschland?

Es gibt viele verschiedene Gründe, die zu Altersarmut führen können. Oft ist es nicht einer der Gründe, der zu Altersarmut führt, sondern die Kombination mehrerer dieser Gründe.

In Deutschland sind dies vor allem folgende Gründe:

  • Absenkung des Rentenniveaus
  • Berufsunterbrechungen
  • Arbeitslosigkeit
  • Niedriglöhne
  • Selbstständigkeit mit geringem Einkommen
  • Die demographische Entwicklung

Kommt es zu einer Kombination dieser Gründe – was in einem Berufsleben von 30 bis 40 Jahren schnell passieren kann – steigt das Risiko, im Alter nicht ausreichend Rente zu erhalten.

Absenkung des Rentenniveaus

Ein Grund, der alle betrifft, ist mit der Rentenreform 2001 eingetreten. Bis 2030 wird das Rentenniveau spürbar abgesenkt, die Rente wird dann lediglich eine Existenzsicherung sein. Durch die Rentenreform sind vor allem die Menschen von Altersarmut bedroht, die nach 2030 das Rentenalter erreichen werden.

Die ohnehin schon niedrige Rente wird durch folgende Zahlungen nochmals geringer:

Berufsunterbrechungen

Oftmals sind es Frauen, die ihre Arbeit unterbrechen. Die Geburt eines Kindes und die anschließende Erziehung führen zu Auszeiten. Manche Frauen unterbrechen ihre Arbeit sogar für mehrere Jahre komplett. Der berufliche Wiedereinstieg fällt dann häufig schwer und ist in vielen Fällen mit einem geringen Gehalt verbunden.

Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung

Weil sich die Zeiten zur Kindererziehung auf die Rente auswirken, erhalten sowohl leibliche Eltern als auch Großeltern, Verwandte, Adoptiv- oder Pflegeeltern einen staatlichen finanziellen Ausgleich in der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Beiträge entsprechen denjenigen, die auch ein deutscher Durchschnittsverdiener monatlich einzahlt.

Die maximale Dauer der anrechenbaren Kindererziehungszeiten, beginnend mit dem Kalendermonat nach der Geburt beträgt:

  • Geburt vor 1992: 2 Jahre/24 Monate
  • Geburt nach 1992: 3 Jahre/36 Monate

In dieser Kindererziehungszeit werden unterdurchschnittliche Einkommen aufgewertet, wodurch die Frauen einen geringeren Verlust in Bezug auf ihre Rente haben sollen.

Hinweis

Trotz der Aufstockung sind die Rentenanwartschaften während der Kindererziehungszeit im Schnitt geringer als bei einer Fortsetzung der Arbeit.

Ähnliches gilt für Auszeiten auf Grund von Pflege. Vor allem Frauen unterbrechen gegebenenfalls ihre Arbeit, wenn Angehörige gepflegt werden müssen. Auch hier entstehen Ansprüche und das Einkommen kann unter Umständen aufgewertet werden.

Arbeitslosigkeit

Eine längere Zeit der Arbeitslosigkeit führt auch zu fehlenden Einzahlungen in die Rentenkasse. Diese fehlenden Zahlungen machen sich bei Renteneintritt dann bemerkbar.

Langzeitarbeitslose haben im Alter besonders schlechte Karten. Wer Arbeitslosengeld II bezieht, zahlt monatlich lediglich 40 € in die Rentenkasse ein. In einem Jahr werden dann Rentenanwartschaften von lediglich 2,19 € im Monat erzielt.

Niedriglöhne

In den letzten Jahren gab es einen deutlichen Anstieg an Geringverdienern. Wer langfristig nur einen Niedriglohn erhält, wird später nur eine geringe Rente erhalten.

Geringverdienern fehlt nicht nur das Geld, um ausreichend hohe Beiträge in die Rentenkasse einzuzahlen, sondern auch das Geld für eine private oder betriebliche Altersvorsorge. Häufig haben sie auch nur geringe Ersparnisse.

Das Risiko für Altersarmut ist dann besonders hoch.

Selbstständigkeit mit geringem Einkommen

Immer mehr Selbstständige erzielen nur ein niedriges monatliches Einkommen. Ein Großteil der Selbstständigen ist nicht pflichtversichert und zahlt gar nicht in die Rentenkasse ein.

Wer nur wenig verdient, kann auch häufig nur wenig für das Alter ansparen. Wurde dann nie etwas in die Rentenkasse eingezahlt, ist die Altersarmut vorprogrammiert.

Die demographische Entwicklung

Wer aktuell in die Rentenkasse einzahlt, finanziert damit die Renten der aktuellen Rentner. Wer in den nächsten 10 Jahren in die Rente eintritt, wird dann wieder von der jüngeren Generation finanziert. So werden Rentenbezieher immer von der jüngeren Generation finanziert.

Dieses System droht aber zu kollabieren. Grund dafür ist die demographische Entwicklung in Deutschland. Es gibt immer mehr Rentner, aber immer weniger Arbeiter, die die Renten finanzieren. Auf einen Rentner kamen 2015 beispielsweise 2,1 Erwerbstätige. Die Prognose: Diese Zahl soll noch weiter sinken.

Gründe für Altersarmut bei Frauen

In der Statistik zur Altersarmut zeigen sich deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Laut dem Statistischen Bundesamt sind Männer über 65 um 20 % weniger armutsgefährdet als gleichaltrige Frauen. Durchschnittlich erhalten Rentnerinnen rund 50 % weniger Einkünfte aus der gesetzlich vorgeschriebenen Rentenversicherung.

Dieser „Renten-Gap” ergibt sich aufgrund verschiedener Ursachen, unter anderem durch den Gender-Pay-Gap zwischen den Geschlechtern: Hat man ein höheres Einkommen, kann mehr Geld in die Rentenversicherung eingezahlt werden. Zusätzlich leisten sich Personen mit höherem Gehalt eher eine private Altersvorsorge.

Nachdem Frauen durchschnittlich 21 % weniger berufliche Einkünfte hatten als Männer (Stand 2018), handelt es sich dabei um die bedeutsamste Ursache für die Altersarmut beim weiblichen Geschlecht.

Hinzu tritt die Tatsache, dass Frauen statistisch häufiger in einer Teilzeitbeschäftigung arbeiten, wenn sie sich beispielsweise um die Kindererziehung kümmern. Auch, wenn Erziehungszeiten inzwischen bei der gesetzlichen Rentenversicherung berücksichtigt werden, verringert dies den Rentenunterschied nur in geringem Maße. Einerseits, weil die Karenz häufig verlängert wird, andererseits, weil berufstätige Männer zu diesen Zeiten weiter einzahlen.

Eine Ursache, die heute immer weniger relevant ist, aber dennoch Frauen im Pensionsalter betrifft, sind lange Phasen ohne Berufstätigkeit. Mitte bis Ende des vergangenen Jahrhunderts war es üblich, dass Frauen die Haushaltsführung übernahmen. Dadurch verfügten sie über kein geregeltes Einkommen und somit über keine (gesetzliche) Rentenversicherung.

Gründe für Altersarmut bei Frauen

Altersarmut: Auswirkungen auf die Gesundheit & Lebenserwartung

Untersuchungen zeigen, dass die Anzahl chronischer Erkrankungen sowie von psychischen Störungen, wie zum Beispiel Depressionen, bei armen Menschen deutlich größer ist als in anderen Bevölkerungsschichten.

Hinzu kommt, dass von Armut Betroffene Angebote der medizinischen Versorgung und gesundheitsfördernde Angebote weniger nutzen als andere. Ein Grund hierfür sind die oft erforderlichen Zuzahlungen für Medikamente und Hilfsmittel.

So kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung 2012 zu dem Ergebnis, dass Personen aus wohlhabenden Haushalten in Deutschland im Alter von 65 Jahren eine höhere Lebenserwartung haben als Personen mit niedrigem Einkommen. Die Differenz beträgt bei Männern immerhin 5 Jahre und bei Frauen 3,5 Jahre.

Konsequenz von Altersarmut

Fazit & Ausblick: Altersarmut auf dem Vormarsch

Schon heute sehen sich viele Rentner mit Altersarmut konfrontiert. Viele könnten ihr Leben ohne die Grundsicherung gar nicht finanzieren. Obwohl viele von ihnen ihr Leben lang gearbeitet haben, müssen sie den Gürtel im Alter sehr eng schnallen. Vor allem Frauen bzw Rentnerinnen beziehen schon jetzt nur eine kleine Rente, die vor allem viel niedriger ist, als die von Männern. Durch verschiedene Gesetze wurde zwar versucht, sie finanziell zu unterstützen, aber schaut man sich die Renten von heuten an, können viele Frauen trotzdem nicht von der Grundrente leben.

Die Probleme, die schon heute zu Altersarmut führen, werden sich in den nächsten Jahrzehnten noch um einiges verschärfen. Experten sagen schon heute voraus, dass das Rentensystem in Deutschland vor dem Kollaps steht und folglich auch immer mehr Menschen von Altersarmut betroffen sein werden.

Wer sich davor schützen möchte, sollte sich nicht nur auf die gesetzliche Rente verlassen, sondern sich frühzeitig um Ergänzungen kümmern. Vor allem jüngere Menschen haben noch die Chance, sich durch Alternativen eine gute Versorgung für das Alter zu sichern. Neben der gesetzlichen- und privaten Rentenversicherung bieten sich Betriebsrenten und in bestimmten Fällen auch die Riester- bzw. Rürup-Rente an.

Der sinnvollste Weg der zusätzlichen Rentenvorsorge ist die Investition in Aktien, Fonds oder ETFs. Schon ab einer geringen monatlichen Rate von beispielsweise 50 Euro kann in einen Fondssparplan investiert werden, der langfristig – etwa bis zum Renteneintritt – bedient werden kann. Wer frühzeitig beginnt, darf sich auf Zinsen und Zinseszinsen freuen und kann so auf effektivste Weise der Altersarmut vorbeugen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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