Amazon Coins – Was steckt hinter der virtuellen Währung?

Amazon Coins sind die ersten Schritte von Amazon, um vom Boom rund um virtuelle Währungen zu profitieren. (Foto: Sundry Photography / shutterstock.com)

Kryptowährungen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Inzwischen sind weltweit mehr als 500 Mrd. US-$ in Kryptowährungen investiert. Schon im Jahr 2013 hat der Online-Händler Amazon.com diesen Trend erkannt und sprang mit der Einführung seiner eigenen virtuellen Währung (Amazon Coins) auf den Zug auf.

In Deutschland sind Amazon Coins erst seit November 2016 verfügbar. Viele Anleger und Konsumenten fragen sich nun, was Amazon Coins überhaupt sind und welchen Einfluss die Coins möglicherweise auf die Amazon-Aktie haben.

Amazon Coins – Was steckt hinter der virtuellen Währung?

Amazon Coins verstehen sich als virtuelle Währung, die im Amazon-Ökosystem genutzt werden können, um zum Beispiel Apps und Spiele zu bezahlen. Die Idee hinter Amazon Coins ist, dass Kunden optional eine weitere Zahlungsmöglichkeit zur Verfügung steht, um Apps im Amazon Appstore einfacher zu bezahlen.

© Amazon.de

Amazon Coins, Quelle: Amazon.de

Zudem vereinfacht die virtuelle Währung für Amazon.com die Umsetzung eines Kundenbindungsprogramms. Damit wirken Amazon Coins wie Bonuspunkte im Supermarkt, die Kunden beim Kauf erhalten und bei künftigen Einkäufen wieder einlösen können. Laut Amazon.com können Kunden beim Eintausch von Amazon Coins so bis zu 22 % beim Kauf von Apps, Spiele und In-App-Artikel sparen.

Daneben können Kunden auch beim Herunterladen bestimmter Apps kostenlose Coins erhalten. 1 Amazon Coin entspricht dabei 0,01 Euro bzw. 100 Amazon Coins entsprechen 1 Euro.

Vorteile der virtuellen Amazon-Währung

Laut Amazon.com ist der Eintausch mit keinerlei Gebühren verbunden, zudem verlieren Amazon Coins im Gegensatz zu manchen Gutscheinen nie ihre Gültigkeit. Die erworbenen Coins laufen quasi niemals ab. Ferner bietet Amazon.com dem Kunden an, Amazon Coins in 7 verschiedenen Paketen (von 2,97 bis 390 Euro) zu erwerben. Je mehr Amazon Coins der Konsument kauft, desto höher fällt der Rabatt beim Kauf dieser Coins aus.

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Nachteile von Amazon Coins

Amazon Coins können bislang ausschließlich im Amazon-Ökosystem eingelöst werden. Dies bedeutet: Amazon-Kunden können die virtuelle Währung hauptsächlich über Android-Geräte bzw. über Kindle Fire Tablet PCs im Amazon Appstore auf der Amazon Webseite einlösen.

Den Umtausch der Amazon Coins in Euro bietet Amazon.com nur in Paketen an. Gleichzeitig ist weder der Umtausch der Coins in Bargeld, noch eine Übertragung auf ein anderes Kundenkonto möglich. Auch verfallen Extra-Coins, die als Sonder-Prämie erhalten wurden, nach 12 Monaten.

Damit unterscheiden sich Amazon Coins deutlich von umlaufenden Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether (Ethereum), die auf öffentlich zugänglichen Kryptobörsen gehandelt und jederzeit wieder in FIAT-Geld (Euro, US-Dollar) oder in andere Kryptowährungen umgetauscht werden können.

Außerdem müssen Interessenten beachten, dass Amazon.com sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen das Recht vorbehält, das Amazon Coins-Programm „jederzeit und ohne Ankündigung ganz oder teilweise“ zu ändern, auszusetzen oder einzustellen.

Fazit: Amazon Coins sind keine Kryptowährung

Mit Amazon Coins bietet Amazon.com zwar eine zusätzliche Zahlungsoption an, die sich insbesondere für Eltern eignet, um zum Beispiel den App-Konsum ihrer Kinder in gewisser Hinsicht zu kontrollieren, doch sind Amazon Coins keine Kryptowährung im eigentlichen Sinne wie Bitcoin oder Ethereum.

Amazon bietet für seine Amazon Coins auch keine spezielle digitale Brieftasche an, von wo aus die Coins eingesehen und frei transferiert werden können. Vielmehr erscheint das Coin-Guthaben nur als kleiner Hinweis, wenn Konsumenten sich auf eine virtuelle Einkaufstour bei Amazon begeben. Außerdem sollten Konsumenten beachten, dass im Google Play Store Mobile Apps manchmal sogar günstiger sind als im Amazon Appstore – trotz Amazon Coins.

Kurzum: Das Coin-Programm von Amazon steckt noch in den Kinderschuhen und dürfte als überschaubares Kundenbindungsprogramm keine großen Auswirkungen auf die Amazon-Aktie haben. Zwar hat sich Amazon.com offenbar schon diverse Domainnamen (amazoncryptocurrency.com etc.) gesichert, noch aber steht in den Sternen, ob Amazon seine eigene Kryptowährung (Amazon Coins) herausbringen und an einer öffentlichen Kryptobörse listen wird. Die Hoffnung mancher Anleger auf schnelle Kursgewinne durch eine spätere Notierung der Amazon Coins an einer Kryptobörse sind somit reine Spekulation.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands