Antizyklisch Anlegen: Nicht für schwache Nerven

Zum antizyklischen Anlegen braucht es eine Menge Mut. Denn „kaufen, wenn die Kanonen donnern“ ist wirklich nicht jedermanns Sache. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Wer sich für eine Anlagestrategie entscheidet, wird das in aller Regel im Einklang mit seinem Temperament tun. Im Gegensatz zur so genannten „hold and buy“-Strategie ist das antizyklische Anlegen nichts für eher abwartende Gemüter. Denn es gehört schon eine Portion Courage dazu, auf Aktien zu setzen, die gerade im Keller sind.

Dennoch sind Anhänger dieser Methode der Meinung, dass ihre Vorgehensweise erfolgreicher ist als passivere Anlagestrategien. Hierzu muss man ganz klar sagen: Ein solches Vorgehen „kann“ von Erfolg gekrönt sein, es kann jedoch auch zu herben Verlusten führen. Denn dabei wird eine wichtige Börsenregel ausgeblendet: „The Trend is your friend“. Wer sich mit seinen Investments gegen den vorherrschenden Trend wendet, sollte mentale Stärke besitzen und gute Gründe haben.

Antizyklisch Anlegen: Selbstdisziplin erforderlich

Investoren mit der Anlagestrategie „antizyklisches Anlegen“ sollten in jedem Falle eine Reihe von Regeln beachten, um sich nicht zu verzetteln. Sie sollten sich darüber vergewissern, ob sie über das notwendige Selbstvertrauen verfügen, auf eine Aktie zu setzen, die sich in einer deutlichen Schwächephase befindet. Und bei der sowohl die allgemeine Stimmung als auch möglicherweise die Einschätzung der meisten Analysten negativ ist.

Hieraus wird deutlich, dass der psychologische Aspekt des antizyklischen Anlegens auf keinen Fall unterschätzt werden darf. Hierzu braucht es gute Nerven und Selbstdisziplin, um einige wichtige Regeln zu beachten- vor allem unter dem Aspekt, dass diese Vorgehensweise oft mit einem langfristigen Anlagehorizont von bis zu mehreren Jahren verbunden ist.

Antizyklische Anleger sollten beim Kauf einer Aktie darauf achten, dass diese nach einem starken Kursverlust wenigstens 50 % unter dem Höchstkurs der zurückliegenden 52 Wochen notiert. Allerdings ist ein starker Kursverlust für sich allein betrachtet noch kein Kaufsignal. Denn meist liegen die Ursachen für Verluste an der Tatsache, dass sich die entsprechende Gesellschaft in einer schwierigen Situation befindet.

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Weitere Regeln für das antizyklische Anlegen

Antizyklische Anleger sollten ebenfalls den so genannten Insidergeschäften ihre Aufmerksamkeit schenken. Wenn nämlich innerhalb der jüngeren Vergangenheit erhebliche Aktienkäufe aus dem Kreis des Vorstands stattgefunden haben, könnte dies darauf hindeuten, dass der Kurs der entsprechenden Aktie (von den Insidern) als unterbewertet angesehen wird.

Daneben sollten die Kennzahlen des ins Auge gefassten Unternehmens im zurückliegenden Geschäftsjahr günstige Werte gezeigt haben, wie zum Beispiel:

Zudem sollten antizyklische Anleger eine Stop-Loss Strategie verfolgen. Wenn sich der Kurs der Aktie nicht erholt und weitere Verluste zustande kommen, sollte das Investment bei minus 20 bis 25 % wieder veräußerst werden.

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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