Worum es sich beim Bund-Future handelt

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Der Euro-Bund-Future ist ein Terminkontrakt und bezieht sich auf eine fiktive Schuldverschreibung der Bundesrepublik. (Foto: Eisenhans - Adobe.com)


Bund-Future im Überblick

Euro-Bund-Future: Terminkontrakt auf langfristige Bundesanleihe

Merkmale: Sechs Prozent Kupon & zehn Jahre Laufzeit

Kontrakt: Fiktive Schuldverschreibung der Bundesrepublik Deutschland

Nominalwert: 100.000 €

Handel: Eurex-Börsen

Zinsbarometer: Bei erwarteten niedrigen Zinsen steigt der Bund-Future

Verkaufssignal: Wenn steigende Zinsen erwartet werden


Bund-Future Definition: Was sind Bund-Futures?

Der Euro-Bund-Future (Englisch: federal government bond liability; FGBL) ist ein Terminkontrakt, das heißt ein verbindlicher Börsenvertrag zwischen zwei Parteien. Dieser Terminkontrakt bezieht sich auf eine fiktive, langfristige Bundesanleihe, mit einem Kupon von 6 % und einer Laufzeit von zehn Jahren. Der Normalwert eines Bund-Future beträgt 100.000 €. Der Verkäufer muss am Liefertag Schuldverschreibungen im Nominalwert des Kontraktes liefern. Er kann dabei unter Bundesanleihen wählen, die eine Restlaufzeit von mindestens 8,5 Jahren und höchstens 10,5 Jahren haben.

Der Kauf eines Bund-Future ist ein Geschäft auf die Zukunft mit ungewissem Ausgang. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes „unbedingtes Termingeschäft. Anders als bei Optionen hat man am Ende der Laufzeit kein Wahlrecht, etwas zu tun oder zu lassen. Allgemein erwirbt man gleichzeitig den Anspruch, ein bestimmtes Produkt oder einen Gegenstand in der Zukunft geliefert zu bekommen.

Der Ausdruck „Bund-Future hat folgende Bedeutung: Er steht für einen standardisierten Terminkontrakt basierend auf einer Schuldverschreibung der Bundesrepublik Deutschland, das heißt festverzinsliche Wertpapiere, die vom Bund-Future ausgegeben werden. Wenn man den Bund-Future zur Risikoabsicherung einsetzen möchte, versucht man die Gewinne und Verluste verschiedener Anlage-Positionen miteinander zu kompensieren.

Der erste deutsche Zins-Future, anschließend Bund-Future genannt, wurdeim September 1988 zunächst in London zugelassen. In Deutschland gab es zu dieser Zeit noch zu große Bedenken von Seiten der Bundesbank. Nach der Novellierung des Börsengesetzes wurde der erste Bund-Future 1990 an der Börse Frankfurt zugelassen. Futures gibt es auf Indizes wie den DAX sowie Rohstoffe und Edelmetalle (z. B. Öl oder Gold).

Das Besondere beim Bund-Future: Alle drei Monate wird auf einen neuen „Kontrakt umgestellt, das bedeutet, dass die Laufzeit auf zehn Jahre hochgesetzt wird. Ist eine Person investiert und möchte es weiter bleiben, muss sie ihren bisherigen Kontrakt glattstellen und die Position im neuen Kontrakt neu eröffnen. Man nennt dies im Börsenjargon „rollen”.

Wie gerade beschrieben, unterliegt der Bund-Future den üblichen Risiken und Marktschwankungen. Er wird hauptsächlich vom erwarteten Zinsniveau getrieben. Für den Verkauf eines Bund-Future gibt es verschiedene Anhaltspunkte.

Signale für steigende Zinsen und damit dem Verkauf sind:

  • Vorherrschende Inflation
  • Erhöhter Kapitalbedarf des Bund-Futures
  • Ankurbelung der Konjunktur
  • Verknappung des Kapitals durch Notenbanken

Der Verkäufer eines Bund-Futures spekuliert auf steigende Marktzinsen. Insgesamt ist diese Geschäftsart ein sehr komplexes Finanzprodukt.

Bund-Future: Bedeutung und Funktionsweise

Der Bund-Future ist das liquideste bzw. meistgehandelte Instrument am Zinsmarkt. Damit reagiert er als Frühwarnsystem auf Erwartungsveränderungen bei den zukünftigen Zinsen. Somit ist der Bund-Future daswichtigste Zinsbarometer für Deutschland. Um eine grobe Idee zu bekommen, in welche Richtung die Zinsen laufen, kann man diesen Indikator einsetzen.

Langfristige Trends wie Hoch- oder Tiefpunkte lassen sich gut damit erkennen. Aber auf die Goldwaage sollte man die Daten nicht legen, vor allem im kurzen Zeitfenster. Niemand kann die Kursentwicklung zu 100% voraussehen und garantieren, dass die Zinsen steigen werden, wenn der Bund-Future gerade fällt. Es handelt sich hierbei immer nur um die schnellstmögliche Reaktion auf die Erwartungen des Marktes und des Verlaufs der Kursentwicklung. Sie muss aber nicht garantiert eintreten.

Möchte man selber damit handeln und auf steigende oder fallende Kurse des Futures spekulieren, sollte man sich das Marktumfeld genauer anschauen. Insbesondere in den Jahren seit der Finanzkrise in 2008 ist die Politik der Zentralbanken die entscheidende Triebfeder für die Zinsentwicklung.

Der Wert des Bund-Future wird in Prozent dargestellt. Dabei ist der (rein rechnerisch) theoretische Maximalwert des Bund-Future 160 Punkte.

Das erklärt sich vereinfacht dargestellt wie folgt: Eine Anleihe läuft zehn Jahre und pro Jahr werden 6 % Zinsen gezahlt. Damit hat man am Ende 60 % Gewinn gemacht. Zusammen mit der Einlage von 100 % erhält man 160 %. Das ist die Theorie und unter der Voraussetzung gültig, dass die Zinsen positiv sind und bleiben. Inzwischen zahlen Bundesanleihen mit Laufzeiten von unter vier Jahren aber negative Renditen.

Beispiel

Am 28.11.2014 notierte die Bundesanleihe mit der ISIN DE000113492, (Laufzeit bis 04.01.2024, Nominalzins 6,25 %) bei einem Kurs von 150,83. Der Bund-Future am gleichen Tag lag bei circa 152,50 Punkten. Die Unterschiede liegen in Abzinsungseffekten und einem Liquiditätseffekt begründet.

Bundesanleihen: Bund-Future als Zinsbarometer

Der Bund-Future wird wie normale Anleihen täglich gehandelt. Man kann jederzeit anhand der Entwicklung des Bund-Future interpretieren, wie der Markt das zukünftige Zinsniveau einschätzt.

Da der Bund-Future das liquideste Instrument ist, hat er eine herausragende Signalfunktion für den gesamten Markt von festverzinslichen Wertpapieren. Seine Entwicklung liefert den Anlegern einen wichtigen Hinweis, ob sie bei ihren Anlagen mit steigenden oder fallenden Zinsen kalkulieren sollten.

Er wird auch als Indikator verwendet, wenn es um die Entwicklung der Kurse von Rentenpapieren geht. Sinkt der Euro-Bund-Future Kurs, steigt bei Rentenpapieren die Rendite oder der Zins. Bei steigendem Kurs ist es umgekehrt: Die Rendite beziehungsweise der Zins fallen bei steigendem Kurs niedriger aus. Dementsprechend gestalten sich die Erwartungen am Markt.

Steigende Kurse lassen auf sinkende Marktzinsen hoffen, während fallende Kurse auf steigende Zinsen hinweisen. Nur wenn die Zinsen zukünftig sinken, lohnt es sich, deutsche Staatsanleihen auf Termin zu kaufen. Bei einem fallenden Bund-Future kann die Interpretation nur sein, dass die Marktteilnehmer insgesamt mit steigenden Zinsen rechnen.

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Bund-Future Handel in der Übersicht

Ein Bund-Future ist ein Termingeschäft und geht vorwiegend an Terminbörsen in den Handel – die größte Terminbörse für den Bund-Future hört auf den Namen EUREX (European Exchange). Die Börse hat sich auf das Geschäft mit Finanzderivaten spezialisiert, was den Handel mit Futures und Optionen einschließt. Sie wurde 1998 durch einen Zusammenschluss der Deutschen Terminbörse (DTB) und der Swiss Options and Financial Futures Exchange (SOFFEX) gegründet.

Der Sitz ist in Deutschland. Der Handel läuft vollelektronisch, was Geschäfte rund um den Globus ermöglicht. Jeder Marktteilnehmer hat gleich direkten Zugriff auf das Marktgeschehen und kann danach handeln.

Tummelten sich zu Beginn noch Börsenprofis oder institutionelle Investoren auf dem Parkett, ist die EUREX mittlerweile in der Gunst privater Anleger gestiegen. Mittlerweile ist der Einstieg mit „kleineren Depots von unter 5.000 € möglich.

Anders als die fiktive Anleihe, die er repräsentiert, hat der Bund-Future eine Maximallaufzeit von neun Monaten. Ein aktiver Handel findet in dem Kontrakt statt, der als jeweils nächstes fällig wird. Einige Tage vor Fälligkeit verlagert sich die Handelstätigkeit dann auf die nachfolgende Laufzeit und damit den nächsten Kontrakt.

Ein Bund-Future-wird mit einermaximalen Laufzeit von drei Quartalen in den Handel gegeben. Die Höchstlaufzeit beträgt neun Monate. Fällig werden diese Termingeschäfte zum 10. der Quartalsmonate März, Juni, September und Dezember. Fällt dieser nicht auf einen Börsentag, gilt der nächstmögliche. Bund-Future-Produkte können bis 12:30 Uhr, zwei Börsentage vor Laufzeitende am Handel teilnehmen.

Der Konvertierungsfaktor wird von der EUREX festgelegt und den Marktteilnehmern digital aufbereitet. Über diesen Konvertierungsfaktor werden die zur Lieferung möglichen Anleihen an den Preis des Vertrages bei Handelsschluss angepasst. Er gibt Aufschluss darüber, bei welchem Kurs die tatsächliche Anleihe am Liefertermin notieren müsste, um die gleiche Rendite zu erzielen wie die zugrundeliegende fiktive Anleihe.

Kontraktgegenstand beim Bund-Future: Schuldverschreibungen im Nominalwert sind Pflicht

Wir fassen zusammen: Ein Euro-Bund-Future bezieht sich auf eine fiktive Schuldverschreibung der Bundesrepublik. Der Nominalwert eines Kontraktes beträgt 100.000 €. Am Ende der Laufzeit ist der Verkäufer eines solchen Kontraktes dazu verpflichtet, Bundesanleihen im Nominalwert von 100.000 € pro Kontrakt zu liefern.

Der Verkäufer muss bei Vertragsabschluss die Bundesanleihen nicht besitzen und der Käufer muss pro Kontrakt nicht die gesamte Summe bezahlen. Stattdessen werden sogenannte „Margins verrechnet. Diese betragen einen Bruchteil der festgesetzten 100.000 €-Marke. Bei manchen Banken oder Brokern reicht ein Betrag von 1.600 € pro Kontrakt aus.

Macht ein Anleger mit seiner Position Gewinn, wird ihm täglich ein bestimmter Betrag auf dem zugrunde liegenden Verrechnungskonto gutgeschrieben. Werden Verluste gemacht, muss nachgezahlt werden. Es findet ein täglicher Gewinn- und Verlustausgleich statt. Trotzdem bleibt der Kapitaleinsatz relativ klein. Allerdings ist das Verlustpotenzial unbegrenzt groß. Es kann ein Vielfaches des eingesetzten Kapitals verloren oder auch gewonnen werden.

Der Verkäufer muss am Liefertag Schuldverschreibungen im Nominalwert des Kontraktes liefern. Hierzu ist er verpflichtet. Dabei wählt er zwischen Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von mindestens 8,5 Jahren und höchstens 10,5 Jahren. Die Schuldverschreibungen müssen mindestens ein Emissionsvolumen von fünf Milliarden Euro aufweisen.

Der Käufer wiederum ist verpflichtet den Andienungspreis zu zahlen. Diesen erhält man bei Multiplikation des Nominalwertes des Kontraktes mit dem Konvertierungsfaktor der angedienten Schuldverschreibungen, zuzüglich der Stückzinsen. Deshalb haben Anleihen mit einem Kupon kleiner sechs Prozent einen Konvertierungsfaktor kleiner Eins und umgekehrt.

Bund-Future glattstellen

Eine sogenannteGlattstellung befreit einen Finanzakteur wirtschaftlich von allen Risiken, Pflichten und Rechten, die er durch seine bisher gehaltene (offene) Position eingegangen ist. Das wird auch als Offsetting bezeichnet.

Dabei wird ein zweiter Vertrag abgeschlossen, der das Gegenteil des zuerst abgeschlossenen Geschäftes beinhaltet. Mit dem Ergebnis, dass sich die beiden Verträge aufheben.

Bund-Future: Glattstellen offener Positionen

Hat man eine offene Position und möchte diese glattstellen, kann man das per Kauf oder Verkauf von Wertpapieren machen. Das gilt grundsätzlich für Futures genauso wie für Aktien, Optionen und alle anderen Geschäfte an den Finanzmärkten.

Ist man„long positioniert (offene Position ist eine Spekulation auf steigende Kurse) muss man ein Gegengeschäft abschließen, bei dem man mit fallenden Kursen Gewinne macht. Im Fachjargon wird dies als „short gehen bezeichnet. Ist man dagegen mit einer Short-Position gestartet, geht man „long, um das erste Geschäft auszugleichen.

Man sichert damit seine Gewinne oder Verluste ab. Im Fachjargon wird diese Möglichkeit der „Absicherung” gegen Kursverluste „Hedge genannt.

Long und short gehen beim Bund-Future

Ein Hedge erfolgt dann, wenn aus bestimmten Gründen das zuerst getätigte Geschäft nicht schließen kann oder darf (z. B. weil die Anlagerichtlinien eines Fonds ein bestimmtes Volumen in Bundesanleihen vorsehen). Trotzdem will der Portfoliomanager, weil er einen Zinsanstieg erwartet, sich gegen mögliche Kursverluste seiner Anleihen schützen.

Er „hedged somit seine aktuelle Long Position durch den Verkauf von Bund-Futures (short). Somit ist sein Zinsänderungsrisiko neutralisiert. Allerdings hat er keine Chance mehr, Kursgewinne zu erzielen, solange er gehedged ist. Der jeweilige Kursverlust der Longposition entspricht dem Kursgewinn der jeweiligen Shortposition und umgekehrt. Fondsmanager arbeiten auf diese Art und Weise häufig mit großen Volumina.

Aber wenn Sie jetzt annehmen, dass die sogenannten Hedgefonds immer gehedged sind, dann liegen Sie falsch. Der Begriff ist in diesem Zusammenhang irreführend. Hegdefonds arbeiten mit Risiken.

Glattstellen von offenen Positionen für private Anleger

Wer einen Optionsschein hält, mit dem er long im Markt positioniert ist, kann versuchen, einen ähnlichen Schein zu finden, der eine Short-Position zur aktuellen Position darstellt. Dabei sollte man darauf achten, dass die Kennzahlen vergleichbar sind. Dadurch verändern sich die Optionsscheine vom Preis identisch, wodurch die Absicherung zustande kommt. Auch die jeweiligen Abstände zum Basiswert sollten gleich sein.

Es ist jedoch nicht ganz einfach, einen exakten Hedge bei Optionsscheinen zu schaffen. Als CFD-Händler hat man es da deutlich einfacher. Dann kauft man die gleiche Menge an bisherigen Kontrakten und wettet in die andere Richtung.

Bei Optionsscheinen ist es schwierig, einen passenden Hedge zu finden. Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die die Preise beeinflussen, nicht zuletzt das Aufgeld (der Zeitwert). Da dieses im Zeitablauf abnimmt, ist es sehr herausfordernd einen Hedge herzustellen, außer für ganz kurze Zeitperioden von beispielsweise einem Tag. Daher sollte für private Anleger immer gelten: Die beste und kostengünstigste Variante einer Positionsglattstellung ist der Verkauf des betreffenden Wertpapiers.

Man sollte verkaufen, wenn man feststellt, dass die Handelsidee nicht aufgeht. Anleger sollten sich nicht weiter damit belasten, sondern besser auf eine neue Investition konzentrieren.

Bund-Futures bringen Gewinne

Die bereits im Umlauf befindlichen Bonds passen sich über Kursveränderungen an die neuen Renditeniveaus an. Wenn die Rendite sinkt, steigen die Kurse der bestehenden Anleihen bis auch diese Renditen sich an das allgemeine Marktniveau anpassen. Deswegen steigt und steigt der Euro-Bund-Future-Barometer der deutschen Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit an der Terminbörse.

Laut Experten kann es jederzeit zu Panikkäufen in Anleihen kommen, die für ein deutliches Steigen der Bund-Futures sorgen würden. Bevor die Europäische Zentralbank Maßnahmen zur Stabilisierung hätte ergreifen können, haben die Trader am Anleihenmarkt bereits eine Zinssenkung vorweggenommen. Hierzu wurden die Renditen gedrückt und die Anleihenkurse höher getrieben. Solange der Bund-Future nicht mit Kursen unter 169,30 Punkte nach unten rutscht, kann man mit Anleihen sehr wohl Geld verdienen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.